16 August 2016

Raus aus Schland - siebte Etappe Moskau

Sonnenglück liegt über der Stadt nach der ersten Nacht in Moskau. Die 176 Kilometer von Twer zum Schlafplatz Moskau waren in knapp sechs Stunden geschafft, die meiste Zeit im Stau. Die Autobahn vor der Stadt für 800 Rubel, etwa 11,50 Euro, erleichterte die Anfahrt. Allerdings rauschten wir durch tiefe Pfützen. Dabei passierten wir unversehrt vier schwere Unfälle mit mehreren Fahrzeugen, deren Lenker die Wasserglätte unterschätzt hatten. 


Wir nähern uns Moskau. Ein Schubschiff bugsiert zwei Lastkähne. Regentropfen am Geländer, Regentropfen auf der Fotolinse, Pfützen deren Fontänen Meter weit zur Seite spritzen. Staustrecken, die manche Fahrer auf der rechten Standspur umgehen. Die rechte Standspur ist ein schlechterer Feldweg mit schweren Schlaglöchern. Am Ende der Standspur drängt sich die asozial drängelnde Meute wieder in die Reihe ein. Wer in dem Verkehr verkehrt, braucht vor allem viel Geduld.


Im Betonspaghetti der Stadtautobahnen verweist das Straßenschild schon zum "MOSCOW - center". Es kann sich von da ab nur noch um Stunden handeln. Die Straßenvorgabe meines TomTom-Navis sowie meiner Google-Map auf dem Smartphone weichen etwa sechs, sieben Kilometer vom tatsächlichen Zielpunkt ab. Google-Map auf dem Smartphone von Frank allerdings fand zum Ziel. Ohne korrekte Koordinaten ist die Navigation schwierig bis unmöglich.


Wie die Ingenieure mein vor der Reise neu gekauftes TomTom-Navi programmiert haben, wissen die Experten vermutlich selber nicht. Zielführend war es jedenfalls schon in Leningrad mit Eingabe der Straßennamen nicht.


Als wir dann doch gegen 15.00 Uhr am angegebenen Ziel einlaufen, da ist es schon gleichgültig, dass mein tropfnasser Regenschirm sich nicht mehr zusammenklappen lässt und in seiner regenbunten Pracht nur noch einen Papierkorb davor schützt, mit Regen voll zu laufen. Zum Glück rettet mich mein Ersatzschirm davor, wie ein nasser Pudel am Grabmal des unbekannten Soldaten am Roten Platz zu frieren und meine beiden roten Nelken abzulegen.


Doch erstmal müssen wir die obligate Staufahrt im Bus von unserem Sammelplatz absolvieren, wobei eine Polizeikohorte mit Blaulicht voran fährt. Das erste Hotel am Platz, die roten Ziegelsteinbauten zeigen, dass sich hier Geld und Macht konzentrieren, die Menschen wie den Alten und Armen im Malteser-Hilfsprojekt in Leningrad so bitter nötig fehlen.


Als regennass frierender Tourist wäre eine Suite im Hotel Four Season gegenüber dem Kreml kein schlechter Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung. Doch es geht auch anders.


Noch keine 18.00 Uhr. Regen und Smog legen eine dicke graue Watte- und Wolkenschicht zwischen Himmel und Erde. Es kommt mir später vor, als es ist.


Bevor wir am Grabmal des unbekannten Soldaten unsere Nelken niederlegen, warten wir auf das Ritual der Wachablösung. Prof. Rainer Rothfuss als Organisator der Fahrt gibt Interviews. Der platschende Regen durchweicht seinen dünnen Anzugstoff, doch auf  den angebotenen Schirm verzichtet er. Mich friert es schon beim Zusehen.


Nach etwa fünf besinnlichen Minuten vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten marschiert die Wachablösung in einer ungewöhnlichen Gangart, die man Stechschritt nennt, ein und ab.


Wir legen unsere roten Nelken auf den regennassen Marmor, manche nehmen einen Bissen vom gebotenen Brot mit Salz und sind ergriffen von der anrührenden Zeremonie.




Die Damen in bunter Tracht bringen Brot und Salz. Man bricht sich ein Stück vom Laib, taucht es in Salz und isst.


Obgleich jetzt 3000 Kilometer als Friedensfahrer hinter mir liegen, kommt mir das Lied von Leonard Cohen nicht aus dem Sinn "there is a war".



"There Is A War"


There is a war between the rich and poor,
 a war between the man and the woman.
 There is a war between the ones who say there is a war
 and the ones who say there isn't.
 Why don't you come on back to the war, that's right, get in it,
 why don't you come on back to the war, it's just beginning.

 Well I live here with a woman and a child,
 the situation makes me kind of nervous.
 Yes, I rise up from her arms, she says "I guess you call this love";
 I call it service.

 Why don't you come on back to the war, don't be a tourist,
 why don't you come on back to the war, before it hurts us,
 why don't you come on back to the war, let's all get nervous.

 You cannot stand what I've become,
 you much prefer the gentleman I was before.
 I was so easy to defeat, I was so easy to control,
 I didn't even know there was a war.

 Why don't you come on back to the war, don't be embarrassed,
 why don't you come on back to the war, you can still get married.

 There is a war between the rich and poor,
 a war between the man and the woman.
 There is a war between the left and right,
 a war between the black and white,
 a war between the odd and the even.

 Why don't you come on back to the war, pick up your tiny burden,
 why don't you come on back to the war, let's all get even,
 why don't you come on back to the war, can't you hear me speaking?


Wer sich Frieden mit rosa Barbie-Brille als Ponyhof Sonntagsnachmittag-Kaffee vorstellt, sieht sich schnell getäuscht. Beispiel:


Aber was gehören Rassenunruhen in den USA in einen Bericht aus Moskau? Was gehört ein Buschkowski-Interview über No-Go-Areas in Berlin, Duisburg in einen Blog-Bild-Bericht aus Moskau?

Als Alt-Linker Polit-Kämpe der Studentenbewegung, 1968 gerade 20 Jahre und mit andern auf der Straße gegen Vietnam mit Schlachtrufen wie "HOHOHOTSCHIMINH!" sei den Rosabrillen-Ponyhof-Barbies in ihr Pussy-Album geschrieben:


In Russland gäb's das nicht! Was in grün-rot-bunt versiffter deutschen Spät-Dekadenz als marodierender Mob sich in deutschen Ghettos austobt, da sei den bunt-blöden Rosa-Brillen-Barbies wieder und wieder versichert: IN RUSSLAND GÄB'S DAS NICHT!


Wer sich als Roas-Brillen-Barby Friedensaktivitäten als Nachmittagskaffee auf dem Ponyhof vorstellt, dürfte damit als Leser jetzt angewidert aussteigen. Wer als 68iger Protestler nicht in das System voll eingestiegen ist, der nimmt als Ü-65iger kein Blatt vor den Mund. Doch erstmal gibt es ein herrliches Abendessen am Sammelpunkt in Moskau, einer Polizeidienststelle.


Wer als Indien- oder Marokko-Fahrer Dritt-Welt-Preise kennt, wird sich mit satten Euro-Devisen in Moskau sauwohl fühlen. Für zwei, drei Euro versorgt uns die Polizei-Kantine mit allem, was der Trucker sich nach langen Dieselfahrten auf seinem Bock wünscht.



Die erste abendliche Busfahrt, um Geld aus einer Maschine zu melken, zeigt diesen idylischen Obst-Kiosk mit allen Früchten - wie im Paradies.



Für einen Euro mehr als 70 Rubel, da lässt sich leben! Diesel kostet weniger als die Hälfte daheim. Was spricht also gegen einen Urlaub in Moskau? Höchstens die lästigen Grenz- und Visa-Formalitäten.



Wer ohne gebratene Fleischklops von McGeiz nicht leben kann, der findet diese Delikatessen auch in Moskau.


Auch meine Frau muss nächstes Mal unbedingt mitkommen. Sonst verirrt sich der einsame Wanderer noch in beleuchtete Hinterhöfe. Dieser mit Blaulicht mag harmlos sein.


Die Sicherung von Baumaterialen mit Zaun, oben zusätzlich mit Rasierklingen scharfem sogenannten NATO-Draht, ein verschärfte Form des alten Stacheldrahts, ist sehr wirksam, solange die Räuber keine Drahtschere einsetzen.


Anstatt mit Aktien Monopoly zu spielen, sollte ein tüchtiger Importeur diese Lieferwagen nach Schland importieren. Elftausendachthundert Euro für einen neuen Kastenwagen sind nicht viel, wenn denn die Zulassungshürde von Euro sechs überwunden werden könnte. Geht vermutlich nicht.


Michael, der feinsinnige Musiker, Tenor, Liedermacher und Open-Source-Experte schläft noch in seinem bescheidenen Fernreisefahrzeug.


In aller Frühe sind die Wachen vor dem Polizeiparkplatz noch nicht aufgezogen. Die hätten dies Foto vermutlich unterbunden.


Aus einer mit Autobatterie gespeisten Musikanlage feiern Friedensfahrer den jungen, ersten gemeinsamen Morgen in Moskau auf dem Parkplatz der Polizei. Dieser umgitterte Raum ist für uns reserviert. Duschen, Sanitäranlagen und Verpflegung zum moderaten Preis ist alles inbegriffen.


Für wen dieser Hummer aus US-Produktion reserviert ist, ließ sich nicht recherchieren. Vermutlich aber für keinen Bewohner der repräsentativen Hochhäuser an der vierspurigen Straße.


Wer sich keine APP für die U-Bahn-Strecken geladen hat, findet auch keine gedruckten Hinweise am U-Bahnhof. Der Tourismus in Moskau steckt wohl noch in den Kinderschuhen. Eduard Klein, der in Leipzig auch die Visen für Russland und Weißrussland besorgt, gibt dazu folgende Tipps.

Es gibt folgende Apps, die in Moskau sehr nützlich sein können:
- Yandex.Metro mit Möglichkeit einer Routenplanung
- Yandex.Taxi - Taxi zu Festpreisen zum Flughafen und günstigen Tarifen in der Stadt
- Yandex.Transport - Moskauer ÖPNV mit Livetracking (wie weit ist der Bus noch von der Station weg) und Routenberechnung
So virtuos wie der junge Informatiker Robin das Smartphone bespielt, da müssen Rentner in meinem Alter einige Volkshochschulkurse absolvieren, um diese Geräte fachkundig zu bedienen. Mein Begleiter lässt sich von Google-Maps mit dem Smartphone durch Moskau führen, als lebte er dort schon seit frühester Jugend.


Wi-Fi in der U-Bahn! Die Russen-Regierung tut was für ihre Steuerzahler. In Schland fluten Merkel und ihre Schleimlecker das Land mit Flütilanten, erhöhen die Krankenkassenbeiträge, verlängern die Arbeitszeit bis zur Verrentung auf das 69. Lebensjahre - wer's denn erlebt - , lassen Straßen, Brücken, Schwimmbäder verrotten usw. Während Russland aufsteigt, steigt Schland ab.


Mir ist nie so recht klar, welche Kleidung passt. War es gestern auf der verregneten Fahrt gerade mal 12 Grad kalt, dass mir die Winterjacke passend schien, ist es heute bei Sonnenschein 20 Grad und wärmer. Nur beim Abstieg in den Untergrund der Bahn auf endlos langen Rollentreppen weht eine steife, kühlende Brise.


Irgendwo steigen wir aus der dröhnend rauschenden U-Bahn und finden uns in einer freundlich geschmückten Fußgängerzone wieder. Blumengirlanden spannen sich in Bögen über die Straße. Die tun was, für ihre Bürger!


Mein Freund Frank findet gar italienischen Flair - mitten in Moskau.


Wir staunen wirklich überrascht. Soviel Ruhe, Harmonie und Schönheit nur ein wenig abseits der mehrspurigen Stadtautobahnen hätten wir nicht erwartet. Es lässt sich leben in Moskau, wenn die Sonne scheint.

Mir sind die Ruheräume im Großstadtgetriebe meist sehr willkommen, um ein wenig zu entspannen. Doch dieser Tag in Moskau ist einfach zu kurz, um länger zu verweilen. Es gibt soviel zu sehen!

Außerdem kann man vor den endlos langen Ampelphasen ganz entspannt die Sehenwürdigkeiten betrachten. Die Digital-Anzeige zählt Wartenden die Zeit bis zum Start. Man muss nicht gebannt auf den Farbwechsel warten wie bei uns. Die tun was hier für ihre Bürger! Schland schafft das nicht.

Wer sich standesgemäß vermehren will, darf am Brautkleid nicht sparen. Der ganze Luxuskrempel wie von Daimler, Audi, Louis Vouitton, alles ist zu haben, wer das nötige Kleingeld übrig hat.

In diesem anspruchsvollen Hinterhof-Ambiente blickt der Held auf  Luxuslimousinen hinab, die in Süddeutschland gebaut wurden.


Gewaltige Büro- oder Verwaltungsgebäude vor endlos weiten Plätzen an vielspurigen Stadtstraßen

Zum Hochhaus im Hintergrund fahren die beiden gelben Taxen.

Mir ist kaum eine andere Großstadt bekannt, die so viele autofreie, ruhige Zonen hat. Die tun was für ihre Bürger!

Keine verlodderten Antifa-Punks, kein Müll, keine Flaschen, nicht eine Zigarettenkippe auf den Straßen - es macht Freude, durch diese Pracht zu flanieren.

Wer seine Kinder mitnimmt, kann auch den Kleinen beeindruckende Attraktionen bieten. Die tun was für ihre Bürger!

Die Glocken läuten frei hängend im Turm und trotzen der Witterung.

Kein Augenblick Langeweile kommt auf, im Gegenteil gibt es bei jedem Blick reizende Neuigkeiten - für große wie kleine Knaben. Und die Damen schleppen Tüten voll Beute ins heimische Nest.



Der schlanke Hoteldiener in schmucker Livree stützt sich auf die Luxuslimousine Ingolstätter Fertigung und träumt davon, auch einmal als Herr Dienerdienste einzufordern. Dem Moped vorn rechts fehlt das Nummernschild.

Ein Laden gerammelt voll mit russischen Puppen in Puppen in Puppen....


Dieser Herr eilt zur Arbeit in einer Dienstkleidung, die das Geldbeutelherz der Touristen öffnet.


Zum Foto-Shouting hat sich die Dame fesch an Seiten des Herrn drappiert. Links im Bild schaut der Herr mit Kappe aus Conneticut (USA) der Szene zu, der schon Kaviar und Wodka in seinem Beutebeutel verstaut hat.


Unsere genussvolle Wanderung nähert sich dem Zentrum der Weltmacht, während Wallstreet die Insignien des Monopoly-Rausches verfrühstückt hat. Soros pokert schon mit seinen Summen auf den Crash.

Ein Bild ohne Worte und ohne Verlinkung - wie lange soll man sich mit dem Quatsch noch beschäftigen? Es kommt, wie es kommen muss. Sicherlich schlechter als im letzten Jahr doch immer noch besser als im nächsten Jahr.

Die kommunistische Staatsreligion, welche sich in roten Sternen statt Kreuzen auf den Bauten präsentiert, arbeitet wohl wieder zunehmend mit der Macht des Klerus zusammen. Das Volk braucht die Knute. Sklavenhalter leben überall angenehm. Jedenfalls vor dem Crash und meist sogar danach.



Nun soll mein Mosern keine Neiddebatte anfangen, schließlich leben wir als Touristen in Moskau wie Maden im Speck.

Ohne Experte für Bautenschutz zu sein, scheint es doch offensichtlich: Das Kreuz dient auf der goldenen Kuppel als Logo und Warenzeichen dieser Großsekte und auch als Blitzableiter. Wetten das?

Bei allem Schmuck auf Giebelspitzen schießt die Kathedrale in Sevilla für mich den Vogel ab: Statt Wetterhahn, rotem Stern oder Doppeladler dreht sich dort ein zwei, drei Meter hohe Frauenperson mit dem Wind mit.

Bei dem Wetter trocknen alle Sachen im Auto, der gestern vollkommen durchweichte Anzug von Prof. Rainer Rothfuss und auch die Motorradstiefel der Biker. Diese stopfen vorsorgend noch Zeitungen in die Stiefel.

Diese Schlange harrt auf Einlaß, um Herrn Lenin auf der Bleiche zu besuchen. Meines Wissen ruht der Kreml-Heilige dort in Aspik tiefgekühlt seit einigen Jahrzehnten.


Bei Sonnenschein macht das Hotel Four Seasons ja gleich ein besseren Eindruck als gestern im Regen - mein Wohnmobil auch.



Wer bei dem weitläufigen Gelände schlecht zu Fuß ist, hat weniger Freude an den Monumentalbauten und Pracht- wie Machtplätzen.


Mit Bildern von alten Trucks uns noch älteren Standbildern ließe sich von meinen Blogs bald ein Buch füllen. Leider ist mir bei den Trucks oft der Hersteller unbekannt. Wer auf den Sockeln steht, ist mir noch weniger klar.


Was wollen die Rösser: Zur Tränke oder über die Fontänen springen?


Oder verbirgt sich ein größeres Geheimniss in den Tiefen der Strudel?


Hier studiert einer der jüngsten Interessenten die Flugfaltblätter der Friedensfahrer - in der russischen Version.


Bei meiner rückhaltlosen Bewunderung von den Herren auf Standbildern, lassen sich zwei Gesetze erkennen. Zum einen posieren gerne Menschen vor diesen Standbilder, zum andern lassen sich gerne Tauben auf die hohen Häupter nieder.


In Zeiten vor Volksempfängern und anderer medialen Massenmanipulation mussten sich die Machthaber mit Denkmälern oder solchen Wandplastiken aus nahezu unkaputtbaren wetterfesten Materialen begnügen. Heute schalten DiktatorI*nnen Masken zwischen lächelndem Dauergrinsen oder betrübter, Mundwinkel faltiger Sorgenmiene um.

 
Hier handelt es sich vermutlich um ein Denkmal für die Kanalarbeiter, welche Jahrhunderte lang das Abwasser aus Moskau geschafft haben und sie schaffen immer noch.


In dieser Zoom-Szene über die mehrspurige Großstadt-Straße werden gleich zwei Gefühle mobilisiert: Wer ein treu sorgendes Vaterherz in der Brust fühlt, für die geliebten Gören, welche für kommende Jahre und Jahrzehnte väterliche Hilfe brauchen, anderseits mobilisieren Kuppeln und Kreuze in Gold die Konditionierung der Gläubigen stets und beständig neu. Gott und der Steuer entkommt so kein anarchischer Heide.


Die Damen und Herren, welche sich hinter diesen Mauern vergnügen oder auch dort werkeln, wollen anscheinend ihre Ruhe vor uns, dem gemeinen Fußvolk, haben. Jedenfalls müssen wir um die Mauer herum, gefühlt ein Weg von sieben Meilen.


Zwischen roter Mauer und dröhnender Schnellstraße schlängelt sich ein schmaler Bretterweg immer an der Wand lang, auf dem genug Menschen sich drängeln.


Doch am Ende des langen Marsches erlöst uns der Anblick auf diese Sehenswürdigkeit.


Wer länger die Architektur, sei es auch nur dies Bild betrachtet, wird fühlen, wie sich sein Gemüt erheitert.


Jung und alt, dick und dünn - die Welt muss wissen, wer vor dem Denkmal stand.


Auch die mit allen Insignien der Weiblichkeit erblühenden Lolita eilt nach der Pose zum Papa zur Kontrolle, ob das Bild ihren Vorstellungen entspricht.


Mein 10 Jahre jüngerer Reisekamerad hat noch für ein halbes Dutzend Kirchen-Kuppeln ausreichend Energie, während mein Körper das Ende seiner Leistungsfähigkeit langsam erreicht.


Also kommen wir zum Endspurt und zur Ruhe in einem Lokal, welches uns mit breiten Sofapolstern und vorzüglicher Speisung für die Mühen des Marsches entschädigt.


In diesem gut durch Zaun und Wachen gesichertem Viertel versucht mein munterer Freund gar Einlaß in einer Werkskantine für höhere Staatsbeamte, scheitert aber schon an der ersten Wache hinter der Drehtür.


Dank gütiger Vorhersehung und demütiger Beachtung der sakral Bauten wie Bilder am Wege finden wir auch einen Platz, der zu uns passt.


Wer noch aus dem vorigen Block die Sanitäranlagen an der Straßenraststätte vor Augen hat, wird zustimmen, dass wir uns sehr verbessert haben.


Das haben wir uns verdient: Lachs mit Gemüse und Kartoffelbrei, Wasser aus der Toskana und Heiniken Bier.


Beschwingt und gesättigt rollt uns die Treppe in den Untergrund zur Bahn.


Wir steigen nochmal an die Oberfläche, um uns von einem neuen Fotostop überraschen zu lassen. Vor uns erhebt sich ein majestätischer Gebäude, welches mein Reisekollege in die stalinistische Glanzzeit verortet.


Dieser Schokoladenkuchen mit eingebackener Banane krönt mit einem Milchkaffee diesen Tag voller Wunder und Sonne in Moskau.


Die Polizei macht mit Falschparkern kurzen Prozess. Ein Plastikband schützt die teure Karosse, vier Hebekrallen unter die Räder, schon schwebt der rote Renner auf die LKW-Ladefläche. Wie gesagt: Die tun was für ihre Bürger!



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Ein anderntags einlaufender Kommentar meines herzgeliebten Brüderchens begeistert mich besonders:

Ich sage: Geh doch nach drüben!
Ich komme dich dann mal besuchen!


Fröhliches Zusammensein am Abend auf dem Polizeiparkplatz


2 comments:

Ed Barner said...

Danke für den Beitrag ! Sehr interessant für mich.

Nikita Maksimow said...

Ein sehr schöner Schreibstil! Zaubert mir immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen. Danke!