03 August 2014

Sommerfrische Bamberg

In Freude, Frust und Freiheit des Schreibens jagen meine Finger nicht für Lohn, Lust- oder Liebesdienste über die Tasten. Freude, Frust und Freiheit des Schreibens stellt meine Sicht und Meinung dar, ohne auf Befindlichkeit oder Erwartung eventueller Leser rechnen zu müssen. Im Gegenteil wäre zu gestehen: Das "Gesunde Volksempfinden" zu verletzen, scheint mir notwendiger als dessen einzigartige Erwartungen und beklemmende Bedürfnisse zu füttern.

Mir geht es mehr darum, zu den Quellen meines Schaffens, meiner Intuition zu finden - in Freude wie in Frust und vor allem in Freiheit! Mehr geht es mir darum, mich gedanklich bei Buchstaben zu ordnen und mich meiner bunten Tage in Bildern zu erinnern und zu erfreuen.





Schon nach zwei Tagesreisen gelingt es mir, das 250 Kilometer von München entfernte schöne Frankenland zu erreichen. Nach einer Nacht an einem meiner Lieblingsplätze in Hilpoltstein steht dann mein rollendes Haus wieder an der Regnitz in Bug bei Bamberg. Die Erlebnisse in der heilsamen Natur
lassen die Schrecknisse der politischen Perversionen in den Hintergrund rücken. Eine letzte Erinnerung an Augsteins SPON Suada stehe hier als meine Meinung - abschließend:



Die Welt gerät für Millionen Menschen zunehmend aus den Fugen. Mit dem Abschuß der Boing MH17 mit 298 Toten über der Ukraine schlagen politische wie mediale Eliten "Schaum-vor'm-Maul". Wie immer geht es darum, die Schuld von einer auf die andere Seite zu schieben - und zurück.


Alte Männer, wie Wolf Schneider, blicken mit 89 Jahren zurück auf Leben wie Werk. Mit Gleichmütigkeit verkünden wache Greise wie Wolf Schneider Gesetze, welche das Leben lehrte: "Nicht der Frieden, sondern der Krieg ist der Naturzustand des Menschen." Na und? Was kümmert mich das als Rentner in Ruhe an der Regnitz? Mehr als die Frage ahnen lässt: Der tägliche Kriegs- und Katastrophenbericht der Nachrichtenlage bedrückt mich.


Mima, meine Liebste, ist mit ihrem eigenen Bus schon voran nach Bamberg gereist. Wenn wir einander fremd sind, schläft sie in ihrem einfacheren Wohnmobil. Sie muss sich von ihrer überaus anstrengenden Saisonarbeit erholen. Mir muss es erstmal wieder gelingen, mich an das Leben mit ihr einzufinden. Nach einsamen Monaten in den vergangenen drei Wintern fällt es mir schwer, auf ihre Befindlichkeit einfühlsam Rücksicht zu nehmen. Doch nach bald 10 Tagen gemeinsamer Ruhe am Camp in Bug an der Regnitz  gelingt es uns beiden besser und besser.


Camps haben ihr eigenes Leben. Fahrzeuge kommen und gehen. Die Jungen lagern in Zelten direkt am Ufer der Regnitz. Das Paar in diesem Oldtimer Gespann will seinen Volvo, Baujahr 1962, gleich mit seinem Eriba-Anhänger, Baujahr 1961, verkaufen.


Eine alte Feuerwehr auf Benz-Basis kommt mit dem satten Sound des Hubraum starken Sechszylinders. Die junge Familie hat einfach in den Laderaum eine Matraze gelegt, ein Vorzelt gespannt und schaut entspannt ins Grüne.


Statt der ursprünglichen hinteren Zwillingsbereifung schmücken den Daimler großkalibrige Riesenräder. Es ist zwar laut in der Fahrerkabine, der Motor schluckt leicht auch 20 Liter und mehr auf 100 Kilometer, doch das Fahrwerk wie die solide Bauart garantiert für die nächsten Jahrzehnte ein Fortkommen durch Dick und Dünn. Allerdings muss der 7,5 Tonner alle Jahre zum TÜV - und tanken.


In Bamberg feiern die Menschen den kurzen Sommer wie in vielen Städten. In Nürnberg ist das berühmte Bardentreffen. Bamberg feiert zuerst am Kanal, dann folgt das Blues-Festival.


Für die Kanalfest-Tage hat sich die Gastronomie besondere Schmankerl ausgedacht. Die Räuchertonne bietet dem Feinschmecker Fischspezialitäten.


Wir dürfen ein wenig Onkel-Opa und Oma-Tante spielen. Mit gespannter Aufmerksamkeit bändigen wir den dreijährigen Wildfang in unserer engen Auto-Hütte.


Voll Lebenslust und Tatendrang springt der kleine Mann über seinen eigenen Schatten. Das Camp an der Regnitz bietet genug Abenteuer, die den kleinen Forscher begeistern.


Dies "Höher! Schneller! Weiter!" scheint schon "ab Werk" so angelegt zu sein: Der Knirps in seiner Schaukel kräht seine Anweisungen, die Mima gerne befolgt.


Unsere bald besten Freunde sind aus der fränkischen Schweiz angereist. Klaus hat schon seine schweren, starken Schraubergriffel griffgierig ausgefahren, um meine muntere Mima herzlich zu drücken.


Zu unserer Überraschung gibt es in Bamberg auch eine "Montags-Demo". Es sind meistens junge Leute, welche sich um den Frieden sorgen. In vielen Städten demonstrieren fast jeden Montag abend viele Menschen auf ähnliche Art, die hier in Bamberg sich in freier Rede austauschen.


Es hat vier schlaffe, müde Tage gebraucht, bis unsere "Gummigurke" startklar war. In den ersten Urlaubstagen hat meine Energie in den heißen Mittagsstunden gerade einmal dazu gereicht, mich in den kühlen Wiesenfluss zu wälzen. Das Wasser hat mit Sicherheit nicht die Trinkwasserqualität wie der Königssee bei Berchtesgaden. Doch die Dusche danach tut gut. Im Fluß zu schwimmen, macht mir mehr Spass als in einem stehenden Gewässer.


Nach anstrengender Fahrt flußaufwärts rasten wir an einer einsamer Insel.


Das ist der Maxplatz in Bamberg. Dort arbeitet ab November meine Mima mit mir in ihrer Weihnachtsmarkthütte vier harte Winter-Wochen. Jetzt rasten in der Abendstimmung die Menschen von des Tages Mühe.


Auf Radtouren zum nächsten Bierkeller nach Pettstadt erweisen wir alle Ehre dem Brückenheiligen, der dort schon seit 1872 steht.



Die Tankstelle beim Schmid von Pettstadt hat sich den ländlichen Charme aus dem vorigen Jahrtausend bewahrt.


In Pettstadt befördert ein Fährmann Radfahrer und Wanderer über die Regnitz.


Mima schwimmt und quakt wie eine Ente. Doch eine Dame meint, dass ihr Quaken sich "menschlich" anhört.


Dies lange Zelt bewohnt eine Familie. Vom Fenster aus sehen sie die Boote auf der Regnitz. Dort verkehren Paddel-, Ruder- und Tretboote. Selten, dass ein Elektroboot eine Rudermannschaft begleitet und trainiert.


Wer mehr Geld in die Hand nimmt, kann sich eine Gondel mit Chauffeur mieten. Allerdings fehlt der Gesang der Gondoliere, weil diese sich im "Stimmbruch" befänden.


Weltkulturerbe Bamberg begeistert vor allem mit dem Rathaus auf der Regnitzinsel, mit dem Dom und dort mit dem Bamberger Reiter.


Als weitere, wohl einmalige Attraktion verfügt Bamberg über ein Gefängnis mitten in der Stadt in bester Lage mit Blick auf die Regnitz. Doch zur Kapital intensiverer Nutzung liegen schon Pläne vor, das Gebäude für prominenteres Publikum, vor allem auch für zahlungskräftige Kunden, zu nutzen.


Mima trifft in einer Woche in Bamberg mehr Freunde als wir in München in einem Jahr.


Gut möglich, dass mehr Chinesen in Bamberg, Bayern und Deutschland unterwegs sind als Deutsche in China.


Mit eindrucksvollen Lichteffekten verabschiedet sich der erste Augusttag in Bamberg.


Im Hinterhof des "Sandschlösschens", das Mima auch noch nicht kannte, lauschen wir irischer Musik. Eine Steptänzerin lässt uns den Rhythmus fühlen, den wir begeistert mitklatschen.


Nachdem wir in glühender Augustsommerhitze auf dem fränkischen Höhenweg das acht Kilometer entfernte Pödeldorf per Fahrrad erreicht haben, dort Blaubeeren gegessen und gepflückt haben, essen und trinken wir in einer Dorfwirtschaft. Die beiden vegetarischen Gerichte, Bratkoffeln mit drei Eiern, und Pellkartoffeln mit Quark kosten mit einer Radlermaß und einem Apfelsaft gerade einmal 14 Euro. Dazu verspeisen wir noch mitgebrachte Salatblätter, Tomaten und Radi.


Eines allerdings ging völlig daneben: Mein Mut, nur kurz einmal meine Zähne auf Schäden durchzusehen, motivierte den begeisterten Arzt dazu, mir gleich eine vollständige Renovierung meiner alten Kronen anzubieten. Um dem Folterstuhl zu entkommen, setzte mein Verstand vollkommen aus. Der Arzt bekam für all seine gut gemeinten ärztlichen Vorschläge nur noch meine bejahende Zustimmung, was mir stundenlange Termine zur Weihnachtsmarkt einbringen sollte. Das schien dem Doktor nach Begutachtung von vier Röntgenbildern angebracht. Anschließend war mir vollkommen schleierhaft, wie der gute Arzt meine Zustimmung zu diesen Röntgenaufnahmen überhaupt erst erhalten hatte.


http://www.n0by.de/2/rst/mima/2014.html



Zwei Generationen der Autoschmiede Seitz mit dem Tikro: Unser erster auf Basis eines VW-Crafters Baujahr 2007, davor auf Peugeot

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