07 September 2014

Weinfest in Kiskörös und Mimas Abschied

Viele unsere Liebsten haben wir schon verabschiedet, meine Frau Mima mit mir: Meinen Vater, meine Mutter, ihre Mutter, ihren Vater, meine Tochter - gemeinsame Freunde in München wie Michael, Heiner und meine jüngeren Arbeitskollegen Alois, Bernhard, Wolfhard und Wolfgang.  Doch des Abschieds ist kein Ende nicht. Nie, niemals.


Gedanken gegen Geister der erinnerten Wunden helfen und heilen. Die Verstorbenen wie Scholl-Latour, Peter der Große genannt, hinterlassen letzte Sätze, an denen wir lange zu  knabbern, zu kauen haben: "Die Welt ist aus den Fugen."


BILD, nicht BLÖD, vermeldet eine "Scharia-Polizei" am 4. September aus Wuppertal, SPON kocht das Gleiche drei Tage später auf. Als Unterhaltung zum Wochenende schafft es die Meldung dann in die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen wie ARD:


Ob es hilft, gegen Verhetzte zu hetzen? Kampf der Kulturen kommt mir in den Sinn, vermutlich auch eine CIA-nahe Studie. Wie immer weiß Wiki weiter:
Kampf der Kulturen ist eine politische Theorie der internationalen Beziehungen für einen Konflikt zwischen verschiedenen Kulturkreisen, insbesondere der westlichen Zivilisation mit dem chinesischen und dem islamischen Kulturkreis. Sie geht auf eine These des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington in der US-amerikanischen Zeitschrift Foreign Affairs von 1993 zurück. Seine Überlegungen erweiterte Huntington zu einer umfassenden Theorie in seinem 1996 erschienenen Werk Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. Darin stellt er die Behauptung auf, dass ein grundsätzlicher, kultureller Antagonismus zwischen einzelnen Zivilisationen bestehe und dass es dieser Gegensatz sei, der die Weltordnung nach dem Ende des ideologisch geführten Ost-West-Konfliktes besonders prägen werde.
Bleibt zu beachten: Der russische Kulturkreis wurde zu dem Zeitpunkt nicht als Konfliktregion gesehen, "der Islam gehörte da noch nicht zu Deutschland".  Diese "Religion of Peace" macht ihrem Namen, Religion des Friedens, bei einer Demo in London alle Ehre. Fromme Männer und verschleierte Frauen zeigen fürchterliche Flaggen. Doch Furcht fühlt nur der Ungläubige. Der Fromme Mann kennt keine Furcht, keine Zweifel. "Eine feste Burg ist unser Gott!" Fürwahr: Das braucht man auch.


Diese Bilder verstören - die Meisten. Um dem Betrachter nicht die Freude zu verderben, lockern diese bitteren Bilder der Demo in London andere Bilder und Gedanken auf - beispielsweise "US-muscle-Cars".  Diese Dinos der Spritsauf-Zeit mit Hubraum starken Vergaser-Motoren, begeistern die Menschen auf dem Weinfest in Kiskörös.


Diese Blechburgen sind Teil des amerikanischen Alptraums.  Für die Hungerleider in arabischen Elends- und Wüstenregionen sind diese US-Rohstoffvernichtungsmaschinen ein unerreichbarer Luxus. Als museale Erinnerung an die in Pleite und Not versinkende Autostadt Detroit sind diese kantigen Machtmaschinen unerreicht.



"Europe, take some lessons..."  Das alte, vergreisende Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besondern haben einige Lektionen im letzten Jahrhundert gelernt. Mehr davon will kein Mensch. Abgesehen von harten Hooligans mit weicher Birne, die sich gern "die Fresse polieren".Wenn sich ein Führer findet, dieses explosive Humankapital zu zünden, dann Gute Nacht!




"Europe you will pay." Die importierten Rohstoffe sind bezahlt. Doch wenn weltweit vernetzte korrupte Eliten der Rohstofflieferanten das Volksvermögen für ihr einzigartigen Bedürfnisse verschwenden, sind Rohstoffe mehr Fluch als Segen für ausgeblutete, ausgeplünderte Länder. Wenn Deutschland keine Rohstoffe importiert, ist der Ofen warmer Behaglichkeit schnell aus. Das alte Europa und speziell Good Old Germany bastelt zwar an Hochtechnologie wie im Fahrzeugbau an Wunderwerken, die gleichsam mit Luft und Liebe fahren. Doch das ändert das Abschmelzen der Gletscher wie der Polkappen auch nicht mehr.



"Be prepared for the real holocaust." Seit 60 Jahren bügeln Totschlagargumente wie von "Holocaust, Nazis, Faschisten, Antisemitismus" viele kontroversen Diskussionen platt.Ein politischer Mainstream zementiert gleichsam Gedankengut von Rechtgläubigen. Kontroverse Kommunikation wie Beispiele von Sarazzin, Pirincci, Ken Jebsen  beweisen, bügelt gleich einer Dampfwalze des Mainstream platt und glatt.



  "Der Islam ist die Antwort." Den gleichen Herrschaftsanspruch gegenüber Ungläubigen beansprucht Gottes auserwähltes Volk wie in Israel. Ähnlich fundamental wollen wirklich wahnhafte Christen im Gottes-Gürtel der USA das Weltgeschehen dominieren. Selbst hochheilige Hindus massakrieren Heiden, welche ihre Heiligen Kühe schlachten.



"Enthauptet die, welche den Islam beleidigen!"  Prima Parole, um Koran-Kinder für ihren erlösenden Endkampf zu konditionieren.


Ein Märtyrer seiner "Gerechten Sache" fantasiert vor seinem Massenselbstmord von Jungfrauen, die sein Opfer mit Sinnenlust lohnen. Haut- und Haarfarbe seiner himmlischen Beute imaginiert sich der Märtyrer nach Lust und Laune.



 "Der Islam wird die Welt beherrschen!" Der Mann mit intelligentem Plakat wie Gesichtsausdruck mag von Hammelfleischtöpfen Ägyptens fantasieren, sich nach üppigem Mahl auf weiche Kissen betten. Tanzend mag er von wunderschönen Huris, willig, biegsam, schmiegsam, fügsam träumen, die für ihn tanzen und trällern. Schleier imaginierter Sherazade schmeicheln seiner nackten Haut. Lust, welche Arme im Leben selten erfahren, erfüllen Träume vom Paradies - nach dem Tod.



"Exterminate those...." Menschen in Ländern, die selbst keine Waffen produzieren, importieren ihr Kriegsgerät. Wo der Waffenexperte gestern noch Verbündete an diesem Mordgerät schulten, kämpfen morgen Feinde damit - gegen Ungläubige. Diese, beispielsweise Talmud-Juden aus Israel und fundamental Religioten aus dem Bibel-Belt, dem Gottes-Gürtel der USA, halten wehrhaft dagegen. Es kocht dieser Kampf der Kulturen. Solange Brennstoff billig, heizen Explosionen das Klima weiter auf. Katastrophales Klima, Klimakatastrophe. Die Szene schlägt mir mehr und mehr auf den Magen - seit Jahren.


Bilder einer Ausstellung von 2008 aus den Münchener Domagkateliers: Juliet Jae durfte dort ihre Arbeiten ausstellen. Künstler, die ihre Einsichten und Eingebungen aus mystischen Wurzeln schöpfen, fühlen lange vor den Ereignissen, was kommt. Doch mystische Wahrnehmung und Wirklichkeit wirkt in beide Richtungen: In schöpferischem Schaffen wie in zerstörerische Kräfte. Meiner Meinung neigt sich die Waage zu Gunsten der zerstörerischer Kräfte.


Vom Koran konditionierte Killerkommandos spielen auf der gleichen Klaviatur von Folter, Vernichtung und Tod wie sadistische Schergen der Inquisition. Wie der Islam zum Islamismus mutiert, so das Christentum zur Inquisition. Priesterliches Polit-Pathos glorifiziert den süßen und ehrenvollen Tod von Soldaten und Märtyrern. Priesterliches Polit-Pathos gibt Leben und Sterben mehr Sinn. Endlich! Fußball, Fernsehen und Ficken kann nicht alles sein:


Na, dann mal her mit den hehren Zielen für einen erfolgreichen Kämpfer, ein gottgefälliges Leben und Sterben: "Kein Alkohol, kein Glückspiel, keine Musik oder Konzerte, keine Pornografie, keine Drogen und kein Schweinefleisch."


Was geht mich das eigentlich alles an? Kurbad Kiskörös: Morgens um sechs Uhr läuft Thermal-Brühe mit 44 Grad Celsius in die Becken. Der Bademeister mischt mit Kaltwasser auf erträgliche 36 Grad, im anderen Becken auf 38 Grad ab. Die erhitzten Körper erfrischen sich in Schwimmbecken im Freien oder in Hallen. In diesem Klima von Freizeit und Erholung treffen sich vom Arbeitsleben gezeichnete Rentner, Durchschnittsalter 70 plus. Manche kommen für Wochen seit Jahren, manche seit Jahrzehnten nach Kiskörös. Mein Camp-Nachbar aus Ebersberg ist ein 80jähriger Kachelofenbauer und Fliesenleger. Er hat 50 Arbeitsjahre auf dem Buckel. Dennoch oder deshalb ist der Alte fit wie ein Turnschuh. Er fährt seit 20 Jahren die 750 Kilometer von Bayern nach Kiskörös in zwei Etappen, Übernachtung in St. Pölten am Stellplatz der Autobahnraste. Doch der Mann ist eine Ausnahme in der Rentnertruppe. Andere schleppen sich mühevoller durch ihre letzten Jahre, Monate und Tage.


Je mehr der Zahn der Zeit an meinem Körper nagt, umso mehr faszinieren mich alte Autos. Das Gebet von Janis Joplin "Lord would you buy me a Mercedes Benz" hat sich mir auch 1983 erfüllt. Es war ein alter "Strich-Achter". Nach dem Kauf war es dann erstmal nötig, den Motor zu überholen.


Der Herr hat das passende Gewicht, um seine edle 350 Kubikzentimeter-Zweizylinder-Jawa mit Schwung anzutreten.



Ganz anders dies zarte, junge Mütterchen: Eine starke Schubkraft hilft der jungen Frau, ihren Bock vom Ständer auf die Bahn zu bringen. Meine ersten eigenen Fahrzeuge waren auch alte Motorräder. Meine Empfindungen graben Erinnerungen aus, die Jahrzehnte zurück liegen. Es erscheint mir wie gerade gestern vergangen: Ehefrau, Nummer I, fährt mit mir vom Bodensee den Arlberg-Pass rauf. Meine Jawa schafft es etwa bis auf 1500 Meter Höhe. Dann Kolbenfresser. Das Metallmehl lässt sich schon ahnen, wenn man die Zündkerze abbaut. Nach dem Abbau des Zylinderkopfes sah man die Bescherung. Die Karre mussten wir vom Arlberg mit der Bahn nach Innsbruck verfrachten. Väterchen zahlte die Reparatur. Luft und Liebe hatten wir satt, kaum Kohle. Jetzt erfüllt mir Ehefrau, Nummer III, meine Träume. Mein Testosteron-Spiegel bleibt halbwegs stabil, auch wenn sie schon wieder bald einen Monat allein auf Tour ist. Sie taugt immer weniger für meine Art des Reisens. Manche Rastplätze sind ihr zu laut oder zu dreckig. Kleinigkeiten stören sie: So nervte sie mich wegen schlechter Rasur auf der Marokko-Fahrt durch kalte Winterstraßen in den Süden. In Afrika angekommen fand sie, dass ihr Weihnachts-Markt geruhsamer sei, als mit mir zu reisen. Will man das? Immerhin hat sie jetzt genug zu tun: Ihr Freund, der  vor mir war, braucht ihre einfühlsame Pflege. Die beiden waren bald 20 Jahre zusammen, sind noch befreundet. Es ist ihr langer Abschied von diesem Freund - ein Abschied für immer.


Reisen und Motoren haben ihren eigenen Reiz. Wenn diese alte Jawa mit einem Motorklang wie Trommeln auf Blecheimern an mir vorbei knattert, erinnert sich der Körper genau, was damals in den Eiern zu fühlen war: Unabhängigkeit und Freiheit. Das ist heute nicht anders. Nur besser und komfortabeler. Die Taschen sind voller Geld. Doch es ist herrlich, andere fahren zu sehen, ein Glas Rotwein in der Hand. Auspuffgase schnuppern. Motoren knattern oder blubbern, je nach Kaliber, Baujahr, Hubraum und Verbrennungsart. Einige lassen ihre Maschinen mit heulendem Jaulen hochdrehen.


Hubraum und Platz ohne Ende. Selbst fettleibige Amis können in der Karre kopulieren, wenn sie denn können.


Bei dem solide tuckernden Einzylinder-Diesel jubelt jede Bauerntochter: "Trecker fahren!"


Mademoiselle bevorzugt ein Modell in Rosa. Dies steuert das Mädchen mit gekonnter Konzentration durch den Kreisverkehr.


Mehr martialisch gibt sich dieses olivgrüne Gefährt, vielleicht eine russische Rarität? Im Vergleich zu den Nachrichten aus Politik und Wirtschaft, die SAT-TV in meine rollende Stube bringen, ist ein Ausfluge in die Natur, Dösen im heißen Wasser, mein Leben in Kiskörös erholsam und entspannend. Das ist auch notwendig. An meinem Körper nagt der Zahn der Zeit - merklich und schmerzlich. Meinen sauren Magen entspannt Kiskörös, das Wasser, die Ruhe, die Natur und das Weinfest.


Dieses Heilwasser ist weitaus verträglicher als Rotwein. Das gesunde Wasser gehört zur Kur in Ungarn.


Zurück zum Weinfest: Drei erfolgreiche Gymnasiasten nippen mit verbundenen Augen aus zwei Gläsern roten und weißen Wein. Alle drei erkennen den roten Wein richtig am Geschmack.


Die Streicher fideln munter zum Tanz. Die Damen wirbeln mit Anmut. Die Herren mit Bauchbinde aus starkem Leder lassen sich nicht aus dem Takt bringen.


Prämierte Weinbauern stellen sich mit ihren Fahnen vor. Orden schmücken die farbenprächtigen Gewänder. Jeder Aufgerufene, der Flagge zeigt, bekommt wohlwollenden Beifall.


Wunderbar, wie und dass diese  Fahrzeuge fahren. Diese Maschine stammt noch aus Zeiten meines Großvaters, 30, 40 Jahre vor meiner Geburt. Weiterhin gehören zum Weinfest Weinbuden. Dort  schenken die Verkäuferinnen Proben für etwa 30 Cents aus. Mit drei, vier dieser Proben hat man schnell einen halben Liter Wein getankt. Flaschen einfachen Landweins kosten zwischen drei und sechs Euro..


Außer alten Maschinen, Rentnern in brauner Badebrühe, lassen sich auf dem Weinfest junge, schlanke Schöne aus Kiskörös blicken.


 Jedes Jahr wächst wieder ein neuer Jahrgang heran, um die unumgängliche Reproduktion aufrecht zu halten.  Es gehört zur Kur, Abstand vom Wahnsinn aus Nachrichten, Medien, manipulativen Meisterleistungen kollektiver Verblödung zu gewinnen. Man kommt zurück zum Wesentlichen:
 






 "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, bleibt ein Narr sein Leben lang."


YouTube-Video vom Czardas-Tanz der Schönen auf dem Weinfest in Kiskörös
Sonntag, am 7. September 2014


Dennoch fällt es mir immer schwerer, länger in Kiskörös zu bleiben. Aus dem 200 Kilometer weit entferntem nord-östlichen Hajdúszoboszloó weht wieder Reisefieber herüber. Dort ist nächstes Wochenende Weinfest. Ungarn ist verführerisch. Allerdings muss mir meine Gesundheit die Strapazen des Reisens erlauben.


Auch in diesem Gespann mit Anhänger kann eine Familie mit Kind und Kegel verreisen. Doch dagegen bietet meine rollende Wohnstube einen unvergleichlichen Luxus. Bleibt zu hoffen, dass meine Frau Mima wieder mit mir verreisen will. Sie will zwar kein "Nervhasi" sein, doch Koseworte haben schon ihren Sinn.




Bilder zum Abschied aus Kiskörös nach einer Woche: "Aber der Wagen, der rollt."


Die Kraft zum Reisen wird schon reichen.


Und im übrigen lässt sich in anderen "Heiligen Büchern" wie dem Talmud oder der Bibel ähnliche faschistische Ideologie nachweisen - von Parteiprogrammen einmal abgesehen.

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