17 November 2013

Niederdrückender, nebliger November

Als mein Töchterchen noch lebte, erfolgreich als Voll-Juristin prämiert mit Prädikat, sollte sie mir die Quintessenz ihrer Studien in einem Satz sagen. Sie antwortete: "Nur Bares ist Wahres". Sofort gelang es mir, diesen Satz auswendig zu lernen. Seitdem lässt mich ihr Gedanke nicht mehr los.


Allein dieser Blick von einer Isar-Brücke in München am 15. November bedient doch den Betrachter schon voll und ganz. Den ganzen Monat würde man doch am besten auf "Alle-und-Aus" schalten! Volkstrauertag, Buß- und Bet-Tag, dann Nebel, Nässe, Kälte, die in die Kleider kriecht. Nein: November ist mein Monat nicht!


Wieso mir dann aber gerade jetzt eine Rentner-Reise nach Marokko einfällt? Das erfährt der Leser erst am Ende meiner niederdrückend nebligen November-Meditation.

Zurück zu meinem Töchterchen und ihrem wegweisenden Wort: "Nur Bares ist Wahres."  Gleich einem Mantra erscheint mir diese Weisheit so einleuchtend, dass sie mir gleichsam "in-Fleisch-und-Blut" übergegangen ist. Schließlich hat mich meine Tochter nach ihrem zweiten Staatsexamen auch dafür gelobt: "Jetzt hast Du so viel Geld in mich investiert wie andere in ein Haus."


Es gab ja auch einen sonnigen Tag im November - einmal, oder sogar ein zweites Mal. Doch solche seltenen Sonnenstunden bleiben Ausnahmen von Trübsal und Trauer blasenden November-Sorgen.


 Das Heizkraftwerk München-Nord bläst aus allen Rohren seine Rauchfahnen in den grauen November-Himmel - sofern der Ausdruck "Himmel" für dies schmutzige Farbspiel überhaupt noch passt.


Jetzt als Rentner gewährt mir die Gesellschaft erstmalig im Leben Ruhe und Müßiggang. Schön wär`s! Doch da fängt mein Körper an, sich zu beschweren. Das Leben ist so ungerecht, dass sich mutig mein Mittelfinger ins Löwenmaul des Lebens reckt.

Mein Kind hat mir noch weitere Weisheiten beigebracht, als sie mich zum Beispiel auf Grund meines 30jährigen Vorsprungs an Jahren als "Komposti" bezeichnete. Und wo ist mein Engel jetzt? Das Leben ist ungerecht!

Mein Mantra "nur Bares ist Wahres" besorgt mir böse Beunruhigung. Denn mein Doktor heißt  "Bares". Damit bekommt mein Mantra "nur Bares ist Wahres" einen bitteren Beigeschmack.


Meine Blog-Beiträge lesen meistens mehr als Hundert Menschen. Doch Kommentare gibt es fast nie. Wenn dann einer aber mal was schreibt, wie dieser Hirsch beispielsweise, dann solches: "Bar ist ja schließlich auch die Einheit in der man den Druck misst, fällt mir da natürlich ein. Bar ist Wahr! Und den Rost auf den Kompost."

Nicht, dass mein Doktor schlecht sei. Nein, ganz im Gegenteil. Vom Namen her war mir zwar klar, dass er mindestens aus der Türkei, wenn nicht noch weiter aus Arabien kommen muss. Denn er erscheint mir wie ein Taliban, der sich gut rasiert hat. Also eindrucksvoll und Respekt einflößend. Aber es war wohl unklug, meinen Doktor mit einem T-Shirt von Klaus, das er mir aus den USA mitgebracht hat, und welches mit "USA"-Buchstaben bunt prahlt, zu provozieren. Jedenfalls bildet sich meine Fantasie solche Zusammenhänge ein, die nun - wie häufig bei fabulierenden Fantasten - nichts, aber auch rein gar nichts mit der Realität zu tun haben, zu tun haben müssen.

 
Realität ist nämlich: Auch im November gibt es fröhlich feiernde Menschen! Man soll es nicht glauben, aber es gibt welche, die sogar im November Geburtstag feiern. Und das, obwohl sich alles in der Natur sich zum Winterschlaf zurückzieht.  

Jedenfalls untersucht mich Doktor Bares gut und gründlich. Mit seinem Ultraschall-Gerät, Marke Philipps, fährt er gleich zweimal, also doppelt profund, über meine Eingeweide. Er findet "white Plaque" in der Halsschlag-Ader, welche Plage! Er fragt mich nach Schlaganfall in der Familie und nickt verständnisvoll, dass Väterchen hoch in den Neunzigern einen Schlag erlitt. Der Doktor erforscht meinen Blutdruck und meint milde lächelnd: "Der ist nun etwas hoch, wohl wegen der Aufregung hier."


Noch so ein selten sonniger November-Tag: Meine bescheidene Rente reicht, um mir beim "Kleinen Chinesen" für 5,50 Euro dieses schmackhafte Mahl zu leisten. Das macht zwar satt, doch die Sorgen bleiben.


Was die Antennen auf der US-Botschaft in München neben der bayrischen Staatskanzlei abhören, scheint mir angesichts der Abhörmethoden mit der Ultraschall-Maschine von meinem Doktor nun schon wieder eher nebensächlich. Das Leben bleibt ungerecht.

Dass mein  Freund, immerhin nun auch mit meinen alten 65 Jahren gesegnet, aber doch ein halbes Jahr jünger, eben gerade einen leichteren Schlag erlitten hatte bei Bluthochdruck, geht mir durch den Kopf. Auch fällt mir ein junger Kollege im Job ein, bevor mich die Arbeitsmühle als Rentner in Ruhe schickte: Diesen fleißigen Arbeiter hat schon in noch viel jüngeren Jahren ein leichter Schlag getroffen.


Noch so ein vollkommen atypischer November-Tag: Wie zum Hohn lässt die Sonne Farben erstrahlen, als wolle die Welt weisen: "Wer weiß, wie oft Du den Englischen Garten noch erblicken darfst?" Das Leben ist ungerecht.

Mit solchen Sorgen und grausigen Gedanken über die zahlreichen Schläge bei meinen Bekannten und Freunden hört der Doktor per Ultra-Schall meine Organe ab. Er zeigt mir fasziniert auf dem Bildschirm meine wabernd pulsierenden Organe in minderer Pixel-Qualität. "Schön ist anders", poppt in mir eine Gedankenblase auf.

Wenn man erstmal auf der Liege - oder soll man gleich sagen "auf der Bahre?" - eines Doktors liegt, dann fällt man besser nicht aus dem Rahmen. Man weiß dann doch: "Auf der Bahre liegt das Wahre."

Zwischendurch markiert der Doktor mit einem farbigen Balken bei piependen Alarm-Ton irgendwelche Bildschirm-Bereiche und verkündet: "Sehen Sie? Hier ist ein Stein von einem Zentimeter Größe. Aber das ist nicht zu therapieren. Erst bei Schmerzen muss man da operieren."


Die ärztliche Diagnose ist kein Geschenk vom Weihnachtsmann. Meine Fantasie fabuliert knochige Finger mit einer rostigen Sense. Schuldig auf der Liege erscheint mir der Sensenmann, reiche Ernte meiner zahllosen Sünden und karmischen Verfehlungen einzutreiben. Doch es ist mir ja absolut vor der Zeit, den lieben Menschen mit mir ihre frühe Freude zu schenken! Besser bleibe mein Leben ungerecht - und lange noch.

Ob der Doktor mir nun einen Gallen- oder Nierenstein zeigte, ist mir mittlerweile schon wieder entfallen wie der Name der Krankheit, bei der man alles vergisst oder verwirrtes Zeug schreibt und redet. Doch nach seiner zweiten Sorgen-Sitzung hat mir der Doktor dann vorsorglich ein Blutdruck-Messgerät verschrieben. In Eigenarbeit dokumentiert diese Maschine nun morgens und abends vier wichtige Werte: Zeit, Puls, Blutdruck hoch und niedrig. Bei einem Bluthochdruck von über 150 droht der Doktor mir mit mehr Medizin. Das gefällt mir gar nicht.


Mein Körper trainiert sich seit Jahrzehnten wie für die Olympiade: Bei beißender Wasserkälte zwingt eiserner Willen mein schlotterndes Gebein noch in den Badesee. In der Sauna sieht man mich laufend, in Kneipen fast nie. Das Leben bleibt ungerecht.

Der Grund, einen Doktor zu besuchen, war mein Sodbrennen. Doch dies Brennen verging sofort mit der ersten Pantoprazol-Tablette. Eine Tablette morgens genügt mir. Diese Therapie verwöhnt mich nun 40 Tage lang. Seitdem schmeckt mir alles doppelt so gut. Mit weniger als einem Viertelliter Rotwein und ein, zwei, drei Jever Light Bier täglich sowie biodynamischer Reformhauskost bildet sich mein Nichtraucher-Leben ein, recht gesund aufgestellt zu sein.

 
 
Mit einer morgendlichen Tablette schmeckt mir mein Essen nun wieder doppelt so gut - auch wenn der liebe Mensch neben mir nach unserem ersten Treffen schreibt: " Will mit dir nichts mehr zu tun haben!" Das ist der Erste nicht. Das Leben ist ungerecht.


Zurück zur Überschall-Maschine von Doktor Bares mit der verpixelten Schwarzweiß-Bildschirmausgabe bei Nerv tötender Tonausgabe: Damit fuhr der Doktor auch über meinen Prostatata-Blasenbereich, murmelte etwas von 25 Milliliter seien normal, doch hier vermute er bei mir 40 Milliliter. "Aber wenn ihnen Wasser zu lassen, keine Schwierigkeiten macht, kann das so bleiben."

Als Almhirte verstanden mich die Rindviecher meistens viel besser als meine lieben Mitmenschen. Das Leben ist ....

Bei der weiteren Untersuchung mit seinem Ultraschall sendenden Zauberstab sah der Doktor eine Verdickung meiner Herz-Außenwand und fragte mich, ob mir in meiner Jugend mein Herz als Leistungssportler hätte dienen müssen? Art und Tonfall dieser Frage ließen mich sofort dies geflissentlich verneinen.


Diese jungen Mütter rollen im Laufschritt ihre Kinder im Wagen durch den herbstlichen Englischen Garten. Die Front-Frau hat zwar kein Kind im Wagen, rennt dafür aber umso schneller und treibt die Mütter mit lauter Stimme zu höherer Leistung an. Solcher Drill war mir zeitlebens widerwärtig.

Beim zweiten Besuch beim Doktor war es mir natürlich nicht mehr eingefallen, meinen arabisch anmutenden Doktor mit meinem USA-T-Shirt zu provozieren. Aber dieser mein erster schlechter Eindruck mit Stories meines alt-linken Widerstandes gegen den Vietnam-Krieg, die US-Einmischung im Iran oder bei den Umstürzen in Südamerika war in der Kürze der Untersuchung nun nicht mehr zu korrigieren.

 
Hier lässt der Herbst die Blätter vergilben und fallen. Hier in München 2013 ist dies der natürlich November Lauf am Volkstrauertag. Die letzten Bomben fielen 1945 in diesem stillen, Stadt nahem Auenidyll.

Nunmehr sollen meinen Blutdruck morgendliche wie abendliche Ruhe-Sitzungen bei geschlossenen Augen soweit vermindern, dass mir weiter drohende Medikamente erspart bleiben. Manche meinen, dass diese Übungen "Meditationen" heißen. Doch mir fallen bei meiner medinaiver Versenkung nur noch mehr Spott und Sottisen ein.



Es lohnt nicht, bei sich wie den lieben Menschen mit mir genauer hinzuschauen. Man sieht dann doch nur, dass vieles kleiner ist, als schlaue Sätze sagen oder schreiben.

Mit Sauna-Besuchen und Radtouren und einer Nacht in erschöpfendem Schlaf gelang mir nun sogar schon eine Messung mit einem Blutdruck von 125 zu 89 am Morgen.


Diese verstohlene Stelle weiter fern vom Englischen Garten bleibt geheim. Denn hier schöpfen meine sorgenden Sätze Kraft in Einsamkeit. Soviel Unrecht, diese Schönheit allein zu genießen, darf sein.

In der zweiten Januar-Woche will mein besorgter Doktor 24 Stunden lang, meinen Blutdruck aufzeichnen. Diese Messung will der Doktar einen Tag darauf auswerten. Und wieder einen Tag später will der Doktor mir die Ergebnisse deuten.


Mein Doktor macht mir als medizinischem Laien kalte, nasse Füße. Es ist ein Gefühl, als neigt sich meines Lebens blühender Baum schwermütig in Richtung.....


...............in Richtung..............


 
Dies ist nach 35 Jahren ein "UpDate" meiner Arbeit von 1978.


Die Arbeit an diesem Blog-Beitrag hat meinem Blutdruck geschadet! Es ist Zeit, mich von der Last dieser Gedanken und Sätze zu befreien, mal was ganz anderes zu tun.

 
Wie wuchernde Efeu-Ranken des Baumes Lebenskraft beschweren, so hängen grausige Gedanken und schwere Sorgen an meiner Tage Heiterkeit. Es ist Zeit, was ganz anderes zu tun.

Also soll mich doch mein Wohnmobil, die Walkuh, wieder sanft nach Nordafrika schaukeln, mich in der fernen Fremde zu bergen.


Mir steht schon wieder mein Herz auf Abschied. Nur noch wenige Wochen mit meiner zärtlichen, fleißigen, sorgenden Liebsten zusammen. Dann geht es wieder auf lange, lange Fahrt bis unter die Sonne Afrikas.

 Keine fünf Minuten nach meinem Mail-Versand antwortet mir eine Freundin:

ein kenner der materie ist dein alter freund ziegengerd:
http://strophantus.de/heilpraktiker-1.html


Doch dieser gute Freund aus alten Studenten- und Straßenkampfzeiten gegen US-Imperialismus und Vietnam-Krieg beruhigt mich. "170 zu 111 ist zwar nicht schön. Aber früher sagte man: 100 plus Lebensalter. Später hieß es dann: 120 plus Halbes Lebensalter. Aber jetzt soll alles über 140 behandelt werden - am besten mit Pharmazie."

Aber nach ruhiger Versenkung in medinaiver Muße, misst meine Maschine viel, viel bessere Werte: 144 zu 100.


 



 

01 November 2013

Goldener Oktober

Der Sommer verspätet sich mit Temperaturen bis zu 24 Grad Celsius. Obgleich am 27. Oktober die Uhr auf Winterzeit umzustellen ist, kann man noch in Sandalen laufen. Unentwegte baden noch im Freien. Doch Ende Oktober fordert der erste Herbststurm Opfer.


Mit 90 Jahre ist meine alte Tante noch putzmunter und freut sich des Lebens in jedem Augenblick.


Die Vorbereitungen für den Winter laufen auf vollen Touren. Mit einer gewaltigen Maschine erntet der Fahrer dieses Gerätes in einem Vormittag ein Rübenfeld ab, welches größer ist als mehrere Fußballfelder.


Die Nächte fühlen sich frostig an. Doch die strahlende Sonne heizt See und Körper, dass manche sich in das beißend kalte Wasser wagen.


Die Strahlen der Herbstsonne fließen über das plätschernde Bächlein in Ismaning bei München.


Wer sich von Werbeseiten abmeldet,  kann leichter Wichtiges von Unwichtigem trennen. Ebenso sind diese Facebook-Bekanntschaften wertlos und im Reigen von Freunden gelöscht, welche ihnen unangenehme Botschaften löschen.

 
Wunderbares Facebook: Wer meinen Beitrag löscht, der wird als "Freund" gelöscht.


Wie Arme für Arme kommunizieren, erinnert mich an Gurdjieffs Kritik an Wissenschaftlern. Gurdjieffs meinte dazu: "Aus dem Leeren ins Leere gießen." Reden kann man viel, mehr noch als Schreiben, wenn der Tag lang ist. Doch meistens verursachen Reden in mir ein Gefühl, die Leere zu mehren statt sie füllen. Ein deprimierendes Gefühl von Lustlosigkeit steigt in mir dabei als Wut empor, Wut gegen sinnentleerten Zeitvertreib.

Auch wenn meine Sätze, meine Web-Seiten wie Herbstlaub sich färben und kraftlos auf den Boden fallen und modern, so bringt die Sonne, das Leben, die Reisen, mein Tun neue Sätze, neue Bilder, neue Webseiten. All das vergeht und verweht. Doch es geht nichts anderes.


Sich fort vom PC, fort vom Bildschirm sich zu bewegen, bedeutet aus der Zwei-Dimensionalität in Mehr-Dimensionalität zu springen. Meine Berichte ermüden - auch mich.


Die Wunderwelt zeigt sich in herbstlichen Farben. Ein mutiger Segler traut sich noch über die kalten Wasser des Feringa-Sees in München. Doch da war der Oktober erst drei Tage alt.


Drei Wochen später hat das Laub sich mehr gelb gefärbt. Hier scheint die Sonne über die Regnitz in Bamberg.


Bei dem schönen Wetter finden sich viele schöne junge Mütter, die ihre satten Kinder spazieren fahren.


Meine liebe Mima zeigt dem liebsten kleinen Armin die große Kuh im Stall, welche sich mit großen Hörnern schmückt.


Mit der Lenkung seines Gefährtes hat der kleine Mann noch Schwierigkeiten. Er steuert fröhlich in die Wiese.


Hier arbeiten fachkundige Hände daran, dem Pferd die Hufe zu pflegen und neue Eisen anzupassen.


Diese abendliche Stimmung liegt über einem Tümpel im Dortmunder Westen. Leider ist der See so von Schwermetallen belastet, dass dort kein Mensch badet. Frösche fühlen sich wohl dort.


Meistens, wenn es mich nach Aachen verschlägt, ist mir das Weltkulturerbe Dom einen Besuch wert. Obgleich mir die Organisation der Kirche zuwider ist, gefallen mir sakrale Bauwerke mehr und mehr, die Denkmäler dieser Organisation sind.


Kommt das Volk, beladen von des Tages Mühen unter die güldene Kanzel, so hypnotisieren schillernde Farben der Kirchenfenster, Halbedelsteine in der Kanzel sowie prächtige Kunstwerke den Andächtigen.


Früher fiel es mir mehr als schwer, dem Zauber und den Lockungen der Frauen zu widerstehen, jetzt mit 65 Jahren freut mich die sakrale Pracht- und Machtdokumentation der Klerikalen Kunststätten.


Als Symbol der hypnotischen Verführung durch Macht, Glanz, Pracht und Sonnenschein berühren die goldenen Strahlen auf dem kunstvoll verzierten Mauerwerk den Betrachter.


Kreuz, Kraft und Krone: Die weltliche Macht versammelt sich im Rathaus von Aachen. Ein ritterliches Denkmal über dem Brunnen zeigt, dass dieser gepanzerten Allmacht kaum etwas entgegen steht.


Zum Wohl der Allgemeinheit oder und zum eignen Wohl versammeln sich die Herrschaften vor dem Rathaus in Aachen.


Wer seinen Spott als Kunstwerk am Geldbrunnen so gelungen gestalten kann, der hat seinen hohen Platz in der Ehrenwerten Gesellschaft sich errungen.


Nach den wunderschönen Sonnenstunden zieht sich der Himmel wieder zu. Sturm kommt auf, Aachen erwartet seinen nächsten Regenschauer.



Dieses Gebäude zeigt seine religiotische Richtung nicht mit einem Kreuzesschmuck, auch kein Pferd oder Feldherr, nicht einmal ein Gartenzwerg hat sich auf der Wiese häuslich eingerichtet. Hier erinnert eine Buddha-Statue daran, sich trotz aller Geschäftigkeit in stiller Versenkung zu üben und beizeiten zu bescheiden. Vorausgesetzt: Die Rücklagen reichen zur Ruhe.


Dabei erfüllt sich mir mehr und mehr die Gewissheit: Ruhe gibt es erst in der letzten Ruhestätte: RIP - Rest In Peace. Davor strauchle im Stress! Der Traum, als Rentner mehr zu ruhen denn zuvor, ist - wie Träume zumeist - eine Illusion. Denn was schwerer fällt als Arbeit, das ist außerhalb aller Vorstellung meiner jungen Jahre geblieben. Es fällt schwerer und schwerer, den Körper in Schwung zu halten.


Wir wechseln uns auf unserer 2000 Kilometer Herbstfahrt ab. Dennoch erschöpft mich die Fahrt durch den stürmischen Herbst. Wir erforschen nicht weit von Frankfurt ein neues Thermalbad: Bad Orb. Der Stellplatz gibt uns Geborgenheit und Ruhe. Die Hitze der Sauna, die Wärme des Wassers hilft gegen bedrückende Stimmungen. Der Luxus in diesem Bad übertrifft die ungarischen Bäder bei weitem, allerdings auch der Eintrittspreis: 18 Euro für vier Stunden.


In Bad Orb steht das kleinste Fachwerkhaus in Hessen: Mit 1,52 Metern Breite reicht das Stübchen kaum, um die Beine auszustrecken.


 Bad Orb: Diese liebenswerten, romantischen Fachwerkhäuser umstellen den Marktplatz. Die drohenden Sturmwolken ziehen über die Giebel und Höhen, doch hier richtet der Sturm keinen Schaden an.


Die beiden Priester wachen wie Terracotta-Figuren über die Menschen in Bad Orb.


Der Ginkgo-Baum im Kurgarten von Bad Orb hat fast alle Blätter schon abgeworfen. Im Hintergrund schwingt sich die anmutige Konstruktion des teuren Thermal-Bades in die Landschaft unter dem grünlich schimmernden Dach.


Der Herbst zeigt wie kaum eine andere Jahreszeit die Vergänglichkeit des Lebens. Die braunen Blätter am Boden haben ihre Lebenskraft verloren und warten darauf, dass Laubbläser die Wege wieder frei räumen.


Goldener Oktober - so sagt man. Das Gold des Oktobers erinnert aber auch an das Sprichwort: "Nobel geht die Welt zu Grunde."


Wo Menschen in heilsamer, stiller Natur ihren Frieden suchen, da finden sich Angebote verschiedenster Art: Hier üben sich zumeist die Menschen in geführter Morgengymnastik nach den Anweisungen des rotgewandeten Meisters.


Diesem blühenden und aufblühendem Geschöpf sind Sorgen fremd. Mit Forscherfreude sitzt er auf einem gefederten Pferd und lässt seine Muskeln spielen. Mit gerade einmal zwei Jahren und zwei Monaten möge er noch ein Vielfaches von dem vor sich haben, was schon weit, weit hinter mir liegt.


Bamberg, immer wieder Bamberg: Universitätsstädte wie Bamberg oder Aachen, streng noch reglementiert von gut bürgerlichen Einkünften in hoch dotierten, sicheren Jobs bei Schulen, Kliniken, Behörden, Kultur-Tempeln und Kult-Kirchen haben eine leichtere und lustigere Lebensart und Atmosphäre als die beladenen Arbeitsstätten der Produktion. Dort reihen sich Autobahnkreuzen, Schnellstraßen und Energie verschlingende Produktionsstätten aneinander, und lassen kaum Raum für ruhigere Beschaulichkeit.


Kein Mode-Designer, kein Kleiderschrank einer modischen Diva kann mit diesen herbstlichen Farbspielen von Himmel und Bäumen mithalten. Immer wieder faszinieren mich wie die meisten Touristen aus aller Welt diese Ausblicke in Bamberg, hier von der unteren Rathausbrücke auf Klein-Venedig.


Diese Fähre für Fußgänger und Radfahrer treibt die Strömung der Regnitz. Die Einkünfte der Stadt reichen aus, um solchen liebenswerten Luxus zu finanzieren. Die Einnahmen des Fährmanns reichen niemals für den Unterhalt des Gefährts.


Einst sollen diese stattlichen Villen im stadtnahen Hain-Gebiet reichen jüdischen Hopfenhändlern gehört haben. Jetzt sieht man selten Licht in den Gebäuden aus der Jahrhundertwende. Der Allrad-MAN baggert die Laubhaufen auf, um sie aus dem guten Wohngebiet abzufahren.


Der kleine Mann erlebt erst seinen dritten Herbst. Mima gibt ihm eine Weintraube. Sonne, Farben, süße Trauben, frohes Kinderlachen sind die besten Heilmittel gegen herbstliche Sorgen.


Bevor der Autor nun in seine November-Depression schlittert und schleudert und schwafelt, noch eine Erinnerung an das Beste: "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, bleibt ein Narr sein Leben lang."

Quintessenz Allerheiligen

 
 Weil er es nun nicht lassen kann, hebt er zu predigen an, der fromme Mann.
 

 Die Nacht zu "Allerheiligen" ist wie viele zuvor ein Kampf mit meinem schmerzenden Magen. Hinzu kommt, dass diese nunmehr mehr als 2000 Kilometer lange Herbstfahrt in den Winter führt, allegorisch vom bunten Herbst des Lebens in die Kälte des Winters. Wer es über den Winter schafft, bleibt abzuwarten.
 
 
Es ist ein Gefühl, wie durch ein Kriegsgebiet zu rauschen.

Es ist ein Gefühl, wie durch ein Kriegsgebiet zu rauschen. Die öffentlichen Nachrichten sind weiter keines weiteren Kommentars mehr wert. Jeder kann selber lesen, den nicht längst der Ekel vor den gesellschaftlichen Verhältnissen in Resignation und zum Rückzug aus öffentlichen Diskussionen getrieben hat.
 

Was dann dennoch bleibt, sind die Einschläge in den individuellen Kreisen befreundeter oder auch nur bekannter Menschen, die exakt im Kleinen das Elend spiegeln, welches im Kollektiv zu kolossaler Kakophonie angelaufen ist und weiter bis hin zu Lebensgefährlichem kriegerischen Chaos sich steigert.
 
 

Wer im globalen Dorf "Erde" mit Sinn sich eingerichtet hat, fühlt mit, wenn die Bomben beim Nachbarn fallen. Die Einschläge sind stets viel zu nah.
 
 
Des Grabes Parkuhr ist abgelaufen: "Bitte beim Friedhofsamt vorsprechen." Dass das dem Zahlmeister passiert, ist schon tragisch.

Mit den Jahren altern auch die Freunde, Verwandte, Bekannte im Kreis ringsum. Eine schlechte Nachricht jagt die andere. Junge gehen früh verrentet raus aus dem Rattenrennen. Was dazu zuvor an gesundheitlichen Schäden konstatiert wird, lässt selbst den ödesten Arbeitsprozess wie eine Ferienfahrt erscheinen.
 
 
Was hier wie eines Waldes Gruft erscheint, ist in Wirklichkeit ein Bierkeller. Diesen bauten die Altvorderen in die Kühle des Berghanges, um dann zur Sommerzeit in Waldesruh zu schlemmen und zu saufen.

Andere trifft der Schlag, eine Woche bevor sie ihren Rentenantrag überhaupt erst einreichen. Im Kreis der Nacktbadenden treffen sich Rentner, die Herzrhythmus-Störungen oder Gesichtsoperationen nach Hautkrebs plagen.
 
 
Herbstlich ruhet der Wald, warte gar balde, ruhest auch Du.
 
 
Nach unserer ersten Frostnacht Ende Oktober kämpft sich die Sonne durch den morgendlichen Nebel.
 
 
Väterchen Frost verzieht sich schnell, wenn die erste Sonnenstrahlen den Raureif küssen.
 
Was sich an Konflikten zwischen Vätern und Söhnen abzeichnet, lässt im krassesten Fall überhaupt jede Verbindung abbrechen. Streit allein als übliche Ausgangsbasis scheint eine friedvollere Alternative als die vollkommene Sprachlosigkeit. Dass aus vollkommen gestörten und verstörenden Verhältnissen solche Männer unfähig sind, ein eigenes Kind zu stützen, versteht sich fast von selbst. Die Verantwortung manch junger Paare mit der Geburt eines Kindes sein Leben auf die Bedürfnisse dieser jungen Kreatur einzustimmen, geht einfach nicht einher mit der Lust und der Sucht wie an digitalen Daddel-Automaten seine eigene Verblödung zu feiern und als Krone von Abstumpfung seine Spielergebnisse im Kreise sogenannter Freude bei Facebook zu präsentieren - möglichst einem vierstelligen Kreis von sogenannten Freunden.
 
 
Die Knute von Pfaffen und Fürsten, die das Volk zum Fron- und Kriegsdienst knechtete, ließ zwischen Blut, Schweiß und Tränen Denkmäler zu Ehren Jesus und anderer Gefallener entstehen.. 
 
Ein Überdruss stellt sich ein im Treffen, der die Sehnsucht weckt, allein zu sein, allein daheim. Meine Frau spielt auf der Klaviatur sozialer Beziehungen weitaus geschickter. Das Motto: Nimmt's positiv, bleibt bei pessimistischer Empfindung eigener Schmerzen und Empathie mit Schmerzen anderer ausgeschlossen. Es gibt nichts Positives im individuellen wie kollektiven Untergang. Verrottete Verhältnisse erleuchtend esoterisch oder sonst wie rigid religiotisch gesund zu beten, ist verlorene Liebesmüh.
 
 
Der technologische Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Hier holten aus tiefem Brunnen die Durstigen in Streifling bei Pottenstein mit einem Übertragungsgetriebe das Wasser aus dem Schacht. Eine Sperrklinke hindert das Zahnrad daran, sich rückwärts zu drehen. So schnellt der volle Eimer nicht zurück in den Brunnen, wenn der Arm an der Kurbel erlahmte. Die Kurbel muss man sich am kleinen Zahnrad dazu denken.

Als Quintessenz aller Unverträglichkeiten bleibt die Lehre, das Unerträgliche zu ertragen. 
 
 
Wie verwunschen liegt das Traumhaus meines Freundes in der herbstlichen Sonne. Endlich daheim, bei sich angekommen findet der Weltenbummler eine Heimstatt, seine Ruh.
 
 
Durch diese hohle Gasse muss sie kommen, die 3,5-Tonner-Walkuh-Diesel-Heimstatt. Getreu eines mir bislang unbekannten Hebammen-Spruchs, gelang es auch, das kostbare Gefährt unbeschadet wieder rückwärts hinaus zu bugsieren. Der Spruch lautet: "Was reingeht, geht auch wieder raus."
 
 
 
Das Anwesen aus dem Jahr 1813 fand im Jahr 2013 neue Besitzer, jung und kraftvoll und mit dem Notwendigen gesegnet, sich hier einen Rückzugsraum von den Unbilden der Stadt und der Menschen zu schaffen.
 
 
 
 
Verbrauch: 14,76 Liter/100 Kilometer - 2178 meist schnelle Autobahnfahrten - 321 Liter Diesel für  449 Euro