24 April 2013

Granada-Geist greift Geldbeutel

Von Cordoba war als Reiseziel Almeria angedacht. Doch es zog mich nach Granada - ein Fehler. Denn dort raubte ein Taschendieb mir aus meiner Weste so geschickt meinen Geldbeutel, dass mir keine Berührung, kein Gesicht, nichts ist mir aufgefallen! Gieriger Granada-Geist grabscht geheimnissvoll Geldbeutel - meinen! Der Bericht endet mit einer Hommage an alle Tierfreunde.

Wer reist, lebt ständig in Unsicherheit und damit ständig unter Spannung. Ruhiges Reisen erhöht die Sicherheit, gute Plätze mit Dusche, WiFi, Stadtnah oder auf dem Land - komfortabel und still. Dennoch fühlt man sich, als treibe man auf einem Gummiboot über strudelnde Ströme. Das Ventil dieses schwankenden Gefährts ist Geld. Ohne Geld ist die Luft raus.


Auf dem Campingplatz Sierra Nevada in Granada begeistert mich dies windige Gefährt, was den weiten, weiten Weg aus Hamburg anreist. Das Basisfahrzeug ist ein APE.

Es hatte sich die Abfahrt aus Cordoba so gut gemacht. Der Super-Supermarkt Carrefour hat mich mit frischem Gemüse, Käse, Butter, Blumenkohl, Apfelsinen, Gurken, Tomaten verwöhnt. Die Fahrt durch das sonnige Spanien auf der fast leeren vierspurigen Bahn war angenehm. Ein kleines Schläfchen im Schatten eines LKW an einer Raststätte stärkten mich. Der Entschluß nach Almeria zu fahren, kippte zu Gunsten von Granada. Damit war schon gegen 13.00 mein neuer, angenehmer Campingplatz gefunden. Alles war bestens. Es war zu schön.


Schnee in den Bergen bei Granada. Schnee in der Ferne, eine milde Hitze im Wagen unter 30 Grad. Es war einfach alles perfekt, traumhaft schön. Der Magen machte etwas Schwierigkeiten. Ein kleiner Schluck Magenbitter halt, machte micht aber auch etwas schläfrig. Es war dieses euphorische Gefühl, sich zu sicher, zu zuversichtlich, zu froh zu fühlen. Es ist leichtsinnig, seinen Schutz zu reduzieren! Vom Campingplatz sind es mit dem kleinen Fahrrad etwa drei Kilometer zum Zentrum, aber durch lärmenden Großstadtverkehr. Es wohnen etwa eine Viertel Million Menschen in Granada. Anhalten, Bildchen machen. Immer weiter´, süchtig nach Neuem.


Dank für Gesundheit, Dank dafür, Zeit und Geld wie Heu zu haben, geht meine kleine Radreise vom Campingplatz in die Stadtmitte, in Richtung der vielen Baudenkmäler, der engen Gassen.


Prächtige Universitätsgebäude beschäftigen viele hübsche, junge Studenten.


Mein kleines Klapprad vorn rechts im Bild, eine Kamera, ein Rucksack mit Wasser, eine Karte von Granada - das sind die wenigen Dinge, auf die sich mein Augenmerk richtet. Noch nie war mir aus der Weste bislang etwas abhanden gekommen. Aber einmal ist immer das erste Mal.


An der Kathedrale drängten sich mehr Menschen an einer Bushaltestelle. Vielleicht hat mich der Geist dort angegriffen? Doch sein Zugriff war keinen Augenblick spürbar. Da ärgert es mich, wenn die ZEIT einen alternden Gewerkschaftsfunktionär titeln lässt:




Immerhin verschafft das Forum der ZEIT seinen Lesern ein Ventil, seinen Frust abzulassen.



Es herrscht ein verdammter Wettbewerb. Wer sich auf der Straße, durch die Gassen voran kämpft, der merkt es mehr, als wer am Schreibtisch in seinen Sessel furzt und die Menschen mit priesterlichem Gutmenschen-Gejalle zumüllt. Geister Höherer Ordnung sehen das entspannter:
„Wenn wir über unsere eigenen Begierden und unseren Haß nachdenken, können wir feststellen, daß diese Gefühle des Verlangens nach Geliebtem und der Aversion gegenüber Ungeliebtem innerhalb der Vorstellung entstehen, es gäbe ein ganz konkret vorhandenes, deutlich wahrnehmbares „Selbst“ als Erlebenden. Aufgrund der Art und Weise, wie wir uns selbst als greifbar und solide wahrnehmen, treffen wir immense Unterscheidungen zwischen uns „selbst“ und „anderen“, woraus Anhaftung an die eigene Seite und Ablehnung der anderen folgt. Geisteszuständen von Gier und Haß liegt stets ein übertriebener Gedanke von „Ich“ zugrunde.“
Der XIV. Dalai Lama Tenzin Gyatso: Die Lehre des Buddha vom Abhängigen Entstehen. Die Entstehung des Leidens und der Weg zur Befreiung. Hamburg, dharma edition, 1996.


Doch wer schöne Sprüche zitieren kann, hat noch lange nicht begriffen, wovon der Mann spricht oder schreibt. Mein Weg geht weiter durch Granada: Auch dies war einst ein Minarett, auf welches der Glockenstuhl aufgemauert wurde.





Das alles anzusehen, zu erforschen, vielleicht sich sogar ein Moped hier am Campingplatz zu mieten, um in die Schneeberge aufzufahren, das alles wäre noch machbar, noch schön gewesen. Doch bei einem zufälligen Griff an die Weste, erstaunte mich der offene Reißverschluß und dann Schreck und Schock: Der Geldbeutel ist weg.


400 Kilometer weiter wohnt ein ehemaliger Arbeitskollege in Spanien. Der wird mir Geld leihen, um nunmehr im Sauseschritt nach Hause zu fahren. Ein Notgroschen bis zu dessen Wohnort bei Benidorm ist noch im Auto versteckt. Daheim arbeitet der PC nicht mehr. Meine Mimamai-Frau kann nicht mehr mit Skype mit mir plaudern. Sie hat sofort von München meine Scheckkarten gesperrt. Das Bargeld ist weg, die Ausweise auch. Die Polizei hat den Vorgang aufgenommen, mir ein gestempeltes Dokument gegeben. Jetzt heißt es heimwärts - aber schnell.


Sinn und Nutzen von Dieben
Nie ist mir auf meinen vielen, langen Reisen ein so blödsinniger Fehler unterlaufen, dass mir ein Meisterdieb während eines Stadtbesuchs meinen Geldbeutel stiehlt. Dazu musste dieser Beutelschneider noch einen Reisverschluß aufziehen, bevor er den schweren Geldbeutel mit vielen Geldscheinen, Kreditkarten, Personal- und Fahrzeugpapieren und anderen Wertkarten aus der Weste mir ziehen konnte.

Meine Art ist es nicht, mich Menschen in großer Nähe auszusetzen. Abstand, ein Sicherheitsabstand von mindestens einem halben Meter soll schon sein zwischen mir und meinem "Nächsten". Doch die Hitze, die Hetze, ein Schluck Magenbitter - all das muss zusammen dem Dieb geholfen haben, mich in einem schläfrigen Zustand überraschen zu können. Schuld, Scham und Schaden solle der Bestohlene bei sich suchen - nicht bei dem Dieb. Der geht mit hohem Risiko einer Freiheitsstrafe seinem grausigen Gewerbe nach. Der Dieb sorgt für eine soziale Verteilung von Werten, welche freiwillig niemand dem andern gibt. Höchstens, dass Tierschützer ausgewilderte Viecher fangen und versorgen. Aber der Mensch ohne Wert ist der Mensch ohne Geld. Wer ohne Wert, der wehrt sich - eben als Dieb. Doch als mich andertags mein Weg aus Granada hinausführt und dabei am Gefängnis vorbeigeht, wünscht man sich natürlich, dass dort der Täter bald einsitzt!

Eine erste Rücksturz-Etappe von Granada über die wunderbaren, vierspurigen frei befahrbaren Straßen bis hinter Benidorm. In einem malerischen Küstenstädtchen Alfaz del Pi gibt mir ein ehemaliger Arbeitskollege, ein ehemaliger Chef Asyl, Ruhe, Erholung, Kraft und Geld.




Nach mehr als zwei Monaten im ungesicherten Leben auf der Straße erscheint mir dieser Wohnluxus in einer stillen Sackgasse in 140 Meter Höhe mit Meerblick als himmlischer Ruhepunkt. Die Siedlungen sind zum großen Teil von ähnlichen Winterflüchtlingen bevölkert wie die Campingplätze in Portugal und Marokko. Hier überwintern Schweden, Norweger, Deutsche. Doch mein ehemaliger Kollege hat sich hier eine Existenz aufgebaut, nachdem er mit seiner ebenfalls in guter Position arbeitenden Frau sich vor 18 Jahren in diesen Heil- und Luftkurort abgesetzt hat.


Mein Freund, die Bezeichnung mag solange bleiben, wie es mir gelingt, zmein Lästermaul zu kontrollieren, mein Freund hat einen Pool vor dem Haus, was die Bewohner dieser Reihenhaussiedlung als Gemeinschafts-Schwimmbad nutzen. Die "Ehrenwerte Gesellschaft" verfügt selbstverständlich über Schwimmbäder auf eigenem Gartengelände.


Etwa sieben Kilometer weiter liegt das malerische Küstenstädtchen Altea. Schon in der ersten Frühlingssonne sind die ersten jungen Touristen daran erkenntlich, dass sie in kurzen Kleidchen ihre sonnenverbrannten Beine und im kurzen Hemdchen die ebenso geröteten Arme zeigen. Wer hier, wie meine Freunde, seit 18 Jahren lebt, den friert es selbst in dicker Jacke.


Abendstimmung in Altea: Noch sind die engen Altstadtgassen frei begehbar. Im Sommer verstopft der Touristenstrom Wege und Stege.


Mein Frauchen friert daheim in München in ihrer Verkaufshütte für Spargel am Straßenrand bei acht Grad Celsius. Hier in Altea entkorken sonnenverbrannte Touristen ihre Schaumweinflasche und feiern und freuen sich. Für kurze Zeit sind sie der heimischen Money-Make-Maschine entkommen. Ebenso freuen sich hier die überwinternden Rentner und Reichen, dem Schnee, Regen, der Kälte in ihren Heimatländern entfliehen zu können - von Oktober bis Ende April.


Was sich so gewaltig wie die Skyline von Frankfurt vom Fernblick aus Altea abzeichnet, sind die Beton-Burgen von Benidorm. Dort schlafen die Madrider in Ferienruhe, wobei schon Ostern der Ort fast ausgebucht ist. Dass bei dieser Besiedelung der Küste in regenarmen Zeiten das Trinkwasser rationiert werden muss, sind bislang vernachlässigbare Nebeneffekte. Nur Neurotiker mit Kassandra-Komplex befürchten, dass sich dieser Neben- zum Haupt-Effekten ausweitet. Allerdings treten alternde Rentner in ihren Bergvillen oder Reihenhaus-Siedlungen bei gravierenderen Gesundheitsbeschwerden die Rückkehr zwangsweise an. Denn die heimische, bessere Infrastruktur lockt dann. Doch was soll's, solange der jetzige Augenblick schön ist?


Meine Gastgeber haben mir unvergesslich schöne Tage geschenkt.


Ihre nähere Umgebung beeindruckt mich im Kontrast zwischen ländlicher Stille hinter ihrem Haus und lärmendem Trubel im nahen Großstadtgebiet am Meer. Ein bislang ungeklärtes Rätsel: Viele Kiefernzweige am Wegrand verknoten ihre Äste. Besonders sehenswert ist ein Wallfahrtsort besonderer Art:

Benidorm


Benidorm begeistert als Wallfahrtort, um Glück, Frieden und Ruhe den Urlaubern zu bieten. Die meisten der älteren Herrschaften sind noch gut zu Fuß. Doch die fürsorglichen Dienstleister der Meeres-Metropole bieten auch Elektro-Karren für Gehbehinderte.


Da jeder auf das Meer blicken möchte, sind die Gebäude in der ersten Reihe oft auch die Größten. Auf der Rückseite fehlen dafür die Fenster.


Pferd und Reiter aus Sand ruhen am Strand. Die junge Dame spielt wild Bald, das Meer plätschert ruhig. Im Hintergrund ragt eine Insel aus dem Wasser.


Benidorm sättigt mit Bier und Brat-Burgern die Massen, von denen keiner hungern und dürsten soll. Neben der spanischen Tapa-Schwemme macht auch Burger-King sein sattes Geschäft.


Für Jung und Alt ist gut gesorgt. Die Alten mieten den Elektrokarren. Die jungen Damen kleiden sich Frühlingsfrisch. Keine muss Benidorm ohne neue Schuhe verlassen.


Nur die Sanitär-Anlage kann kaum den drängenden Harndrang der Massen abarbeiten. Dafür ist die Farbgestaltung umso geschmackvoller.


Ein Fotograf stellt zwei Bilder von Benidorm nebeneinander: Die einst lauschige Bucht mit wenigen schmalen Häusern und engen Gassen hat sich zu einem kolossalen Großgelände der Meereswallfahrer gemausert. Aus dem etwa 500 Kilometer entfernten Madrid fallen schon zu Ostern auch spanische Touristen in Scharen ein. So zeigt das Gemenge verschiedener Nationen und verschiedener Stufen von Sonnenbrand, wie sich die Völker friedlich verbinden, geeint durch den Euro.


Unter hohem Kreuz, was unten als Anker erscheint, wird einmal nicht der Toten der Krieg, sondern der Opfer des Meeres gedacht.


Im übrigen stellt sich die Gegend in und um Benidorm mittlerweile auch darauf ein, dass Rentner in ihren Plastikbombern einfallen, um die trocknen Winter an der Costa Blanca zu genießen. Moderne WoMo sind dabei durchaus besser isoliert als die hübschen Steinsiedlungen, die sich rund um die Hänge bis weit ins Hinterland ziehen. Wo die Baugrundstücke billiger sind, klotzen ALDI und LIDL ihre Warenhaus-Tempel in die abgeholtzten Pinienwäder.



Die Ruhe- und Regenerationszeit an der Costa Blanca bei Freunden hat mir sehr, sehr gut getan. Die Strecke nach Hause ist immer noch von besorgniserregender Weite. Reicht das Bargeld? Ohne Scheckkarte fühlt man sich auf der Straße noch hilf- und haltloser.


Das große Essen vor der Fahrt hat meine Lebensgeister gestärkt, auch wenn lange Gespräche zur Nacht meinen Aufbruch verzögern. Doch die erste Etappe von 550 Kilometer bis Huesca läuft meist auf vierspurigen Schnellstraßen zügig voran. Der Campingplatz in Huesca war mir schon von vorigem Jahr vertraut. Huesca zeigt sich im schönsten Frühlingssonnenschein.



Die Kirche in Huesca, dieser kleineren spanischen Stadt am Rande der Pyrenäen, steht neben einem renovierten Burgturm. Von dort führen kleine, fast menschenleeren Gassen durch die Altstadt. Stadt-, Burg- und Kirchenansichten reichen mir langsam. Der Weg soll nur noch heimwärts gehen. Doch es sind von Huesca noch fast etwa 1800 Kilometer bis München.


Doch um von Huesca auf die Straße zum Bielsa-Tunnel zu gelangen, kämpft sich mein Weg 40 Kilometer durch das Naturschutzgebiet von Laguarta. Die Straße ist meist nur einspurig zu befahren. Doch da mich das Rühren im Getriebe zwischen dem dritten und vierten Gang in etwa einer Stunde nur zwei-, dreimal mit Gegenverkehr ablenkt, sind auch diese 40 Kilometer Bergstrecke zu schaffen. Zwei Rehe kreuzen den Weg. Ein mächtiger Adler entfleucht vor dem Motorengebrumm mit mächtigen Schwingen. Grandiose Ausblicke belohnen die Kurverei in der Pinien bewaldeten Enge.

Die Bergstrecke durch Laguarta bietet viel, viel Landschaft, wenig, wenig Straße und noch weniger Häuser.


Es sind noch etwa 80 Kilometer bis zur Grenze nach Frankreich. Denn die Fahrt auf der einspurigen Berstrecke im Naturschutzgebiet zieht sich und zieht sich hin.




Nach und im Bielsa-Tunnel fäht man auf eine Paßhöhe von 2200 Metern. Dort in der Höhe packen Tourengeher ihre Skiausrüstung aus, um noch weiter in die eisige Bergwelt zu steigen.



Frankreich: Die Erinnerung an die beiden Weltkriege begleiten den Touristen in Frankreich fast in das kleinste, ins letzte Dorf. Kriegerdenkmäler, Straßennamen erinnern an die Siege der Grande Nation über den zweimaligen Einfall und Terror der germanischen Hunnen. Vor Toulouse gelang es mir, das Navi so umzustellen, dass mir die Mautpflichtige Autobahn den bösen Stadtverkehr ersparte. Mit 2,60 Euro ließ sich der gesamte Innenstadtverkehr von Toulouse umfahren. Als die Autobahn eine Abfahrt nach Albi auf der Route Nationale anbot, ging es wieder über Landstraßen weiter.


Der harte Arbeitstag am Steuer endet am späten Nachmittag. In den Handflächen beginnen sich schon Blasen zu bilden, die die Kurbelei am Lenkrad aufreißt. Das lauschige Dörfchen Laissac bietet dem WoMo-Touristen alles, was er braucht: Ein Intermarché nebem dem riesigen Stellplatz versorgt die Menschen. Die Sanitäranlage ist sauber. Am Dienstag nutzen die Menschen den Platz mit den Hallen, um ihr Vieh zu verkaufen im "Marché aux Bestiaux". Klingt martialisch und ist wohl auch so. Mit allen Kurven, Kehren, Kreisverkehr-Kreiseln, in so engen Ortsdurchfahrten, dass die Seitenspiegel anzuklappen waren, ist eine zurückgelegte Strecke von etwa 500 Kilometern eine zufriedenstellende Fahrleistung. Doch noch immer sind es 800 Kilometer bis Freiburg,


Laissac, der Marché aux Bestiaux, und die Tierschützer


Die folgenden Gedanken sind nach dem bekannten Motto oder Sprichwort gedacht und geschrieben: "Wer die Menschen nicht liebt, liebt die Tiere."

In Laissac ist heute, wie jeden Dienstag, Markttag für das liebe Vieh. Von Juli bis August führt der Betreiber Touristen zwischen 8.00 bis 10.00 Uhr über das Gelände. Auf einem asphaltierten Platz von etwa 600 mal 400 Metern Größe stehen überlange Aufleger-LKW und andere Nutzfahrzeuge mit vergitterten Alu-Koffern. Das Rindvieh darin trampelt unruhig, Kühe und Kälber muhen im Martyrium der versklavten Kreaturen, deren Leben im Schlachthaus endet. Noch rüttelt die lebende Ware in Käfig-Karren. Davon schaukeln sogar schwere 25-Tonner.



Morgens vor 7.00 ist für das Rindvieh in Laissac die Welt nicht mehr in Ordnung. Noch liegt Frost über den Wiesen. Der dampfende Atmen der Kuhschnauzen dringt durch die Gitterstäbe der Tiertransporter. im Entsetzen aufgerissene Kuhaugen glotzen auf einer ihrer letzten Fahrten durch vergittertLuken. Doch das Ende ist sicher, todsicher.


Etwa hundert LKW verschiedener Bauart und Klassen liefern mehrere Hundert Stück Vieh an. Mit schweren Stöcken schlagen Männer in schwarzen Mänteln das Vieh in die Boxen. Wendet sich ein verzweifeltes Hornvieh gegen seinen Treiber zeigen ihm gnadenlos hämmernde Hiebe die Richtung. Doch auch schon zwei Menschen sind bei der gefährlichen Arbeit tödlich verunglückt. Denn die Tiere sind wild, in Freiheit aufgewachsen und unberechenbar.



Gegenüber dem Markt- und Hallengelände des Viehmarkts ruhen Menschen von ihrer letzten Reise. Die südliche Sonne schmilzt die Eiskristalle mit ihren ersten Strahlen. Es gibt kein Entkommen - für nichts und niemanden.

Weit erfolgreicher als Rinder, Schweine und Geflügel haben sich Hunde und Katzen mit dem Menschen arrangiert. Denn diese Haustiere gelten gegenüber dem Nutzvieh gemeinhin als ungenießbar. Ähnliche Privilegien genießt auch das Pferd, welches als Reit- und Arbeitstier dem Menschen so nahe steht, dass dieser bei aller Pietät es höchst ungern und nur in Not verzehrt. Bei dem Millionenvolk der Chinesen soll, zum Entsetzen der Schweizer, der Berner Sennhund als Fleischhund gehalten, gemästet, geschlachtet und gegessen werden. Der Hungrige ist weniger wählerisch. So berichtet mein Freund aus Shangai:

Wenn Du jetzt weiterliest, werde ich Dich ueber die Mampferei von Haustieren aufklaeren....Du sprachst explizit China an, wo angeblich Berner als "Life Stock" gehalten und verzehrt werden...diesen Sachverhalt kenne ich so genau nicht.
Generell werden in Asien Hund und Katze verspeist, ja, auch Katzen. (was ich persoenlich gut finde, weil es nur Parasiten sind, die zum reinen Spass Voegel killen und zwar in erheblichem Umfang. Sie vermehren sich auch wie die Pest.)
Die groessten Hundefresser sind die Koreaner. Sie zuechten in der Tat eine Gattung von Hunden, um sie zu verzehren....was ja nicht unbedingt verwerflich ist....nur....wie sie sie umbringen, spottet jeder Beschreibung. Damit das Tier Adrenalin produziert, mit dem angeblich das Fleisch besser wird, werden diese Kreaturen in der Regel zu Tode gefoltert.....Aufhaengen, Anbrennen, Schlagen, Verstuemmeln etc.
Allein in Seoul gab es zu meiner Zeit 17 Restaurants, wo nur Hundefleisch serviert wurde. Man kann dort ueber Maerkte gehen und sich eben den "Hund fuer die Pfanne" aussuchen.
In Vietnam werden auch Katzen gegessen (sicherlich in den anliegenden Laendern auch), zumindest war ich dort Zeuge....
Generell muss ich feststellen, dass Asiaten ein gestoertes Verhaeltnis zu ihren Haustieren haben, bei dem jeder Tierfreund schreiend weglaufen wuerde.
Wenn man z.B. gesehen hat, wie in Korea Hunde in Regenbogenfarben vollgersprueht werden, Schuhe, Maentel etc. tragen und zum Lunch in ein Pet Restaurant gehen, dann meint man, dass die Dekadenz immer weiter fortschreitet.

Hierzulande allerdings, wie in wohl allen westlichen Industriestaaten, genießen Hund und Katz' jedoch hohes Ansehen. Der Hund hat es durch seine Unterwürfigkeit zum erfolgreichsten Haustier gebracht. Gerade große Hunde, die ihrem Herrchen und Frauchen Kraft, Autorität und Schutz verleihen, stehen im Rang noch weit über den kleinen, krächzenden Schoßhündchen. Doch der wahre Tierfreund füttert diese Kläffer bis zur Senilität, selbst noch als inkontinente Stinker bis zum Ende.

Viele Reisende genießen auch die Gesellschaft eines Tieres. Katzen und Papageien im Käfig begleiten und unterhalten die Touristen in ihren rollenden Häusern. Ein Marrokko-Fahrer im alten Daimler-Bus berichtete, dass sein Hund auf der Vorderbank neben seinem Rucksack schlief. Mit schwerem Stein zerschlugen Diebe die Seitenscheibe, rissen den Rucksack an sich, bevor das verdutzte Tier nach der Hand des Räubers schnappte. Doch kein Herrchen würde seinen Hund deswegen schelten. Herr und Hund bilden eine so innige Gemeinschaft, weil die einfühlsame Unterwürfigkeit selbst einer Schäferhund-Bestie wie Blondi einem Mordmeister wie A. Hitler beschauliche Behaglichkeit schenkt. Sperre Hund und Partner in einen Kofferraum für eine Zeit. Wer freut sich mehr, wenn er Dich wieder sieht?

Doch da das Rindvieh sich besser für die Fleischtheke und als Steak in der Pfanne hergibt als Hund und Katz, kommt das Nutztier hinter Gitter. Wenn Herrchen sein Hundchen liebt wie sein Auto, dann pflegt, hegt und erhält er das Objekt seiner Begierde bis TÜV oder Tod ihn scheidet. Denn da nichts die Verbindung zwischen Hund und Herrn zerreisst, gibt es für Tierfreund und -schützer keinen Spaß um ihre Obsession. Sie lassen ihre Viecher unter Einsatz von Beamtungsmaschinen operieren, spendieren ihrem moribunden Lebensliebling Austauschorgane einer dafür geopferten Ersatzkreatur, und investieren Tausende für Wohl und gegen Wehe ihres Viehzeugs.

Selbst Tiere im Heim haben mehr Hoffnung als dies Rindvieh, das die letzten Stunden vor der Schlachtbank von seiner Freiheit auf satten Weiden in den Viehwagen getrieben und auf den letzten Transport erleidet. Tierschützer sammeln Straßenkatzen und -köter, um diese jahrelang zu verköstigen und in Käfigen zu erhalten. Die Obsession einer alternden Dame mit entsprechendem Landgut hat im Laufe der Zeit schon an die 150 Katzen vor einem elenden Ende gerettet. Sie muss dafür Säcke von Katzenfutter und -streu anfahren, und Schubkarren von Katzenmist entsorgen. Doch solange die Dame selbst noch krauchen kann, dient sie ihren Katzen-Kreaturen im Käfig mit allen Kräften. Ob sie das für sich oder ihr Viehzeug tut, wäre zu hinterfragen.


Für das Rindvieh ist die letzte Reise bald zu Ende.

Denn Tiere in Pflege lohnen mit dankbaren Blicken den, der sie füttert. Wer liebt schon bedingungslos wie ein Hund? In kalten Nächten wärmen schnurrende Schönheiten den, der sie erhält. Das Haustier verbindet seinen Halter mit der Quelle von Weisheit und lehrt wie ein Zenmeister Zuversicht und Lebensfreude.



Schafe sind auf Grund ihres Aussehens und ihrer belämmerten Lautbildung weniger geeignet, als Schmusetiere auf dem Sofa zu präsentieren. Dafür lassen sich Fleisch und Fell besser verwerten als das von Katzen und Hunden. Ob der Verkauf von Katzenfellen hierzulande noch politisch korrekt ist, entzieht sich meiner Kenntnis.


Das Schaf ist nicht mehr als ein Stück Vieh für den Verwerter. Die Zen-Meisterschaft eines Katzentieres würde es seinem Frauchen niemals erlauben, das Tier respektlos an seiner Pfote zu ziehen. Vermutlich wähnt sich der Tierfreund, der Katzen und Hunde versteht, selbst schon im Zenit seiner Zen-Weisheit. Dem Tier ist alles Recht, solange es Futter kriegt. Wedekind mag sich ja noch seinen fürchterlichen Fantasien hingeben und schreiben: "Ich hab' meine Tante geschlachtet...." Doch bei Hund und Katz gibt's keinen Spaß! Wie Wedekind das Schlachtfest der reichen Tante besang, mag ja noch angehen. Doch was sich dieser Herr dort zu dichten und zu singen erdreistet, das geht auf keine Kuhhaut:



Hündchen, Allen Tierfreunden, Tierliebhabern und dem Tierschutzverein gewidmet



Eine Story eines Zen-Meisters eignet sich kaum zur Bespaßung seiner Schüler. Zwar mag eine Dame wie Amma schmusend und umarmend ihre gestresse Kundschaft entspannen. Nicht anderes leisten ja Hund und Katz für den nervlich gestressten und gereizten Menschen in bedrückenden Arbeits- und Famlienverhältnissen. Doch von einem Zen-Meister wird gar Grausiges berichtet. Er beobachtete, wie sich zwei Gruppen seiner Schüler um die Gunst einer Katze stritten. Die eine Gruppe logierte im westlichen, die andere Gruppe im östlichen Teil der Zen-Klosters. Die Katze wechselte zwischen den beiden Gruppen. Schüler in beiden Gruppen versuchten, mit Leckerbissen die Gunst des Tieres für sich zu gewinnen und es in ihrem Bereich zu halten. Nach einiger Zeit hieß der Meister die Schüler beider Gruppe, sich zu versammeln und gegenüber aufzustellen. Das Tier hielt er in Händen und zerteilte es mit seinem Schwert. Jeder Gruppe warf er einen Teil des Kadavers zu mit den Worten: "Jetzt endet Euren Streit, denn jede Gruppe hat seinen Teil des Tieres."

Da sich frei laufende Katzen nun mit frappierender Fruchtbarkeit vermehren, gehen die Verantwortlichen der Gemeinden bei Benidorm mit Giftködern dagegen an. Tierschützer lassen Katzen auf eigene Kosten kastrieren, um deren Vermehrung zu hemmen und ihren qualvollen Gifttod zu vermeiden.

Ähnlich verhalten sich Menschen. Mit Medizin, Nahrungsgaben und viel Geld bekämpfen sie die hohe Sterblichkeit der Kinder wie in Afrika. Wenn die Kleinen groß genug geworden sind, sich selbst im Kampf zu dezimieren, dann verkauft man deren Staats- und Stammesführern gegen Rohstoffe alle Waffen, die sie wollen. Allerdings wäre ohne Nahrung und Rohstoffe aus aller Welt das Leben in unserer westlichen Welt auch nicht so angenehm. Ohne blühenden Welthandel im erbarmungslosen Cut-Throat-Wettbewerb wären weder unsere Sozialsystem noch die Gesundheitsindustrie bezahlbar. Doch wo Menschen so geschützt und versorgt leben wie im Wohlstand des Westens, da sorgen sich empfindsame Menschen für befreundete Vierbeiner. Deswegen verzichtet wohl kaum ein Tierfreund auf sein schmackhaftes Fleischgericht. Nur des Menschen beste Freunde wie Hund und Katz genießen dies Privileg - allerdings meist nur bei saturierten Westlern.



Ohne die Hilfe meiner Freunde wäre es mir schlecht ergangen. Ob die mich allerdings nochmals als Gast aufnehmen ist fraglich. Manchen erscheinen meine Blog-Berichte bös' und bissig, dabei sind sie mit soviele Liebe geschrieben.

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