06 April 2012

Tetouan - Tanger - Tarifa

Zeit hier rauszukommen: Die drei Monatsfrist meines Einreisevisums läuft am 18. April ab - gerade mal noch 10 Tage. Die Strecke nach Tanger Med scheint überschaubar von Tetouan aus. Doch Tanger lockt mich noch. Der Aufenthalt in einem mohammedanischen Land wäre mir unerträglich, wenn der Iran angegriffen würde. Manche Menschen - oft die Jungen - in den Armenviertel erscheinen mir aggressiv. Wie niemand mit Zigaretten in eine Gasfabrik kommt, so meidet der reiche Tourist wohl auch besser manche Orte in ghettogleicher Medina.


Im Internet bilden sich leicht Gruppen Gleichgesinnter. Eine dieser Gruppen, das Forum für die marokkanische Märchenwelt, dem III.-Welt-Warenhaus für dicke Devisen in Taschen der Touris, gehört Edith Kohlbach. Edith Kohlbach schreibt beliebte und kompetente Reise-, Camping- und Hotelführer. Mit Hilfe ihrer Reisebeschreibungen plus Garmin-Navi bleibt mir kaum mehr zu tun, als die Koordinaten vom nächsten Campingplatz einzugeben. Das erleichert die Mühe, den Platz bedachtsam anzusteuern, dort den Plastik-Bomber möglichst so schattig zu stellen, dass keine Vögel die aggressive Chemie ihres Kots darüber ablassen. Ein Kabel muss dann noch Netzstrom für Eisschrank, Computer und Licht legen. Dann ist nur noch zu hoffen, dass Maroc Telecom ausreichend schnell ins Web verbindet. So redet meine geliebte Frau per Skype morgens und abends mit mir.

Kostbare Nachtstunden zwischen 23.00 Uhr bis etwa 6.00 Uhr morgens gewährleisten die besten Datenraten. Wieder scheint der Mond durch die drei Dachluken aus sternklarem Himmel. Köter kläffen - manchmal. Die Außenwelt bleibt zuvor, die Innere Welt kommt hervor. Die Nacht am Meer ist mit 12 bis 14 Grad so warm, dass der Gasbrenner kaum heizen muss, um meine wohnliche Atmosphäre von 20 Grad zu halten.

Frau Kohlbach also bescheinigt mir nach einigen Beiträgen nun kraft ihrer jahrzehntelanger Erfahrung als Reiseschriftstellerin mit beachtlichen Büchern im Selbstverlag in ihrem Forum völliges Versagen in Marokko.


Frau Kohlbach meint am 31. März: "Du passt weder nach Marokko noch in unser Forum, das zum Austausch von Informationen rund um das Reisen in Marokko gedacht ist."

 Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Außer dem Wort "Shogoram" für "Danke" sind mir die gurgelnden Laute der Menschen fremd geblieben. Wenn mich Männer auf der Straße rüpelhaft anmaunzen, stört mich das immer noch. Weil sie mich meist vergeblich anmachen, schimpfen einige lauthals: "Der spricht nicht mit uns."  Sollte mir der Fehler unterlaufen, mich doch einem Menschen zuzuwenden, will er mir mit Sicherheit etwas verkaufen. Einer zieht eine Haschischplatte in Schokoladen-Format , ein anderer gleich eine Flasche aus der Hose und verspricht: "Good Wine". Lästig.

Selbst die Medina von Chefchaouen, welche von oben nun wirklich wie ein Stadtplan zu betrachten ist, blieb mir trotz mehrmaliger Versuche, mich darin zurecht zu finden, ein Geheimnis. Den Hauptplatz am alten Kasbah-Museum mussten mir immer wieder hilfreiche Männer weisen. Nach drei Tagen Chefchaouen gibt es gleichsam ein neues Spiel, ein neues Glück:  56 Kilometer bis ans Meer nach Oued Laou sollten doch zu schaffen sein. Dieser Weg durch das Rif-Gebirge zum Meer bezaubert mich. Der Campingplatz in Oued Laou kostet zwar nur 3,30 Euro/Tag. Dafür liegt er an einem Schrottplatz. Das Klo für Männer ist gesperrt. Die Wasserhähne sind teilweise aus der Wand gerissen. Aus einigen rinnt unentweg Wasser über die Fliesen, welche Moos ansetzen. Das Beste am Platz ist noch die Einfahrt.

 Quad Laou am Meer ist traumhaft schön, der Campingplatz dafür eine Katastrophe.

 Trotzdem hat mich Quad Laou so bezaubert, dass mich der Ort drei Tage fasziniert und gehalten hat. Er war klein, kuschelig, übersichtlich. Orangensaft, Tee, schmackhaftes Mittagsessen mit Blick auf das ruhige Meer waren perfekt und preiswert. Das Meer war so sauber, der Strand so leer, mich dort ins Wasser zu wälzen, war einfach. Allerdings war es schwierig, abends auf dem Campingplatz das Salz von der Haut zu duschen.



Lieber wäre mir der doppelte, ja dreifache Preis für einen gepflegteren Platz. Manche Wasserhähne sind herausgerissen, aus anderen undichten Leitungen rinnt ununterbrochen Wasser, bis die Fliesen Moos ansetzen.


Wie diese 220-Volt Verbindung bei verschiedenen Regenschauern stabil blieb, ist ein weiteres Wunder.



Bad am einsamen Strand von Quad Laou: Ein Platz, um zwei, drei  Wochen Urlaub am Meer zu genießen, wenn der Campingplatz nicht so katastrophal mies wäre.




Der stolze Besitzer Ahmed Mazrouh zeigt, was ihm gehört.
Einsame Strandspaziergänge in Quad Laou machen Hunger.



Das Hygiene-Institut in Quad Laou interessiert sich offensichtlich nicht für den Campingplatz in nächster Nähe.


Kleinste Handwerkbetriebe fertigen nahezu Alles aus Allem: Hier wurde Mobiliar aus Eisenrohr geschweißt.


Von zwei Seiten ziehen die Männer langsam das Netz zu. Nur wenige Fische schaffen es im letzten Augenblick über den Netzrand ins freie Meer zu springen. Zuletzt werfen die Männer Steine auf die gefangenen Fische, dass keine mehr entwischen.


 Frau Kohlbach hat am 2. April neben meinen Beiträgen auch ihre Mail vom 31. März
gelöscht:
"Du passt weder nach Marokko noch in unser Forum:"
 
Marokkanische Zeitungen griffen den auch in deutschen Medien beschriebenen Fall der 16jährigen Amina Filali auf, welche nach Vergewaltigung mit anschließender Zwangsheirat mit diesem Verbrecher sich am Weltfrauentag mit Rattengift umbrachte. Ein von mir eingebrachter Link zu dem Thema, war im Kohlbach-Forum keiner weiteren Beachtung wert. Bei Recherchen zu Amina Filali verzeichnete Google als ersten Eintrag eine rege Diskussionsrunde zu dem Thema in einem weiteren, weitaus aktiveren Marokko-Forum als von Frau Kohlbach. Wie in jeder Gruppe Gleichgesinnter fiel mir sofort auf, dass Kritik unangebracht und schnell ein Schreibverbot bringt.

Diese Sperr-Spiele sind ebenso unterhaltsam wie manche Inhalte in dem Forum. So tröstet eine ältere Dame, die sich ihrer drei Kinder und sieben Enkelkinder rühmt, eine junge Deutsche. Diese ist mit einem Marokkaner verheiratet, genießt dort Land und Leute sowie ihre vier Hunde. Allerdings sorgt sie sich, ihrem Mann, Herrn und Gebieter noch keinen Stammhalter geliefert zu haben. Daher eröffnet sie das  herzige Thema Zweitfrau wegen Kinderlosigkeit oder Krankheit,  sucht vielleicht Rat und Trost bei erfahrenen Foristen. Die findet sie hoffentlich in der älteren Dame Josi, die dieses Forum seit 12/10/2006 schon um 769 Beiträge bereichert hat.


Wunderbare Welt geprügelter Gebärmaschinen und  vom prächtig potenten Pilger 21mal befruchtet:
"...sie haben gemeinsam gekocht und sind gemeinsam verprügelt worden"

Hier den unnachahmlich treffenden Text in voller Länge und Blüte:

ich kenne eine Familie mit zwei Frauen, die insgesamt 21 Kinder haben (auch mit zwei außerehelichen). Die erste Frau ist jedoch immer die erste Frau geblieben, ihr Status war von der zweiten nicht angetastet: die zweite Frau hat sich eingefügt, hat ebenso viele Kinder bekommen wie die erste, sie haben gemeinsam gekocht und sind gemeinsam verprügelt worden, die Kinder wurden gemeinsam erzogen. Die beiden Frauen hatten jeweils ein eigenes Gehöft mit einem Innenhof und darum herum angeordneten Zimmern und jeweils einen internen Zugang in den Innenhof der anderen Frau.

Der Vater und Mann der beiden Frauen hat in einem Extra-Haus gewohnt, das zu keinem der beiden Gehöfte einen indirekten Zugang hatte, er mußte wie jeder andere Besucher auch über den offiziellen Eingang zu den Frauenhäusern gehen. Was er nicht getan hat, wenn er mit einer der beiden Frauen schlafen wollte: die wurden dann in sein Haus einbestellt und das hat er auch noch im hohen Alter praktiziert, was mit Stolz berichtet wird.

Alle Kinder haben beide Frauen als Mütter angesehen, wobei die erste Frau diejenige war, die das Sagen hatte, später auch von der zweiten Frau gepflegt wurde als sie alt und krank war und nachdem sie gestorben war, kümmern sich auch ihre Kinder jetzt um die hinfällige zweite Frau. Im Laufe der Jahre waren sie mehr zusammen gewachsen als mit dem Vater der Kinder und Ehe-Mann, der wirtschaftlich alle gut versorgt hat, aber gleichzeitig auch sehr gefürchtet war für seinen Jähzorn, seine sittliche Strenge und religiösen Auflagen (als er mit 94 Jahren gestorben ist, hat sich lange Zeit iemand seinem Bett zu nähern gewagt, vor allem nicht seine Töchter).

Diese Kompromißlosigkeit war wohl der Grund, daß die Frauen so zusammen gehalten haben: er war zwei Jahre auf der Pilgerfahrt (nicht Fahrt, er ist zu Fuß von Marokko nach Mekka gelaufen mit einem Freund), was die gesamte Familie heute noch berichtet, wie locker es in dieser Zeit zugegangen ist. Gefragt, warum zwei Frauen und so viele Kinder, bekam ich zur Antwort: "er (der Vater) hatte eben sehr viel Terrain". Punkt. Nachfragen, ob jetzt eine eifersüchtig oder nicht war, sind auf Unverständnis gestossen(wieso? beide waren doch versorgt?).


Die Hervorhebungen von mir scheinen mir der Schlüssel zu solch gemeinsamen Glück: Ein jähzorniger, sittlich strenger, religiöser, reicher, prächtig potenter Pilger sowie Frauen, wie Männer sie sich träumen: biegsam, schmiegsam, fügsam. Nach erstem Anschein schreiben in dem Forum einige konvertierte Deutsche, welche in Marokko leben sowie Frauen, die dort mit Marokkanern verheiratet sind. Auch die meisten der Damen scheinen konvertiert zu sein.


Für mich finden sich immer neue Wunder in der Windows-Welt  im World Wide Web

 
Zur Unterhaltung versorgen Satelliten-Schüsseln die Fernsehapparate mit Signalen, welche Menschen in Wohnmobilen ebenso wie in Lehm- und Wellblech Hütten in die Traumwelt medialer Massenmanipulation beamen. Das Internet macht mir mehr Freude. Eine Foristin im Marokko-Forum beschreibt, was und wie Gleichgesinnte in Foren - und auch in anderen Gemeinschaften - zusammen stehen:

Vorsicht in der Höhle.


Die Sprache wird da noch nicht für Unterhaltung verwendet.

Nur am Lagerfeuer des „Gesangvereins“.


Vorsicht mit den Bärenfellmännchen und ihren Keulen.


Ein Fehler beim „gemeinsamen“ Singen, und die Keulenmeute ist hinter Dir her.


Gute Unterhaltung im Gesangverein


Nichts könnte treffender beschreiben, wie Gemeinschaften mit abweichenden Meinungsmachern umgehen. Intelligente Menschen gehen leicht und lächelnd mit abweichenden Meinungen um. Aber wer ist schon intelligent? Meine frühere Verlobte, mittlerweile Philosophin und Psychologin mit Universitätsabschluß, Filmproduzentin, Heilprakterin, Astrologin, ist mehr als intelligent. Sie ist ein unglaubliches Universaltalent. Menschen wie sie erarbeiten sich in kurzer Zeit mit ihren Publikationen spielerisch vom Schreibtisch aus ein Grundstück am See mit Haus und großem Garten. Lesen wir, was diese Grande Dame der Philosophie und Medienmacht mir so souverän bescheinigt:

nein, ich nehme dir deine abwertenden Kommentare nicht übel, weiß ich doch, in welch albtraumhaftem Mind-Space du dich so durchs Leben bewegst ... das hat mein volles Mitgefühl. Da quillt schon mal projektionsgeschwängertes hassgeschwätz unüberlegt mit heraus ... nebst all dem anderen unsinn.


Die Dame hat wirkliche Größe, Einsicht und Erkenntnis. Meine Liebe zur ihr ist unverbrüchlich, wird im Lauf der Zeit noch stärker, weil sich unter solche Einsicht, solche Wortgewalt jeder gerne fügt, der etwas Verstand hat. Anders die mittelmäßge Medienbeute, diese Zamperl der Journaille, welche sich gerade an Günter Grass, dem Nobelpreisträger der Literatur, diesem 84jährigen Denkmal deutscher Schreibkunst verbeißen. Nur weil Grass sich mit einem Israel kritischen Gedicht an die Öffentlichkeit wagt. Meine Meinung dazu:


Je mehr Staaten Lybien, Syrien, Irak, Tunesien, Ägypten stabile Regierungen verlieren, umso stärker zersplittern sich Gruppierungen in diesen Ländern, die für noch mehr Chaos sorgen. Als ob das Chaos mit den tyrannischen Autokraten zuvor nicht schon schlimm genug war, verschlimmern sich Zustände verfeindeter Religionsgruppierungen und Sippen, sobald eine  Regierung durch die nächst chaotischere abgelöst wird.

Was immer an Intrige, Verschwörung, Waffenlieferungen an oppositionelle Soldateska der Westen leisten kann, er leistet es. Ist eine halbwegs stabile Regierung weggefegt, liegt das Land am Boden, muss die nächste Regierung verzweifelt versuchen, die Grundbedürfnisse der Menschen wieder in Gang zu bringen: Wasser, Nahrung, Energie. Motto: Auferstanden aus Ruinen.

Je kaputter der Staat, je mehr Menschen sich abgeschlachtet haben, umso flehentlicher der Wunsch nach einem - und sei es noch so schlechtem - Frieden. Was noch an Schätzen unterm Sand liegt, muss dann zum Ausverkaufpreis am Weltmarkt verhökert werden, damit Ruhe im Land wieder bezahlbar wird.

Der Alptraum Iran-Krieg ist vorgeplant. Grass stört mit Einwänden. Grass muss weg!

Na immerhin ist Jakob Augstein aus der Meute ausgebrochen, um für Grass eine Lanze zu brechen. Dass diese Staaten mit kriegerischen Unruhen allerdings auch an einer Menschenüberproduktion leiden, steht auf einem anderen Blatt.




Laufend informiert SPON, Spiegel online, über Krieg und Zerstörung, welche sich von Lybien nach Syrien und womöglich noch bis in den Iran ausbreiten. Derweil dort geschossen und gebombt wird, fliegen in Frankfurt bei einer Antikapitalismus-Demo Steine. Diese verletzen einen Polizeibeamten, der in die Intensivstation eingeliefert werden muss. Die Häme mancher Leserbriefe dazu ist kaum auszuhalten.


Bei einer Antikapitalismus-Demo in Frankfurt haben Linkschaoten einen Polizisten mit Steinwurf so schwer verletzt, dass er in der Intensivstation eingeliefert werden musste.

Die Vereinigten Emirate öffnen ihre Portokosten und alimentieren einen Haufen Söldner gegen Syrien-Herrscher Assad mit 100 Mio. Ein Leser fragt, wo am Ende die Waffen landen.

Die Emirate überweisen 100 Mio Dollar an Söldner, um gegen Assad in Syrien zu kämpfen. Der Leserbriefschreiber nethopper01 fragt, wohin die Waffen letzendlich gehen und woher der Mörder in Toulouse seine Waffen hatte.



Während sich meine Gedanken im Internet ausbreiten,
haben die Fischer Frische Fische an Land gezogen.






Meine Flüchtigkeitsfehler ließen sich bei sorgfältigerer Endkontrolle vermeiden.

Schreiben, Spazieren und Ruhen macht mir momentan mehr Spaß als zu fahren. Doch die Fahrt geht weiter, muss weiter gehen. Von Oued Laou führt die Straße nach Tetouan. Die Straße soll gut sein. In 56 Kilometern am Meer bei Martil erwartet mich schon der nächste Campingplatz. Das sollte schnell zu schaffen sein. Von den 56 Kilometern "guter Straße" waren aber etwa 40 Kilometer gerade erst im Bau. Mehr als mit etwa 20 Km/h kann niemand über diese Lehmpiste holpern. Also war die Strecke erst nach vier Stunden geschafft, eine Teepause eingerechnet.


Schon nach vier Stunden Fahrt über die holprige Lehmstrecke waren die 56 Kilometer zwischen Qued Laou und Martil geschafft.


Hier überholt ein Allrad-SUV auf der Lehmstrecke
zwischen Qued Laou und Martil ein Baufahrzeug.


Der Platz Al Boustane in Martil übertriff den in Qued Laou bei weitem.
Das Gebäude im Vordergrund ist ebensowenig in Betrieb wie das Bad.



Der Strand in Martil: Das Meer ist blau, der Strand vermüllt und kein Mensch badet.



Weil hier kaum ein Menschen zu sehen ist, dient diese Pracht vermutlich den Reichen als Sommerresidenz.



Noch lagert Müll vor dem Strandrestaurant Ipanema.
Bei etwa 15 bis 20 Grad Lufttemperatur badet hier noch niemand.



Die Wolken in Martil sehen wilder aus, als sie sind. Es regnet - wenn  überhaupt - nur sehr kurz.

Fröhliche junge Männer baten um das Foto - nur einer lässt den Kopf hängen.



Der Gemüsehändler macht Pause, die Katze bewacht die Waren.

Der Weg von Martil bei Tetouan nach Tanger war nun aber wirklich leicht. Ein Autobahnstück für 20 DH von Tanger Ost bis Tanger brachte zusätzlich Fahrkomfort. Der Campingplatz Achakar liegt unter Bäumen, kostet 100 DH und bietet dafür Qualität. Die Grotte des Herkules liegt keine fünf Minuten vom Platz und fasziniert als eindrucksvolles Naturschauspiel.


Zum Zauberreich der Natur


..steter Tropfen höhlt den Stein




Der Blick aus der dunklen Höhle auf den Atlantik



Neben den Naturschönheiten fasziniert mich immer wieder die Technologie:
Hier sWasserkanister über dem Waschbecken über der Abwassertonne.



Wohnanlage in der Nähe von der Herkulesgrotte und dem Meer: Irgendwer muss irgendwo viel Geld haben. Doch diese Menschen sind nicht in meinem touristischen Umfeld.

Zum Abschluß der Reise steht nun doch noch eine Nacht in Tanger an. Es fällt mir doch schwer, das schöne Land zu verlassen. Es ist spannend, wo immer man hinkommt. Das Leben bietet eben doch immer noch ein paar Dimensionen mehr als Fernsehen, Internet oder Wortgeplänkel in Foren. Meine Frau will Bilder und Berichte daheim heute noch am Karfreitag.




Morgens erschien mir dieser Aufstieg über die Felsen vom Meer zur Medina machbar. Allerdings endete die Steinstufen-Treppe an einem glatten Abwasserkanal, wo mir die regennassen Steine nicht mehr genug Halt gaben. Also ging der Weg wieder zurück.

Junge Leute stehen auf den alten Burgmauern der Medina in Tanger. Auf mich wirkt die heruntergekommene Ghettolandschaft dieser Altstadt abstoßend - zumindest nicht einladend.

Der Weg ist lang, der Weg ist weit.
Doch auf der Strecke labt mich der Saftverkäufer mit einem Orangensaft.

Anstatt mich vom Ausblick von der Medina auf das Meer bezaubern zu lassen, wäre es wichtiger gewesen, die Regenwolken zu beachten. So entluden sich diese Wassermassen auf meinem Heimweg, anstatt mir ein Taxi zu nehmen, wo die noch standen.




Die fensterlose Ruine links neben dem Hotel Continental ist zu verkaufen.


Hier wäre ein leichterer Aufstieg in die Medina vom Meer aus gewesen,
doch Mut und Lust, die finsteren Gassen zu durchwandern, fehlt mir.


Tanger zu verlassen, fiel mir nicht leicht. Die Autobahn zu finden, führte mich 30 Kilometer in einem unglaublichen Kreis durch finstere Vorstädte. Die Straßen zogen sich so eng zu, dass kaum mehr durchzukommen war. Marjane warnte mit großem Schild vor Dieben.


Marjane in Tanger - auch Edith Kohlbach warnt in ihrem Führer, dass Vorsicht geboten sei. Es hätten sich schon Menschen durch die Dachluke ins Mobil gezwängt, um die Überfahrt nach Europa zu erschleichen - im Kleiderschrank.


Zum Abschluß auf dem Schiff erzählt ein pensionierter Beamter aus dem marokkanischen Ministerium von der wunderbaren Landschaft. Er schwärmt geradezu, dass der Regen die Talsperren gut gefüllt hätte. Davon könne das Land vier Jahr Trockenheit überstehen. Die Preise seien konkurrenzlos niedrig. Keiner würde unter 2000 DH/Monat verdienen. Selbst eine Halbtagskraft im Haushalt gehe nach wenigen Stunden mit 100 DH heim. Nur gäbe es Jugendliche, die einfach nicht arbeiten wollen. Sie hätten alles daheim und drücken sich. Dabei gäbe es mehr als genug Arbeit für alle.

Mit höflichem Dank für sein ministeriales Geplänkel freut mich die erste Nacht in Europa mit Blick zurück nach Afrika in 15 Kilometer Entfernung

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Vom Camp bei Tarifa sind noch die Berge in Afrika in 15 Kilometer Entfernung zu sehen. Der Platz kostet mit 15 Euro gerade mal ein Drittel mehr als teure Plätze in Marokko.


Zurück zu meiner lieben Frau

Genug von Marokko, genug vom Reisen - es zieht mich heim.


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