06 March 2012

Essaouira - Bilder einer Hafenstadt

Wer durch Marokko reist, wundert sich, was und wie die Menschen aus den Rohstoffen wertvolle Waren produzieren. Vielen Menschen lassen sich gerne bei ihrer Arbeit zusehen, lieber verkaufen sie natürlich ihre Produkte.

Über nahezu alles kann man sich mit den Menschen in Marokko unterhalten. Doch ein Thema, das sichtlich so vieles im Land bestimmt, ein Thema bleibt besser tabu: Religion.



Die marokkanische Zeitung "Le Matin" gibt auf ihrer Website die Gebetszeiten für verschiedene Städte im Land minutengenau an.

Während die Mönche frommen Verpflichtungen zu geregelten Stunden nachgingen, beten Mohammedaner vor dem Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht. Diese Zeiten hängen zum einen vom Tag, zum andern vom Ort ab. Der Muezzin ruft die Gläubigen in Tanger früher zum Gebet als in Casablanca, morgens im März früher als im Januar. Die Website der marokkanischen Zeitung Le Matin zeigt zum eingestellten Ort die Gebetszeiten an:

http://www.lematin.ma/horaire-priere-casablanca.html

Während im Abendland Glockenschläge der Kirchturmuhren den Tag einteilen, struktieren im Orient die Menschen ihren Tag nach dem Ruf des Muezzin. Es mag dies mit ein Grund dafür sein, dass seit der Entdeckung Amerikas die Technik im Westen sich vollkommen anders, nämlich beschleunigt, entwickelt hat als im Osten. Viele Dinge produzieren die Menschen in Marokko noch heute gleichsam wie in vorindustriellen Zeiten. Doch es wäre primitiv und provokativ, marokkanische Produkte als als mittelalterlich oder vorindustriell abzustempeln. Dacia baut in Tanger den Logan, wenngleich zumeist für den Export, weil sich das Auto in Marokko noch zu wenig Menschen leisten können.



Der Daimler stammt aus Deutschland, die Werbegrafik aus Marokko.





Die Starrachse der Kutsche bewegt sich auf Blattfedern. Wegweisend ist auch das Ersatzrad. Der öffentliche Nahverkehr in Ounara, 30 Kilometer vor Essaouira, befördert die Menschen mit zahlreichen dieser in Serie gebauten Fahrzeuge.





Diese Maschine, an der zwei Männer kurbeln können, wickelt wohl Seile auf. Als Seiltrommel dient eine ehemalige Autofelge.





Arbeit in Deutschland: Marc hat in vierjähriger Arbeit eine ausgediente Feuerwehr Magirus Deutz 170D11 Bj78 zum Fernreisemobil umgebaut. Mittlerweile hat er seinen Job als Servicetechniker für Geldautomaten aufgegeben, um nur noch zu reisen.

Marc erzählt, dass es nahezu in Deutschland unmöglich sei, ohne feste Adresse nur im Auto zu leben. Ohne einen angemeldeten festen Wohnsitz soll keine Bank einem Kunden ein Konto eröffnen. Marc erzählt von seinen Reisen auf der Site

http://www.staude-unterwegs.de/

Weil die Fahrt von Marrakech bis zum Camping unter Olivenbäumen in Ounare anstrengend war, kam es leider nicht mehr zu einem längeren Plausch am Abend. Zudem kühlt es schnell nach Sonnenuntergang ab.



Essaouira - endlich am Meer. Weil von dort doch wohl gelegentlich Wolken aufsteigen, etwas Regen mitbringen, grünen Arganienbäume. Die Produktion aus den mandelartigen Baumfrüchten ergibt ein teures Öl - geröstet für Salat, aus rohen Kernen für Kosmetika.



In nur 850 Metern Entfernung vom Strand liegt diese Insel, auf welcher in alten Zeiten Purpur gewonnen wurde.



Heute verdienen die Menschen, sofern sie keine Fische fangen, Thujaholz oder Wolle verarbeiten, in Essaouira mit dem Tourismus ihren Lebensunterhalt. Touristen mieten Kamel- oder Pferderitte, oder brausen in Quads über den Strand.



Ungewöhnlich, sogar einzigartig für eine Altstadt in Marokko: Die Straßen laufen rechtwinklig zueinander. Dies Werk verdankt der damalige Herrscher europäischen Gefangenen.



Als Kopf dient dem zahnrad-beleibten Ungeheuers ein ausgedientes Bügeleisen.



Dieses Dromedar rollt auf Holzscheiben durch die Kinderstube.



Hinter diesem Leuchtturm, zwei Kilometer Strandweg vom Zentrum Essouira, liegt der Campingplatz.



Doch bevor ein Wagen ins Zentrum einfahren darf, muss er eine Polizeikontrolle passieren. Die Polizisten können die Durchfahrt mit einem Nagelbrett verwehren, welches sie per Stahlseil über die Fahrbahn ziehen.



Auch auf Motorrädern reisen Abenteurer nach Marokko. Das Thermometer fällt zwar nachts auf unter 10 Grad Celsius, aber es regnet fast nie.



Essaouira, der Morgen am Hafen. Es soll die schönste Hafenstadt Nordafrikas sein. Die Menschen sind ruhig, die Händler vergleichsweise zurückhaltend, das Essen ist gut und preiswert.



Die Fischerboote liegen morgens vertäut und verträumt schaukelnd im Hafenbecken. Der große Kahn wird wohl renoviert.



Ein Boot wie dieses in Handarbeit zu bauen, soll über ein Jahr lang dauern.



Mima mit mir: Es gefällt uns in Essaouira. Der Hafen, die Altstadt, die Einkäufe, das Essen, das Wetter - es stimmt für uns hier.

Fischer bessern ihre Netze aus. Die Arbeit ohne Hektik lässt immer auch Zeit, um miteinander zu plaudern.



Um den Hafen, die alten Befestigungsanlagen, die Schiffe, die Fischbratbuden zu erforschen, lassen wir uns stundenlang Zeit.



Mit Kanonen auf Spatzen schießen, heißt das Sprichwort. Vor diese Kanone, Baujahr 1794, fliegt eine Möwe.



Aus fünf, sechs kunstvoll geschälten Apfelsinen presst der Händler uns ein Glas frischen Orangensaft.



Pizza und Minztee: Unser geteiltes Mittagsmahl kostet heute keine fünf Euro.



Dieser Sessel aus Büffelhorn und Leder schmückt die Stube des weit gereisten Touristen.



Die Waren, die Künstler und Handwerker in den Gemäuern von Essaouira produzieren, passen zur Architektur der Stadt. Auch was 2012 hergestellt wird, wurde ähnlich schon vor Jahrzehnten, vor Jahrhunderten so gefertigt.



Wenige Millionen Jahre später werden die Wellen den Pilzstengel des Felsendaches zernagt haben.



Auch heute Abend werden unseren Salat wieder Oliven vom Markt bereichern.


Bevor die romantischen Bilder aus Essaouira uns gänzlich verzücken, stellt uns Wolfgang mit einer Mail auf den Boden der Tatsachen, die weniger leicht zu lesen sind. Er schreibt über Marrakech.


Hi Erhard,

Du hast schon richtig festgestellt....Marrakech ist nicht preiswert. Sie gilt auch innerhalb Marokkos als Schicki-Stadt, wo auch der Koenig gern seine Ferrari-Pferde sattelt.

Wie schon erwaehnt, haben sich viele Franzosen dort eingenistet, nicht nur um dort zu wohnen und zu leben, sondern auch um Geschaefte zu machen.

Das Preisniveau steigt stetig und erreicht bei manchen Leistungen bereits europaeische Levels....(bei dem lokalen Lohnniveau bereits unerschwinglich) Immobilienpreise in der Stadt haben sich bereits verdreifacht.

Selbst mir, der keine Touripreise mehr bezahlt, weil ich in einschlaegiger Begleitung 'umhertolle', kommen manche Sachen schon echt teuer vor..... Wenn Du ueber den Jamaa al Fna gehst, siehst Du am Ende der Kaleschenparade die Busse stehen. Die laden die Touristen aus, die dann in die Souks einfallen und dort kraeftig ueber die Ohren barbiert werden.

Vielleicht ist es Dir nicht aufgefallen, aber dort, wo die Busse stehen, seitlichen von den Kaleschen, befindet sich der Club Med, mitten drin im Geschehen. Die Kunden dieser Clubs stehen im Ruf, nicht so sehr auf den einzelnen Euro zu achten, was bei den Einheimischen gut ankommt, aber auch weiter die Preise anhebt. Die Marrakchis (so wie sie sich selber nennen), sind von der ganzen Entwicklung nicht sehr erbaut....wobei ich hier untertreibe....

Ja, morbide ist Marrakech auch (immer noch). Es gilt immer noch als Treffpunkt gewisser Gay-Kreise und als Ort, wo man den Joint nicht verschmaeht....Hier trifft sich die Haute Volee, trinkt Champagne und auf dem Nachhauseweg wirft man noch schnell und verschaemt dem Bettler an der Ecke was vor die Fuesse.... wenn es ueberhaupt soweit kommt und der Chauffeur nicht gerade draengt, oder man noch nicht in seinem 4 x 4 sitzt und gen Maison duest....

Bloss.....

Ohne den Tourismus, der bei ca. 10 Mio. Besuchern, jedes Jahr erhebliche Devisen ins Land spuelt, saehe es noch um einiges besch..... aus. Dort haben viele ihr Auskommen gefunden und sehen etwas von den 'Repraesentanten' einer anderen Welt....die sind meistens alt und verfettet, viele sonnenverbrannt....aber sie haben einen unschlagbaren Vorteil....sie haben Geld....

Als Alternative bliebe die Feldarbeit, Arbeit im Phosphatabbau, Fischfang etc......





Eine weitere Alternative bleibt fundamentalistischen Fanatikern, die weitere Alternative ist schrecklich, doch es gab sie und gibt sie wohl noch: Terrorismus. Doch daran ist überhaupt nicht zu denken, weil es unsere Urlaubsstimmung verdirbt.



Der Robur aus dem Jahr 1989 kommt mit Anhänger auf dem Campingplatz in Essaouira.



Etwa 200 Meter vom Strand, zwei Kilometer entfernt von der Innenstadt in Essaouira, lassen wir es uns auf dem Platz gut gehen.



Mima reitet am Strand aus. Ein erfahrener junger Mann führt noch das Pferd, später schwingt er sich hinter Mima auf's Pferd.



Was für Mima die Pferde sind, ist für mich das Meer. Allerdings verliert man sich leicht in den ungewohnt hohen und kalten Wellen - hier bei Sidi Kaouki, 100 Meter vom Camp.

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