17 April 2013

Sevilla, die Schöne und die Schönen

Zeit- und Temperaturanzeige wechseln an zahlreichen Tafeln. Noch abends brütet eine Hitze von über 30 Grad in der Stadt. Der Höchstwert einer Anzeige: 38 Grad Celsius. Das ist nichts für meinen Körper - nach sechs Tagen geht es weiter gen Osten, Richtung Heimat.

Noch sind es etwa 2500 Kilometer bis München, zur Frau. Die zieht mich heim, der Rest hält mich fern. Brüderchen ist böse und besorgt. Er schreibt:
Hör auf mit dem endlosen Gewinsel gegen Kirche Obrigkeit König Papst, Mohammedaner, Babtisten, Finanzhaien, und immer wieder mich.

Bringt mir nix!

Dr. Wolfgang Hetzer, Autor des Buches "Finanzkrieg" in der SR-Mediathek, sagt im Interview der WELT:
Hetzer: In der deutschen Wirtschaft haben sich in Teilbereichen geradezu kriminelle Gewohnheiten eingeschlichen. Es ist inzwischen so, dass Manager, noch bevor sie ihre Arbeit beginnen, schon einmal neun Millionen Euro Begrüßungsgeld bekommen. Und wenn sie die Arbeit dann verlassen, oft ziemlich erfolglos, erhalten sie obendrauf noch eine Millionen-Abfindung. Wenn also Leute, die aufstocken müssen, weil sie mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, ihren Lohnzettel mit dem Einkommen so eines Managers vergleichen, der 120.000 Euro pro Tag bekommt, nachdem er nach 73 oder 74 Tagen seine Arbeit niedergelegt hat, dann bleibt das nicht ohne Folgen. Wenn die arbeitenden und arbeitslosen Menschen erkennen, erfahren und spüren, was das bedeutet, dann wird eine wachsende Zahl von ihnen den Eindruck gewinnen, dass hier etwas sehr grundsätzlich nicht mehr stimmt in diesem Land.
Quelle:

http://www.welt.de/politik/article115185760/Laemmer-verwandeln-sich-dann-in-reissende-Woelfe.html

Mein Freund Wolfgang aus Shangai schreibt in einem Anflug von Selbsterkenntnis. Er ist Stress resistent - selbst gegen meine Schriften. Höchstens, dass sein Schmunzeln leicht erschrickt:
Ja, wir alle, die alten Saecke, sollten nicht soviel geifern und uns echauffieren,
angesichts des zeitlichen Restwertes/Halbwertzeit unseres Lebens....

Ich sage mir das auch immer wieder, wobei ich zugeben muss, dass mich Bloedheit und Arroganz und insbesondere die Kombination der Beiden, doch immer wieder auf die  Palme bringt....sowas wie'n Beissreflex...

Das Leben koennte so schoen sein, wenn es mehr Harmonie geben wuerde...eine Utopie....aber immerhin, schoen daran zu denken.....
Mein holdes Weib verkauft ab Mittwoch Spargel in ihrer Hütte am Straßenrand, wobei ihr kaum Muße bleibt, Texte oder Bildersammlungen aufzunehmen. Der Rest? Ist Schweigen! Die Illusion, dass sich Menschen für etwas anderes interessieren, als ihr Lebenskampf zulässt, muss man sich abschminken. Liederliches und Lächerliches ist lustig. Der Rest? Ist Schweigen!


Mein Platz gegenüber der Bar im Camp Villsom erlaubt es, auch im Auto auf WiFi zuzugreifen. Es ist schlagartig empfindlich heiß geworden. Mein Körper muss sich erst an die Hitze gewöhnen, doch das ist schwer.


Abkühlung: Die Altstadt von Sevilla erfrischt - am Nachmittag ab 17.00 Uhr. In die engen Gassen scheint nie die Sonne. Das ist gut so!


 Von einer Kirchenwand propagiert Herr "S. Felipe Neri" gestenreich: "Komm in meine Arme!"

Königliche Herrschaft prägt das Bild von Sevilla wie mit dieser monumentalen Plastik. Bei dieser Konditionierung, klerikal, katholisch und autoritär über Jahrhunderte, wundert es wenig, dass Franco Spanien Jahrzehnte lang beherrschte.


Die Feierwoche in Sevilla beginnt. Der Sonntag verschafft der Altstadt viel Ruhe. So ist es das Beste, die Kühle und Stille in den sonntäglichen Gassen zu genießen.





 
 
 




Am Ufer des Kanals zum Quadalquivir herrscht geschäftiges Treiben. Viel junges Volk lagert in der warmen Sonne, trinkt Bier, raucht, entspannt und vergnügt sich.
 

Die Dame setzt sich vor dem Standbild des Toreros in Szene für den Fotografen.


Ein fröhlicher Kauz reitet seinen riesigen Besen und grüßt erfreut, dass ihn noch jemand beachtet.



Das Volksfest: Feria de April



Wenn die Repräsentaten von Großmächten ihre Arme ausbreiten, wird es meist für die Umarmten erdrückend. Doch das Politisieren lässt man besser, wenn die Hitze über 30 Grad Celsius steigt.


Vor 30 Jahren inspirierten uns feuchtere Fantasieen, saftigere Sermone zu Sevilla zu singen.





























Nach diesem Abschiedsfest geht es anderntags frisch gekühlt von der Nacht auf ein andalusisches Märchenschloss:


Almodovar











 Cordoba









Die Temperatur im Wagen ist um 20.00 Uhr auf 33 Grad gefallen. Es zieht mich jetzt mächtig in kältere Gefilde.


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