10 February 2014

Sonne in Souira, Erkältung in Essaouira

Ein sonntäglicher Reisetag, an dem schon nach 35 Kilometer wieder Ruhe ist. Der Strand von Souira reicht zu unserem Glück. Anderntags erreichen wir Essaouira in etwa einer Stunde. Gleich bei der Einfahrt zum Camp müssen wir einen Polizisten bestechen, anderntags muss mein Körper bei 39 Grad Fieber fünf Tage lang eine schwere Erkältung ausschwitzen.


Anfangs waren wir noch bester Stimmung: Bei voller Sonne führt uns das Navi vom Camp International in Safi in fünf Minuten zu Marjane. Dort gab es so gut wie alles - nur keinen Rotwein. Das ist bitter. Alles andere hatten wir ohnehin schon in kleinen Läden besorgt. Marjane lag gut erreichbar an der Straße nach Marrakesch, also in Richtung Osten. Doch wir wollen von Safi in Richtung Süden nach Essaouira. Es führt aber - außer vielleicht eine Piste - kein Weg von Marjane direkt in den Süden. Also irren wir zunächst eine Stunde herum, wie es vielen Fahrern geht. So tröstet uns zumindest ein gebildeter Herr, der uns nach langer Irrfahrt den Weg weist.

Es ist ein seltsames Gefühl, durch Vororte zu fahren, in denen kaum Autos verkehren. Kinder spielen auf den Straßen. Hunde und Katzen streunen über die Fahrbahn. Magere Pferde versuchen aus dem ausgedörrten Boden einen Happen Grün zu zupfen. Stromkabel hängen so niedrig über der Gasse, dass man befürchten muss, sie bei der Durchfahrt zu berühren. Irgendwann mündet die Straße in eine Piste. Blindlings brettern wir durch tiefe Pfützen, um nicht im Lehm stecken zu bleiben. Bahngleise, über die in den Vororten kein Weg nach Süden führt, zerschneiden die Landschaft.

Es führt kein Weg aus dem Wirrwarr. Wir müssen umkehren, zurück nach Safi. Dort finden wir endlich Wegweiser und Weg. Das alles machen wir mit marokkanisch-asiatischer Gelassenheit und Urlaubsruhe - äußerlich. Innerlich zehrt die Anspannung an den Nerven. Daher reichen uns nach der Irrfahrt durch Safi 35 weitere Kilometer bis zur nächsten Nachtstation in Souira am Meer. Wir nächtigen neben anderen Wohnmobilen. Abends kassiert der Parkwächter seine dreizig Dirhams, etwa drei Euro.


Man sieht unserer "Walkuh", dem VW-Crafter, den roten Straßenstaub Marokkos an. Das Rentnerpaar im 23 Jahre alten Peugeot rechts von uns transportiert neben zwei Gasflaschen auf dem Dach zehn leere Fünf-Liter-Plastikflaschen. Diese betankt der sparsame, oder auch nur arme Rentner vor der Heimfahrt mit preiswertem marokkanischen Diesel. Dann käme er mit Billig-Diesel durch ganz Spanien bis nach Frankreich. Am nächsten Morgen repariert er seine Aufbautür und klagt, dass er laufend irgendetwas an seinem alten Auto reparieren müsse. Hoffentlich ist der 30 Jahre alte Mercedes-Hymer, mit dem mein Bruder sich bald auf den Weg hier her machen will, stabiler.


In Souira mündet der Fluss Tensif ins Meer. Gerade drängt die Flut das mit rotem Lehm gefärbte Wasser des Flusses zurück.


Vor wenigen Jahren war Souira ein verschlafenes Fischernest. Jetzt entstehen kleinere Siedlungen, die jedoch fast alle leer stehen derzeit. Vermutlich fallen erst im Sommer Touristen in Massen ein. Viele Wohnmobil-Fahrer reisen im Alter in nur wenig besserem Stil, wie sie es als junge Rucksack-Touristen vor Jahrzehnten begannen, immer knapp bei Kasse. Diesen Tourismus drängt die Entwicklung zurück. Campingplätze müssen lukrativeren Anlagen weichen wie einem Yachthafen in Sale oder Beton-Siedlungen für die Sommer-Touristen in Mehdiya Plage. Auch in Essaouira bahnt sich diese Entwicklung an. Der Platz zum Camping reduziert sich durch aufwendige Beton-Chalets in Strandnähe. Hinter den Dünen dürfen im Winter die französischen Camp-Kolonnen hausieren. Strom und Sanitär weitgehend abgeschaltet.

Unsere nächste Stadt, Essaouira, zeigt am Strand auf großen Tafeln die Bade-Saison an: Von Mitte Juni bis Mitte September. Der Sandstrand in Souira wie auch Essaouira ist lang und breit. Nur an der Flussmündung in Souira ist Schwimmen verboten. Die Strömung sieht gefährlich aus.


Seit fast dreißig Jahren ruhte mein Schifferklavier ungenutzt im Schrank. Jetzt erklingt es wieder, was zu den Wellen in 30 Meter Entfernung vor uns gut passt.


Souira bietet vor allem Sonne, Wind, Sand, Landluft, Stille und den von Lehm gefärbten "Roten Fluß", der ins Meer mündet.


Wenigstens bleibt die Bebauung am Küstenort Souira bescheiden. Dort sind die Betonburgen zumindest nicht in diesen vielstöckigen metastasierenden Wahn ausgeufert wie an allzu vielen spanischen, italienischen oder auch französischen Küsten.


Obgleich in Souira an jedem Tag sicher 10 bis 20 Wohnmobile anlanden, viele, wie das arme französische Rentner-Paar dort auch zwei, drei Wochen hausieren, bleiben alle Sanitär-Anlagen geschlossen. Wer so lange steht, muss sich Strom besorgen. So ziehen sich lange Kabelstrecken über Stock, Sand und Stein zu obskuren Steckdosen. Dass diese Anlagen keinen deutschen Sicherheitsvorschriften genügen, versteht sich. Dafür begnügt sich der Verbraucher mit Spannungen bis hinunter zu 140 Volt - statt der bei uns üblichen 220 Volt. An solchen Kleinigkeiten darf sich kein Reisender stören.

In Souira neu gestärkt geht es am andern Tag wieder auf die Bahn für die nächsten 80 Kilometer bis Essaouira. Die Fahrbahn ist eng und holprig. Bei Gegenverkehr muss man bremsen, häufig auf den lehmigen Randstreifen ausweichen.

Beamtenbestechung


 Da mir im Kreisverkehr die etwas versteckte Abfahrt zum Campingplatz in Essaouira nicht sogleich aufgefallen ist, gelingt mir die 180 Grad Wendung erst ein paar Meter nach dem Kreisverkehr über diesen Zebrastreifen und die ununterbrochene Linie. Weit und breit war kein Fahrzeug - außer dem Polizeiwagen. Mein Manöver bringt den Beamten in Bewegung. Der Polizist schreitet heran, pfeift mich zum Halt, kommt an mein Fenster, und weist mich energisch auf meine Verkehrsübertretung hin. Er holt ein kleines Heft heraus, mit dem er mir beweist, dass das Überfahren der durchgezogenen Linie 700 Dirham, also etwa 70 Euro kostet. Zum einen kommt mir das sehr hoch vor, zum andern ist dieser hohe Betrag nicht in meiner Tasche. Denn auch die Bank im Marjane in Safi hatte am Sonntag geschlossen, Bankomat dazu. Also wedeln vor der Nase des Polizisten meine letzten beiden 200 Dirham-Scheine. Er nimmt sich grinsend einen davon, steckt den Schein ein, lässt mich fahren. Eine Quittung oder eine Bescheinigung gibt er mir nicht. Schon klar. Diese Art von Bestrafung macht meiner deutschen Konditionierung ein übles Gefühl. An solchen Kleinigkeiten darf sich der Tourist nicht stören.


Nach Mittagessen, Mittagsschlaf  und Kaffee im mittlerweile 27 Grad warmen Auto vergessen wir die unangenehme Begegnung mit dem bestochenen Beamten, gehen am Strand in die Stadt, um vom Bankomaten neues Spielgeld zu melken.


Vor zwei Jahren, als Mima am 1. März nach Marrakesch nach flog, um mit mir zwei Wochen durch das Land zu dieseln, haben wir auch Essaouira besucht. Sie hatte dort am Strand eine Reitstunde gemietet. Diese Erinnerungen sind frisch, auch wenn sich in der Stadt viel verändert hat. 10 Millionen Touristen reisen mittlerweile jährlich nach Marokko. 50 Prozent davon bleiben in Marrakesch, Agadir oder Casablanca. Doch auch Essaouira scheint einen guten Teil aufzunehmen, weswegen sich größere Infrastruktur-Maßnahmen rechnen. Riesige Bautafeln, hinter denen schon schwere Baumaschinen den Boden für die Fundamente aufbereiten, zeigen in Hochglanz-Color die schöne, neue Beton-Welt.


 Denn für Europäer beginnt in Essaouira die Badesaison schon heute - am 3. Februar. Hier wagt sich eine blonde Schöne in die Fluten, deren Badeanzug moslemische Halal-Gesetzen verletzt. Bislang stört das die mehr auf Devisen, denn auf Einhaltung frommer Regeln, bedachte Bevölkerung. Zu unserem Glück, zum Glück von uns Touristen.


Die Bespaßung der Touristen ist ein lukratives Geschäft. Wer will,  bucht einen Ritt auf einem Kamel oder einem Pferd. Wer lieber mit einem Quad über den Strand dröhnen will, mietet ein Quad, sofern er es nicht schon mitgenommen hat.


Wir, die wir uns mehr als alterndes Rentnerpaar fühlen, wollen nicht mehr, als Sonne, Ruhe, Meer und Stadt, Land und Leute genießen.


Wir schlürfen frisch gepressten Saft aus Orangen, Mandarinen und Grapefruits. Die Schalen, die den Früchten in einem Stück abgezogen sind, dekorieren den Stand. Der Nachbar bietet den Saft zum halben Preis, 50 Cent das Glas. Dort wollen wir am nächsten Tag unsere Vitamine trinken.  Doch anderntags mag Mima keinen Saft mehr. Denn sie hat bemerkt, dass die gebrauchten Gläser einfach nur in einem Eimer Wasser ausgeschwenkt werden. So ist eben Afrika. An solchen Kleinigkeiten darf sich der Reisende nicht stören. Gut, dass Mima nicht die Küchen der Restaurants inspiziert, aus denen wir uns verköstigen.


Ornamente, überall Ornamente und Muster. Diese Kunstwerke laden den Betrachter ein, sich in beschaulicher Ruhe zu versenken, sich selbst zu vergessen und eins zu werden mit All-und-Allem.


Die Stimmung bei Sonnenauf- und -untergang ist immer die Schönste. Das Sonnenlicht bringt dann ganz eigene Farben in die Welt, die starker Sonne verblassen.


Die Abendsonne zeichnet meterlange Schatten auf das Pflaster. Ein Truppe französischer Circus-Leute, die hinter der Düne in alten Lastwagen ihr Lager aufgeschlagen haben, unterhält Jung und Alt.


Wir wandern mit der untergehenden Sonne zurück in unser Camp Sidi Magdoul. Die sternklare Nacht kühlt den aufgeheizten Wagen in den nächsten Stunden langsam für die Nacht. Das Camp ist gepackt voll, wie auch weitere Fernfahrer aus Europa stadtnahe Parkplätze nahezu Tür an Tür in dichter Enge aufnehmen. Wer mit der ruhigen Abendstimmung mitschwingt, keinen Gedanken darauf verschwendet, was, wie und überhaupt etwas zu verbessern, zu verändern wäre, der lebt mit sich, Land und Leuten in Frieden. Soweit die Theorie. Zur Praxis die Marokkanische Staatszeitung "LE MATIN":

 LE MATIN Mardi 4 février 2014:

"Au Maroc, seuls quelque 35 % d'élèves qui ont atteint la 4e année ont acquis la norme minimale d'apprentissage en lecture."

"In Marokko erreichen nur 35 % der Schüler, die das vierte Schuljahr vollenden, eine minimale Lesefähigkeit"


Hoffentlich stehen die Palmen stramm zur Hauptsaison. Die Bäume, deren Palmwedel noch fest verschnürt sind, kommen frisch aus der Baumschule. Mit einem Rohrkreis zur Bewässung um jeden Stamm sollen die kurzen Wurzeln schnell in die harte Erde treiben, um eine Palmenlandschaft vor dem Sandstrand zu bieten.


LE MATIN Samedi-dimance 1er-2 février 2014

"Chez nous, une jeune fille de 13 ans, de par sa maturité, poeut tenir un Foyer. Alors qu'en France on commence à devenir adulte autour de 25 ans (après avoir réalisé que la PlayStation c'est juste un jeu...)."


"Bei uns kann ein junges Mädchen von 13 Jahren dank seiner Reife einen Haushalt führen. Während in Frankreich das Erwachsenalter mit 25 Jahren beginnt (nach der Erkenntnis, dass eine PlayStation gerade mal ein Spiel ist...)."

Zudem kann ihr Gatte die "gut-gereifte" 13jährige bis zum 25 Lebensjahr schon vier, fünf, sechs Mal befruchten. Das so mit Kindern gesegnete Kind produziert mit ihren Leibes Früchten weitere früh reifende Kopftuchmädchen zu Ehren Gottes, des Königs wie ihres Herrn und Gebieters. Auch wenn das kaum politisch korrekt klingt, karikieren schon Künstler im Land diese Praxis. Wie schon in meinem Marokko-Buch von 2012 soll mein Freund Wolfgang, ein erfahrener Kenner des Landes, hier sich wiederholen:

 "Marokko ist das, was man einen relativ liberalen islamischen Staat nennen kann, wobei Mohamed VI so was wie einen Seiltanz aufführen muss, damit ihm die "Barbues", die Bärtigen, keine Schwierigkeiten machen.... Er hat für die Frauen viel getan, sie können die Scheidung verlangen und das Mindestalter für die Heirat wurde auf 18 Jahre festgelegt....offiziell... Letzteres war ein Einstieg in die Abwehr von Frühehen, unter denen insbesondere Mädchen sehr zu leiden hatten und noch immer leiden. Diese Kinder können i.d.R. nicht selbst entscheiden, wen und wann sie heiraten....

 Insbesondere auf dem Land sind Frühehen immer noch aktuell und Kinder bekommen dort Kinder... Deswegen können halt Frauen in ihrem Leben auf 19 Kinder kommen, wie Du angesprochen hattest....für 2 Jahrzehnte immer schwanger. Der Mann gilt dann als besonders potent, die Familie gewinnt an Einfluss und die Frau ist "fertig"....

Im Islam, entgegen gegenteiliger Beteuerungen, ist die Frau ein generell entrechtetes Wesen und die alles beherrschende Männerwelt wird alles tun, das dies so bleibt....Aufklärung tut not...ist aber nicht abzusehen, weil der Fundamentalismus überall ins Kraut schießt...eben auch aus der Armut der Menschen heraus, die zumindest nach dem Tod "mal zu den Bevorzugten" gehören wollen.

 Zwielichtige Gestalten, Prediger, Politiker schlagen Kapital daraus. Dies alles ist eine Funktion aus dem Bevölkerungswachstum. Um noch einmal auf die "Reproduktionsanstrengungen" zurück zu kommen. Sie sind nicht nur im Islam anzutreffen, sondern in ganz Afrika...und auch Indien träumt davon: "Wir sind die Zahlreichsten"... Dass es bereits gravierende Versorgungsschwierigkeiten gibt, dass die Jugendarbeitslosigkeit in beängstigende Höhen geschossen ist, scheint vor allen Dingen die betroffenen Regionen NICHT zu stören....zumindest werden keine sichtbaren Maßnahmen ergriffen.

Ich halte deshalb alle Anstrengungen des Westens etc. für absolut kontraproduktiv, die sich mit der temporären "Abfütterung" von Hungernden beschäftigen, oder den Impf- und Kuscheltourismus, von ach so 'betroffenen' VIP's, die sich dann, wenn vor Ort ,ach so schnell solidarisieren, Impfaktionen finanzieren und Luftbrücken bauen.... Das Blöde daran ist, dass es nicht helfen wird. Solange diese Länder ihre Bürger nicht ernähren und beschäftigen können kann die erste Maßnahme nur "Stop dem Bevölkerungszuwachs" lauten, nichts anderes. Hilfen an diese Länder müssten von entsprechenden Maßnahmen abhängig gemacht werden. Dies auch im Hinblick auf die allgemeine Überbevölkerung der Erde, wobei der Mensch das größte Umweltproblem ist. Die "Ein-Kind-Politik" Chinas ist ein Pfad in die richtige Richtung, wobei ausgerechnet aus dem Westen Stimmen erschallen, dass China überaltert....Das Festhalten an dieser Politik zeigt mir zumindest, dass China hier verantwortungsbewusst handelt....im Gegensatz zu Indien, dass ich wegen der angesprochenen Denke, der überbordenden Korruption, Ehrenmorden, Kastenwesen, religiösen Auseinandersetzungen, mangelnder Infrastruktur etc., auf Niveau eines Drittweltstaates sehe...."


Viele Menschen, Frauen wie Männer, verschwenden kaum einen Gedanken an solche unangenehme, belastende Fragen, die das Schicksal von Millionen von Menschen bestimmen. Es lebt sich leichter für den Schein als für das Verständnis des Seins. Für das Ansehen beim Nachbarn, beim Partner, beim Wähler will jeder hübsch und sexy erscheinen. 
 Als Beispiel hier ein lieber Kollege, der mit seinem sonnigen Konterfei nicht nur bayrische Barbies bezaubern will.


Ob Schein oder Sein, gegen die Macht von Mutter Natur stemmt sich der Mensch wie dieses Sanitärgebäude hinter den Dünen von Essaouira vergebens. "Inch' Allah - der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen."


An strategisch wichtiger Stelle, wie den Hafenanlagen von Essaouira, haben die Portugiesen solidere Werke hinterlassen.


Das vom Regen reich gesegnete grüne Ackerland ernährt zudem  mit Viehzucht und Fischfang Millionen. Auf dem linken Kahn, den die Zimmerleute aus Holz fugen, haben wir sieben Arbeiter gezählt. Immerhin verfügen die Holzkähne über Radar.


Manche der silbrigen Fischkörper zucken noch mit letzter Sterbenskraft, bis sie ein hungriger Kunde als Beute kauft, heimschleppt, zubereitet und verzehrt. Ob mir beim Anblick dieser Todeskämpfe wie beim Blick in die Plastik schwappende Hafenbrühe noch weiter Fische schmecken, wird immer fraglicher.


Auch wenn zur Sicherheit zwei Außenbordmotoren an dem Holzkahn befestigt sind, damit auf den Atlantik zu schippern, muss man gewöhnt sein.


Vor Jahrhunderten mögen in den Burgverliesen auf der Insel Mogadour Menschen geschmachtet haben, die den Herrschenden ein Dorn im Auge waren. Heute finden dort nur mehr Möwen ihr sicheres Refugium.


Einen weiteren sonnigen Tag feiern wir am Abend bei einem opulenten Drei-Gänge-Menü in unserer Märchenwelt aus - und das Klischee muss sein - aus 1001 Nacht. Das belastet unsere Reisekasse mit 15 Euro. Allerdings gibt es keinen Rotwein. Bitter für mich, weil mich der Schlaf dann noch mehr flieht. Was wir bei der Heimfahrt aus der Stadt vollkommen unterschätzt hatten: Die zuvor von Sonne aufgeheizte Stadt gab unter sternenklarem Himmel und rauem Seewind ihre Sommerwärme schnell ab. Die neun Grad Lufttemperatur fühlten sich winterlich an wie fünf Grad. Die Radtour zum Camp heim hat mir mein Körper übel genommen.



Dabei wollen wir uns hier nach dem Motto "Rentners Rummelplatz Reisen" auf dem rund um das Jahr geöffneten Marktplatz Essaouira vergnügen. Sofern möglich, Krankheit und Krise dies nicht
verhindern, will mein Marktweiblein Mima für ihren Weihnachtsmarkt Bamberg 2014 noch ein wenig profitieren vom Handel mit den feinen Holzwaren.


Die Sonne gaukelt tags dem Körper ein tückisch warmes Klima vor. Bei 24 Grad und mehr glaubt man sich einen Sommertag versetzt. Doch das täuscht. Das Thermometer fällt nachts auf neun Grad nur. Dazu kommt ein scharfer Wind, gefühlte fünf Grad gerade noch. Ein böse, bellender Husten beginnt mich zu plagen. Der Körper kämpft bei 39 Grad Fieber schwitzend gegen die Infektion. Der Körper kämpft sich in einer Schlafstrecke von 48 Stunden Dauer durch die erste Krise. Der Rücken schmerzt vom Liegen. Einen weiteren 24-Stunden Tag muss der Körper schwitzen, schnaufen, schniefen. Dann beginnt das Fieber zu fallen. Der Morgen des fünften Tages zeigt normale Temperatur.

Allerdings schwabern von der Baustelle neben dem Campingplatz Teer- oder Dieselschwaden über den Platz. Dieser Gestank, den der starke Wind herüberweht. macht Mima Kopfweh. 2012 waren wir gesunder und glücklicher in Essaouira.


 Wetterwechsel, Baustelle, Teergestank, Leuchtturm - dahinter Camp Essaouira. Dort kämpft mein Körper vier Tage und Nächte mit 39 Grad Fieber, bellendem, harten Husten, steckt Mima mit an, die zudem vom Öl-, Diesel- und Teergestank der Baustelle Kopfweh bekommt.

  
Beim sonntäglichen Spaziergang zum nahen Strand treffen wir ein nettes junges Pärchen wieder. Die Frau wollte mit uns ein Buch tauschen, was wir leider noch nicht ausgelesen hatten. Nun wollten wir tauschen. Der Mann liegt mit Kopfweh im alten VW-LT. Als die Frau kommt, erzählt sie, dass ihrem Freund bei einem Souk-Bummel alles Geld, seine letzten 250 Euro geklaut worden seien. Sie müssen nun ohnehin in 10 Tagen das Land verlassen, weil ihr Drei-Monats-Visum dann abläuft. Nun sei ihr Freund total deprimiert. Zudem sei ihnen beim Souk-Bummel noch das Auto aufgebrochen worden. Also muss ein Schlüsselexperte das Zundschloß ausbauen, um einen neuen Schlüssel passend zu feilen. Das Buch hat sie schon anderweitig tauschen können. Bei soviel Pleiten, Pech und Pannen machen wir uns lieber aus dem Staub. Die Nacht hämmert ein Atlantik-Tief schwere Regenschauer über unser Dach.

Zumindest brachte das WiFi vom Camp Essaouira einen störungsfreien Live-Stream vom ARD-Tatort und Günter Jauch zum Thema Steuerbetrüger. Hier klauen kleine Gangster dem Touri, der sich nur ein wenig zu sicher fühlt, ein wenig unaufmerksam wird, die Reisekasse. Und daheim? Daheim ist Mima im Auto.





Nun sind wir drei Tage und einen Monat unterwegs. Die Tür zu Marokko hat sich einen kleinen Spalt für uns geöffnet - wie hier im Teemuseum von Essaouira. Ganz geschickt sind wir sicher nicht gewesen auf unserem gemeinsamen Weg. Meine Frau zeigt als Partnerin eine Größe und Geduld, die meine Schwäche stabilisiert und unsere Beziehung aus- und zusammenhält. Eins ist gewiß: Reisen ist ungewiß.




Die sieben Tage auf dem Camp Essaouira haben uns sehr angestrengt. Bevor Mima den Heimweg bucht, ruhen wir 15 Kilometer weiter auf dem Platz "Le Calme" aus (N 31 25' 57'' W 9° 39' 25''). Mima findet dort Komfort wie eine Waschmaschine.

Der Salon, von dem das Internet, kommt, macht einen geradezu feudalen Eindruck.

Ganz lieb denken und grüßen wir unsere Freunde Klaus und Gisi, die diesen Winter gezwungen sind, daheim zu bleiben. Aber ihr "Blaues Wunder", auch ein 911er, wartet schon auf neue Überlandfahrten.

Ein Fossil des 6x6-Automobilbaus stammt von Steyr Puch, nennt sich "Pinzgauer". Es sind dies seltenen Fundstücke, welche die K-und-K-Monarchie überdauert haben. 


Wir genießen Landfrieden und Landluft. Es sind gerade einmal 174 Kilometer bis Marrekkesch. Die Strecke geht gerade und gut. Mima freut sich wieder auf den gemütlichen Sitz im Flieger und die warme Stube daheim.

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