09 February 2016

Lazise-Rom-Pompeji/Vesuv-Corigliano

Wie im März vorigen Jahres bei meiner ersten Sizilienfahrt, gelten meine damaligen Gedanken auch dieses Jahr -  verstärkt und vermehrt. Damals: "Nichts hält mich mehr im Land. Garmisch, Gardasee, Sonne und Süden. Keine Zeit und keine Lust mehr, mich mit der Politik des Blödsinns, der blödsinnigen Politik zu beschäftigen. Genug ist genug!"

Endlich auf der Straße! Erste Nacht Garmisch-Partenkirchen, danach den Zirler-Berg runter, die Brennerautobahn rauf - und schon nach wenigen Stunden steht das Auto am nebligen Gardasee auf dem Camp der Freunde von Lazise, angeschlossen an Strom, Internet und Sat-TV. Eine kleine Radtour am Sandstrand des Sees in das mittelalterliche Lazise beschwingt.


Wiki berichtet von der langen, kriegerischen Geschichte von Lazise, die bis in die mittlere Bronzezeit zurück reicht. Das war vom 16.-13. Jahrhundert v. Chr.  Bis sich die Herrscher in Lazise im 11. Jahrhundert dort am Gardasee diese malerische Burg bauen ließen, war das weströmische Reich schon abgewickelt.

Der Untergang Westroms wurde nach Ansicht einiger dieser Forscher vor allem durch die Hunnen in Gang gesetzt, deren Auftreten im 4. Jahrhundert viele Menschen gezwungen habe, ihre Heimat zu verlassen und in das Imperium Romanum einzuwandern, das diesem Druck letztlich nicht gewachsen gewesen sei.
Mir kann's, mir soll's egal sein! Es entwickelt sich eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber den Ereignisse, welche ohnehin mit oder ohne meine nervliche Beteilung ablaufen. Aus alter Gewohnheit kommen später einige Anmerkungen. Doch erst mal: Reisen.



Dieses Jahr mit meiner lieben Frau im bunten, munteren Rom, im Vatikan, im Vatikan-Museum, auf dem komfortablen Campingplatz - da muss mal Ruhe sein mit durchdrehenden Gedanken im Hamsterrad politischer Pest. Bescheuert die Einen wie die Andern, die sich bis zur Erschöpfung an dem ewig Gleichen aufreiben! Wem's gefällt, bitte sehr! Irgendwann macht mir das dann leider keinen Spass mehr. Was soll denn der Blödsinn überhaupt? Kein Mensch bezahlt die vergebliche Liebesmüh'. Die Bekannten in der Szene sind Sektierer ihres Glaubens, ihrer Ideologie - oder soll man sagen - ihrer Idiotie? Fröhliche Ferienlaune vergisst DSchland schnell und findet sich in der Fremde vertrauter als fremd im eigenen Land.



Die Sonne an diesem nebligen Februar Tag lässt den Gardasee unter einer grauen Nebelsuppe verschwinden. Dass dieser lauschige Hafen für Freizeitkapitäne einst der Militärhafen von Lazise gewesen sein soll, ist heute schwer vorzustellen. Ebensowenig kann sich heute jemand vorstellen, dass eine beherrschende Macht wie Rom durch einfallende Menschenmassen für Jahrhunderte in ein düsteres Zeitalter zurückgeworfen wurde. Mir kann's egal sein.


Ein Bild vom unvermeidlichen Kriegerdenkmal 14/18 in Lazise soll hier nicht langweilen. Es geht anderntags von Lazise auf die 506 Kilometer-Strecke nach Rom. Der Fahrt durch die Toskana fehlt - wie dem ganzen Tag - Sonne, Sonne, Sonne. Dafür müht sich der Scheibenwischer um besseren Durchblick. Meine Liebste bringt mir mit ihrer auf Ruhe bedachten Art bei, dass es nicht gut ist, in Kurven oder auf Brücken die Lastwagen und Sattelschlepper zu überholen. Weil die Straße auf Brücken enger wird, die Lastwagen in Kurven sich beängstigend uns nähern, seien solche Überholvorgänge gefährlich, Nerven aufreibend und also zu unterlassen. Da mir in den letzten Jahren auf monatelangen Fahrten meine Frau fehlte, war mir dies noch nicht aufgefallen.


Doch wie und weil der einsame Fahrer in seinen Reisemonaten keine andere weibliche Stimme als die aus dem Navi hat und hört, dieser Stimme auch nahezu Gedanken los folgt, so ist schon recht, was meine Holde bellt, maunzt, sagt und  meint - und überhaupt. Hier stehen wir an der Autobahnraststätte in Pol-Position. Jeder schlürft seinen Capuccino, weiter geht es auf die Bahn mit gemütlichen 100 km/h. Es steigert meinen Reisegenuss, wenn meine Frau mich chauffiert.



So landen wir glücklich im Camp Flavino, nachdem wir für die Benutzung der komfortablen Autobahn von Lazise bis Rom 38 Euro gezahlt und unserem WoMo für 75 Euro Diesel eingefüllt haben. Das Camp Flavino ist prima, TV und Internet zufriedenstellend, die Dusche ist heiß, die Entsorgung luxuriös, ein Carrefour-Supermarkt in nächster Nähe. Am Morgen beginnen die Vögel mit der ersten Dämmerung ihren Liebesgesang, ansonsten ist es still. Die Fahrt am Tiber bis fast zum Papst auf den Peterplatz ist mit dem Fahrrad ein Genuss, solange es nicht regnet. Es bleibt trocken den ganzen Tag. Es bleibt trocken alle vier Tage. Vier faszinierende Tage in Rom.


Ob dieser aufgebrochene Kasten an der Uferstraße am Tiber einem Kunden ohne Zähler und Rechnung Strom liefert, ließ sich nicht näher recherchieren.



Kaum ein paar Hundert Meter weiter steht der pompöse Justizpalast, in dem wohl eher prominente Kunden wie Berlusconi, Mafiosi in Nadelstreifen und andere illustre Gestalten vor ihre irdischen Richter treten. Wenn schon staatstragende Eliten mit Madame Justizia ein Stelldichein zelebrieren, soll's feierlich sein. Mir kann's egal sein.


Dies ausnehmend einladend und freundlich wirkende Gebäude beherbergt das römische Nationale Kunstmuseum. Doch uns zieht es zuerst zur Kuppel im Hintergrund, in dem der Papst gerade seine Vorstellung auf dem Petersplatz gibt. Mehrere Videoleinwände übertragen publikumswirksam die Ansprache des guten Hirten. Doch wir müssen uns für die anstrengende Besichtung des gigantischen Kirchengemäuers erst bei McDonalds stärken, wo wir zu den preiswerten Fritten Mimas köstlichen Krautsalat aus ihrer eigener Fertigung genießen. Der Papst kann warten. Und überhaupt: Mir kann der Herr egal sein mit seiner Super-Show.


Anders als im vorigen März ist der Zugang zum Petersdom und dem Platz davor mittlerweile streng geregelt. Man muss seine Sachen in einer Röntgenschleuse begutachten lassen, alle Metallgegenstände ebenfalls und die Metalldetektor-Tür ohne Warnsignal bezwingen.


Nachdem alle Schwierigkeiten überwunden sind, nähern wir uns den heiligen Hallen. Meine Stephanie wollte die beiden Möwen auf dem Haupt der Statue abbilden. Doch diese Auflösung kann die kleine Compact-Kamera nicht leisten.


Die dankbare Nachwelt ehrt den heiligen Volkstribun mit einer imposanten Statue. Auf vielen dieser in Stein gehauenen Wichtigkeiten genießen Tauben oder Möwen die Aussicht und verrichten auf den gekrönten Häuptern ihre Notdurft. Der Vatikan ist der kleinste allgemein anerkannte Staat mit 0,44 Quadratkilometern und 840 Einwohnern. Doch dieser Winzling schmückt sich mit Statuen und einer musealen Pracht aus Jahrhunderten, die ihresgleichen sucht.


There is no buisiness, like Pope's Show buisiness: Pracht und Pomp hat der katholische Klerus über die Jahrhunderte perfektioniert. Vergleichsweise neu sind dann seit dem letzten Jahrhundert die missionarische Übertragungswege moderner Medien.


Nachdem wir einige Meilen kreuz und quer durch den Marmorpalast Petersdom gepilgert sind, greifen wir das erschwerte Besuchsprogramm an: Wir besteigen die Kuppel.


Nach etwa 500 Stufen ist es geschafft. Der fein beringte Finger der jungen Dame weist auf den Platz zum Fluß Tiber - davor noch einige Stein gehauene Heiligen. Blitzableiter sichern die unersetzlichen Kulturgüter. Möwen segeln gewandt weit unter uns umher.


Nein, niemand hat uns in diesen Käfig eingeschlossen. Wir stehen freiwillig dort. Starke Gitter sichern den Rundweg um die Kuppel, die freien Durchblick auf Stadt, Pracht und Land gestatten.


Schon am 3. Februar, also noch im Winter, prangen die Parkanlagen im Vatikan in sattem Grün. Erschöpft von Pracht, Herrlichkeit wie Heiligkeit radeln wir durch den brodeln Nachmittagsverkehr zum rettenden, ruhigen Radweg am Tiber Richtung Camp.


Der Weg führt - ausnahmsweise - mal an keiner Notunterkunft für Flüchtlinge vorbei. Hier stehen die Wagen des "American Circus". Die Mitarbeiter wärmen sich vorne an einem kleinen Feuerchen. Wir ruhen still, sanft und glücklich.

Anderntags haben wir uns wieder ein straffes Besuchsprogramm vorgenommen: Das Vatikan-Museum und die Sixtinische Kappelle.


Man steht und staunt vor diesen Meter großen, hohen, farbprächtigen Bildern, den Statuen aus Marmor. Man geht gebannt und glücklich durch die hohen Hallen mit königlicher Kunst aus Jahrhunderten.


Stundenlang wandern wir durch die musealen Hallen. Man fühlt sich klein und verloren, verschwindet fast zu einem Nichts vor der monumentalen Gewalt der großen Kunst. Zum Beispiel dieser Wandteppich:


Im nächsten Bild zeigt uns Leonardo da Vinci, wie er sich den Heiligen mit dem Löwen vorstellt.


Schon voriges Jahr haben mich die Exponate im Vatikanischen Museum für Stunden in ihren Bann gezogen, so auch dieses Jahr wieder. Bei der Durchsicht meiner Fotos fällt mir auf, wie wenig mir von diesen Eindrücken geblieben ist, wie schön es wäre, wieder durch diese Hallen mit den wunderbaren Werken zu wandeln.


Zauberhafte Biologie weiblicher Anziehungskraft: Alle Monate wieder wartet eine Eizelle darauf mit einem der schnellsten Spermien zu verschmelzen und sich zu vielgestaltigen Zellen zu formen mit Aussicht auf den nächsten, neuen Menschen.


"Jesus, Maria!" Wieder einmal hat eine Maria dank einer außergewöhnliche Befruchtung sich in einem außergewöhnlichen Menschen reproduziert.


Geburt und Tod, Krieg und Frieden, die Welt dreht sich im Kreis. Nichts Neues unter der Sonne. Der derzeitige Terror des Daesh ist ewig alt. Menschen entsetzen sich angesichts der Gräuel, die näher und näher rücken.

 
 Was kümmert's mich? Wer nicht direkt sich in der Schlangengrube mit würgenden Bestien kämpft, der hält sicheren Abstand zur Gefahr, zu Not und Tod - so lange es eben nur geht.


Wir bestaunen Pracht, Prunk, Pomp - Höchstleistungen vergangener Jahrhunderte - Sakrophage, die mit 60 Ochsen ins Museum gezogen wurden - und trinken selbst aus Plastikbechern, erschöpft, ermattet, ermüdet.



Lieber als alle Pracht im Vatikan, alle Wörtchen vom Papst, alle Farben und Töne, alle Klänge ist und bleibt mir mein liebster Reisekamerad, meine Frau, meine Stephanie, auch Mima genannt.


Wir rutschen entspannt den Stiefel runter - bis zum vorläufigen Ziel Corigliano in Calabrien. Nicht ganz so entspannt sind die Radtouren durch Rom. Doch hier am Abend, hinter dem Justizpalast, sind wir fast schon auf dem ruhigen Tiber-Radweg Richtung Camp Flavio.


Aber vor dem vorläufigen Ziel- und Pausepunkt am Meer steht noch ein weiterer anstrengender Tag in Rom uns bevor.




Da meine Stephanie sich im Vatikan mit Postkarten wie Briefmarken eingedeckt hat, müssen wir diese Karten auch im Vatikan aufgeben. Zum Glück können wir in einem Geschäft unsere Karten einwerfen. So ersparen wir uns die Besucherschlange vor den Metalldetektoren. Fromme Pilger drängen in Scharen auf den Petersplatz, in den Dom. Doch den Zugang sichern Schleusen. Polizisten schnüffeln in Gepäck, Taschen, Rucksäcken und Einkaufstüten. Nachdem wir unsere Postkarten auf den Weg gebracht haben, geht es mit dem Fahrrad kreuz und quer durch die Stadt. Wir wollen das Nationaldokument besichtigen.


Wir meiden die lärmende, hupende Hauptstraße und fahren auf verschwiegenen Pfaden durch Altstadtstraßen, eng, mit Graffiti und Abfall verziert, dazwischen lauschige Plätzchen, ein Gläschen Wein zu schlürfen oder sich mit einem Cappuccino zu stärken. Ein Lokal im Vatikan nahm uns für zwei Cappuccino und ein Stück Kuchen mit "Servizio" 22,23 Euro ab. Dort kehren wir kein zweites Mal ein. Doch die Eintrittsgelder für Museen, die Übernachtungsgebühren für Campingplätze und die Autobahngebühren zahlen wir gerne, weil wir dabei für's Leben lernen.





Der Blick auf die bombastischen Streitwagen beidseitig auf dem Nationalmonument, der Blick über die Stadt und auf das Collosseum scheint mir wie ein Schlüssen von Macht, Glorie, Glanz und Verfall. Wie weit sind wir DSchland zur Zeit? Mir kann's egal sein und bleiben! Nach vier Nächten begleichen wir am Camp Flavino unsere bescheiden Zeche von 104 Euro und fahren bedachtsam im Stadtverkehr Roms den Diesel warm. Der zieht schon nach wenigen Kilometern satt brummend seinen Weg Richtung Süden. Von Rom bis Pompeji führt eine angenehme Autobahn, fast direkt zum Camp Zeus. Nach unserer Ankunft, Stromanschluss bleibt noch genug Zeit sich zwei, drei Stunden im Trümmerfeld von Pompeji zu vergnügen.


Auf den mit geglätteten Steinen roh und rau gepflasterten Wegen nähern wir uns beim Gang durch die unbedachte Trümmersiedlung der Fußball-, Kampf- oder Schauspielarena.


Wir stellen uns vor, wie die Schausteller, Schaupieler, Gladiatoren, Streitwagen, was oder wer auch immer sich inmitten der Arena platzierten, sich aufstellten und unter Gebrüll und Gejohl aus Südkurve, aufgeheizt und -gehetzt durch Fahnen und Feuerwerkskörper spielerisch den Kriegskampf zelebrierten.


Da stehen denn die Recken, groß gegen klein, schwach gegen stark und blicken sich fast zärtlich an. Angedenk dieser Großtaten seien unsere Helden gebührend dem Angedenken der Nachwelt für die nächsten Jahrtausende ausgestellt.


Kulturelle, technische Pracht- und Glanzleistungen erinnert an den Spruch, der schmausende Fresser an überquellenden Tafeln vor dem Erbrechen bewahren soll: "Wenn's am Besten schmeckt, soll man aufhören." So scheinen sich kulturelle Höhepunkte vor ihrem Abstieg ebenso anzukünden: "Wenn am Schönsten ist, soll es aufhören." So geschah es in Pompeji.

Um 79 v. Chr. verschüttete der ungeheure Vesus-Ausbruch die Stadt. Bis zu 20 Kilometer schleuderte der Krater glühende Lava in die Atmosphäre. Tonnen von Asche brachen durch die Dächer, verschütteten Mensch wie Tier. Ein Jahr zuvor hatten die Stadtväter die größte Badeanlage eröffnet, wo auf den Marmorbänken von Hunderten Lämpchen erleuchtet, die edlen Fresser sich ihre Pfunde abtrainierten. Was kümmert's mich?


Die späte Nachmittagssonne verzaubert mit rotgoldenem Licht die Palast prächtigen Säulen. Ein junges Paar träumt von dauerndem Glück. Die Schatten ziehen die Gestalten lang und länger, bis wir unter den Orangenbäumen im Camp Zeus den Abend ausklingen lassen.

Anderntags leisten wir uns gleich in der Früh den 20 Kilometer weiten Aufstieg zum 1000 Meter hohen Vesus-Wanderparkplatz. Wieder tummeln wir uns Stunden in der eindrucksvollen Höhe mit dem wunderbaren Blick über die Bucht von Neapel und die vorgelagerten Inseln. Der tiefe Kraterschlund mit den glatt abrasierten Steinrändern verrät die Urgewalt von Mutter Erde.





Die steile Serpentinestraße bis 1000 Meter Höhe war fast nur im zweiten Gang zu befahren. Der Abstieg führt uns 40 Kilometer weiter Richtung Süden nach Piano di Sorrento. Die meisten Camps sind noch geschlossen. Piano di Sorrento reizt uns weiter nicht. Die Zufahrt, die Landschaft bezaubert zwar schon mit dem Charme der Amalfi-Küste, doch der Süden, das preiswerte, liebenswerte Calabrien zieht uns weitaus mehr an.


Die Menschen feiern in Piano di Sorrento ihre Sonntagsruhe. Die Geschäfte bleiben geschlossen. Das Camp ist kaum seine 25 Euro wert, doch wir hängen am Strom, machen es uns bei TV und dem leichten Gebrumm des 500-Watt Heizlüfters bequem. Morgen steht uns dann nach Corigliano in Calabrien eine 300 Kilometer höchst anstrengende Tour bevor. Im dortigen Camp Thurium am Meer fanden sich vorigen März einige interessante Typen ein, die sich aus dem kalten Germanien nach Calabrien zum Überwintern verzogen hatten.


Zum Glück finden wir einen schier endlos langen Tunnel, der uns die elend enge Küstenstraße zurück von Piano di Sorrento in Richtung Neapel erspart. So fahren wir ganz locker und entspannt auf die Autobahn gen Süden. Die Sonne bricht durch die Wolken. Es wird wieder ein wunderbar weicher Reisetag. Dank meiner mich souverän chauffierenden Frau sehen sich meine Augen an der abwechselungsreichen Gebirgslandschaft satt.


Einige Erinnerungsfotos aus dem Beifahrerfenster bei rauschender Fahrt zeigen die wilde Landschaft, die immer weniger besiedelt ist. Gegenüber dem vorigen Jahr sind weitere Teilstrecke der Autobahn fertig gestellt. Südlich von Neapel bis zur Stiefelspitze entfallen alle Autobahngebühren.


Die Bahn steigt sanft bis auf 1000 Meter Höhe. Dort sind schwierige Wegstrecken noch im Bau, weshalb auf der einspurigen Strecke uns ein rußender Schwerlastwagen mit 40 km/h gefühlte Stunden lang ausbremst. Doch um entgegen allem Drama bei den Fakten zu bleiben: Nach etwa 30 Kilometern Stau am Bau befinden wir uns wieder auf der verkehrsarmen Schnellbahn Richtung Meer.



Der Rastplatz an der Bahn ist so ruhig, dass wir dort pausieren könnten. Doch wir sind ohnehin keine halbe Stunde später am Meer, wo wir im Einkaufszentrum Auchan noch für eine Woche Proviant bunkern wollen, um am Meer uns in Ruhe zu erholen.


In diesem Supermarkt stärken wir uns erst mit einer Pizza, bevor wir uns den Einkaufswagen für die kommende Woche voll packen: Zwei Gebinde Mineralwasser mit zusammen 12 Flaschen mit 15 Litern, sechs Flaschen Bier, zwei Flaschen Wein, Brokkoli, Gurken, Kekse, Brot, Käse, Pasta, Pesto ... 


Corigliano, Camp Thurium mit Zugang zum Meer. Ein herrlicher Flecken unter den hohen Pinienbäumen, den Kiefern, auf grünem Rasen. Langzeiturlauber berichten vom letzten Regen am 6. Januar. Eine fünfköpfige junge Familie aus Schweden findet es mittlerweile so warm wie im Sommer daheim.



Das erste Bad am 8. Januar. Daheim in München spazieren die Freunde mit und gegen Pegida. Die Nachrichten verdichten sich, dass die Stimmung kippt. Meine Stimmung ist gekippt, pendelt sich ein auf Sonne, Straße, Wind, Wasser, Wein.


Still und lauschig liegt die Natur. Milde rauschen Wellen über den Sand. Die Schrecken aus dem kalten DSchland verblassen.



Wenn in DSchland die Spaß an der Freud zu Karneval zu Strafanzeigen wegen Volksverhetzung führt, weil ein Papppanzer die Menschen mehr aufregt als alles andere, dann wird es Zeit, zu verreisen, den Ort zu wechseln und von der Ferne aus das unsägliche Treiben nicht einmal mehr zu kommentieren.

Klaus bereist mit Gisi Südamerika. Sie suchen sich in Chile einen mühsamen Weg durch den Busch. Aus so weiter Entfernung haben beide mit DSchland so gut wie nichts mehr zu tun.


Aus der Entfernung fließt ein köstlicher Kommentar durch den Lügenäther:
lieber erhard,
ich finde, du solltest mal deinen verstand einschalten und dich weniger von deiner (unbegründeten) angst leiten lassen.
lg klaus

Mir scheint es eher so, dass man seinen Verstand abschalten muss, um mehr Frieden mit DSchland zu machen.


Warten wir's ab, was wird aus DSchland! Wer sich fremder fühlt im eignen Land als in Oasen des Friedens fern der Heimat, was kümmert's den, was wird? Was sich Rentner wie alternde Philosophen in den Bart murmeln, was kümmert's die Menschen in DSchland, die im gleichen Schritt und Tritt marschieren, wohin am End' niemand hin wollte.


Der Tagesspiegel vom 1.2.2016 resümmiert, was Sloterdijk spitzzüngig angreift:

 Noch schlechter als die Politiker kommen bei Sloterdijk die Journalisten weg. Im Journalismus trete die „Verwahrlosung“ und die „zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor“.
Aus den sozialen Medien wie Facebook den Unmut der Menschen zu ernten, die sich kreativ, aufopfernd, kompetent, fachkundig und fleißig mit den verrückten Verhältnissen in DSchland beschäftigen, zieht mich wieder meilenweit runter - nördlich der Alpen in das desaströse Debakel von Schund, Schmarrn und Schund. Mein sich verfestigender Pessimismus sieht kaum mehr Chancen, Brücken zu schlagen zwischen willfähriger Willkommenszensur der Asyl-, Sozial-, Migranten- wie Militärindustrie und dem Leben in meinem Land, wie es mir bekannt war und trotz aller Mängel zwischen Liebe und Haß geachtet war als Erbe meiner Väter. Was jetzt ist, ist nicht mehr mein Land, meine Presse - und von Freiheit ganz zu schweigen!


Man sehe sich das Dossier einmal genauer an, das der Autor in Stunden seiner kostbaren Freizeit zusammen gezimmert hat! Nein, diesmal am Strand, im Sand, unter der Sonne von Corigliano soll mir kein Satz mehr davon über die Tasten schwappen. Genug ist genug. Die Einen wissen es ohnehin, andere begreifen es ohnehin nicht. Die Hymne war, ist und bleibt - nach einem unbekannten Volksdichter:

"Stumpfsinn, Stumpfsinn, Du meine Freude,
Stumpfsinn, Stumpfsinn, oh Du mein Glück!
Gäb's kein Stumpfsinn, gäb's keine Freude,
gäb's kein Stumpfsinn, gäb's kein Glück."

Mit diesem wundervollen, endlos zu wiederholendem Reim grüßt der Autor in Corigliano alle, welche sich noch gegen die ausgestreckten Zeige- wie Mittelfinger der Sinn setzender Massenmenschen wehrhaft abzusetzen versuchen. Was juckt's mich noch? Hier in Corigliano, auf Reisen....