08 April 2014

Martil, mildes Meerbad am Mittelmeer

Nach mehreren regnerischen, kalten Tagen siegt die Sonne endlich wieder mit strahlendem Schein. Doch auch bei Regen und Kälte unterhält mich das Internet im gut geheizten Auto. Abends bringen DVDs von SPIEGEL-TV wichtige Filme zur Zeitgeschichte. Gedanken zu Marokko und den Ländern südlich vom Mittelmeer beschäftigen mich. Zu Beginn meines vierten Reisemonats fällt mir der Abschied aus Martil und Marokko verdammt schwer.


Daheim in München, erzählt mir meine liebe Frau, seien die Böden bis in 80 Zentimeter Tiefe ausgetrocknet. Hier in Nord-Marokko hingegen, regnet es auf der Fahrt von Chefchaouen nach Martil fast ununterbrochen. In Tetouan wühlen sich die Autos durch tiefe Pfützen. Bei meinen ersten Ausflügen in Martil schützen mich Schirm und Winterjacke gegen Nässe und Kälte. Nachts kämpft der summende und surrende kleine Heizlüfter mit etwa 300 Watt Leistung ständig, aber erfolgreich, gegen die Kälte.


 Ein mit den Initialen ACAB tätowierter junger Mann hatte mir einst in Leipzig erklärt: "ACAB bedeutet: All Cops Are Bastards." Auch in Martil rebellieren die Jungen gegen den Druck der Gesellschaft, gegen die Staatsgewalt. Viele Jugendliche erwarten wenig vom Leben. Selbst ein erfolgreich abgeschlossenes Studium garantiert bei hoher Arbeitslosigkeit nicht, einen verantwortlichen Beruf und ein auskömmliches Einkommen zu erringen. Selbst im seligen München, eine Insel des Wohlstands und Friedens, spitzen sich Streitigkeiten zu. So brannten im beschaulichen München am 3. April Autos. In Hamburg und Berlin haben Chaoten schon häufiger Fahrzeuge "abgefackelt", wie die Szene hämisch und zynisch dieses gemeingefährliche Verbrechen kommentiert.


In München-Neuhausen haben Feuerteufel am 3. April einen Smart in einer ruhigen Wohngegend "abgefackelt".  Angeblich soll das Fahrzeug einem Immobilienhändler gehören. Wo Mieten exorbitant steigen, fürchten die Menschen um ihren heimatlichen Wohnsitz. Doch wie leben, wohnen und arbeiten Menschen in islamischen Ländern? Die Frage beantworten mir derzeit Spaziergänge durch das vergleichsweise reiche und ruhige Martil.


Schirm, festes Schuhwerk und Winterjacke schützen mich, um durch matschige Seitengassen vom Camp "Al Bustane" in Martil zu den Marktständen zu laufen. Schlechtes Wetter hemmt mich wenig.

 Wer durch Marokko reist, muss sich um seine Sicherheit kaum sorgen. Zehntausende Touristen überwintern sicher und komfortabel in Marokko. Doch schon zum Nachbarland Algerien sind die Beziehungen so belastet, dass diese Nachbarn keinen Grenzverkehr zulassen. Schlimmer noch: Die Grenzen zu Algerien sind als vermintes Gelände unter Lebensgefahr zu meiden.


Als dieser Mercedes-Sprinter noch für die deutsche Feuerwehr fuhr, war er knallrot. In Martil haben Sonne, Wind und Wetter die Farbe ausgebleicht. Um trockenen Fußes einzukaufen, muss man im aufgeweichten, sandigen Lehmweg nach gangbaren Inseln suchen.


Doch nasse Füße sind ein vernachlässigbares Übel gegen bedrohlichere Situationen auf Reisen.

 Schon in Algerien und Tunesien sieht die Sicherheitslage düsterer aus als in Marokko. Unsicherer ist die Situation auch in Marokkos-Süden. Die dortige Westsahara, die an Mauretanien grenzt, ist kaum zu befahren. Nur der Übergang nach Mauretanien ist von Marokko aus gegen ein an der Grenze erhältliches Visum für fünfzig Euro passierbar. Allerdings soll die Ernährung vieler Menschen in Mauretanien wegen der Dürre schlechter werden. Dass könnte dort zu Unruhen führen.


In Martil setzen sich Leitungen und Kontakte dieser offenen Stromverteiler dem strömenden Regen aus, was niemanden hier stört. In Marokko haben die Menschen wichtigere Sorgen. Wie muss es erst in Ländern aussehen, in denen Unruhen, Aufstände, Kriege wüten?



Das Camp in Martil liegt zwischen Strand und Marktständen im Innern der Stadt. Hinter dem Sanitär-Bereich im Camp Martil schafft schon ein Baukran Material für den nächsten Gebäudekomplex heran. 


 So entstehen rund um das Camp Al Bustane neue Wohnblogs, deren Appartments höheren Gewinn einspielen als der Campingplatz. Doch Gedanken an das Kommende verderben den Genuss am Jetzigen. Es gilt, wie immer und überall: "Bestenfalls wird es nicht schlimmer." Positiv bleibt anzumerken: Das Wetter hat aufgeklart. Blauer Himmel lässt sich blicken.


Jeder Tag, oft im Augenblick, bringt neue Lektionen auf den Tisch. Meine erste, wichtigste und ständige Lektion:  Geduld muss man auf Reisen lernen. So sitzt der reisende Rentner, dem es weder an Zeit noch Geld mangelt, Regentage geduldig aus. Denn wenn die April-Sonne in Nordmarokko wieder scheint, wird es heiß. Während der verregneten Stunden belehrt mich das Internet über islamische Länder. Der Luftstrom der Heizung wärmt meine kalten Füße. Das Internet liefert deutsche Nachrichten. Dabei kocht ein Süppchen. Wein krönt den Abend. Die Nacht vergeht mit der Gewißheit: Die Sonne kommt wieder. Derweil wandern die Gedanken von Algerien weiter östlich in angrenzende islamischen Länder am Mittelmeer.


Die Sicherheitslage in Libyen und Ägypten  ist kritischer als in Algerien. Nach dem Bürgerkrieg in Folge des "Arabischen Frühlings" und der dann folgenden Bombardierung Libyens werden westliche Besucher mit wenig Sympathie rechnen.
Von Libyen also eine Grenze weiter nach Ägypten: Wenn die ägyptischen Machthaber Ende März 529 Muslimbrüder zum Tod verurteilt haben, spürt in Folge der westliche Tourist auch in Ägypten Haß und Rache von betroffenen Verwandten. Bleiben Touristen aus, fehlen Einnahmen. Geld will und muss hier jeder verdienen.


Dieser Klein-Unternehmer verdient dadurch sein Geld in Martil, dass er seine Gänse vorführt. Er lässt mich seinen Spaziergang mit Gänsen gegen ein bescheidenes Entgelt ablichten. Während die Gänse mit kleinen Schritten weiter wackeln, wandern meine Gedanken rund um das Mittelmeer und nach Israel. Über Israel schreibt Wikipedia:

Israel (hebräisch ‏ מדינת ישראל?/i‎ Medinat Jisra'el, arabisch ‏دولة إسرائيل‎, DMG Daulat Isrāʾīl) ist ein Staat in Vorderasien, der an den Libanon, Syrien, Jordanien, das Westjordanland, Ägypten und den Gazastreifen grenzt. Im Westen grenzt Israel an das Mittelmeer. Er ist der einzige Staat der Welt, in dem Juden eine Bevölkerungsmehrheit bilden. Völkerrechtlich legitimiert durch eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen von 1947 wurde Israel nach Ende des britischen Mandats über Palästina am 14. Mai 1948 als parlamentarische Republik proklamiert. Dieser Plan der UN, Palästina in einen israelischen und einen arabisch-palästinensischen Staat aufzuteilen, war ein entscheidendes Ereignis des vielschichtigen Nahostkonflikts, der in Teilen bis heute andauert.
Wem Israel nicht, wie Günther Grass, die Einreise verbietet, kann sich dort wieder sicherer fühlen als in Libyien. Jedenfalls ist der Tourist in Israel gut aufgehoben, solange sich in seiner Nähe kein Attentäter in die Luft sprengt. Über die weiteren Ausführungen bei Wiki zum Staat Israel lässt sich trefflich streiten:

Die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Freedom House stuft (Stand 2013) das Land (ohne West Bank und Gaza-Streifen, die in der Studie nicht berücksichtigt wurden) unter sieben demokratischen Staaten im Nahen Osten als einzige „freie Demokratie“ ein.


Erstaunlich: Auch im beschaulich stillen Martil demonstrieren Menschen. Was allerdings der Vorredner für Parolen ins Grammophon brüllt, welche die Menschen im Chor wiederholen, bleibt mir unverständlich. Es erinnert mich an meine Zeit als Student. Wir haben damals, 1966, lautstark gegen den Vietnam-Krieg demonstriert und protestiert. Ein findiger Geschäftsmann mietete sich, angeregt von unseren Demos, daraufhin Studenten, die Geld verdienen wollten oder mussten. Diesen hängte der umtriebige Geschäftsmann an Brust und Rücken große Pappschilder um den Hals. Auf denen stand: "Mach es wie die Meisten, kauf bei Philipp Leisten." Mittlerweile hat dieser Kurzwaren-Händler aber auch Pleite gemacht und musste Groß-Konzernen weichen, die wiederum Pleite machen, weil der Versand-Handel noch billiger liefert.
Zurück zur gedanklichen Reise rund um das Mittelmeer in islamische Länder. Die Gedanken wandern vom gut gesicherten Israel ins benachbarte Jordanien. Diese kleine Erbmonarchie herrscht knapp über sieben Millionen Untertanen.


Der Mensch braucht Beschäftigung. Hirn und Hand wollen Arbeit. Wer nicht auf den staubigen, holpernden Landstraßen Marokkos "Meilen macht", gleitet genussvoller per Fahrrad über die Strandpromenade in Martil. Oder man surft per Wikipedia zu den Staaten am Mittelmeer und weiter südostlich.


Die meisten reisenden Rentner rasten lieber, als sich noch ihre alten Tage auf ein Kamel zu wuchten. Wie mich das Internet unterhält, beschäftigt sich die Dame mit ihrem Hündchen. Andere nehmen ihre Katze an der Leine mit auf den Marokko-Trip. Seltener sieht man, dass sich jemand seinen Vogel im Käfig mitnimmt. Wenige reisen allein. Zumeist reisen Paare, die dann häufig noch Gruppen bilden. Wo der Platz ausreicht, bauen sie aus ihren Fahrzeugen Wagenburgen, in deren Innenraum sie geräuschvoll tafeln und feiern.


Mein Bezug zum weiblichen Geschlecht beschränkt sich zumeist auf stille Betrachtung und Skype-Telefonate mit meiner Mima in München. Leider haben wir die Kamera nicht vor der Reise installiert, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als sie mir in Aussehen und Gestalt zu fantasieren.


Irgendeiner dieser Schönen sah meine Mima sicherlich ähnlich, als sie vor 15 Jahren meinem Begehren mit ihrer Begierde beantwortete.


Mir reicht es, in Martil meinen 30jährigen Drahtesel zu besteigen, selbst wenn sich andere Gelegenheit zum Reiten böte.


Schließlich muss man sich in der Fremde voll auf den Verkehr konzentrieren. Es wäre fatal, wenn dieser träumende Neuwagen-Fahrer mit Hut unter die Räder käme. Und sei es auch nur unter die Räder meines Fahrrads. Genug von der Strandpromenade in Martil. Reisen wir lieber weiter um das Mittelmeer!

In Jordanien bewegt sich der Tourist leichter als in Libyen oder in Ägypten. Wiki belehrt uns unentgeldlich:
Das Haschemitische Königreich Jordanien (arabisch ‏الأُرْدُنّ‎ al-Urdunn) ist ein Staat in Vorderasien. Es grenzt an Israel, den im Westjordanland gelegenen Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete, wobei die Grenze unter israelischer Kontrolle ist, Syrien, Irak, Saudi-Arabien und an das Rote Meer (Golf von Aqaba), an dem es eine Seegrenze zu Ägypten hat. Jordanien zählt zu den so genannten Maschrek-Staaten.
 An Jordanien grenzt Syrien. Blutig bekriegen dort einander die Bürger, womit das Land für Touristen zu unsicher ist.  In der elenden Kriegsgeschichte haben unzählige Menschen ihr Leben lassen müssen. Mehr noch retten ihr Leben auf der Flucht in ein ungewisses Schicksal:

Seit einem Staatsstreich 1963 regiert die Baath-Partei das Land. Seit Frühjahr 2011 entwickelte sich aus Demonstrationen gegen die syrische Regierung ein Bürgerkrieg, der bislang mehr als 140.000 Todesopfer gefordert hat. Mehr als zwei Millionen Syrer sind aus dem Land geflohen, 4,25 Millionen weitere sind innerhalb Syriens auf der Flucht.
 Die Türken sind Nachbar von Syrien, dem Irak und dem Iran. Die Türkei ist als laizisitischer Staat halbwegs demokratisch. Allerdings führt Erdogan das Land recht rigide, lässt Internet-Dienste wie YouTube und Twitter abschalten. Doch das stört Touristen wenig, solange keine Demonstranten ihre Autos demolieren. Das Landvolk fühlt sich von seinem gewählten Ministerpräsidenten Erdogan und dessen islamisch-konservativen Regierungspartei gut vertreten. Vergleichbar fest steht die bayrische Landbevölkerung fest zu ihren Führern wie einst zu Franz-Joseph Strauss und jetzt zu Horst Seehofer. Wie so häufig sind zwar Studenten und Intellektuelle unzufrieden mit autokratischen Herrschern wie Erdogan. Doch Machtmenschen manipulieren die Mehrheit zu ihrem Machterhalt.


Für mich sind Gemeinwesen, in denen die Unterschiede zwischen den Ärmsten und Reichen dazu führen, dass sich diese in "bewachte Ghettos" zurückziehen, "Sklavenhalter-Gesellschaften". Hier, in  den Hügeln oberhalb von Martil kann man sich in solche Ghettos einkaufen. Diese Ghettos sind eingezäunt, bewacht und nur nach Öffnen einer Schranke  zu passieren. Diese "bewachten Ghettos" erinnern an Campingplätze.


Bewachte Toreinfahrt zum Ghetto "Cabo Negro" in den grünen Hügel über dem Meer in Martil.

Die Heilige Hochburg des Islam, Saudi-Arabien, grenzt nicht an das Mittelmeer. Ebenso haben der Irak, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman sowie der Jemen keinen Zugang zum Mittelmeer. Die Erb-Monarchen in Saudi-Arabien gründen ihre Macht auf Erdöl. Je mehr Öl im Land, umso größer Reichtum, Macht und politischer Einfluß. Unsere Industrie und unser Wohlstand hängen an Öl und Gas wie der Fixer am Heroin. "Gastarbeiter" leben vergleichsweise gut in Saudi-Arabien, wenn man von den wie Sklaven gehaltenen Dienstboten absieht.



In Saudi-Arabien sind mehrere Millionen Gastarbeiter beschäftigt. Sie kommen zumeist aus dem asiatischen Raum – Indien, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Malediven, Malaysia, den Philippinen, Indonesien, Brunei – und dem afrikanischen Raum – Sudan, Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, Somalia, Kenia, den Komoren, Tschad, Mauretanien u. a. Aber auch sehr viele kommen aus dem Iran, der Türkei und Zentralasien. Daneben gibt es noch eine kleinere Anzahl hochqualifizierter Gastarbeiter aus Europa, Nordamerika und anderen Regionen. Diese Gastarbeiter aus westlichen Ländern leben meist in Compounds. Dabei handelt es sich um hermetisch abgeriegelte und bewachte Siedlungen. Diese Compounds haben eine autonome Infrastruktur mit Geschäften, Schwimmbädern, Sportanlagen und desgleichen. Eine „westliche“ Lebensweise in diesen Compounds wird geduldet.

Eine SPON-Foristin stört sich am Satzbau. "Es" sollte hingerichtet werden, das Hausmädchen von 41 Jahren. Das findet die Foristin, sei ein falscher Gebrauch der Sprache. Meinen Spott dazu lässt der Moderator durch.

Länder wie Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kasachtan, Kirgisien spielen eine untergeordnete Rolle, weil Deutschland dort keine Rohstoffe holt. Auch werden uns über diese Länder keine Rohlstoffe geliefert.


Um die Rohstoffe zu "kriegen", muss also den, von diesen Rohstoffen abhängigen Staaten, jedes Mittel Recht sein.


Martil, Meerbad am milden Mittelmeer gibt mir Zeit und Muße, mir anderthalb Stunden den Deutsch-Iraner "KenFM" anzuhören: Propaganda? Kabarett? Information? Hetze?

Mohammedanische Länder wie Saudi-Arabien mit der Pilgerstätte Mekka, wären zwar vom Preis für Diesel preiswert zu bereisen, doch die Machthaber dort erschweren den Zugang. Inwieweit
die Menschen dort Besucher gastlich empfangen, ist eine andere Frage. Die Sitten in der Erbmonarchie Saudi Arabien als wahhabitische-sunnitische Sekte des Islams ist rigid-rechtgläubig. Ihre schiitischen "Glaubensbrüder" verachten die Saudis als "Ketzer". Zudem wacht, wie im zumeist schiitisch-gläubigem Iran, über Sitte und Moral eine rigide Religionspolizei. Die nördliche Grenze zum Irak überquerten in drei Golf-Kriegen mehr Soldaten als Touristen.


Es stören mich auf meiner Radtour zu den "Guarded Ghettos" in die Oberstadt von Martil kaum andere Autofahrer. Zwei Jugendliche, die später hinter den Schranken verschwinden, drehen sich außerhalb der Umzäunung auf einer Bank einen Joint. Später laufen sie fröhlich feixend an mir vorbei. Wegen der Umzäunung gelingt es mir nicht, in den Wald über den Wohnblocks zu kommen.

An den Irak grenzen Syrien und der Iran, derzeit eher unwirtliche Grenzgebiete für Touristen. Vom Iran führen Straßen nach Pakistan und Afghanistan. Meine erste Asienfahrt 1976 über den Landweg Balkan, Türkei Iran, Afghanistan, Pakistan nach Indien ist derzeit für Touristen nicht befahrbar. 2012 berichtete mir ein Reisender von seiner Fahrt durch Pakistan. Er fand es bedrückend in einem vergitterten Polizei-Gelände nächtigen zu müssen. Noch bedrückender war für ihn der Besuch eines Marktplatzes, der nur notdürftig von Blutspuren eines vorigen Sprengstoff-Attentats gereinigt war. Das war sein "gewaltiges" Reisemobil:


Mercedes 1735 in Zagora 2012: 17 Tonnen, 350 PS, permanenter Allrad-Antrieb, 30 Liter/100 km, acht Zylinder, 15 Liter Hubraum, 32 Gänge, 3,75 Meter hoch - ein Sound wie von einem schweren Schiffsdiesel.

 Der Fahrer erzählt, dass er keine Lust habe, seine letzte Reise nach Indien über Iran, Pakistan zu wiederholen. Früher waren Deutsche im Iran immer wohl gelitten. Doch seit dem Einsatz der Deutschen in Afghanistan habe sich das geändert. In Pakistan haben ihn dauernd Sicherheitsfahrzeuge von Armee und Polizei begleitet. Nachts war er angewiesen, in den Hinterhöfen von Hotels zu übernachten. Deren Eingäng sind, wie mir von meinen Tehran-Aufenthalten bekannt, durch schwere Scherengittern vor den Türen gesichert. Auf dem Rückweg von Pakistan hat der Mercedes-Pilot nur ein Transitvisum durch den Iran von sieben Tagen bekommen. Ein anderer Deutscher mit langem Bart erhielt dagegen ein Touristenvisum für einen Monat. Doch solange Seine Majestät "M 6" in Marokko Macht und Herrschaft behauptet, bleibt Marokko ein angenehmes Reiseland.


Zum Schluß meiner Reise im milden Mittelmeer-Bad Martil beschäftigen mich mohammedanische Länder und die Beziehung des Westens zu diesen Ländern. Im vorigen Blog-Bericht aus Chefchaouen informierten uns mehrere Experten via YouTube darüber, wie Öl und Gas unseren Wohlstand garantieren. Doch schon hier in Marokko kontrastiert das Leben vieler, wenn nicht der meisten Menschen mit unserer durchschnittlichen Lebenssituation daheim.


Gemeinschaftsarbeit der Fischer am Strand in Martil: Etwa zwei Stunden lang ziehen zwei Gruppen von jeweils fünf Männern das Seil zum Fischernetz zu. Aus ungefähr drei-, vierhundert Metern Entfernung nähern sich die Gruppe, bis sie gemeinsam die Beute auf den Sandstrand ziehen.

Etwa eine Schubkarrenladung haben die Männer nach stundenlanger Gemeinschaftsarbeit aus dem Meer gezogen.


 Die jungen Leute kamen per Schiff aus Genua. Für ihre Marokko-Rundfahrt haben sie gerade einmal drei Wochen Zeit. Vier Stunden davon hat ihnen die Abfertigung am Zoll genommen.


Diese Marokkaner reist einmal rund um seinen Kopf.


Hirn und Hand brauchen Arbeit. Mit Radfahren, Bädern im Meer, Internet-Verbindungen, der marokkanischen Zeitung "Le Matin" sowie DVDs mit SPIEGEL-TV vergeht die Zeit wie im Flug. Seltener packt mich die Lust, Akkordeon zu spielen.


Wie "Le Matin" berichtet, haben 1.802.707 Personen Lesen und Schreiben mit der angegebenen Webseite gelernt, 1.485.070 davon Frauen.


Aber auch jüngere Jahrgänge steuern voller Aufmerksamkeit ihren schweren Mercedes. Diese friedlichen Tage auf der breiten Strandpromenade in Martil geben mir notwendige Kraft und Ruhe, mich intensiv mit den Ereignissen zu beschäftigen.

Mein erster SPON-Leserbrief-Beitrag dazu fiel der "moderierenden" Zensur zum Opfer:


Ohne gesteuerte Massenaufstände, als Folge von Propaganda, keine mediale Massen-Manipulation. Ohne mediale Massen-Manipulation keine sich steigernden Gewalttätigkeit. Ohne sich steigernde Gewalttätigkeit keine Mobilmachung. Ohne Mobilmachung kein Kriegseinsatz. Ohne Kriegseinsatz kein Gewinn für den militärisch-industriellen Komplex.

Mein zweiter SPON-Leserbrief-Beitrag fand dann das Gefallen des Zensors:


Wie so oft war der angeführte Link den tagesaktuellen Verweisen der "Nachdenkseiten"  zu verdanken.



Neben konventionellen Gefechtsköpfen aus hochexplosivem Sprengstoff stehen auch drei verschiedene Atomsprengkopftypen zur Auswahl.



Obgleich am 8. März meine Abreise aus München schon wieder ein Vierteljahr zurückliegt, zieht mich wenig heim. Die Skype-Gespräche mit Mima daheim sind das Beste, was aus Deutschland kommt. Hier in Martil hängen meine flüchtig durchwaschenen Kleidungsstücke auf der Leine. Dahinter hat heute nacht ein einsamer Wanderer im alten Renault Espace aus Tschechien genächtigt.


Die Sonne kämpft sich erst am frühen Nachmittag durch diesige Nebelsuppe. Positiv am neblig nassen Vormittag ist, dass sich das Camp Al Bustane schlagartig leert. Doch mittlerweile hat sich die Franzosen-Fraktion mit ihren langen und breiten Rapidos wieder aufgebaut. In gut geübter Geschwindigkeit stellen sie ihre Plastikmöbel auf. Mit gefüllten Rotweingläser genießen sie Sonnenschein, Stille und Zwitschern der Vögel.


Es stimmt mich traurig, dies schöne, sanfte Meerbad Martil zu verlassen. Marokko verwöhnt mich mit allem, was mir gut tut. Die Menschen sind freundlich und spiegeln mir meine Freude. Die Verbindung mit München stellt Mima per Skype her. Volksmusik von Bayern Eins mit harmonischer Melodik erinnert mich an das schöne Bayern.


Auf der langen Radtour am Sandstrand schwappen immer wieder die Wellen nach den Rädern. Meines Tages Höhepunkt ist das Bad im Meer.


Die Höhen von "Cabo Negro" sind von bewachten Gebäuden besiedelt. Mein Radausflug über den Strand endet vor einem verschlossenen Tor. Doch der freundliche Wärter öffnet für mich die Kette und lässt mich passieren. Cabo Negro ist eine Oase der Ruhe. Junge Burschen quälen auf dem Großparkplatz ein Auto mit quietschenden Reifen in schleudernde Kurven.


Es ist schon klar, was mir den Abschied so schwer macht: Besser und preiswerter lässt sich auf dem Festland in Europa kein Urlaubsort am Meer mehr finden.


Zudem wird es schwer fallen, so ruhige und leere Straßen in solch malerischer Meerlandschaft zu finden. Doch irgendwann muss es dann doch zurück gehen zu meiner



....vielleicht noch einen letzten Tag in Martil?


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