19 März 2015

Aus Paestum und Corigliano von Krieg und Bürgerkrieg

Flatrate im Camping Villaggio Thurium Calabria erlaubt ausgiebigere Recherchen. Der beginnende Bürgerkrieg in Frankfurt korreliert mit dem Krieg in der Ukraine. Deutschland muss mehr rüsten. Das kostet. Sozial abgeschriebenes Prekariat sieht harte Zeiten kommen: Das gilt für Rentner, Arbeitslose, prekär Beschäftigte ebenso wie für Krankenschwestern, Polizisten, Verkäufer, auch für Redakteure.

Pause in Paestum. Dort stärkt mich ein zweiter Tag für den nächsten Schritt gen Süden. Seit Wochen wabert ein Tiefdruckgebiet über Italien. Das bringt Regen und Kälte.


Eine lange Radtour am regnerischen Vormittag von Paestum nach Capaccio: Wo gibt es Internet-Flatrate? Eine Flatrate wie in Marokko war bislang nicht aufzutreiben. Vodafon bietet für einen Monat zehn GByte für 30 Euro plus der SIM-Karte für 10 Euro. Zehn GByte sind schnell verbraucht.



Calabrien bei dem schmuddeligen Regengrau drückt auf meine Stimmung. Es gibt viel verfallene Armut. Paestum hat zwar schon ein neues Bahnhofsgebäude. Doch die Ruine des alten Bahnwärterhauses steht noch mit schwarzen Fensterhöhlen neben den Gleisen.



Immerhin gibt es neben dem Vodafone-Laden ein Kaffee. Dort stärken mich Pizza, Wasser, Milchkaffee und ein köstliches Zitronentörtchen. Nachdem mich Stunden meiner Radtour im nieselnden Regen durchnässt haben, ist die Mittagspause wohl verdient.


Die griechisch-römischen Ruinen haben ein weitaus besseres Image als verrottende Wohnwagen, deren zerbrochenes Inventar aus Hartplaste in grünlichem Schimmel schimmert.


Grünlich wuchert Moos am griechischen Sarg. Bei dieser "Ruhestätte-ohne-Fenster" haben vermutlich mehrere Grabräuber mit vereinten Kräften die tonnenschwere Grabplatte abgehoben. 


Wo Priester und Eliten in solchen Tempeln promenierten, da wollen die Hinterbliebenen ihre Vorfahren nicht in Tontöpfen oder unter einem Baum verscharren.



Breit und bräsig steht der Tempel. Er hat Jahrhunderte, Wind und Wetter und vandalierenden Kriegshorden überdauert.


Die heutigen Zeiten in Kalabrien scheinen unsicher: In Capaccio zeigt dies Schmuckgeschäft seine Preziosen nur in einem winzigen Schaufenster. Vor dem Betreten des Ladens muss man alles Metall im Schließfach deponieren. Erst wenn die Eingangsschleuse kein Metall mehr beim Kunden vermeldet, gewährt der Juwelier Einlass - vielleicht.


Meiner rollender Studierstube in Paestum fehlt die Flatrate ins Internet. Das dreistündige Deputat, welches der Campingplatz dort gewährt, ist schnell verbraucht. Dafür dröhnen die Autolautsprecher von einem gewaltigen Konzert des Bayerischen Rundfunks. Der Astra-Satellit lässt mich Bayern Klassik mit Strauss, Berlioz, Bartholdy wie mit Wagner genießen. Die Bluetooth-Verbindung vom Alphatronics-TV, welcher Tags als Radio dient, zum Autoradio vom gleichen chinesischen Hersteller macht sich bezahlt. Der 500-Watt Heizlüfter schafft 22 Grad Wärme, während der regennasse Tag am Meer nicht mehr als 13 Grad zeigt. Doch nach Mittagsschlaf und Kaffeepause, nach unterhaltsamer Lektüre wie der romantischen Droste-Hülshoff Erzählung von der Judenbuche klingt ein geruhsamer Wandertag aus.


Meine wuschelige, puschelige Frau daheim wird sich um 19.00 Uhr zum Skype-Gespräch verabredungsgemäß einfinden. Das Bild zeigt sie auf unserer Italien-Reise im September 2002. Das kleine Auto lässt auf längeren Reisen wenig Raum für zwei Personen. Da hat sie sich schon Rüffel wie "Nervhasi" oder "Muffel-Bär" eingehandelt. Zudem hat sie bei unserer gemeinsen Marokko-Reise im letzten Januar-Februar über die Anstrengungen geklagt. Doch je weiter und länger sie fort von mir, wird sie wichtiger, hilfreicher und heilsamer, meine liebe Steffi-Mimamai Frau. Doch es ist ja auch leichter, sich aus der Ferne mit liebenden Sätzen zu schmeicheln. Zum Beispiel bieten Farmer bei Paestum Mozarella aus Büffelmilch an. Meine Frau will Bilder der Büffel sehen:




Die letzte Büffel-Dame schenkt mir mehr Beachtung als ihrem Futter. Die fruchtbare Erde hat den Griechen in Paestum eine Kornkammer geschenkt. Dazu liefert der Fischfang Eiweiß.


Mit einem letzten Strandspaziergang und mit sehnsüchtigen Blicken auf das Meer zwischen den links und rechts aufragenden Bergketten steht mir der Abschied von Capaccio und Paestum im Sinn. Der nächste Platz liegt bei Corigliano in etwa 220 Kilometer. Das Camping Villaggio Thurium ist ganzjährig geöffnet. Doch weil noch Zeit von meinem Deputat der drei Internet-Stunden/Tag übrig sind, sollte jeder, wer Zeit und Lust dazu hat, sich dieses Interview anhören:



 KenFM am Telefon: Willy Wimmer - Albrecht Müller - Dr. Daniele Ganser: Krieg gegen Russland


https://www.youtube.com/watch?v=uUht1s6m-7Q



Amerikanische Aussenpolitik wird, bevor sie das Weißen Haus verkündet, in Think-Tanks erdacht. Hier geht es vor allem um private Ziele die dann militärisch vom Staat umgesetzt werden. Einer der einflussreichsten Denkfabriken für Geopolitik nennt sich STRATFOR (Strategic Forecasting Inc) und wird von Georg Friedman geleitet.
Am 5. Februar 2015 traf sich STRATFOR in Chicago um über Krieg und Frieden auf dem Europäischen Kontinent zu beraten. Nach der Tagung kam es zu einem finalen Statement von Friedman. Der Gründer der Organisation nahm dabei kein Blatt vor dem Mund und sprach ganz offen über seine Ziele wenn es um die Politik der USA in Europa geht. STRATFOR ist auch im Umfeld des Präsidenten aktiv und hat einen heißen Krieg in Europa quasi beschlossen. Primäres Ziel dieses Krieges ist es, so Georg Friedman, einen Keil zwischen die Deutsch-Russischen Beziehungen zu treiben.


Der von Putin vorgeschlagene gemeinsame Wirtschaftsraum, der sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt, ist den USA mehr als ein Dorn im Auge. Sie betrachten diese Idee als Kampfansage gegen Washington und sind bereit, dafür den Frieden in Europa nachhaltig zu zerstören.
Geht es nach STRATFOR, schießen Übermorgen schon wieder Deutsche auf Russische Soldaten.
Georg Friedman macht aus dieser Machiavelli-Politik keinen Hehl. Er gibt offen zu, dass die USA seit je her alles getan hätten um Russen und Deutsche wann immer es geht gegeneinander aufzuhetzen.
KenFM wagt einen umfangreiche Analyse der STRATFOR-Pläne und sprach dazu mit Willy Wimmer, Albrecht Müller und Dr. Daniele Ganser. Es geht auch um die Frage wie die europäische Politik sich aus dem zerstörerischen Kriegskurs der USA lösen können und welche Rolle aktuell der neuen Friedensbewegung zukommt.



Zumindest Willy Wimmer wie Albrecht Müller sind alte Männer, die nichts anderes wollen, als Schlüsse aus ihrer reichen Lebenserfahrung zu folgern. Für diese Männer wie auch für Dr. Ganser kommt Krieg näher. Doch damit vorerst genug der leidigen Politik. Jeder sollte sich klar darüber sein, dass Krieg uns alle Freuden und Früchte unserer Arbeit nimmt, sofern wir überleben. Erstmal weiter auf den Weg von Paestum nach Corigliano, an die Ostküste Süditaliens.



Am meisten auf der Fahrt beeindruckt mich die zauberhafte Küstenstadt zwischen aufragenden Bergketten Sapri.




Hier geht die Berg- und Talfahrt der Küstenstraße hinunter zu dem zauberhaften Städtchen Sapri. Das Meer schimmert durch die Bäume. Die Bergkuppen schmücken ihr schneegraues Haupt.


Während die Farben bei dem wolkenverhangenen Himmel erblassen, fährt man leichter in der Kühle. Dass es dann aber noch dicken Nebel in den Bergen gibt, das Thermometer nur noch sechs Grad zeigt, ist wiederum hinderlich.


Erstmal gibt es eine geruhsame Mittagspause am Meer. Es stört kaum Verkehr. Touristen sind außer mir noch nicht unterwegs.


Wie um mir den Abschied von Sapri zu erschweren, blinzelt sogar noch die Sonne durch die Wolken. Dass es dann in den Berghöhen so kalt und neblig werden würde, war da noch unvorstellbar.




Hier sind schon etwa acht-, neunhundert Höhenmeter erklommen. Die Berge sind kahl. Schnee liegt noch auf den Kuppen.





Die Karte verspricht dann etwa 20, 30 Kilometer hinter Sapri die schnelle Autobahn zur Ostküste. Doch die Freude, auf der Autobahn entspannt Kilometer abzuspulen, währte nur kurz. Dann war die Bahn wegen Bauarbeiten gesperrt. Es ging wieder in Berg- und Talfahrt auf kleinen Nebenstrecken, durch die sich auch der Schwerlastverkehr kilometerlang quälen musste. Bei meinen Mittags- und Kaffeepausen nötigten mir die 220 Kilometer etwa sechs Stunden Arbeit am Steuer ab.
 

Noch reicht die Sicht bis zu den Bergen, wenig später sieht man in den dichten Wolken keine 50 Meter mehr weit.


Endlich hat das Auto wieder einen festen Standplatz unter den Rädern im Camping Villaggio Thurium. Zwei Langzeit-Urlauber aus Coburg helfen mir, den Strom anzuschließen. Weil der Kasten gesichert ist, schrauben sie die Lasche ab, durch die der Schloßbügel führt. Mit eingeschalteter Sicherung stehen mir drei Ampere zur Verfügung. Die reichen für Heizlüfter, Kühlschrank wie Ladegerät. Der Heizlüfter muss wieder nachts durchlaufen, weil die Temperatur auf sieben Grad abfällt.


Castello die Corigliano, Calabro

Neuer Tag, neues Glück. Eine lange und beschwerliche Radtour von etwa 30 Kilometer an der belebten Hauptstraße entlang soll mich nach Corigliano bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass von Meereshöhe bis zum Schloß noch 300 Höhenmeter zu überwinden sind. Doch die reiche Bilderbeute entschädigt mich für die Anstrengung.


Das Rentnerpaar begnügt sich auch mit einem VW-LT, dem Vorgängermodell meiner Kutsche. Allerdings ist dieser Kastenwagen mit der Schiebetür nicht so komfortabel und nicht so gut isoliert. Doch weil sie seit Februar schon hier stehen und über das schlechte Wetter schimpfen, haben sie ihren Wohnraum mit dem Vorzelt vergrößert. Das mitgeführte Moped erleichtert ihnen die notwendigen Einkäufe.


Meine Ankunft in Calabrien fällt mit der Apfelsinenernte zusammen. Am Abend liegt über der Plantage der starke Duft dieser Südfrüchte.


Einen Luxus wie Radwege kann mit in Corigliano, Calabria, vergessen. Dicht drängen sich Schwerlastwagen am mühsam strampelnden Radler vorbei, hupen kurz bei Engpässen, dass man sich besser in den Grünstreifen drückt. Wäsche flattert von den Plattenbauten. Plastikmüll bis zu entsorgten Fernsehern modern in Gräben und Ecken. Dass die Radreifen unbeschadet über all die Splitter kommen, ist ein Wunder. Erste Eidechsen huschen an den sich erwärmden Steinen. 


Noch liegt Corigliano mit seinem Castello in weiterer Ferne. Die Sonne lässt mich meine beiden Pullis im Rucksack verstauen. Der Fußweg erleichert das Radfahren.


Zwar sind meine Muskeln müde und mürbe. Doch so kurz vor dem Ziel gibt es kein Zurück!

Auch wenn es nur noch zwei Kilometer sind, die Steigung steht mir noch bevor.


Die enge, befahrene Bergstraße lässt sich umgehen, wenn man seinen Drahtesel über diese Treppe schleppt. Dabei kommt man den historischen Wohnstätten viel näher.


Das für Italien typische Ape-Dreirad schmiegt sich eng in die Lücke. Ape-Dreiräder transportieren hier Lasten, während sie in Deutschland zumeist nur als Werbeträger Parklücken verstopfen.


Die Kirche ist gut erhalten, die Ziegelei daneben verfallen. Das Meer im Hintergrund muss man sich denken, weil es meine kleine Kompakt-Kamera nicht ins Bild bringen kann.


Ganz gegen meine Gewohnheit steht aus Gründen des Kräfte-Management der Besuch dieser Kathedrale nicht mehr auf meinem Programm. Historische Altstadt wie Schloss haben Vorrang.


Da mein Drahtesel unten an der Post beim Park angeschlossen stehen blieb, lässt sich leichter steigen. Die Straße steigt steiler an, als sich Laterne zur Seite neigt.


Schon in Portugal sind mir viele Häuser aufgefallen, die der Zahn der Zeit angenagt hat. Doch dies Eckgebäude mit der flatternden Wäsche bedarf auch gründlicher Renovierung.


Das Haus an der steilen Kehre ragt hoch hinaus. Die kleinen Fensterluken lassen die Hitze im Sommer draußen. Ob jemand dort noch wohnt, lässt sich nicht feststellen.


Blick auf das Schloss....

...Blick vom Schloss


Zugang zum Schloss über die Zugbrücke und zum Turm. Der Turm lässt sich leider nicht bis auf die Zinnen hinauf besteigen. Doch die Putzfrau öffnete mir zumindest den Zugang, um bis auf die Fenster in der ersten Empore zu kommen.


Wenn schon Schloss, dann auch Zentralheizung.
Die Schlossküche glänzt mit majestätischem Format. 


Auffällig sind die großen Schraubenfedern an der der Vorderachse, die zusätzlich zu den Blattfedern angebracht sind.


Die Schlosskapelle stellt als Altar die Heilige Jungfreu Maria mit dem Kind dar. In der Kuppel zeigt sich wie in den Himmel aufgefahren der Gekreuzigte.


Nachdem die Schlossküche mehrere Gänge bereitet hat, andächtig die hohen Herrschaften in der Schlosskapelle gebetet haben, setzt man sich an die fürstlich gedeckte und geschmückte Tafel.


Überwältigt von all der Pracht und Herrlichkeit und zudem ermüdet vom Aufstieg und Anfahrt zum Schlossberg, muss die Stuhllehne den Wanderer stützen.


Was nicht zu vergessen und zu vernachlässigen ist: Steuern und Abgaben ermöglichen den Eliten ihren aufwändigen Lebensstil.


Der Briefträger fährt Post per Moped aus.


Das ähnliche Bild wie in Portugal: Wo die historische Altstadt noch am ursprünglichsten sich darstellt, da will kaum einer mehr wohnen. Der beschwerliche Zugang über krumme Treppen und nicht einmal Zufahrt per Moped mindern die Wohnqualität.


Das Bild gibt ein guten Eindruck von Corigliano in Kalabrien. Dabei sehe man die vielen jungen Männer, die vermutlich ohne Arbeit am Vormittag auf der Straße stehen und palavern, einige Autos mit rumänischen und bulgarischen Kennzeichen, und auf meinem Rückweg per Rad an jeder Haltebucht an der stark befahrenen und lauten Straße junge Nutten, grell geschmickt, auf Fuß ramponierendem Stöckelschuhwerk in hautengen Strumpfhosen.


Dies ist der Blick vom anfangs gezeichneten Viadukt, welcher die beiden Stadteile auf gegenüberliegenden Hügeln verbindet. Der Bus wendet vor dieser engen Zufahrtstraße in einer abenteuerlichen Schleife.


Der Viadukt ist einfach nur einen Fußweg mit gebrannten Pflastersteinen.


Der alte Audi vorn rechts im Bild passt zur Stadt. Mit den durchrosteten Türblechen hätte er bei unserem TÜV keine Chance auf Zulassung. Wer sich die Bilderflut aus Chefchaouen, Marokko, einlaufen lässt - Flatrate sei Dank hier! - , die mein Bruder gestern in seinen Blog gestellt hat, ist vielleicht überrascht. Trotz eines weit niedrigenen Lohnniveaus, einem weit niedrigeren Lebensstandard der meisten Marokkaner, macht Chefchaouen einen aufgeräumteren Eindruck als Corigliano in Kalabrien. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Chefchaouen mehr Touristen gewinnen kann als Corigliano.

Blog von meinem Bruder in Chefchauen 
Zurück in unserem Jahrtausend, zurück im Großkaufhaus Auchan, vorwärts zum Ostergeschäft: Dieser materielle Aufwand ist in marokkanischen Großstädten zwar auch in Großkaufhäusern zu finden. Doch die größte Kette Marjane gehört dem König Mohammed, dem Sechsten, kurz M6, und versorgt neben Touristen die marokkanische Oberschicht.

16 März 2015

Sorrento - Amalfi-Küste - Paestum

Von der sonnigen Fülle Roms in die regnerische Einsamkeit am Meer: Sorrento. Nach zwei Tagen weiter auf der wunderbaren Straße der Amalfi-Küste zur Weltkulturerbe-Stadt Paestum.








Mit diesen vier Bildern meiner letzten Radtour durch Rom am Abschiedsabend aus der herrlichen, aber auch Nerv aufreibenden Fülle der Großstadt geht es dann wieder auf die Straße, auf den Weg nach Süden. Eine Etappe von etwa 280 Kilometer mit einer Autobahnstrecke bis südlich von Neapel sollte doch am sonnigen Samstag leicht zu schaffen sein.



Doch das ist das vierte Frühjahr seit 2012, wo es mich wie die jungen Fernfahrer auf ihren tonnenschweren Lastzügen, durch Europa, Nordafrika zieht. Obgleich mich der CD-Player mit einem Hörbuch von Thomas Mann mit Doktor Faustus unterhält, fallen mir die langen Strecken schwerer und schwerer. Wie mein Bruder in seinem 30jährigen Hymer in einem Monat bald 10.000 Kilometer Marokkofahrt abreisst, ist mir schleierhaft. Vielleicht ist es seiner vergleichbar jugendlichen Jahre zu verdanken, da er ja gerade mal erst 64 Jahre alt ist? Jedenfalls gelingt es mir mit Pausen mit Speisen wie schmackhafter Salatschüssel und einem späteren Kaffee doch die Küstenstraße in Richtung Sorrento zu erreichen.


So wunderbar wie Küstenstraßen sind, so schwer sind sie zu fahren. Brummende Zweiräder schießen von links und rechts durch sich vom Gegenverkehr zuziehende Lücken, Bürgersteige sind so eng, dass die Fußgänger auf die Straße ausweichen, die weit ausladenden Außenspiegel schrappen eng an den Köpfen der Fußgänger wie an den entgegen kommenden Fahrzeugen entlang. 


Parkplätze an der Strecke sind - wenn überhaupt - nur außerhalb geschlossener Ortschaften anzufahren. In den Ortsdurchfahrten, welche zwar mit 30 km/h ausgeschildert sind, doch bei den aufgerissenen Blaubasalt-Pflaster besser im Schritttempo zu durchfahren sind. Zudem parken schräg in den engen Lücken Fahrzeuge so, dass ihr Blech weit in die Fahrbahn hinein ragt. Da gilt es, dem Gegenverkehr Vorrang zu lassen, bis es gelingt, das rollende Heim vorsichtig um die Ecken zu bugsieren.


Ein zauberhaftes Pärchen schmiegt sich zum Selfie aneinander, Meer, Bucht und Stadt im Hintergrund. Die letzten dreißig, vierzig Kilometer auf dieser Küstenstraße fordern daher bald mehr Zeit und sicher mehr Nerven als die 200 Kilometer Autobahn zuvor.


Doch dann irgendwann noch mal endlich ist am späten Nachmittag meine Parkbucht am International Camping nube d'argento Sorrento erreicht. Gerade mal ein weiterer Camper teilt die Anlage mit mir, der jeglicher Luxus wie in Rom abgeht. Dort lief das Wasser warm gleichsam aus vergoldeten Hähnen bei Kantanten von Bach der Bamberger Symphoniker. Hier in Sorrento fällt dafür der Blick auf das Meer, wenn auch die Brillen der Toiletten fehlen. 


Des Tages Licht reicht noch, um vom Camp aus zum Hafen von Sorrent zu spazieren, dort Kleinigkeiten für den Sonntag einzukaufen, die Fischer in ihrer ruhigen Art, die Netze zu richten, zu betrachten, und so entspannter den Sonnenuntergang zu genießen.


Vom Städtchen Sorrento und diesem Landstrich, von dem sich gen Süden die zauberhafte Almalfi-Küste erstreckt, sind die Zitronen berühmt, aus dem die Menschen köstlichen Limonen-Likeur gewinnen. 


Das Hotel Bristol schmiegt sich eng an die Felswand. Die Straße windet sich so eng zwischen Meer und Felsen entlang, dass es nötig ist, zwischen 200 Meter Höhe und Meereshöhe auf- und abzufahren. Die Radrennfahrer genießen die Strecke, die schmale Strecke, welche durch den Berg hinauf schnaufende Radler dann oft nur einspurig zu nutzen ist.


Eine zauberhafte Abendstimmung liegt über dem Vesus, der seinen Gipfel in Wolken verhüllt. Dass am ruhigen Sonntag diese Wolken kurze Regenschauer entlassen, war dem Wetterbericht nicht zu entnehmen. Doch die sonntägliche Stille mit dem Genuß von Bayern Klassik, weil die Satelliten-Antenne mich mit dem Heimatsender verbindet, bereichert und beruhigt das sanfte Klopfen der Regentropfen auf den drei Plexiglas-Dachlichtern.


Der abendliche Lichtzauber macht Lust auf die Nacht, das einfache Mahl mit dem köstlichen Rotwein.


Obgleich mein Gefährt mit sechs Meter Länge plus Radträger nicht gerade zu den Luxusmobilen zählt, gelingt es mir nicht auf der engen Küstenstraße in die noch engere Ein- und Abfahrt zum Camp zu drehen. Doch das Schild verweist auf eine Möglichkeit zum Wenden 350 Meter weiter und höher. Dem folgend gelingt es, mir meinen Nachtplatz zu erfahren.


Zwischen Küstenstraße und Felsenküste lässt sich sogar noch ein schmuckes Gebäude errichten, welches sich der Bananenbiegung der Gasse anpasst. Die Gasse übrigens ist die Hauptstraße.



Dass sich in solch zauberhaftem Landstrich Mensch wie Tier sich zu eindrucksvollen persönlich ausgestalten, sieht man an dieser Katze.


Nach den Bergen von Garmisch, der protzigen Pracht und fiebrigen Fülle Roms, wachsen mir beim ersten Freudensprung am Meeresstrand von Sorrento gleichsam Flügel. Die nächtliche Temperatur mit neun Grad erlaubt es erstmals, ohne Heizung zu schlafen.


Die zauberhafte Sonnenstunde ihres Untergangs färbt die Welt in ein rosa Versprechen zur Nacht.


Mit einem Feuerwerk, dessen Rauchschwaden noch in der Steilküste wabern, endet dieser erste, herrliche Abend am Meer in Sorrento.


Im Gegensatz zur vatikanisch-römischen Ausgestaltung symbolischer Glaubens- und Gottessohn-Verehrung beschränken sich Fischer, Gastwirte und Bürger Sorrentos auf eine minimal-stilistische Darstellung ihrer Frömmigkeit.


Wenn auch Fischer wie Fernfahrer froh sind, heil vom Meer wie der Straße zur Ruhe in stiller Stunde zurück zu finden, so stehen die leiblichen Genüsse vor der seelisch kulturell religiösen Erbauung, welche sich dann doch irgendwo zu allem Überfluß und Hochgenuss wie in diesen Zeilen kristallisiert.


Zwar trifft sich die überwiegend männliche Gemeinde zum samstäglichen Gottesdienst vor der mit brennenden Fackeln werbenden Kirche, doch mich zieht mein Hunger an den heimischen Herd. Soweit von meinem ersten Tag endlich mal wieder am Meer.


Ein kurzer Ausflug in die politischen Verhältnisse. Lauschen wir ein paar Takte dem Altmeister des politischen Kabaretts Georg Schramm.






Tja, da hat mein Freund Klaus die Karre im Dritt-Welt-Paradies der westlichen gut situierten Sozialflüchtlinge in wärmere Wintergefilde gehörig in den Dreck gefahren! Da müssen Sandbleche und Schaufeln raus, alle Mann an die Arbeit, dem Siebeneinhalb-Tonner wieder festen Boden unter die Räder zu verschaffen. Aber im Land? Was im Land, das immer weiter im Schlamm versinkt?

Welche Frage aber auch: "So what makes you think you can...?" Wo kein Widerstand, da geht, was geht. Wo Bundesverfassungsrichter fröhlich das Kopftuch für Muslim missionarisches Lehrerinnen durchwinken, da geht, was geht. "Lasset die Kindlein zu mir kommen," aber dann doch bitte mit Kopftuch. Heute Kopftuch, morgen Burka.


Danke Cahit Kaya! Danke, mal wieder herrlich einleuchtend! Den schönen Islam-Symphatisanten sei ins Poesie-Album gedichtet: "In den Scharia-Staaten darfst Du nicht nur ein Kopftuch tragen, du musst es tragen. Dafür darfst Du aber wahrscheinlich nicht als Lehrerin arbeiten."



Schriftsteller sind im Gegensatz zu Journalisten nicht an Weisungen der Geschäftsleitung gebunden. Schriftsteller leben von Zustimmung, Aufmerksamkeit und Achtung der Öffentlichkeit, deren Gedanken sie gekonnt aufgreifen und formulieren. Schriftsteller gleichen daher eher Bloggern als den Lohnschreibern, deren Meinung und Ansicht die Kapitalinteressen diktieren.


Der verstorbene Großschriftsteller und politische Journalist Scholl-Latour hat auf diese Tatsachen wie zahlreiche andere immer wieder verwiesen. 


Da im besten Sinne der Aufklärung, der Volksaufklärung, die Mahnungen von Schriftstellern wie Kabarettisten mehr und mehr Menschen begriffen haben, protestieren und demonstrieren Menschen auf den Straßen der Republik gegen fortlaufende mediale Hirnwäsche und Manipulation. Doch genug dieser politischen Betrachtungen, die mir wie den vielen Menschen die Laune verderben.