26 August 2016

Raus aus Schland - 9. Etappe Polen - Slowakei - Ungarn

Nach vier Nächten in Polen, einer in der Slowakei, locken ungarische Thermalbäder. Nötig nach dem Stress. Angenehm: Wie der Merkel-Mob Schland weiter verschandelt, schlimmstenfalls bis zum Krieg, mir wird das zunehmend gleichgültig. Als rastloser Reise-Rentner juckt mich Politik immer weniger. Politik dient dazu, sich für seine egoistische Interessen in Gruppen von Gleichgesinnten zu vernetzen. Gleichgeschaltete Gesinnungsgenossen gehen mir auf den Geist!


Endlich: Donnerstag, am 25.08. mein erstes Thermalbad in
"SÓSTÓ-GYÓFÜRDÖK" in 4431 NYÍREGYHAZA
nach dem Freibad in Jena vor einem Monat

Doch chronologisch: Nach zwei Nächten fluchtartig raus aus Warschau. Das Camp im strömenden Regen. Pfützen auf dem Rasen. Fraglich, ob die Räder mich aus dem grünen Sumpf schieben. Mit ASR (automatischer Schlupfregelung) Kupplung langsam kommen lassen, Zentimeterweise zurück und KRACH!

Vergessen das Rad auf den Träger zu schnallen. Radständer bricht ab, kein großer Schaden. Dann 290 Kilometer bis nach Tarnow in Südpolen. Das TomTom-Navi bietet eine 20 Kilometer kürzere Strecke als das Garmin. Aber was für eine! Das Schild warnt "16 Kilometer Bodenwellen". Eine Brücke ist wegen Bauarbeiten gesperrt.




Hinter mir zwei polnische Autos. Alle müssen drehen. eine Umleitung suchen. Das TomTom-Navi findet den Weg besser als das Garmin. Das plärrt wie ein Papagei  "bitte wenden" - will mich unbedingt zurück über die gesperrt Brücke bringen. Positiv: Die Landschaft ist wunderschön. Etwas hügelig. Kurven. Dorf an Dorf. Abwechselungsreich, doch ermüdend. Die 20 Kilometer über bessere Straßen wären die kürzere Fahrzeit wert gewesen. Doch der kürzere, zeitlich längere Weg ist schöner. Nach der Umleitung, die das TomTom findet, zurück auf die Straße. Meine Fahrspur ist abgefräst. Steiniger Grund ist geblieben. Also auf die linke Spur ausweichen und bei Gegenverkehr zurück auf den Steinweg. Selten kommt ein Auto entgegen. Auf dem Land leben Menschen langsamer. Die Städte sind lauter, das Land ruhiger. Vor einem der wenigen Supermärkte gibt es genug Parkplätze und Ruhe für den Mittagsschlaf. 290 Kilometer von Warschau bis Tarnow, bald zuviel.


Doch Tarnow stimmt. Das Camp ist ausgeschildert mit der Nummer 202. Halber Preis von Warschau, doppelter Komfort. Noch ein WoMo und ein Radler mit Zelt. WiFi satt. Die Stadt alt und klasse. Backsteinkirchen mit Kupferdächern, von Grünspan gefärbt.



Ein China-Lokal vom Feinsten. Dienstfertig eilt die alte Asiatin mit Tippelschritten heran. Tarnow, die erste erholsame Oase seit Jena. Das Berlin-Camp unter der Einflugschneise von Tegel war zu laut, um schön zu sein.



Das Programm der Friedensfahrer war zu hektisch für mich als Ü68-Rentner. Ternow passt - zumindest am ersten Abend. Die lange Trucker-Tour von Warschau bis Tarnow belohnt mich mit einem oppulenten Abendmahl beim Chinesen: Brokkoli mit Knoblauch, roter Reise, Fisch süß-sauer, Krautsalat. Die Tröge sind zu voll, um alles leer zu essen. Am andern Tag stimmt Tarnow immer noch.



Endlich schmutzige Wäsche waschen, ausruhen und in aller Ruhe durch das sonnige Örtchen radeln.



Im Park gleich am Camp treffen sich jung Verliebte. Alte ruhen aus.



Ruhige Behaglichkeit  - ohne Hektik, ohne viel Verkehr, ohne Touristen.




Gebäude aus dem Mittelalter, schön restauriert, als Museen aktiviert.


Das Holztor ein Geschenk der Ungarn, Erinnerung an irgendeine dieser dauernd und überall und immer wieder stattfindenden Schlachten. Marktleute verkaufen Brezeln und Backwaren für 20 bis 30 Cent. Mütter verköstigen sich und ihre Kleinen.


Der Anblick alter Gemäuer und junger Mädchen bezaubert mich immer wieder.


Viele Menschen nehmen ihren Kult ernst. Manche knieen im Kircheneingang auf dem Boden. Sie könnten auch verschwiegen in Kirchenbänken knieen, doch ihr Kniefall draußen vor der Tür plakatiert ihre Frömmigkeit werbewirksamer. Wer mit Gott Geschäfte macht, denkt an die Nachbarn.


Jesus, Maria oder Mutter mit Kind. Selbst verweigern sich Priester dem Stress von Ehe und der Aufzucht der Brut, aber jede Jesus-Maria-Installation wirbt für Nachwuchs. Verhütungsmittel verdammen und "seiet fruchtbar und mehret Euch!" predigen. Das ist im Koran kaum anders. Jede Glaubensgruppe, jede Ideologie schreit nach Stimmvieh und Kanonenfutter.


Das Museum für "CYGANIE CULTURA HISTORIA". Irgendwie stehen mir Reiseeindrücke bis zum Hals. Noch ist mir alles zu viel, der Kopf zu voll, um mich durch Museen zu schieben. Vielleicht später.


Der Markt macht mich mehr an. Kochen, Wäsche waschen, duschen, radeln, ausruhen. Die übliche Internet-Hetze langweilt mich. Mein Fahrrad bekommt einen neuen Ständer, eine teure Rasier-Emulsion mit "Anti-Aging-Faktor" kaufen - wenn's hilft - das reicht. Der Buchhandel verkauft keine Karte für die benachbarte Slowakei, geschweige denn vom nächsten Land Ungarn. Das reicht nicht. Internet-Recherche, was WiFi hergibt. Später an der Hotel- und auch Camp-Rezeption gibt es die neue Camping-Karte von Polen. Diese Version weist Camps mit Koordinaten auf, nicht mehr nur Straßennamen, die das Navi nicht kennt.


In Tarnow mahnt die Figur an den Stalinismus. Viele Menschen in Länder wie Polen, Tschechien, Litauer, Lettland und Estland erinnern Rußland anders, als sich dies manche Friedensfreunde so fröhlich vorstellen. In Vilnius hat mir dies 2012 das Museum of Genocide Victims gezeigt, in Budapest 2014 das "Haus des Terrors" und Tonnen Tyrannei im Memento Park.



Doch das Gedenken gegen den Einfall der Hitler-Horden kann sich jeder in Schland vorstellen, der sich der grausamen Kriegsgeschichte erinnern kann und will. Dennoch ist bei mir kein Raum mehr für deutsche Schuldkomplexe. Väterchen selig war auch schon in Russland, wurde früh genug nach Paris versetzt, lernte dort Mütterchen kennen. Die Liebe dieser beider Kriegsbekanntenschaften währte ihr Leben lang. Der Ehe verdanken wir Brüder unser Leben. Die Eltern haben sich mit uns alle erdenkliche Mühe gegeben. Das weiß man erst, wenn man selbst ein Kind groß gezogen hat.

Väterchen selig 1943 in Paris vor der Frankreichkarte. Dort diente er als Oberstleutnant, verantwortlich für die Feldpost der Soldaten. Er redete selten, doch manchmal davon, dass er als letzter stehend auf einem Wagen aus Paris abgezogen sei. Doch die feindliche Bevölkerung hat nicht nach ihm geschossen beim Abzug.

Was mich am meisten verwundert, ist ein langsam sich wandelndes Geschichtsverständnis, wie Willy Wimmer dies in bestechener Klarheit und Wahrheit formuliert.


Es haut mich vom Stuhl, von Wimmer zu lesen, was er sagt:

Die Vereinigten Staaten wollen unser ökonomisches Potential und unsere Soldaten für ihre globalen Angriffskriege. Die Briten agieren in Europa sowieso über die City of London, die außerhalb jeder parlamentarischen Kontrolle steht und sie wollten auch für ihre militärischen Operationen die Kommandogewalt über das deutsche Militär. Wenn wir uns unsere Lieblingsnachbarn - die Franzosen - ansehen, so ist es seit einer Reihe von Jahren offenkundig, dass die Französische Republik für ihre moderne Kolonialpolitik in Schwarzafrika, natürlich, deutsche Soldaten haben will und über die Europäische Union die Kontrolle über unser ökonomisches Potential.
Doch mir machen diese klaren, einfachen, schwer gewichtigen, wahren Worte nicht viel Hoffnung bei der Blödheit in Schland! Hier steht Willy Wimmer mit seiner Meinung für eine verschwindend schwache Minderheit gegen die Massenmanipulation mit massiven wirtschaftlichen Interessen. Der militärisch-industrielle Komplex verschafft Hunderttausenden Reichtum in gesicherten Arbeitsplätzen, während Folgekosten wie die Behandlung vom Krieg traumatisierter Soldaten vernachlässigt und verdrängt werden. Was Willy Wimmer sagt, hört sich zwar bestechend klar und wahr an, doch die in wirtschaftlichen Zwängen verstrickten abhängig Beschäftigten haben zum einen kaum Zeit und Energie für diese Fakten und wollen wahrscheinlich wenig wissen von dem, was Jobs und scheinbare Sicherheit bedroht. Also wird Merkel munter weiter zündeln mit ihrer fotogenen Flinten-Uschi, Meinung wie bei Facebook mit den Maas-Männchen und der Amadeu-Stiftung platt machen, da kann Willy Wimmer sagen, was er will....




Denn Fakt ist, dass Willy Wimmer der alternativen Szene mit prophetischer Klarheit einen Wandel der Meinung in zehn, fünfzehn Jahren darlegt, und im Hier-und-Hetz zensieren ganz verspannt Gestalten wie Heiko Maas und machen Massenmeinung, ähnlich übrigens wie eine Andrea in dieser fröhlichen Friedensfahrer-Szene, die mich ebenso gerne zensiert - gerade gegen Menschen, die Klartext schreiben wie einer der letzten Aufrichtigen, Akif Pirincci!
Das zensur-geile Maas-Männchen legt eben Wert auf Qualität, wie seine favorisierte Band so feinsinnig Schland feiert:
Leere, hohle Phrase. Schwarz, rot, gold im Gesicht, Ob jetzt rechts oder links – man nun nerv‘ doch nicht! Wir wollen doch nur feiern und die Party zelebrieren. Besoffen abhitlern, das kann ja mal passieren.

Heute wird geteilt was das Zeug hält Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck!
Gib mir ein „like“ gegen Deutschland Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck!







Gedanken zur Friedensfahrt



Hier hat ein wahrer Held der Friedensfahrer seinen VW-Lupo-TDI, den ersten Wagen mit Drei-Liter-Verbrauch-auf-100-Kilometer, gut und munter über die Strecke gebracht, noch in einer Werkstatt gewartet und den Zahnriemen gewechselt. Dem Mann meine herzlichen Glückwünsche! Er schreibt bei Facebook:

Mehr Auto braucht man als Alleinreisender nicht, um eben mal mit der sog. Friedensfahrt die Strecke Ffm, Berlin, Riga, Kaliningrad, St.Petersburg nach Moskau via Psow und Tver und zurück über Somlensk, Minsk und Warschau zu cruisen. Hier der 3L-camping-Lupo frisch von der Wartung durch die Grosszschocher ATU mit neuem Zahnriemen und Querlenker sowie Achsvermessen.


Ein triumphaler Einzug in Schland, Berlin, Brandenburger Tor. Für die Massenmedien sind die Burkinis der Kopftuchtanten interessanter. Den schleichenden Rassismus Koran konditionierten Kämpfer feiren Bunt-Blöd-Versiffte als individuelle Selbstverwirklung. Die Träumer werden sich wundern!


Der Einzug der verbliebenen Aufrechten in Berlin muss triumphal gewesen sein. Obgleich die Presse dabei war, haben öffentliche Medien wenig oder nichts von der Friedensfahrt berichtet. Dabei haben sich Medienprofis wie Rainer und Owe alle Mühe gegeben, den Reportern vernünftige Sätze in ihre Mikros zu sprechen.  Frieden ist kein Thema, Krieg macht mehr Kasse.


Anders der russische Kanal wie von Russia Today. Die haben das Event gut ausgeschlachtet und verbreitet.


Mit großer Erleichterung feiern die Russland-Heimkehrer gemeinsam in Berlin.



Bewegende Bilder der Russland-Heimkehrer. Das ZDF stellt Reporter an die Straße, sendet aber nichts. Anders Russia Today: Dort kommt ein Bericht nach dem andern über die Friedensfahrt. Owe Schattauer schimpft per Video-Botschaft über seine GEZ-Zwangsabgabe für quasi staatliche gelenkte Propaganda Kanäle. Aber das ist wieder Politik, die mich nicht länger aufregen sollte!


Aber wenn man sich denn doch kurz der größten Demos gegen den Irak-Krieg 2003 erinnert, dann weiß man 2016, was den herrschenden Eliten die Meinung der Menschen wert waren, sind und weiterhin bleiben: Nichts, nada, nothing, rien!


22 August 2016

Raus aus Schland - achte Etappe Moskau - Smolensk - Belarus - Warschau

Am letzten Tag in Moskau führte uns die Reise am Vormittag ins Kriegsmuseum, am Abend zu den Nachtwölfen. Der Betrachter lässt Bilder an sich vorbeirauschen, die ihm den siegreichen Stolz einer wehrhaften Nation zeigen. Der Rückweg bis Warschau in zwei Tagen war hart für mich - verdammt hart.




Doch verweilen wir noch ein paar Bilder lang in Moskau, bevor es über Smolensk, Katyn, durch Belarus nach Warschau weiter geht.


Wir bewundern die Großstadt-Skyline, genießen den Sonnenschein und versuchen im Gewirr der ratternden U-Bahn Ziele anzufahren.





Man verliert sich in den Tiefen des ratternden U-Bahn-Systems und steht hilflos vor den Stationsnamen in kyrillischer Schrift.


Die Stadt ist erstaunlich sauber. Obgleich es vorgestern in Strömen geregnet hat, fährt schon wieder ein Spritzfahrzeug vor dem Kriegsmuseum.



Ein Bild in der U-Bahn zeigt einen alten Mann, dessen Gesichtslinien hart gelebte Jahre zeigen.






Auf unserer Fahrt über Land haben wir an zahlreichen Orten Panzer vom WW2 gesehen, teils martialisch auf Podesten mit dem Geschützrohr gen Himmel gerichtet.


Im Kriegsmuseum erfahren wir mehr über Haubitzen, welche in Moskau auf den Dächern standen um feindliche Flieger abzuschießen.


Zu den meisten Kriegsgeräten erzählt uns der russischer Museumführer mit deutschem Dolmetscher erstaunliche Stories zu den Leistungen von Maschinen und Mannschaften.


Die Friedensfahrer, welche wie dieser auf seinem T-Shirt die US-Aggressionen seit Jahrzehnten auf dem T-Shirt plakatieren, werden die wehrhafte Kriegsmaschinerie der Russen zu schätzen wissen.


Rainer, der Chef-Organisator, forscht nach einer E-Mail, die ihm der älteste Teilnehmer Joachim mit seinen 80 Jahren geschickt hat. Diese Mail wird wohl wichtig sein.







Die Stories erzählen von Düsenjäger, welche als erste die Schallmauer durchbrochen haben. Auch aus unserem Land sind mir solche Stories vertraut. Beim Militär-Gerät, wie überall, will jeder das Beste, Schnellste, Höchste.


Dieser Hubschrauber beispielsweise soll mehrere Weltrekorde gebrochen haben, in Mogadischu gekämpft haben, noch heute im Einsatz sein - wenn denn meine Erinnerungen an diese Stories mich nicht täuschen.





Wir hören von Wunderwaffen wie Panzern aus Aluminium, welche per Fallschirm plus Mannschaft abgeworfen wurden, um mit "boots-on-the-ground" das Kriegsgeschäft zu beginnen.






Dieser T-34 hat vor Moskau gleich 100 gegnerische Panzer platt gemacht - mit Mann und Maus doch hoffentlich!






Hier geht's dann gleich an die großen Kaliber, freie Wahl ob mit oder ohne Atom-Sprengstoff.




Hier blickt der Betrachter in ein besseres Kaliber von soundsoviel Zentimetern, welches treffsicher in weite Ferne ballert.



Mein Mitfahrer hat wohl noch den Wodka-Abend in den Knochen oder er interessiert sich weniger für die Wunder der russischen Wehr- und Verteidigungskraft und -stärke. Dabei sollten wir als Friedensfahrer doch gerade diese Warnung der großen Guten gegen alle Angriffe der belämmerten Bösen mitnehmen!




Aus diesen Rohren steigt dann ein wundervolles Feuerwerk an Raketen hoch - wahlweise wieder mit oder ohne Atomsprengkopf. Eine Rakete, die Einzige, haben die Amis den Russen im Austausch im Rahmen früherer Abrüstungsverhandlungen verehrt. Doch ohne ihre militärisch potente Produktion zuvor zu testen, kann so ein Austausch nicht im Sinne der Erfinder sein!


Die Ingenieurkunst der Waffenbauen, der umtriebige Geist der Waffenhändler konkurriert naturgemäß mit Sangeskunst von Bühnenclowns wie hier Frank Zappa.





Militärisch versierte Technik-Experten machen mich auf die Verbindung zwischen Achse und Reifen aufmerksam. Hier kann die Kriegsmaschine in schwerem Gelände Luft ablassen, um auf walkenden Reifen besser duch den Morast zu pirschen. Auf fester Bahn pumpt der Kompressor dann die Gummischwarte wieder auf hart für schnelle Fahrt.


Wir bewundern herrliche Haubitzen. Diese schob ihr getreuer Offizier mit seiner Mannschaft von Lenigrad quer durch halb Russland, Polen bis nach Berlin. Und immer noch schießt das teure Gerät.


Leider waren damit meine Studien im Kriegsmuseum schon vorzeitig beendet. Nur noch diesen lauschigen Unterstand mit Samowar und heimligem Rotlicht kam mir vor die Linse....


... und ein kampfertüchtigter Lastkraftwagen. Dann ging es - zu meinem großen Schaden und nervlichen Belastung wieder in die Hölle der Großstadt, die mir am dritten Tag zunehmend die Sinne raubte.


Neben Kriegsgerät, Monumenten und Denkmälern aller Art bezaubert mich der Anblick von lockigen Weibchen zwar am meisten, doch deren herausragende Exemplare treten eher dort geballt auf, wo sich Geld in Kleidung, Duft, Schmuck u.dgl. tauschen lässt.



Dass die Erbauer von Denkmälern keinen Schutz gegen Tauben in ihren Konstruktionen einpreisen, der es Ratten der Lüfte verweht, den hohen Gestalten auf's Haupt zu scheißen, ist mir unverständlich.

Man muss sich das vorstellen: 250 Friedensfahrer besuchen Russland, reisen nach Moskau und ziehen sich mit Interesse oder Grausen das Kriegsmuseum in Moskau rein. Mir schwirrt der Kopf von den Stories über die unglaublich tüchtige, siegreiche Kriegstechnik der Russen. Die rosarote Brillen-Barbies der sonntäglichen Kaffeekränzchen am Ponyhof verabscheuen naturgemäß diese martialische Meisterschau.



Wahrscheinlich wären FriedensaktivistI*nen in einer Ausstellung bei Barbie-Blondies in Rosarot besser befriedigt. In Moskau allerdings geht es am Abschiedsabend gleich martialisch weiter, bei den Nachtwölfen. Doch bevor es dort ab 17.00 Uhr für uns hungrige und durstige Fernreise-Fahrer freies Bier und Salat gibt, macht mit Moskau mehr und mehr mürbe. Besonders die U-Bahn raubt mir den letzten Nerv, zudem es mein erster Versuch ist, mich dort allein in kyrillischer Kryptografie der Stationen zu orientieren.






Vor dem Heimweg essen wir. In einem überteuerten Tourist-Restaurant der besten Flaniermeile downtown Moskau wird mir nach dem oppulenten Mahl eine Maschine an den Tisch gebracht, die von mir meine Kreditkarte in den Schlitz und meine Geheimnummer auf der Tastatur erhält. Leider war mir die kyrillische Kryptografie auf dem daumengroßen Display vollkommen unverständlich. Beim nervtötenden Heimweg allein, dem wichtigen Info-Austausch meiner beiden Begleiter endlich entkommen, plagt mich nun noch die Sorge, dass Betrüger meine Kreditkarte leer melken.


Gleich am Auto belehrt mich meine Online-Recherche, dass dies zum Glück nicht geschehen ist. Da sind die 63,81 Euro für drei Essen mit viel Saft für drei Personen gut zu verschmerzen, weil die Begleiter ihren Teil zudem selbst bezahlt haben. Auch auf der Friedensfahrt kämpft jeder hart um seine letzte Kopeke! Wie überall.

Nachtwölfe Moskau



Dieser erlauchte Motorrad-Club mit Präsident Putin als Ehrenmitglied genießt in der deutschen Szene die beste Reputation, so gut, dass den Leder-Burschen Visas zur Einreise schon mal verweigert werden von Merkel und ihren Schranzen. Die Moskau-Willkommenskulturellen haben uns Friedensfuzzis ein schönes Fest ausgerichtet mit Freibier, Salatplatten und reichlich Fleischeinlage.


Die Nachtwölfe sehen wir leider nur als Plastik-Imitat. Dafür erleben wir eine Erlebnis-Gastronomie, bei der an Eisen  und Schweißdraht nicht gespart wurde. Wer sein Bier selbst bezahlt, muss mit Münchener Preisen rechnen. Aber dafür bekommt er ein Ambiente, bei der selbst hartherzige Stöckelschuh-Schöne weich werden.

Beim Anblick solcher triebhaften Tiere wird selbst die lauteste Friedensaktivistin und Feministin liebreizender säuseln.



Das martialische Weib hat ihr Schwert zwar aus der Scheide gezogen und drohend Richtung Publikum gerichtet, doch das kann Nachtwölfe nicht schrecken.



Jedenfalls hat Putins Propagandaministerium tief in die russische Staatschatulle gegriffen, um uns Friedensfahrer voller Freude und Tatendrang künftig als Moskaus fünfte Kolonne,  Merkel mit ihren Hofschranzen vom Thron zu putzen. Erstmal verputzen wir, was die Salatteller her geben. Ein Friedensfahrer schaufelt sich gleich drei Viertel der Platte auf seinen Teller, worauf ihn sein Friedenskollege beschimpft: "Du frisst wie ein Schwein!" Nachtwölfe würden sich heldenhaft prügeln, Friedensfahrer begnügen sich mit maulendem Gepolter

Mir bleibt der Vorwurf erspart, da Owe von der Salatplatte den Fleischanteil in seinen Trog bekommt, und den grünen Rest neidet mir keiner.



Jedenfalls begießen wir fröhlich die deutsch-russische Freundschaft. Unser Verbindungsoffizier feiert fröhlich mit. Es gelingt sogar Rainer Rothfuss sich einmal vor Owe Schatthauer zu postieren, der sonst stets im Vordergrund balzt und röhrt.


Bei der Ortsbesichtigung ist mein Bier natürlich immer dabei, denn man kann ja nie wissen, welchen Nachtwolf oder Friedensfuzzi es noch durstig an die Tränke zieht.


Hier fühlt sich der Autor sichtlich wohl, was unzweifelhaft am Licht liegt, was rosa Barbie Ponyhof-Gefühle wohlig warm verbreitet.


"Chains of love" und so den Geschlechterkampf-Quatsch kann kein Nachtwolf brauchen, es sei denn er findet seine "Shades-of-Grey"-Schöne, welche ihm vollkommen unterliegt, schmiegsam, biegsam, fügsam.


Die Edelstahl-Armaturen im Pissoir bekommt die holde Weiblichkeit eher selten zu sehen, obgleich diese bei der Erlebnis-Gastronmie der Nachtwölfe repräsentiv ins Ambiente sich einfügt.


Diese Installation aus Kurbelwellen hat zwar kein Moped angetrieben, eher ausgewachsenen sechs, acht oder mehr Zylindermotoren.


Unser feinsinniger Künstler Michael aus München kauert sich zu einem rolligen Kätzchen, wohl mangels zweibeiniger Präsenz.

Ein geschmeidig tippelnder Barde singt rührende Lieder wie von Kalinka oder sonst üblichen Seelenschmalz vor befruchtbereiten Liebesnächte....



... der Nachtwolf auf dem Tresen schaut doppelt böse, weil das Bierglas leer ist. Doch eine Sängerin macht müde Friedensfahrer munter zu nächtlichen Tänzen. Mehrere Friedensfahrer zieht es heim per Buss und Bahn, nach zwei Humpen Bier alles halb so schlimm. Leider machten meinen überreizten Nerven einer geruhsamen Nachtruhe einen bösen Strich durch die Rechnung.

Vom bösen Baal, dem Asozialen


Im geheimen, sei hier eingestanden, war mir diese Brecht-Figur immer sehr sympathisch und Seelen verwandt (wie Esoteriker säuseln), obgleich mir Baals Leitspruch aus Anhänglichkeit oder eigener Unzulänglich zu meinen verschiedenen Freundinnen nie zu eigen wurde. Brecht lässt Baal sagen:

Gab Dir ein Weib das Letzte her,
lass es liegen, es hat nicht mehr.
Nun sei allerdings angesichts der überstanden Strapazen mit Russland im Rücken denn doch aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Ohne Blatt vor'm Mund. Zu meiner Entschuldigung vor allen feministischen Friedensfahrer*Innen und Henker*Innen sei angemerkt, dass die Rückfahrt aus Moskau nach Smolensk mir wie die Hinfahrt von Berlin nach Stettin den Magen umdrehte. Es ist kein schönes Gefühl, am Steuer das Fenster runterzulassen und auf die Fahrbahn zu kotzen bei knallenden  Kopfschmerzen. Schon in Moskau machte mich die Meldung zum Blues an der Grenze in den goldenen Westen mürbe. Denn dort hieß es:


Hinweise für die Fahrt durch Weißrussland
Ich konnte auf der druschba-Seite dazu nichts finden, daher hier noch mal unsere Tipps für Weißrussland insbesondere auch zur Maut dort. Sollten die Infos schon vorhanden sein – doppelt hält besser.
1. Grenze
Für Weißrussland herrscht VISAZWANG. Mindestens ein Transitvisum müsst ihr haben. Wenn ihr aus Russland nach Weißrussland fahrt, wird euch niemand darauf hinweisen - es gibt keine Grenzkontrollen an der russisch-weißrussischen Grenze. Die Einreise ist also fließend. Spätestens bei der Ausreise aus Weißrussland oder bei einer Polizeikontrolle wandert ihr jedoch schlimmstenfalls sofort in den Knast. Ein schnelles Transitvisum kann in der weißrussischen Botschaft in Moskau aber noch vor Ort fix gemacht werden.
Merke:
A. Ein-/Ausreise aus Weißrussland NUR MIT GÜLTIGEM weißrussischen Visum!
B. Ein-/Ausreise aus Weißrussland NUR MIT GÜLTIGER russischer Migrationskarte!
Es ist das KLEINE weiße Zettelchen, das ihr bei der Einreise nach Russland (nach Pskow) in doppelter Ausführung mit euren persönlichen Daten ausgefüllt und eines davon behalten habt. Verliert die nicht!
C. Ein-/Ausreise aus Weißrussland NUR MIT GÜLTIGER Fahrzeugdeklaration!
Es ist das GROßE weiße Zettelchen, das ihr bei der Einreise nach Russland (nach Pskow) in doppelter Ausführung mit euren Fahrzeugdaten ausgefüllt und eines davon behalten habt.
Verliert die nicht!
2. Geld
Einreise nach Weißrussland nur mit Kreditkarte (VISA/MASTERCARD) ODER mit Weißrussischen Rubeln. Es gibt keine wirklichen offiziellen Wechselstuben an der russisch-weißrussischen Grenze. Ihr braucht aber schon bei der Einreise Weißrussische Rubel wegen der Maut, wenn ihr Barzahler seid. Wer keine Kreditkarte hat, sollte daher bereits in Moskau genügend weißrussische Rubel tauschen. Um von Russland durch Weißrussland zu fahren, sollte man mindestens 100,- EUR in weißrussischen Rubeln dabei haben (inkl. 45,- EUR Maut und Transponder, 65,- EUR für Essen und Tanken). Das ist sehr knapp gerechnet und gilt für PKW. Wer bar bezahlen muss, sollte besser 200,- EUR umtauschen.
3. Maut
Eure Fahrzeuge sind in Weißrussland mautpflichtig. Die Maut kann NUR über eine elektronischen Transponder automatisch abgerechnet werden. Mauthäuschen zum Bezahlen wie in Russland gibt es nicht. Dieser Transponder (OBU – OnBoard Unit) ist zwingend für alle mehrspurigen Fahrzeuge vorgeschrieben. Die Maut-Institution in Weißrussland heißt BelToll (siehe angehängtes Logo). Sie betreibt an der Mautstrecke einige wenige Servicestationen, die dummerweise manchmal etwas versteckt sind.
3.1 Stressfrei die Mautfrage lösen - daher:
Angehängt sind Kartenausschnitte. Kurz nach der russisch-weißrussischen (ca. 3-4 km) aus Richtung Smolensk auf der M1 in Richtung Minsk kommt auf der rechten Seite etwas zurückgesetzt eine Lukoil-Tankstelle (die rot-weißen, siehe Foto). Direkt an der Tanke ist auch die einzige BelToll-Servicestation (erkennbar am Logo, siehe Anhang) in der Nähe, wo die Formalitäten für die Maut erledigt werden müssen.
VERPASST diese Station NICHT! Ihr MÜSST dorthin! Andernfalls fahrt ihr womöglich auf die Mautstrecke, ohne OBU, ohne Mautabrechnung und das wird teuer. Die weißrussische Polizei kennt da kein Pardon!
3.2 Erhalten einer OBU (OnBoard Unit – Elektronischer Mauttransponder)
Ihr marschiert in die Servicestation (an der Lukoil-Tankstelle kurz nach der Grenze). Dort werden eure Daten von der Mitarbeiterin erfasst. Ihr unterschreibt den PrePay-Vertrag und erhaltet ein Päckchen mit der OBU und Beschreibungspapiere.
Nötig sind dafür:
- Reisepass
- KFZ-Schein
- Kreditkarte VISA/Mastercard oder, wenn nicht vorhanden, ZWINGEND Weißrussische Rubel (wenn keine Kreditkarte, in Moskau in Wechselstuben schon tauschen) – es werden NUR Weißrussische Rubel akzeptiert!!!
- Pfand OBU: umgerechnet 20 EUR
- Mindestaufladung OBU: umgerechnet 25 EUR (für PKW!!! ausreichend, um Weißrussland komplett zu durchqueren, über 3,5 t ca. 50 EUR ++ nötig)
Die BelToll-Website gibt es auch auf deutsch:
http://www.beltoll.by/…/all-abo…/types-of-obu/receipt-of-obu
3.3 Klebt die OBU richtig an die Frontscheibe (siehe Fotos). Wenn ihr dann fahrt und unter den Mautinstallationen (quer über die Fahrban) durchfahrt, piept das Ding immer einmal. Dann ist alles ok. Wenn es zweimal piept, habt ihr noch für ca. 150 km Geld drauf. Das passiert aber maximal bei PKW erst kurz vor der Ausreise. Ein erneutes Aufladen ist dann nicht nötig.



Kurz vor der Grenze könnt ihr die OBU dann wieder an einer BelToll-Station zurückgeben (müsst ihr aber nicht) und erhaltet eure umgerechnet 20,- EUR Pfand wieder zurück.

Nach der schlaflosen Nacht in Moskau - wach bis 2.00 Uhr früh - wacht der Körper geschwächt auf. Die Strecke nach Smolensk führt aus dem Stadtwirrwar von Moskau bis zur Autobahn, wo einige Mautstellen mit geringer Rubel-Gratifikation erfolgreich passiert werden konnten. Die 500 Rubel zahlt man gerne für stressfreies Rauschen auf russischem Highway. Da es nicht regnet, stellen sich auch keine Unfallfahrer quer.


Hübsch auf der 400-Kilometer Strecke von Moskau Smolensk machte sich diese Autobahnkapelle, auch wenn als Sanitäranlage das angeschlossene Birkenwäldchen diente.



In Smolensk war mein Körper dann soweit abgewirtschaftet, dass sich mein Mageninhalt wärend der Stau-Stadtfahrt nur noch über das geöffnete Fahrerfenster entsorgen ließ. Die Suche nach einem Camp gestaltete sich mehr als schwierig, da die angegebenen Koordinaten nur ins Stadtzentrum führen. Schön und sehenswert, die orthodoxe Kathedrale, die mittelalterliche Stadtmauer, schöner, wenn man fit wäre.

Mit Hilfe von Handy-Navigation und Google-Maps gelang es uns,  10 Kilometer Richtung weißrussischer Grenze ein Camp zu finden. Jugendfreizeit fröhlicher Russen mit Schwimmbad, Minigolf etc.


Nach mehrmaligem Erbrechen und einer Dusche war mein Körper bei zittrigen Knien am Abend dann wenigstens wieder soweit, unser Nachtquartier zu fotografieren. Bilder von Smolensk hat mein Mitfahrer, der mehr Muße und Kraft während der Fahrt dazu hatte.

Das Bürokratie konforme Erledigen der Anmeldeformalitäten an diesem Camp überforderte sichtlich die Dame an der Rezeption, die in Tränen schwamm und nicht mehr ein noch aus wusste. Schließlich gab sie Harri, Frank und mir einen der erforderlichen Stempel  in ein Formular von etwa zwei Blatt Toilettenpapiergröße mit kyrillscher Kryptografie und nun zwei Stempeln, ebenso kryptografisch kyrillisch. Jedenfalls war mein Körper anderntags fit für Katyn.


Dort brezelte sich Bernd zu einer großen Rede vor Kamera und Publikum auf und verkündete in etwa folgendes:



Die Russen haben bei Beginn des Krieges etwa 22.000 Personen verhaftet, in Viehwaggons in die unwirtliche Gegend von Katyn gebracht und dort hingemetztelt. Diese Personen stellten die Elite von Verwaltung, Wissenschaft und Militär dar. Nach dem Krieg wurde noch in den Nürnberger Prozessen Deutschen diese Mordtat in die Schuhe geschoben, wofür auch Deutsche verurteilt wurden. Die Fakten, dass Stalin den Mordbefehl für die Polen unterschrieben hatte, wurde erst mit der Wende 1989 offengelegt.


Die Killing-Fields von Katyn mit meinem ständig dozierenden Mitfahrer Frank und dem bescheidenen Harry, der seit 10 Jahren in seinem WoMo in Portugal lebt. Ob Bernd Harry seinen Reisebeitrag entrichtet, war bislang nicht zu recherchieren.


Eine erquickende Nacht im Jugendlager bei Smolensk hatte meinen Körper soweit regeneriert, dass die weitere Fahrt unbeschwerter voran ging. Der Zug hat Vorfahrt.
Mit vollem Tank erledigten wir dann die vergleichsweise leicht zu erlangenden Formalitäten für die elektronische Mautabrechnung per Toll-Box oder BelToll, wie sich das Gerät hier nennt.



Owe Schatthauer, Mitorganisator der Fahrt, hochprofessioneller Wichtigtuer und Bühnenbalzer bei der Band Bandbreite führt das elektronische Mautsystem vor. Das klebten wir uns bei der Durchfahrt durch Belarus unter die Scheibe. Für schlappe 54,36 Euro sollten wir jetzt vergleichsweise ruhig auf dem Highway durch Belarus, oder Weissrussland rollen. Der Streß mit den Grenzern kommt dann wieder bei der Einreise nach Polen. Dann aber heftig.



Da wir uns das Treffen in Minsk gespart hatten, waren wir gleich etwa 200 Kilometer Richtung Westen gefahren, bis uns die Dunkelheit an einen weissrussischen Nachtplatz trieb. Dort endlich teilten wir zu viert mit einem jungen Paar im VW-LT-Sechzylinder mit Turbolader meine letzte, doch beste Flasche Wein, was mir die Zunge lockerte und mich - ganz gegen meine Gewohnheit - zum großen Volksredner mutierten ließ. Zu liebreizend war denn auch die junge Dame von gerade einmal 30 Jahren mit ansehnlichen Formen und esoterischen Ergüssen, mit welcher Diät sie sich gedachte, ihr Drittes Auge zu entkalken. Da mir ihre beiden großen braunen Augen durchaus reichten, um ihren Anblick zu genießen, konnte sich mein heidnischen Maulen nicht zurückhalten, dass sie ein Drittes Auge wohl mehr entstellt als verschönt. Kein Mensch braucht ein Drittes Auge! Ob meiner heidnischen Reden flohen meine drei Mitfahrer mit Frank vom Abendtisch, wo wir Tofu, Zwiebeln, Nudeln und Tomatensoße aufgetischt hatten. Dort vor der Tür dozierte der eoterisch und Finanz- wie IT-Technisch hochgebildete Frank dann weiter darüber, was man "tun müsse, um sein Drittes Auge zu entkalken" ... oder dergleichen mehr wie von medinaivem Mist.


 Anderntags ging denn die Sonne auf über dem ländlichen Szenario. Dort tauschten wir eine Tüte voller Geschenke für die armen Menschen in Russland, die mir eine verhinderte Friedensfahrerin in Berlin angehängt hatte, gegen Eier und setzten unsere Reise an die Grenze fort.




Meine ketzerischen Reden gegen drei fromme Friedensfahrer fanden anderntags karmisch gleich strafende Rache, indem wir eine Stunde an einem Grenzübergang verbrachten, der nur für LKWs zugelassen war. Nachdem mehrere Beamten bis zur höchst besetzten Position feststellten, dass wir die falsche Grenzebastion nicht passieren dürfen, schickt man uns ins sonnige, saubere Brest zurück.

Die nächste karmische Strafe bestand in einer weiteren Stadtdurchfahrt bei glühender Hitze durch Brest, um den richtigen Grenzübergang zu finden. Rainer Rothfuss in Euphorie fieberte bei Facebook, dass uns die VIP-Spur für Corps Diplomatique geöffnet sei, was allerdings die Grenzen nicht daran hinderte uns weitere drei Stunden vor den Schranken harren zu lassen. Dass dabei Hinz und Kunz in Uniform mit ihren schweren Scheißhaus-Stiefel durch mein Heiliges Refugium tappten, ihre Nasen bis tief in mein Wohnklo steckten, geschenkt, doch durchaus inspirativ für abschließenden satirischen Schimpf aus Warschau.




Warschau - endlich wieder allein




Nach vierzehn Tagen entledigt sich meiner nun auch mein Mitfahrer, die zwar wir beide als äußerst durch-meditiert, aus-therapiert und sexuell balanciert - kurz als hoffnungslose Fälle - in eiserner Disziplin friedliche Masken bis zum Schluß wahrten, doch als er dann mich von dreihundert verlangten Euros für 14 Tage Unterkunft, Bier aus dem Kühlschrank, Steckdosen für seine Geräte und 3000 Kilometer dann auf zweihundert Euro runterhandelte, stieg zu aller Anspannung noch ein großer Zorn in mir auf.




Nun hat sich mein Urgehirn seit meiner Erinnerung als Dinosaurier noch gut das Ventil geschaffen, per lästerlicher Schriften mich von Erniedrigungen und Beleidigungen zu befreien. Eventuelle Ähnlichkeit mit derzeit Lebenden und auch Toten sind dabei durchaus gewollt. Sinn der Übung ist auch der, dass die von mir Porträtierten ein für alle Mal die "Nase voll haben von mir" und mich mit weiteren Annehmlichkeiten nicht mehr belästigen.





Nun kann mein Mitfahrer als Beamtensohn ebenso auf Geiz und Sparsamkeit konditioniert, wie mir dieses Leiden traumatisch das Leben vermiest, nichts dafür, dass er so ist, wie er ist. Jedenfalls war es mir noch lächelnd möglich, meine Forderung auf 250 Euro zu reduzieren, die mein Mitfahrer mit "Come on Baby, bei meinen Zahlungen bei Campingplätzen und einmal beim Sprit sind 200 genug". Wie mein verehrter Vater selig in solchen Fällen zu schmunzeln pflegte, "warte Bürschchen, Du kommst auch noch an mein Klosett Wasser trinken", geschah es denn auch.



Nach einer entspannenden Radtour durch das sonntäglich Morgen verschlafene Warschau, was mir vorkam wie ein Ausflug durch den Englischen Garten zu München verglichen mit Moskau, rief mein Mitfahrer dann auch an, um seine Kamera - in meinem Auto vergessen - einzuholen. Das sei ihm gewährt gegen Zahlung seiner Schulden von 100 Euro, was er überhaupt nicht verstand.




Es folgten zwei weinerliche E-Mails mit Betonung seiner großer Ausgaben für "Campingplätze in Kaliningrad, 1 Nacht in St. Petersburg, in Smolensk und ich glaube in Stettin bezahlt, sowie einmal den Diesel", der auch noch mit 25 Euro zu Buche schlug. Dass Busfahrer, welche sich zudem auf eigene Kosten von München nach Berlin und von dort zurück bewegen müssen, ebenfalls Kosten für Unterkünfte zu zahlen hatten, verschweigt dieses Sängers Höflichkeit.




Meinen Wisch-und-Waschbären daheim kann bei mir kostenfrei bei voller Verpflegung einsteigen, traut sich leider nicht. Aber Menschen, die dem Wohnmobil-Fahrer für eine Viertelmillion gleichen, welche voller Empörung den Museumseintritt in Katyn aus Prinzip schon verweigert, weil er in Gedenkstätten nicht zahle, solche Menschen sind mir z'wider!




Das Beste an der Geschichte ist allerdings, dass dieser klamaukhafte Kanzelredner seine Kamera überhaupt nicht hier im Auto sondern irgendwo sonst bei seinen hoch intensiven, investigativen Kommunkationskünsten hat liegen lassen! Immerhin ärgert er sich jetzt über mich, dass er bei mir seine Kamera glaubt, die er irgendwo vertrottelt hat.



Auf jeden Fall ist es das Beste, wieder allein in meiner Kiste zu hocken, dem grollenden Gewitter und rauschenden Regen zu lauschen und meinen Gedanken über Krieg und Frieden nachzuhängen. Die Geschichte mit meinem geschätzten Kollegen und mitfahrendem Friedensfahrer zeigt, dass unter Menschen Kampf selbst um Kleinigkeiten üblich und unausweichlich sind. Schließlich will mein Mitfahrer gleich wieder nach Moskau fliegen, um dort ein Konto für seine Kapitalanlagen gewinnbringend zu eröffnen.