13 February 2012

Piste, Dritt-Welt-Koller, Erg Chebi

Goulima Camping: In der Vollmondnacht fehlt nichts. Die Verbindung steht. Der Bayrische Rundfunk kommt klar und ohne Stockung über das Internet. Wolfgang, der in Marrakech Frau und Sohn hat, berichtet aus Shangai detailliert über Land und Leute. Das Wichtigste: Die Gasheizung hält das Auto wohlig warm.



Das sechs Uhr Parlando des Muezzin untermalt pittoresk die vertrauten Sendungen des Bayrischen Rundfunks. Das Internet überträgt Web-Radio genau wie Skype-Gespräche selbst über die 11000 Kilometer aus Shangai fast fehlerfrei.



Für 100 DH seit dem 19. Januar liefert mir 3-G Maroc Telecom laut der Statistik schon 1.71 GByte, während mein Up-Load in der Zeit 702,07 MByte betrug.

Reiche Touristen leben im Luxus. Gas bringt Wärme. Gasoil 50, wie Diesel hier heißt, bewegt die Plastik-Bomber. Solarpanels oder Steckdosen versorgen uns mit Strom. Sauberes Wasser liefert der Händler in fünf Liter Plastikgefäßen für einen Euro. Leitungswasser im Wassertank des Autos desinfiziert Chemie aus dem europäischen Fachhandel. Doch 5000 Kilometer fern von München sorgen sich viele Menschen hier um Wärme in der Nacht, Wasser, Nahrung und Kleidung. Touristen wissen nicht, ob der Brotpreis subventioniert wird. Es interessiert den wahrscheinlich wenig, der sich von Land und Leuten bezaubern lässt.



Eine fahrbare, antike Bohrmaschine treibt den Bohrkern vor dem Museum und Hotel in Tinjedad in immer größere Tiefe auf der Suche nach Wasser und schwemmt schwarzen Schlamm in den Vorgarten. Der Preis für ein Zimmer beginnt ab 100 Euro.

Der Tourist, der seinen Plastik-Palast behutsam über ein letztes Stück Piste in eine Camping-Oase bugsiert, ist weg von der Welt der Einheimischen. Weit weg. Hinter den Mauern erwarten den Reisenden warme Duschen, köstliche Mahlzeiten, mancherorts ein Schwimmbad und vielleicht sogar Schatten.



Hinter Tor, Schranke und Mauern eines Campingplatzes, wie hier in Goulmima, findet der Tourist Schutz, Luxus und manchmal auch Bekannte wie "Resia" aus dem Saharaforum von E. Kohlbach.



Im Gelände des Campingplatzes - wie hier in Goulima - sorgen Schilder und Eintrittspreise dafür, dass der Devisen schwere Tourist seine Ruhe hat.



Weil der Badbesuch auf dem Campingplatz 25 DH Eintritt plus 10 DH Verzehrzwang kostet, bleiben die Reichen in Goulmima unter sich.

Außerhalb einer Campingoase leben die Einwohner, wie in der ländlichen Kleinstadt Goulmima, nach anderen Regeln, anderen Zeitabläufen als erlebnishungrige Reisende. Bei einer Arbeitslosigkeit bis zu 60, 70 Prozent verlangsamt sich das Leben. Gerade Jugendliche, welche in großer Zahl auf den Arbeitsmarkt drängen, hängen in Gruppen tatenlos ab. Gut für uns als Reisende, dass fünfmalige Muezzin-Aufrufe die Menschen in religiösen Übungen disziplinieren. Gut weiterhin, dass die Menschen ohne Alkohol nüchtern bleiben.

Zurück zur Stadt Goulmima: Eine Marktfrau erhitzt auf einer Platte über offenem Feuer einen Fladen aus Mehl, Wasser und Zwiebeln in Fett. Für zwei DH, etwa 20 Cent, kaufst Du Dir dort ein Frühstück, was Dich bis mittags sättigt. Der Händler schiebt neue Motorräder und Lastendrei-Räder in die Sonne vor seinen Laden.



Dies Lastendreirad der Marke Docker mit 150 cc Motor kostet etwa 1700 Euro, sagt der Händlers.

Doch beim krassen Kontrast zwischen Luxus und Armut täuscht die rücksichtsvolle Ruhe und sonnige Stille nach kalten Wüstennächten. Überall im Land stehen Mannschaftstransporter der Königlichen Gendarmerie einsatzbereit. Drahtgitter sind vor die Scheinwerfer geschraubt. Wie ein Visier lässt sich die Windschutzscheibe mit diesem Drahtgeflecht abdecken. Diese starke Schutztruppe sorgt dafür, dass wir Reichen unseren Luxus in Ruhe und Frieden genießen. Es mag sogar sein, dass der Kaiser von Persien, Diktatoren wie Ghadaffi in Lybien, Mubarak in Ägypten oder selbst Saddam Hussein im Irak die Menschen ihrer Länder vergleichsweise "friedlich" gehalten hatten. Zynisch formuliert: Gesellschaften mit langer sakro-sankter Sklaverhalter-Mentalität und -Tradition sind mit westlichen Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten kaum kompatibel.



Die Mannschaftswagen der Königlichen Gendarmerie lassen sich bei Bedarf mit Drahtgittern vor der Windschutzscheibe gegen Steinschlag schützen.



Ein Modell wie dieser Daimler "Strich 8" war mein erster und einziger Benz. Er wurde zwei Jahre lang von 1973 bis 75 produziert und diente mir und meiner Verlobten als komfortables, aber primitives Reisemobil. Die Baureihe 123 löste den "Strich-Achter" ab. Die meisten Taxis hier sind diese 123er mittlerweile.



Um viele Männer ohne Arbeit zu beschäftigen, bieten sich neben Hygiene sowie Sinn stiftenden religiösen auch sportliche Übungen an. Das Fernsehen überträgt laufend Fussballspiele. Tragisch endete kürzlich ein Fußballspiel in Ägypten mit zahlreichen Toten verfeindeter Fans.

Auch ohne viel Geld scheint es sich - zumindest an sonnigen Tagen - bei vergleichsweise bescheidenem Auskommen in einer Vor-Sahara-Stadt wie Goulmima angenehm und ruhig leben zu lassen. Vom fettgetränkten, heißen Zwiebelfladen für 20 Cent mit einem Minztee für 50 Cent und einem Kilo Datteln für 1,50 Euro kann man sich schon erhalten. Wer sich dann noch gegen das Trinkwasser immunisiert hat, verbringt mit religiösen Übungen und unterhaltsamen TV beschaulich, ruhige und angenehme Tage. Jugendliche messen ihre Kräfte an Geräten in Spielhallen oder auf dem Bolzplatz. In stundenlanger Geduld warten Händler in der Sonne auf Kunden.



Bevor mir der Händler ein Kilo Datteln für 15 DH abwiegt liest er seine SMS am Handy. Um ihm das Bild zu schicken, hat er mir seine Adresse hinterlassen.

Das Gaswerk in Ar-Rachidia füllt kein Gas mehr in die Flaschen der Touristen . Der freundliche Wachmann erklärt, dass seit dem Attentat in Marrakech es allen Gaswerken im Land verboten sei, Gas in einzelne Flaschen zu füllen. Diese Auskunft ist zwar, wie uns unser letzte Flaschenfüllung bei Beni Mellal gezeigt hat, falsch. So fahren wir eben auch ohne Flaschenfüllung geruhsam weiter, bis uns eine Pause zwischen Irgend- und Nirgendwo zum Verweilen einlädt.



Auf den 23 Kilometer zwischen Ar-Rachidia und der Blauen Quelle von Meski überwältigt uns gleichsam viel Landschaft aus Sand, Sonne und Steinen - soweit das Auge reicht.



Nach vergleichsweise mildem Tagespensum von etwa 80 Kilometern sind wir wieder "daheim": Die Camping-Oase der Blauen Quelle von Meski haben sich die französischen Legionärsbesatzer von den Menschen hier bauen lassen. Die jungen Leute warten auf Beute von uns. Mein Einkauf bescheidet sich Mit einem Schilf geflochtenen Kamel.



Nach nostalgischem Betrachten des /8-Daimlers in Goulmima erinnert dieser Ford Transit mit Benzinmotor an das Marktauto meiner lieber Stephanie daheim, mit dem sie vor 16 Jahren bei mir einzog. Mein Camping-Nachbar in Meski hat vor vier Jahren sein rotes Schätzchen für 3000 Euro gekauft, das nun schon 37 Jahre rollt und rollt.



Das alte Meski liegt in Trümmern, weil die Bewohner jenseits des Flusses eine neue Stadt aufgebaut haben. Das schien wohl einfacher und preisgünstiger zu sein, als den Fluss zu überbrücken, wenn meine Folgerungen aus den Erklärungen der Kohlbach-Bibel stimmen.

Anmerkung: Die Auszeichnung Kohlbach-Bibel hat sich der 646 Seiten dicke und starke Reiseführer von Edith verdient. Dank Reiner, der mir in Goulmima die 3. Auflage 2009 verehrte, begeistert nun auch mich das dort gesammelte Material zu Land und Leuten. Edith unterhält auch das Sahara-Forum. Nach meinen Auslassungen dort erkannte mich Reiner auf dem CP Goulmima sofort. Mir ist es weniger wichtig, möglichst viele der von Edith beschriebenen Plätze in kürzester Zeit zu besuchen. Spannender und entspannender fühlt es sich an, beschaulich bei behaglicher Behäbigkeit wie Einheimische in geruhsamer Muße zu bummeln. Zwar gibt es allüberall prächtigere Plätze aus 1001 Nacht, doch mich begeistert es, das Leben der Menschen in ihren alltäglichen Anstrengungen zu sehen undd zu spüren. Jeder müht sich im Arbeits- und Alltagsleben für sich und seine Liebsten. Mit Muße und Ruhe - frei von Termindruck, Konferenzen, frei vom Gerede der Verkäufer und Vertreten - setzt man sich still in die Sonne, schlürft genußvoll eine halbe oder geschlagene Stunde am Minz-Tee und wartet, was denn kommt, geht oder bleibt. Die Zeitung Matin vom Wochenende, also hier vom Freitag, macht mit großem Buntbild des Königs als Vorsitzender seiner Minister auf und titelt: Sa Majesté le Roie Mohammed VI préside un conseil des minstres". Weiter im Stil, gleich zweimal in den ersten beiden Absätzen, liest man: "Sa Majesté le Roi Mohammed IV, que Dieu l'assiste....". Seiner Majestät, dem König, möge also Gott beistehen.



Die Straße zur Olivenfarm von Thomas bei Ait-Ichchou ist einspurig asphaltiert. Gegenverkehr zwingt uns rechts ins Kiesbett.



Leben wie vor 1000 Jahren: Unter dem Zeltdach zieht eine Familie mit Großmutter ein halb Dutzend Kinder groß. Gaben aus Germoney wie Kleider und Malstifte stützen und fördern die Infrastruktur beim Auf- und Ausbau der Sippe.



"Walkuh" und "Schneelöwe" bei Sonnenuntergang. Schneereste bleiben selbst Tags. Vor der bitter kalten Nacht klopfen zwei Polizisten ans Auto. Damit sie pflichtgetreu und -schuldig meine Personalien notieren, bitte ich beide ins Auto.



Die verklärenden Reden von Europäern, dass die Menschen in Zelten wie diesen glücklich leben - bei Minus fünf Grad in der Nacht - erscheinen mir wie Schönfärberei.

Nachts stehen wir in der Wüste vor der Olivenfarm von Thomas Friedrich, von dem Edith in ihrem Marokko-Buch erzählt. Zwei Beamte klopfen, um meine Personalien aufzunehmen, wie dies die Geschäftsführer der Campingplätze machen. Kein Tourist soll und darf sich hier in Marokko verlieren. Das nach Devisen hungernde Land braucht jeden Touristen. Also genießt der Tourist Schutz der Staatsmacht. Ein Kilo Oliven kostet etwa einen Euro. Um hier einen VW-Touareg für 100.000 Euro zu importieren, muss Marokko also hundert Tonnen Oliven exportieren.



Die Nacht in der Wüste war so kalt, dass sich mein Atmen innen auf der Windschutzscheibe als Eis niederschlug. Die Stadt in der Wüste heisst Gourrama.

Nach der bitter kalten Nacht kommen wir morgens früh schnell in Schwung. Wir wollen unseren Weg nach Arfoud - auch Erfoud geschrieben - mit einem 30 Kilometer langen Stück Piste um etwa 80 Kilometer abkürzen. Wir fahren durch verschlafene Nester vorrangig aus Lehmbauten. Gerade einmal aus dem armdicken Kamin eines Hauses steigt Rauch auf. Die Sonne steigt höher, doch noch um neun Uhr früh herrscht Frost. In Beni Tajjite zweigt die Piste ab. Wir suchen kreuz und quer in der Stadt nach dem Weg. Endlich fährt ein freundlicher Mann voran und zeigt uns den Weg aus der Stadt. Mühsam rumpeln unsere Plastik-Bomber über Steine und Gräben. Als der Weg sich gabelt, sollen wir uns rechts halten. Doch diese Piste ist nach ein hunderten Metern zu Ende. Uns stoppt ein Graben, den wir nicht zu queren wagen. Also sind wir fünf Kilometer Piste vergeblich in die Wüste hinein geholpert und müssen fünf Kilometer zurück und dazu die 80 Kilometer längere Asphaltstraße absolvieren.



Fünf Kilometer Piste enden an einem Graben, den Johannes gerade fotografiert. Das heisst für uns: Fünf Kilometer Piste zurück und 80 Kilometer Wüstenasphalt mehr bis Erfoud.

Bei der Fahrt durch grandiose Wüstenbergzüge kommen wir in das Dorf Beni Bassia. Dort ist Markt auf der Hauptstraße, wenn es denn dort weitere Straße überhaupt gibt. Wir rollen im Schritttempo durch die Menschen vor und an den Marktständen vorbei. Wir parken und kaufen ein. Meine Apfelsine genießen mit mir drei Knaben, die mehr wollen. "Kuli? Dirham? Bonbon?" tönt dies Bettelmantra landauf, landein. Mir wird unbehaglich dabei. Abfahrend versucht ein Rotzlümmel die Beifahrertür aufzureißen. Doch die ist verriegelt - zum Glück.



Souk im Wüstendorf Ben Bassia. Der Pferdewagen transportiert eine Gasflasche neben dem Kutschbock.



Das Wüstendorf liegt einsam und verlassen. Zahlreiche Grabsteine bezeugen, dass hier einst mehr Menschen gelebt haben.

Das Navi kennt die Nebenstrecke nach Boudnib nicht. Untentweg rechnet der Prozessor. Irgendwann stellt das Navi seine Mitarbeit ein und ärgert mich mit schwarzen Schirm. Kein Bild, kein Ton, kein Nichts. Wir erreichen endlich die große N-10 Straße in Boudnib. Die Sonne steht im Zenith. Pause in Boudnib. Diesmal umlagern gleich 15 Rotzlümmel unsere Fahrzeuge am Straßenrand. Zeitweise verjagt ein Herr gesetzteren Alters die Burschen, der mir auch nicht besser erschien als die junge Meute. Johannes hat mit ihm gesprochen. Genau wie die Knaben verlangte der honorige Herr auch einen Dirham. Johannes gab nichts. Also bemühen sich die Knaben weiter um meine Beachtung. Die bleibt aus. Weil ihre Faxen nichts fruchten, klopfen sie aggressiver ans Auto. Mir reicht's. Zornig öffne ich das Fenster und schütte den Fliehenden mein Waschwasser nach. Sie weichen auf die andere Straßenseite aus, rotten sich zusammen, beratschlagen. Als sie noch aggressiver zurückkommen, fahren wir einige Kilometer weiter. Doch auch dort rücken sogleich drei Knaben mit eben der selben Nummer an: "Kuli? Dirham? Bonbon?" Meine Ohren schwirren davon wie von Fliegengesumm.

In mir steigt Dritt-Welt-Koller auf. Nur weg von der Straße, der Meute, den Menschen. Wir schaffen es bis etwa 30 Kilometer vor Erfoud nach einem Tagespensum von 234 Kilometern. Dort finden wir in einem schattigen Campingplatz in der Oase von Oulad Chaker Ruhe. Der Platzwart heizt mir den Ofen mit trocknen Palmwedeln an. Meine Nerven beruhigen sich bei einer heißen Dusche für 10 DH. Die Lufttemperatur beträgt zwar nur 12 Grad Celsius, doch die Sonne heizt ein. Ein erholsamer Spaziergang durch den Palmengarten der Oase, wo die Landbevölkerung ihr Gemüse anbaut, ist wunderschön. Danach klebt zertretene Dattelpampe unter den Schuhsohlen.



Nach stundenlangem heißen Ritt durch die Wüste blicken wir fast andächtig auf die Oase Oulad Chaker. Dort bleiben, rasten und ruhen wir.





Jens, Jahrgang 1985, ist im November von Stuttgart aus zum Campingplattz Tissirt geradelt. Seine Laune ist um so vieles besser, wie seine Ausrüstung, Fahrrad mit Anhänger, Zelt, Netbook etc. geringer ist als die Meine.

Jens füllt seinen HALLO DAS IST EIN LINK!-Blog www.4000km.net . Wir wollen 90 Kilometer weiter zum Erg Chebbi fahren, dem großen Dünenberg, fahren. So uns Gott beisteht. Inch'Allah.





5500 Kilometer entfernt von München sind wir in der Oase-der-Dünen in Erg Chebi angekommen.
Reiner, aus dem Sahara-Forum, hat mir in Goulmima einen Wireless-Lan-Adapter verkauft. Dieser liegt auf dem Dach und empfängt über seine Antenne das W-Lan-Signal vom Router der Ocean-des-Dunes. So klappt mein Internet-Verkehr in mein häuslichen Stube auch über weitere Entfernung.



Trotz 20jähriger Berufstätigkeit als Redakteur im PC-Magazin erschließt sich mir jetzt erst der Nutzen eines Wireless-Lan-Adapters. Damit ist mein schwach funkendes Medion-Netbook bestens mit den WiFi-Anlagen von Campingplätzen verbunden.

Abschließend noch eine E-Mail von Wolf aus Shangai. Er hat mit einer Marokkanerin in Marrakech einen Sohn und fliegt im Mai immer zum Geburtstag seines Sprößlings dorthin.

Hi Erhard,

Du klangst eben etwas wie, "schlaflos in der Wueste"....Kenne das, hatte ich auch immer....

Ja, Marokko ist immer fuer Ueberraschungen gut, positiv wie negativ....

Die Landschaften koennen atemberaubend sein (Atlas, Kueste, Wueste), aber auch deprimierend, wenn man in grosse Staedte kommt, wo soziale Unterschiede sich zu beissen scheinen, Casa ist eine davon....aber auch Marrakech. Dort haben sich die Reichen aus Marokko versammelt, der Koenig ist sehr gerne dort und laesst mal ab und zu (einen) seiner Geschosse aus Maranello ueber den Asphalt huschen....Dazu kommt der massive Tourismus und die Ansiedlung vieler Franzosen, die sich auch im Geschaeftsleben etabliert haben.

Marokko ist das, was man einen relativ liberalen islamischen Staat nennen kann, wobei Mohamed VI sowas wie einen Seiltanz aufuehren muss, damit ihm die "Barbues", die Baertigen, keine Schwierigkeiten machen....

Er hat fuer die Frauen viel getan, sie koennen die Scheidung verlangen und das Mindestalter fuer die Heirat wurde auf 18 Jahre festgelegt....offiziell...

Letzteres war ein Einstieg in die Abwehr von Fruehehen, unter denen insbesondere Maedchen sehr zu leiden hatten und noch immer leiden. Diese Kinder koennen i.d.R. nicht selbst entscheiden, wen und wann sie heiraten.... Insbesondere auf dem Land sind Fruehehen immer noch aktuell und Kinder bekommen dort Kinder...

Deswegen koennen halt Frauen in ihrem Leben auf 19 Kinder kommen, wie Du angesprochen hattest....fuer 2 Jahrzehnte immer schwanger. Der Mann gilt dann als besonders potent, die Familie gewinnt an Einfluss und die Frau ist "fertig"....

Im Islam, entgegen gegenteiliger Beteuerungen, ist die Frau ein generell entrechtetes Wesen und die alles beherrschende Maennerwelt wird alles tun, das dies so bleibt....Aufklaerung tut not...ist aber nicht abzusehen, weil der Fundamentalismus ueberall ins Kraut schiesst...eben auch aus der Armut der Menschen heraus, die zumindest nach dem Tod "mal zu den "Bevorzugten" gehoeren wollen. Zwielichtige Gestalten, Prediger, Politiker schlagen Kapital daraus.

Dies alles ist eine Funktion aus>>>>>Das Bevoelkerungswachstum

Um noch einmal auf die "Reproduktionsanstrengungen" zurueckzukommen. Sie sind nicht nur im Islam anzutreffen, sondern in ganz Afrika...und auch Indien traeumt von "wir sind die Zahlreichsten"... Dass es bereits gravierende Versorgungsschwierigkeiten gibt, dass die Jugendarbeitslosigkeit in beaengstigende Hoehen geschossen ist, scheint vor allen Dingen die betroffenen Regionen NICHT zu stoeren....zumindest werden keine sichtbaren Massnahmen ergriffen.

Ich halte deshalb alle Anstrengungen des Westens etc. fuer absolut kontraproduktiv, die sich mit der temporaeren "Abfuetterung" von Hungernden beschaeftigen, oder den Impf- und Kuscheltourismus, von ach so 'betroffenen' VIP's, die sich dann, wenn vor Ort ,ach so schnell solidarisieren, Impfaktionen finanzieren und Luftbruecken bauen....

Das Bloede daran ist, dass es nicht helfen wird.

Solange diese Laender ihre Buerger nicht ernaehren und beschaeftigen koennen kann die erste Massnahme nur "Stop dem Bevoelkerungszuwachs" lauten, nichts anderes. Hilfen an diese Laender muessten von entsprechenden Massnahmen abhaengig gemacht werden. Dies auch im Hinblick auf die allgemeine Ueberbevoelkerung der Erde, wobei der Mensch das groesste Umweltproblem ist.

Die "Ein-Kind-Politik" Chinas ist ein Pfad in die richtige Richtung, wobei ausgerechnet aus dem Westen Stimmen erschallen, dass China ueberaltert....Das Festhalten an dieser Politik zeigt mir zumindest, dass China hier verantwortungsbewusst handelt....im Gegensatz zu Indien, dass ich wegen der angesprochenen Denke, der ueberbordenden Korruption, Ehrenmorden, Kastenwesen, religioesen Auseinandersetzungen, mangelnder Infrastruktur etc., auf Niveau eines Drittweltstaates sehe....

Das war das vorgezogene Wort zum "Sonntag in der Wueste"....

Weiterhin gute und sichere Reise.

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Gruesse

Wolf





Ein Künstler verkauft an einer Wand in Erfoud seine Bilder. Dies Meisterwerk karikiert den Kinderreichtum einer Familie. Die Eltern können neben ihren Kindern sogar noch ihren Esel ernähren.

Noch zwei Bilder nach der Bergbesteigung der höchsten Düne in Erg Chebbi, das eine von Erfoud, das andere vom Sandmeer.



"Hab' mein Wagen voll geladen..." Doch auch an dieser Hauswand wieder die Schleichwerbung der braunen Brause mit zuviel Zucker.



Sonnenuntergang über dem Sandmeer von der höchsten Düne in Erg Chebbi aus gesehen.

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