Die Wunderwelt beginnt, wo Orangen- und Olivenhaine meine Erlebniswelt bereichern. Palmen wedeln ihre grün-gigantischen Blattfedern. Kakteen locken mit roten, stacheligen, eiförmigen Früchten. Störche siedeln auf dem römischen Aquadukt in Merida, in Südspanien. Die Abendluft schmeichelt mit milden sieben Grad. Nachts friert es nicht mehr. Die Mittagssonne lässt mich Sandalen suchen und anziehen. Urlaub beginnt. So fühlt sich Freiheit an.
Johannes fährt seinen Peugeot 4-Zylinder mit 131 PS. Mein VW-Crafter brummt mit einem zweieinhalb Liter 5-Zylinder mit 136 PS. Diese Basisfahrzeuge hat Seitz unter dem Name "Tikro" zu Wohnmobilen veredelt. Auf diesen Gefährten, nennen wir sie Walkuh und Schneelöwe, erkunden wir die Welt. Wir fahren, essen, kochen, schlafen und entsorgen uns in den Autos. Die Dusche lässt sich im Fahrzeug oder über eine Service-Klappe auch außerhalb nutzen. Nach konzentrierten Fahrstunden kurven wir aus Valladolid, um einen Platz für die Nacht zu finden. Wer zu spät seinen Schlafplatz sucht, läuft Gefahr auf einem Parkplatz wie bei IKEA in Valladolid zu nächtigen. Reisen bildet. Das strengt an.
Manche Nachtplätze, wie den IKEA-Parkplatz in Valladolid, möchte man im Laufschritt im Morgengrauen verlassen.
Jedenfalls spricht Johannes schon wie Klaus, der Reiseprofi. Johannes meint: Wir machen keinen Urlaub, wir machen eine Reise. Klaus fährt mit dem Motto in die Ferne: "Reisen sind keine Erholung, Reisen sind schwere Arbeit." Mir wird so wohl im Land, wo statt stattlicher Autos gelb die Zitronen blühen. Verständlich, wenn daheim niemand mehr still sitzt - außer vorm Fernseher. Verständlich, wenn daheim kaum einer noch still sitzen kann oder will - außer beim Essen oder in Konferenzen. Mein Motto auf Reisen ist daher, wieder still sitzen zu lernen. Sich nach der Welt der Arbeit wieder selbst zu leben. Das heißt: Die Eroberung der Langsamkeit!. Das steht auf dem Programm, auf meinem Programm. Nur so beflügelt, bereichert, beglückt sich meine Erlebniswelt wieder mit all den wonnigen, sonnigen Eindrücken. "Aber Hallo! Sind wir denn auf der Flucht ins Exil oder sind wir nicht endlich ein wenig angekommen? Angekommen bei uns selbst, in uns selbst? Muss man denn immer noch um sein Leben rennen? Sich mit anderen armen Hungerleiden um bessere Plätze an den Futtertrögen beißen?" Muss man nicht. Nicht mehr. In einem Monat beginnt mein 64. Jahr. Johannes hat das schon geschafft. Wer sich Zeit für die Zeitung nimmt und selbst noch Todesanzeigen liest, der merkt es doch: Es geht heim. Auch Namen vergleichbar junger Menschen mit der Gnade der späten Nachkriegs-Geburt holt Freund Hein.
Zurück ins Leben, zurück zur Reise: Die Fahrt von Valladolid über eine bis mehr als 1000 Meter hohe Ebene war nass und neblig. Die Höhen zierten Schnee. Mittags wurde es wärmer. Erlösend rissen die nebligen Wolken auf. Die Sonne funkelt auf eine stille, kahle Landschaft mit Wiesen, Pinien und Korkeichen. Schafe weiden. Wo ein Wasserloch auf eine fette, feuchte Weide weist, da grasen schmucke, schwere Rinder - braun bis schwarz. Die Tiere schreiten mit majestätischer Größe und Grazie zum Saufen.
Die 400 Kilometer von Vallaloid nach Merida sind schon ein stolzes Stück Strecke. Weniger aufgeblasen, aber auch richtig: Die Fahrerei geht mir auf die alten Knochen. Dass noch Nebel mit Sichtweiten von kaum 100 Metern die Fahrt erschwert, kostet zusätzlich Kraft. Der Gipfel der Fahrt stellt sich in der Kaffeepause ein: WiFi am Tankstellen-Cafe. Der erste Bericht, der in Nacht auf dem IKEA-Parkplatz bei Valladolid entstanden ist, geht im WiFi-Caffee an der Tankstelle in einer halben Stunde über die Leitungen in die WWW-Welt - mitsamt 16 Bildern. Denn mein Material war halbwegs vorbereitet, nur nicht letzlich korrigiert.
Als wir schön sanft und zögerlich nach Merida einlaufen, finden wir endlich den ersten Supermarkt in Spanien: ALDI. Na gut, die Tomaten, Gurken, Paprika dort sind zwar keine Bio-Ware, doch Brot und Käse, Batterien allemal, lässt sich dort kaufen mit einer Flasche Rotem, dem Teuersten natürlich - immerhin knapp über fünf Euro. Das Leben ist zu kurz, um billigen Wein zu saufen.
Manche Plätze, wie dieser in Merida, laden ein, länger zu verweilen.
Merida lädt ein, am Fluss zu verweilen. Wir durchwandern die Stadt mit den römisch-musealen Schätzen, besorgen uns im Touristenbüro Material, vermeiden es jedoch, Museen zu besuchen. Die Stadt bietet Museum genug. Nach dem gemeinsamen Abendmahl, einem Eisbergsalat von ALDI, wandern wir wieder am Fluss entlang. Die Klänge einer wilden Trommelsession locken. Im Park dabei studieren junge Damen und Mädchen die Choreografie für die Touristensaison ein. Keine 50 Meter entfernt schlagen junge Burschen in gekonnt kunstvollen Rhythmen auf Trommeln verschiedener Größe melodische Klangwelten in den Abendhimmel.
Merida schmückt sich mit römischen Bauwerken wie dieser Brücke.
Wer römische Ruinen liebt, bekommt in Merida davon genug.
Mehr noch als die Mädchentruppe, mehr noch als die Trommelkünstler erstaunen uns weiße Gestalten auf dem Aquadukt, hoch über unseren Köpfen. Nach einer Weile ordnet Johannes scharf blickend den Gespensterwesen in der Dämmerung hoch über unseren Köpfen die zoologische Gattung "Storch" zu. Es ist wahr und Wirklich: auf den etwa 15 Meter hohen steinernen Türmen der restlichen, römischen Wasserleitung nisten zahlreiche Störche. Es können wohl zwanzig, dreißig Paare sein, die dort mit langen Schnäbeln auf das laute Trommel- und Tanz-Treiben im Park unter ihnen schauen. Als später die Trommler aufhören, setzt ein aufgeregter Adubar das Abendkonzert mit klapperndem Schnabel fort. Der ungewohnt fremde Klang lässt sich erst nach einiger Zeit dem Storchenvogel zuordnen.
Die recht ruinierten römischen Wasserleitung dient zahlreichen Störchen als Brutplatz.
Zum festlichen Abschluß des wunderbaren Reisetages genießen wir zwei Gläser des Hausweins beim erst erreichbaren Wirt, den wir finden. Der Wand füllende Samsung-Flachfernseher dröhnt mit einer Fußballübertragung der Blauen gegen die Roten. Zweitausend Jahre zuvor verfütterten römische Sklavenhalter in der Arena von Merida noch Gladiatoren an hungrige Bestien. Vom militärischen HiTech-Gemetzel einmal abgesehen, leben wir schon in vergleichbar friedlicheren Zeiten. Mir sollen alte wie neue Kampfspiele gleichgültig bleiben, solange sich meine gespannten Sinne endlich einmal traumlos in friedlichem Schlaf ohne Alptraum erholen.
Der Wandfüllende Flachfernseher zeigt in der Wetterkarte für Spanien viel, viel Sonnenschein.
Zum Abschied aus Merida klappern balzende Störche auf dem Aquadukt.
Über die Brücke verlassen wir Merida zu einer sonnigen Fahrt von bald 400 Kilometern nach Cadiz und von dort nach Barbate.
Weiter, weiter, weiter. Die Strecke geht über Cadiz nach Barbate, auch immerhin 390 Kilometer. Damit sind wir dem Hafen Algeciras zur Einschiffung nach Tanger schon bis auf 70 Kilometer näher gerückt. Nach einem Bad, einer Dusche am Auto und einem reichlichen Mittagsmahl reicht leider meine Kraft nicht mehr, die große Stadt Cadiz zu besichtigen. Meine Konzentration und Kraft schaffen kaum 40 geruhsame Kilometer weiter. Nach der Strecke führen uns die Koordinaten-Eingaben der WoMo-Reihe "Mit dem Wohnmobil nach Südspanien" punktgenau an einen ruhigen Stellplatz am Ortsrand von Barbate. Die Fischfabrik hinter uns ist zwar verfallen, stinkt aber nicht. Zwei alte Holzkähne vermodern gleich neben unserem Stellplatz im Wasser. Die Rundbalken des Innenraums ragen gleich Gerippe von den Planken befreit heraus. Zum beachtlich breiten Strand sind es nur ein paar Schritte weit.
Von Cadiz bleibt bei der eiligen Durchfahrt nicht mehr in Erinnerung als ein erfrischendes Bad im Atlantik und Fahrtbilder wie von dieser Salzhalde.
Wenige Schritte von Strand und und Innenstadt nächtigen wir in Barbate unter Palmen.
Hinter unserem Stellplatz modern zwei alte Holzkähne von einstmals großer Handwerkskunst.
Den Strand von Barbate sollen im Sommer fast nur spanische Touristen bevölkern, berichtet ein Reiseführer.
Marokko
Von Barbate führt eine wunderbare Küstenstraße auf die nächste Hauptstraße Richtung Algeciras. Die von Edith Kohlbach empfohlene Reiseagentur fanden wir sofort nach den GPS-Daten. Für 180 Euro Cash auf Kralle kommen wir hin nach Tanger-Med - und hoffentlich auch wieder heil zurück nach Algeciras. Unser Schiff fährt um 14.00 Uhr. Die Überfahrt genießen wir bei rauher Brise auf dem großen Schiff. In dessen Bauch sind neben einigen Wohnmobilen, einem Weltreise-Allrad-LKW auch einige Sattelschlepper gebunkert. Alte Daimler Kleinlastwagen fahren ein, das Dach voll gepackt mit ausrangierten Bildröhren-Fernsehern. Die Fuhre ist nur notdürftig mit Plastikplanen gegen Regen geschützt. Ein Jüngling mit Sonnenbrille und gepflegtem Kinnbart hat sich seinen Bentley auf einem LKW in den Zollbereich zur Abfahrt bringen lassen. Dort lässt er diese Luxuslimousine abladen und fährt sie ins Schiff und in Tanger wieder hinaus. Bis wir als Neulinge die Grenzprozedur wohl als Letzte geschafft haben, ist es schon 17.00 Uhr. Dann endlich dürfen wir aus dem massiv gesicherten Zollgrenzbezirk hinausfahren und wieder freie Fahrt aufnehmen.
Westlich von Algeciras haben wir einen umwerfenden Blick auf Afrika.
Von Algeciras mit Blick auf Gibraltar fahren wir in etwa anderthalb Stunden nach Tanger Med.
0119_Maroc_Einreise
Die Grenzer der schwer gesicherten marokkanischen Grenzanlage erfreuen sich am Spiel mit uns Neulingen.
Das Garmin-Navi versieht das Fahrzeug-Symbol mitten auf dem blau symbolisierten Meer immerhin mit einem Fragezeichen. Es zeigt an, dass das Schiff mit bald 30 km/h volle Kraft voraus eilt. In Marokko stellt das Gerät die Zeit um eine Stunde zurück. Erst dannn, enlich in Afrika, arbeitet das Navi korrekt. In Spanien konnte es kein Ziel in Marokko berechnen. Hinter Tanger-Med hat uns das Gerät dann korrekt die mautfreie Küstenstraße angewiesen. Weil aber schon die Sonne unterging, zahlten wir lieber 100 Kilometer Autobahn für etwa 7,50 Euro. Dafür durften wir erstmals erleben, dass wir auf der nächtlichen Autobahn mehrmals Radfahrer ohne Licht auf dem Randstreifen überholten. Nach 100 Kilometern liefen wir in wohlbehalten Asilah ein. Der im Marokko-Reiseführer von Edith Kohlbach angegebene Campingplatz war wohl einem Busbahnhof gewichen. Dafür fanden wir wenige Kilometer weiter in Strandnähe einen Stellplatz. Ein wild gestikulierender Einweiser winkte uns gleich heran. Ein Pappschild mit Filzschrift preiste die Nacht mit 30 Dirham an. Das sind etwa drei Euro. Dafür dürfen wir uns den gut beleuchteten Platz mit etwa 30 weiteren Wohnmobilisten teilen. Auch einige Expediteure der Allrad-Fraktion setzen sich verschämt von der Weißware im hinteren Teil ab. Zwischen unseren "Kühlschränken und Waschmaschinen", wie Allrad-Pioniere unsere Weißware verspotten, stehen die Expedition-Fahrer nicht gerne. Doch für alle rauscht das Meer direkt vor uns. Mülltonnen haben wir bislang ebenso wenig gefunden wie sanitäre Anlagen. Klaus zeigt auf den Strand und meint lakonisch: "Wozu Mülltonnen? Der ganze Strand ist doch eine Müllhalde." Bei Tag werden wir mehr wissen.
Fakten:
Für die 3000 Kilometer von München bis 100 Kilometer südlich von Tanger nach Asilah hat die Walkuh für bald eine halbe Tonne, also 500 Liter Diesel, gesoffen. Dies Öl-Futter hat bald 400 Euro, plus 180 Euro für die Fähren-Fuhre gekostet. Nach der ersten Reisewoche haben wir für Nachtplätze schon 15 Euro vergeudet. Gastwirte haben außer einigen Tassen Kaffee und vier Gläsern gemeinsamen Hausweins wenig an uns verdient. Lebensmittel haben wir bislang bei Aldi und Carfour in Spanien besorgt und im Auto zubereitet. Zudem versorgen sich Kühlschrank, Heizung und Kocher mit Gas noch immer aus der ersten 11-Kilo-Flasche. Die Internet-Connection kostet 20 Euro mit einer Flatrate für einen Monat. Die Geschwindigkeit reicht für Skype-Telefonate mit n0by2call hier am Atlantik in Asilah.
Johannes begrüßt voller Tatendrank den ersten Morgen in Marokko.
Dieser Wohnmobilist sichert sich mit Plastikgittern, fragt sich gegen Sonne, Fliegen oder gar Einbrecher?
Die Super-, Supermärkte sind Marktszenen am Straßenrand gewichen.
Die blaue Umrandung der Stromzähler deutet mehr von Kunstsinn als von Sicherheitsdenken.
Die Stadt, die Sonne, die zahlreichen Eindrücke lassen uns lustvoll zwei Nächte in Asilah ausruhen - endlich nach 3000 Kilometern!
Auf seinem Motordreirad donnert der Eiermann am Teppichhändler vorbei.
20 Januar 2012
17 Januar 2012
Erster Reisebericht
Endlich die Straße unter den Rädern. Es wird eine lange Reise - hoffen wir, mein Begleiter Johannes im Peugeot-Tikro. Mein Haus baut auf einem VW-Crafter.
On the road again: Von München geht die erste Etappe durch die Schweiz nach Wohlen. Dort wohnt meine Reisekamerad Johannes. Am Freitag, den 13., geht die Reise von Wohlen schnell über die Autobahnen in der Schweiz zur französischen Grenze. Wir verlassen dort die mautpflichtigen Straßen und kämpfen uns auf Landstraßen bis etwa 20 Kilometer hinter Bourg-en-Brass durch kaltes, nebliges Land. Selten bricht die Sonne durch die Wolken. In den höheren Jura-Regionen liegt stellenweise noch Schnee. Unser Reiseziel Cluny verfehlen wir um 45 Kilometer. Denn davor lädt uns ein bäuerlicher Campingplatz zur Pause ein. Wir zahlen 12 Euro pro Fahrzeug, Strom eingeschlossen. Das ist ein Sonderpreis. Denn die Duschen und Toiletten sind wegen Frostgefahr noch nicht in Betrieb. Die Temperatur pendelt um den Gefrierpunkt. Der Himmel zeigt tausende Sterne. Die Umweltverschmutzung der leuchtenden Stadt Bourg-en-Bresse zeigt sich weiterer Ferne.
Schon nach wenigen Kilometern fühlen wir uns gemeinsam als Team.
Samstag fahren wir im Morgengrauen frisch und frohgemut los. Der Bauer, der den Campingplatz betreibt, versorgt uns noch mit Wasser. Johannes kann nun seinen 100 Liter Tank füllen, was in der Schweiz mißlang. Das Auto war am Morgen nach der Nacht so kalt, dass das Sicherheitsventil geschlossen hat. Dies Ventil schützt den kostbaren 12 Liter-Warmwassertank in der Therme vor Frostschäden. Meinen 10-Liter-Ersatzwassertank lässt der Bauer auch voll laufen. Unser Ziel Angouleme liegt etwa 500 Kilometer von Bourg-en-Bresse entfernt. Nach mehr als 700 Kilometer braucht meine Walkuh, wie ein Münchener Freund den Weissen Wal getauft hat, Diesel. Eine Dorftankstelle verlangt 1,57 Euro für den Liter. Doch eine andere Tankstelle an einem Supermarkt begnügt sich mit 1,42 Euro für die gleiche Menge.
Angouleme besichtigen wir, nachdem wir zuvor die Fahrzeuge am Marktplatz vor der Stadt geparkt haben. Die Stadt mit den Bauwerken, Kirchen und einem Rathaus aus alter Zeit begeistert uns. Die Fußgängerzone wimmelt von Menschen am frühen Samstag nachmittag. Strahlender Sonnenschein hat den morgendlichen Nebel vertrieben. Die Straßen waren frei, teilweise vierspurig ausgebaut. So kamen wir flott voran, ohne dass uns Staus oder gefährliche Situationen beunruhigten.
Der herrliche Sonnenuntergang am Samstag in Angouleme begeistert uns.
Unseren Plan, am Marktplatz in Angouleme zu nächtigen, müssen wir fallen lassen. Am dritten Sonntag im Monat bauen dort Marktfahrer ab 6.00 Uhr in der Früh ihre Stände auf. Wir wollten uns mit exakter Navi-Eingabe an einen Stellplatz 15 Kilometer verziehen. Doch sowohl das Tomtom- wie das Garmin-Navi finden mit unseren Eingaben keinen Platz. Also bleiben wir in der Nachbarschaft eines stillen Fabrikgeländes. Beide Fahrzeuge stehen etwas windschief, also nicht ganz gerade. Doch das stört unsere Freude nicht. Anregend plauschen wir beim Abendessen, von Rotwein beflügelt, bei Käse und Salat, tauschen Jugenderinnerungen und Erfahrungen wie Erlebnisse aus. Die Heizung gönnen wir uns, was bei minus zwei Grad Außentemperatur auch nötig ist.
Die Wintersonne beleuchtet den Justizpalast in Angouleme um 17.00 Uhr.
Die letzte Abendsonne auf dem Giebel eines Bürgerpalais in Angouleme.
Heizstrahler wärmen die Kathedrale für eine abendliche Feierstunde, derweil letzte Orgelklänge im Gewölbe verhallen.
Der Heilige hält der unschuldige Knäblein in der Kathedrale von Angouleme im letzten Licht der Abendsonne.
Pracht und Macht: Die Kirche sammelt Schätze zum Ruhme ihrer Gottesknechte.
Das Panorma vor dem martialischen Standbild von Carnot klingt der Abend in Angouleme aus.
Anderntags geht es durch Baurdeaux. Noch nicht recht vertraut mit meinem neuen Garmin-Navi führt uns diese Maschine auf kürzestem Weg durch die Großstadt. Bei dieser Stadtrundfahrt kommen wir am Fußballstadtion und der Universität vorbei. Bei aufreibenden Kurvenfahrten durch unzählige Kreisverkehr-Anlagen wird mir endlich klar, dass das Garmin-Navi auch auf "kürzere Zeit" einzustellen ist. Mit dieser Einstellung geht es schneller, eben auf größeren Straßen, weiter.
Mittags steigt die Außentemperatur bei durchbrechender Sonne auf unvorstellbar warme 10 Grad Celsius plus. Diesem ersten strahlenden Sonnengeschenk im neuen Jahr ist in Reichweite des Atlantik einfach nicht zu widerstehen. In Mimizan erreichen wir den zuckerfeinen Sandstrand und staunen über die schimmernd brechenden Wellen. Das Wasser ist kalt, sehr kalt. Doch das hält die jungen Männer nicht ab, auf Surfbrettern ihr Mütchen zu kühlen. Auch mir ist das kühlende Mittagsbad eine willkommene Ablenkung nach den langen Stunden im Fahrersitz.
Bei bald 10 Grad Celsius in schönster Januar-Sonne kann der Körper einem kühlenden Atlantik-Bad in Mimizan nicht widerstehen.
Der ermüdende Aufenthalt verkürzt das Tagwerk unserer Fahrleistung auf vergleichsweise bescheidene 290 Kilometer bis Capbreton. Den herrlichen Strand ieses Bade- und Touristenorts vor der spanischen Grenze verschandeln gesprengte Weltkriegsbunker. Die unermüdlich dagegen schlagenden Wellen werden wohl für die nächsten Jahrtaude an diesen Trümmern aus altem Beton in spritzenden Fontänen anlaufen.
Für die nächsten Hundertausend Jahre spielen die Atlantik-Brecher mit den Trümmern gesprengter Weltkriegsbunker.
Unsere Fahrzeuge stehen mit etwa zehn, fünfzehn anderen Wohnmobilen hinter den Dünen von Breton. Die Stromsäulen verweigern uns ihre Dienste. Dafür ist der Zugang aber auch kostenfrei. Hinter den Dünen wiegt uns das Meeresrauschen in einen erholsamen, langen Schlaf. Wieder arbeiten wir mit dem einfühlsamen Reisekameraden Johannes unser Berufsleben auf. Die Gespräche bleiben nicht ohne Folgen für das Kino der Nacht, einen Traum.
Der Januar lässt Platz für jeden, weil nur etwa 15 Mobile ihn belagern.
In diesem Alptraum sitze ich ungläubig staunend an meinem Schreibtisch im Büro. Schon etwa 15 Jahre arbeite ich an diesem Tisch und kann nicht glauben, was auf dem zerknitterten, dünnen Durchschlagpapier steht: "Hiermit kündigen wir Sie zum nächsten Quartal mit sofortiger Wirkung wegen mangelnder Leistungsbereitschaft und zu geringem Arbeitseinsatz. Gezeichnet Grossjan." Traumversonnen hängen meine Augen an diesem Namen. Mein mitfühlender Kollege kommt zu mir, sieht mir über die Schulter, liest das Schreiben mit. Mein Finger hämmert auf die Unterschrift und zornig bricht es aus mir heraus: "Wer ist dieses A***loch?" "Grossjean ist der neue Bereichsleiter auf Probe, der Chefredakteur werden will", antwortet mir mein Kollege.
Die Aufregung reicht, um mich aus meinem leichten Schlaf zu reißen. Langsam erwachend wird mir bewußt, dass der böse Traum vorbei ist. Mein Fluchtfahrzeug aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt Deutschland ins Exil steht satt und sicher auf dem Sandumwehten Strandplatz hinter den Dünen in Capbreton.
Der Morgen schenkt wieder die wunderbare Wärme des Gasofens, dessen sanft summernder Ventilator aus fünf Ausströmern das Fahrzeug schnell von 13 auf angenehme 20 Grad heizt. Kaffee, Ei, Brot mit schmackhaftem Ziegenkäse aus der Schweiz, Jogurth mit Müsli und einer Bio-Orange beschenken mich mit der Klassik aus dem Sender "MUSIQUE" mit neuer Lebenskraft. Dass der aufgeregte Nachrichtensprecher beklagt, dass Frankreich seinen "tripple A-Status" wohl verloren hat in dem Monopoly der Ratingagenturen juckt mich kaum. Für uns geht es weiter nach Spanien.
Der Peugeot brauchte seit unserem letzten Tankstopp sechs Liter weniger. Dennoch fressen die rollenden Riesen alle sechshundert Kilometer etwa 100 Euro aus der Reisekasse.
Die wenigen Kilometer von Capbreton bis San Sebastian strengen an. Für knapp 80 Kilometer brauchen wir gefühlte fünf Stunden, jedenfalls mehr als zwei. Danach schraubt sich die Straße von der Küste bis auf 1000 Meter Höhe in neblige Kälte von zwei Grad Celsius. Nieselregen erschwert zusätzlich die nächsten drei Fahrtstunden.
Hinter San Sebastian schraubt sich eine vierspurige, mautfreie Straße bis auf 1000 Meter Höhe. Leider sehen wir im Regen nicht viel.
Um Proviant zu kaufen, suchen wir einen Supermarkt. Wir suchen auf einem Dorf vergeblich. Wir fahren in die Stadt Valladolid, immerhin schon 420 Kilometer von Capbreton entfernt. Sicherlich hätten es Läden in der Altstadt gegeben, durch deren enge Gassen wir kurven. Dafür fehlten dort Parkplätze. Also übergeben wir dem Navi die nächste Stadt Salamanca 120 Kilometer weiter als Ziel, damit uns das Gerät aus Valladolid hinaus führt. Leuchttürme von gewaltiger Höhe weisen auf IKEA und ein RIO-Shopping-Center hin. Parkplätze im gigantischen Ausmaß etlicher Fussballfeldern sind reich besät mit Limousinen der Mittelschicht. Doch das Shopping-Center scheint noch im Bau zu sein.
Die IKEA-Kantine bewirtet uns zum Sonderpreis. Schließlich haben wir bei einbrechender Dunkelheit endlich den Stellplatz gefunden, der uns nun auch als Nachtquartier dient. Die Fahrt von 420 Kilometern hat uns redlich ermüdet, mehr noch erschöpft. Schließlich sind wir drei Stunden davon durch engwinklige Stadtstraßen und einige Hundert Kreisverkehr-Anlagen gekurvt. Zu unserem Zielhafen Tarifa oder Algeciras an der Spitze von Südspanien stehen uns noch 800 Kilometer bevor.
Genug Kreis- und Stadtverkehr: Hinter Vallaloid finden wir auf einem IKEA-Parkplatz endlich nach einem langen Reisetag Ruhe.
Bei der Fahrerei genießt der Körper schon eine warme Dusche in irgendeiner LKW-Raststätte an der N 1 als höheren Luxus. Wenigstens erfreute uns am Nachmittag Sonne. Außerhalb unserer warmen Autos kühlen wir in der Höhe von mehr als 700 Metern doch sehr schnell aus.
Der Bericht geht ohne Korrektur aus einem WiFi-Tankstellen-Kaffee hinter Salamanca auf die Web-Reise. Viel Spaß - ceep connected :-)
On the road again: Von München geht die erste Etappe durch die Schweiz nach Wohlen. Dort wohnt meine Reisekamerad Johannes. Am Freitag, den 13., geht die Reise von Wohlen schnell über die Autobahnen in der Schweiz zur französischen Grenze. Wir verlassen dort die mautpflichtigen Straßen und kämpfen uns auf Landstraßen bis etwa 20 Kilometer hinter Bourg-en-Brass durch kaltes, nebliges Land. Selten bricht die Sonne durch die Wolken. In den höheren Jura-Regionen liegt stellenweise noch Schnee. Unser Reiseziel Cluny verfehlen wir um 45 Kilometer. Denn davor lädt uns ein bäuerlicher Campingplatz zur Pause ein. Wir zahlen 12 Euro pro Fahrzeug, Strom eingeschlossen. Das ist ein Sonderpreis. Denn die Duschen und Toiletten sind wegen Frostgefahr noch nicht in Betrieb. Die Temperatur pendelt um den Gefrierpunkt. Der Himmel zeigt tausende Sterne. Die Umweltverschmutzung der leuchtenden Stadt Bourg-en-Bresse zeigt sich weiterer Ferne.
Schon nach wenigen Kilometern fühlen wir uns gemeinsam als Team.
Samstag fahren wir im Morgengrauen frisch und frohgemut los. Der Bauer, der den Campingplatz betreibt, versorgt uns noch mit Wasser. Johannes kann nun seinen 100 Liter Tank füllen, was in der Schweiz mißlang. Das Auto war am Morgen nach der Nacht so kalt, dass das Sicherheitsventil geschlossen hat. Dies Ventil schützt den kostbaren 12 Liter-Warmwassertank in der Therme vor Frostschäden. Meinen 10-Liter-Ersatzwassertank lässt der Bauer auch voll laufen. Unser Ziel Angouleme liegt etwa 500 Kilometer von Bourg-en-Bresse entfernt. Nach mehr als 700 Kilometer braucht meine Walkuh, wie ein Münchener Freund den Weissen Wal getauft hat, Diesel. Eine Dorftankstelle verlangt 1,57 Euro für den Liter. Doch eine andere Tankstelle an einem Supermarkt begnügt sich mit 1,42 Euro für die gleiche Menge.
Angouleme besichtigen wir, nachdem wir zuvor die Fahrzeuge am Marktplatz vor der Stadt geparkt haben. Die Stadt mit den Bauwerken, Kirchen und einem Rathaus aus alter Zeit begeistert uns. Die Fußgängerzone wimmelt von Menschen am frühen Samstag nachmittag. Strahlender Sonnenschein hat den morgendlichen Nebel vertrieben. Die Straßen waren frei, teilweise vierspurig ausgebaut. So kamen wir flott voran, ohne dass uns Staus oder gefährliche Situationen beunruhigten.
Der herrliche Sonnenuntergang am Samstag in Angouleme begeistert uns.
Unseren Plan, am Marktplatz in Angouleme zu nächtigen, müssen wir fallen lassen. Am dritten Sonntag im Monat bauen dort Marktfahrer ab 6.00 Uhr in der Früh ihre Stände auf. Wir wollten uns mit exakter Navi-Eingabe an einen Stellplatz 15 Kilometer verziehen. Doch sowohl das Tomtom- wie das Garmin-Navi finden mit unseren Eingaben keinen Platz. Also bleiben wir in der Nachbarschaft eines stillen Fabrikgeländes. Beide Fahrzeuge stehen etwas windschief, also nicht ganz gerade. Doch das stört unsere Freude nicht. Anregend plauschen wir beim Abendessen, von Rotwein beflügelt, bei Käse und Salat, tauschen Jugenderinnerungen und Erfahrungen wie Erlebnisse aus. Die Heizung gönnen wir uns, was bei minus zwei Grad Außentemperatur auch nötig ist.
Die Wintersonne beleuchtet den Justizpalast in Angouleme um 17.00 Uhr.
Die letzte Abendsonne auf dem Giebel eines Bürgerpalais in Angouleme.
Heizstrahler wärmen die Kathedrale für eine abendliche Feierstunde, derweil letzte Orgelklänge im Gewölbe verhallen.
Der Heilige hält der unschuldige Knäblein in der Kathedrale von Angouleme im letzten Licht der Abendsonne.
Pracht und Macht: Die Kirche sammelt Schätze zum Ruhme ihrer Gottesknechte.
Das Panorma vor dem martialischen Standbild von Carnot klingt der Abend in Angouleme aus.
Anderntags geht es durch Baurdeaux. Noch nicht recht vertraut mit meinem neuen Garmin-Navi führt uns diese Maschine auf kürzestem Weg durch die Großstadt. Bei dieser Stadtrundfahrt kommen wir am Fußballstadtion und der Universität vorbei. Bei aufreibenden Kurvenfahrten durch unzählige Kreisverkehr-Anlagen wird mir endlich klar, dass das Garmin-Navi auch auf "kürzere Zeit" einzustellen ist. Mit dieser Einstellung geht es schneller, eben auf größeren Straßen, weiter.
Mittags steigt die Außentemperatur bei durchbrechender Sonne auf unvorstellbar warme 10 Grad Celsius plus. Diesem ersten strahlenden Sonnengeschenk im neuen Jahr ist in Reichweite des Atlantik einfach nicht zu widerstehen. In Mimizan erreichen wir den zuckerfeinen Sandstrand und staunen über die schimmernd brechenden Wellen. Das Wasser ist kalt, sehr kalt. Doch das hält die jungen Männer nicht ab, auf Surfbrettern ihr Mütchen zu kühlen. Auch mir ist das kühlende Mittagsbad eine willkommene Ablenkung nach den langen Stunden im Fahrersitz.
Bei bald 10 Grad Celsius in schönster Januar-Sonne kann der Körper einem kühlenden Atlantik-Bad in Mimizan nicht widerstehen.
Der ermüdende Aufenthalt verkürzt das Tagwerk unserer Fahrleistung auf vergleichsweise bescheidene 290 Kilometer bis Capbreton. Den herrlichen Strand ieses Bade- und Touristenorts vor der spanischen Grenze verschandeln gesprengte Weltkriegsbunker. Die unermüdlich dagegen schlagenden Wellen werden wohl für die nächsten Jahrtaude an diesen Trümmern aus altem Beton in spritzenden Fontänen anlaufen.
Für die nächsten Hundertausend Jahre spielen die Atlantik-Brecher mit den Trümmern gesprengter Weltkriegsbunker.
Unsere Fahrzeuge stehen mit etwa zehn, fünfzehn anderen Wohnmobilen hinter den Dünen von Breton. Die Stromsäulen verweigern uns ihre Dienste. Dafür ist der Zugang aber auch kostenfrei. Hinter den Dünen wiegt uns das Meeresrauschen in einen erholsamen, langen Schlaf. Wieder arbeiten wir mit dem einfühlsamen Reisekameraden Johannes unser Berufsleben auf. Die Gespräche bleiben nicht ohne Folgen für das Kino der Nacht, einen Traum.
Der Januar lässt Platz für jeden, weil nur etwa 15 Mobile ihn belagern.
In diesem Alptraum sitze ich ungläubig staunend an meinem Schreibtisch im Büro. Schon etwa 15 Jahre arbeite ich an diesem Tisch und kann nicht glauben, was auf dem zerknitterten, dünnen Durchschlagpapier steht: "Hiermit kündigen wir Sie zum nächsten Quartal mit sofortiger Wirkung wegen mangelnder Leistungsbereitschaft und zu geringem Arbeitseinsatz. Gezeichnet Grossjan." Traumversonnen hängen meine Augen an diesem Namen. Mein mitfühlender Kollege kommt zu mir, sieht mir über die Schulter, liest das Schreiben mit. Mein Finger hämmert auf die Unterschrift und zornig bricht es aus mir heraus: "Wer ist dieses A***loch?" "Grossjean ist der neue Bereichsleiter auf Probe, der Chefredakteur werden will", antwortet mir mein Kollege.
Die Aufregung reicht, um mich aus meinem leichten Schlaf zu reißen. Langsam erwachend wird mir bewußt, dass der böse Traum vorbei ist. Mein Fluchtfahrzeug aus der Arbeits- und Wirtschaftswelt Deutschland ins Exil steht satt und sicher auf dem Sandumwehten Strandplatz hinter den Dünen in Capbreton.
Der Morgen schenkt wieder die wunderbare Wärme des Gasofens, dessen sanft summernder Ventilator aus fünf Ausströmern das Fahrzeug schnell von 13 auf angenehme 20 Grad heizt. Kaffee, Ei, Brot mit schmackhaftem Ziegenkäse aus der Schweiz, Jogurth mit Müsli und einer Bio-Orange beschenken mich mit der Klassik aus dem Sender "MUSIQUE" mit neuer Lebenskraft. Dass der aufgeregte Nachrichtensprecher beklagt, dass Frankreich seinen "tripple A-Status" wohl verloren hat in dem Monopoly der Ratingagenturen juckt mich kaum. Für uns geht es weiter nach Spanien.
Der Peugeot brauchte seit unserem letzten Tankstopp sechs Liter weniger. Dennoch fressen die rollenden Riesen alle sechshundert Kilometer etwa 100 Euro aus der Reisekasse.
Die wenigen Kilometer von Capbreton bis San Sebastian strengen an. Für knapp 80 Kilometer brauchen wir gefühlte fünf Stunden, jedenfalls mehr als zwei. Danach schraubt sich die Straße von der Küste bis auf 1000 Meter Höhe in neblige Kälte von zwei Grad Celsius. Nieselregen erschwert zusätzlich die nächsten drei Fahrtstunden.
Hinter San Sebastian schraubt sich eine vierspurige, mautfreie Straße bis auf 1000 Meter Höhe. Leider sehen wir im Regen nicht viel.
Um Proviant zu kaufen, suchen wir einen Supermarkt. Wir suchen auf einem Dorf vergeblich. Wir fahren in die Stadt Valladolid, immerhin schon 420 Kilometer von Capbreton entfernt. Sicherlich hätten es Läden in der Altstadt gegeben, durch deren enge Gassen wir kurven. Dafür fehlten dort Parkplätze. Also übergeben wir dem Navi die nächste Stadt Salamanca 120 Kilometer weiter als Ziel, damit uns das Gerät aus Valladolid hinaus führt. Leuchttürme von gewaltiger Höhe weisen auf IKEA und ein RIO-Shopping-Center hin. Parkplätze im gigantischen Ausmaß etlicher Fussballfeldern sind reich besät mit Limousinen der Mittelschicht. Doch das Shopping-Center scheint noch im Bau zu sein.
Die IKEA-Kantine bewirtet uns zum Sonderpreis. Schließlich haben wir bei einbrechender Dunkelheit endlich den Stellplatz gefunden, der uns nun auch als Nachtquartier dient. Die Fahrt von 420 Kilometern hat uns redlich ermüdet, mehr noch erschöpft. Schließlich sind wir drei Stunden davon durch engwinklige Stadtstraßen und einige Hundert Kreisverkehr-Anlagen gekurvt. Zu unserem Zielhafen Tarifa oder Algeciras an der Spitze von Südspanien stehen uns noch 800 Kilometer bevor.
Genug Kreis- und Stadtverkehr: Hinter Vallaloid finden wir auf einem IKEA-Parkplatz endlich nach einem langen Reisetag Ruhe.
Bei der Fahrerei genießt der Körper schon eine warme Dusche in irgendeiner LKW-Raststätte an der N 1 als höheren Luxus. Wenigstens erfreute uns am Nachmittag Sonne. Außerhalb unserer warmen Autos kühlen wir in der Höhe von mehr als 700 Metern doch sehr schnell aus.
Der Bericht geht ohne Korrektur aus einem WiFi-Tankstellen-Kaffee hinter Salamanca auf die Web-Reise. Viel Spaß - ceep connected :-)
Abfahrt Marokko
Seit Tagen, seit Wochen, drehen sich die Gedanken um die Reise. Bevor überhaupt Tank und Ersatztank voll sind, quillt der Kopf schon über.
Wer den Vorteil von Navis kennen und schätzen gelernt hat, will diesen Luxus nicht vermissen auf großer Fahrt. Das Aldi-Navi kennt Marokko nicht. Also muss ein neues Navi dienen: Garmin 2595 LMT. Zwar deckt dies Gerät Europa mit 44 Ländern ab, Marokko nicht. Der Verkäufer sichert zu, dass die Karten für Marokko einfach von der Garmin-Site zu laden seien. Preis 89,00 Euro, auch das noch verständlich.
Wenn jemand meint, dass etwas einfach sei, ist das sicher nicht. Die erste Schwierigkeit beim Download des City Navigator Morocco NT ist offensichtlich. Die Garmin-Site lässt sich für den Download nur mit Master- oder Visa-Karte bezahlen. Da beide mir fehlen, muss die Sparkasse mir diese Karte erst zuschicken. Dazu ist meine Unterschrift nötig, also ein weiterer Weg nötig.
Als die Karte nach Tagen per Boten ankommt, lässt sich Garmin mit den Karten-Daten bezahlen. Auch das muss man erst mal studieren, bevor es funktioniert. Doch der Download dann geht garnicht.
Zwar erkennt der PC das Navi, doch beim Download nervt der immer gleiche Fehler.
Na toll! 89,00 Euro sind schon mal abgebucht, doch die Ware weigert sich über die Download-Leitung zu kommen. Ist ja auch klar, logisch - nahezu selbsterklärend: Plugin Error: Source: MTP_DEVICEENUMERATION.CPP line: 163
Zu meinem Glück rettet mich die Hotline von Garmin. Das Gespräch mit dem kompetenten, jungen Experten dauert 42 Minuten. Die Minute kostet 14 Cent. Der Internet-Explorer verweigert ebenso wie der Safari-Browser den Download. Nach 20 Jahren, acht Monaten und 12 Tagen als angestellter Schreiberling eines potenten PC-Magazins darf selbst ein Kritiker bei mir gewisse rudimentäre PC-Kenntnisse voraussetzen.
Dennoch übernimmt der Garmin-Experte in Garching die Fernwartung über meinen Rechner, um sich selbst von der Fehlermeldung zu überzeugen. Weitere Schalter im Internet-Explorer bringen auch keine Hilfe. Mit verschiedenen Manipulationen über das Garmin-Display gelangen wir in immer tiefere Menüs des Navi-Computers. "Jetzt haben wir noch eine Chance", frohlockt der fröhliche Garmin-Experte am Telefon. Derweil manipuliert er in den Tiefen der Garmin-Menüs auf meinem PC, wobei seine Tastatur- und Mauseingaben wie von Geisterhand über den Bildschirm huschen. Das nennt man Fernwartung. Er spielt so ein neues Betriebssystem auf mein Garmin, was ja auch schon eine Woche etwa alt ist.
Danach gibt Garmin den Download frei. "Wie lange arbeiten wir jetzt schon an dem Problem?", erkundigt sich meine vorsichtige Nachfrage. "Ah, so etwa 30 Minuten", beruhigt mich der Kostenbewußte Experte und fügt noch an: "Den Rest können Sie ja auch jetzt alleine machen." Das erscheint mir allerdings recht aussichtslos, weshalb mein flehentliches Kundengejammer ihn lachend animiert, die Leitung am Telefon und der Fernwartung offen zu halten. Es sind auch etwa noch gefühlte 397 Menüs zu durchklicken. Danach bestätigt mir das Navi die Bereitschaft, auch in Marokko mich navigieren zu wollen.
Na, dann! Mein Sony Weltempfänger, ICF SW 77, ist zwar schon etwa 20 Jahre alt, sollte mich allerdings mit der Kalten Heimat verbinden, sofern kein Web-Dienst dies tut. Doch auch diese Kiste versagt anfangs den Dienst. Was die Reperatur ergibt, lässt sich natürlich einen Tag vor der Abfahrt nicht mehr erfahren. Jetzt ist das Fernreise-Fahrzeug, welches ein Münchener Freund freundlich als "Walkuh" bezeichnet, noch zur Durchsicht in Anzing. Dieser wunderschöne Vorort im Münchener Osten ist mit etwa einer Stunde U- und S-Bahn leicht zu erreichen. Die letzten vier Kilometer holt mich der Fahrdienst der freundlichen WoMo-Werkstatt Intercamp.
Die Schlösser hat die Werkstatt Intercamp in Anzing noch eingebaut. Das Schloß in der Aufbautür ist zwar nicht da gelandet, wo es abgemacht war. Die Wasseranlage war auch nicht überprüft, doch das ließ sich noch im Dunkel des Abends nachholen. Auch die 900 Euro für die Dienstleistung mit dem Abschmieren der quietschenden Einstiegstufe schmerzt. Aber - beim ersten Bad im Atlantik ist das alles vergessen.
Beim ersten Bad am 15. Januar in Mimizan, kurz vor der spanischen Grenze, ist meine Welt wieder in Ordnung.
Wer den Vorteil von Navis kennen und schätzen gelernt hat, will diesen Luxus nicht vermissen auf großer Fahrt. Das Aldi-Navi kennt Marokko nicht. Also muss ein neues Navi dienen: Garmin 2595 LMT. Zwar deckt dies Gerät Europa mit 44 Ländern ab, Marokko nicht. Der Verkäufer sichert zu, dass die Karten für Marokko einfach von der Garmin-Site zu laden seien. Preis 89,00 Euro, auch das noch verständlich.
Wenn jemand meint, dass etwas einfach sei, ist das sicher nicht. Die erste Schwierigkeit beim Download des City Navigator Morocco NT ist offensichtlich. Die Garmin-Site lässt sich für den Download nur mit Master- oder Visa-Karte bezahlen. Da beide mir fehlen, muss die Sparkasse mir diese Karte erst zuschicken. Dazu ist meine Unterschrift nötig, also ein weiterer Weg nötig.
Als die Karte nach Tagen per Boten ankommt, lässt sich Garmin mit den Karten-Daten bezahlen. Auch das muss man erst mal studieren, bevor es funktioniert. Doch der Download dann geht garnicht.
Zwar erkennt der PC das Navi, doch beim Download nervt der immer gleiche Fehler.
Na toll! 89,00 Euro sind schon mal abgebucht, doch die Ware weigert sich über die Download-Leitung zu kommen. Ist ja auch klar, logisch - nahezu selbsterklärend: Plugin Error: Source: MTP_DEVICEENUMERATION.CPP line: 163
Zu meinem Glück rettet mich die Hotline von Garmin. Das Gespräch mit dem kompetenten, jungen Experten dauert 42 Minuten. Die Minute kostet 14 Cent. Der Internet-Explorer verweigert ebenso wie der Safari-Browser den Download. Nach 20 Jahren, acht Monaten und 12 Tagen als angestellter Schreiberling eines potenten PC-Magazins darf selbst ein Kritiker bei mir gewisse rudimentäre PC-Kenntnisse voraussetzen.
Dennoch übernimmt der Garmin-Experte in Garching die Fernwartung über meinen Rechner, um sich selbst von der Fehlermeldung zu überzeugen. Weitere Schalter im Internet-Explorer bringen auch keine Hilfe. Mit verschiedenen Manipulationen über das Garmin-Display gelangen wir in immer tiefere Menüs des Navi-Computers. "Jetzt haben wir noch eine Chance", frohlockt der fröhliche Garmin-Experte am Telefon. Derweil manipuliert er in den Tiefen der Garmin-Menüs auf meinem PC, wobei seine Tastatur- und Mauseingaben wie von Geisterhand über den Bildschirm huschen. Das nennt man Fernwartung. Er spielt so ein neues Betriebssystem auf mein Garmin, was ja auch schon eine Woche etwa alt ist.
Danach gibt Garmin den Download frei. "Wie lange arbeiten wir jetzt schon an dem Problem?", erkundigt sich meine vorsichtige Nachfrage. "Ah, so etwa 30 Minuten", beruhigt mich der Kostenbewußte Experte und fügt noch an: "Den Rest können Sie ja auch jetzt alleine machen." Das erscheint mir allerdings recht aussichtslos, weshalb mein flehentliches Kundengejammer ihn lachend animiert, die Leitung am Telefon und der Fernwartung offen zu halten. Es sind auch etwa noch gefühlte 397 Menüs zu durchklicken. Danach bestätigt mir das Navi die Bereitschaft, auch in Marokko mich navigieren zu wollen.
Na, dann! Mein Sony Weltempfänger, ICF SW 77, ist zwar schon etwa 20 Jahre alt, sollte mich allerdings mit der Kalten Heimat verbinden, sofern kein Web-Dienst dies tut. Doch auch diese Kiste versagt anfangs den Dienst. Was die Reperatur ergibt, lässt sich natürlich einen Tag vor der Abfahrt nicht mehr erfahren. Jetzt ist das Fernreise-Fahrzeug, welches ein Münchener Freund freundlich als "Walkuh" bezeichnet, noch zur Durchsicht in Anzing. Dieser wunderschöne Vorort im Münchener Osten ist mit etwa einer Stunde U- und S-Bahn leicht zu erreichen. Die letzten vier Kilometer holt mich der Fahrdienst der freundlichen WoMo-Werkstatt Intercamp.
Die Schlösser hat die Werkstatt Intercamp in Anzing noch eingebaut. Das Schloß in der Aufbautür ist zwar nicht da gelandet, wo es abgemacht war. Die Wasseranlage war auch nicht überprüft, doch das ließ sich noch im Dunkel des Abends nachholen. Auch die 900 Euro für die Dienstleistung mit dem Abschmieren der quietschenden Einstiegstufe schmerzt. Aber - beim ersten Bad im Atlantik ist das alles vergessen.
Beim ersten Bad am 15. Januar in Mimizan, kurz vor der spanischen Grenze, ist meine Welt wieder in Ordnung.
03 Januar 2012
Marokko-Versicherung
Nach 40 Jahren soll es wieder mal nach Marokko gehen. Vor 40 Jahren reichte meiner ersten Ehefrau und mir dazu ein Heinkel-Roller, Tourist - Baujahr 1959. Das edle Teil hatte uns jemand geschenkt. Nun geht es - leider ohne Frau - dafür mit einem Freund mit zwei teuren Tikro-Wohnmobilen. Die Vorbereitungen sind nervtötend.
Seit gefühlten vier Wochen und etwa 800 Stunden am Telefon - davon gefühlt 95 Prozent in Warteschleifen - versuche ich verzweifelt, mein Fahrzeug für Marokko passend zu versichern.
Dass mein Fahrzeug mit der HUK nach Marokko fahren würde, war von vorneherein ausgeschlossen. Die Grüne Versicherungskarte der HUK hat das Land "MA", Marokko also, durchgestrichen. Alternativ wäre eine Versicherung an der Grenze abzuschließen. Doch wer hat dazu schon Lust und Laune? Also bleibt mir nur übrig, die HUK zu kündigen. SIGNAL-Iduna verspricht, Marokko in der Grünen Versicherungskarte aufzuführen. Am 3.11.11. kommt in der Münchener Geschäftstelle der Kfz-Vertrag zustande. Die Informationsbroschüre für die Kfz-Versicherung wiegt mitsamt Vertrag gefühlte fünf Pfund, hat beschauliche 115 Seiten. Überhaupt nicht die Art Lektüre, die zu studieren mich anspricht. Meine Tochter, wenn sie denn noch wäre, war zwar Volljuristin. Doch ohne ihre Deutungshoheit wandert das Druckwerk ungelesen in die Ablage.
Dafür kommt zu meiner großen Erleichterung von dieser ehrenwerten Gesellschaft nun wirklich auch eine Grüne Versicherungskarte, handschriftlich ausgefüllt - und unter Wichtigen Hinweisen steht zu meinem großen Erstaunen: 4. Soweit für eine evtl. bestehende Kaskoversicherung Versicherungsschutz außerhalb Europas gewünscht wird, dann wenden Sie sich bitte rechtzeitig an uns.
Nach unserem 2011er Unfall in Mazedonien sind wir vorsichtiger geworden. Als wir dort mit verbeultem Auto standen und Hilfe vom ADAC einzuholen versuchten, flötete die freundliche Dame vom Service: "Tut uns leid. Sie haben nur eine normale Mitgliedschaft. Im Ausland hilft Ihnen nur die Mitgliedschaft Plus weiter. Sollen wir diese für sie denn für die nächsten Fahrten buchen?" Uns tat das auch leid. Wir mussten uns selbst helfen.
Also fragen wir die immer freundlichen Service-MitarbeiterInnen von SIGNAL-Iduna, was dieser Punkt 4. bedeute? Nun: Er bedeutet, dass mein Kfz eben keinen Kasko-Schutz in Nordafrika bekommt. Toll, was tun? Eine wirkliche kompetente ADAC-Mitarbeiterin verweist mich an eine Firma TourInsure in Hamburg. Toller Tipp! Für vier Wochen Kasko-Schutz in Marokko ruft TourInsure etwa 2000 Euro auf, was sehr teuer sei, wie mir die verständnisvolle Mitarbeiterin einräumt. Was tun?
Wieder beim ADAC verweist mich eine wirkliche kundige Mitarbeiterin an die ADAC-Versicherung mit dem Comfort-Vario-Tarif. Der kommt kaum teurer als bei SIGNAL-Iduna und schließt Grüne Karte und Kasko-Schutz für Marokko ein. Doch zuvor muss SIGNAL-Iduna meinen Vertrag stornieren. In meinem opulenten Antragswerk vom 11.11.2011 steht zum Glück meine handschriftliche Sondervereinbarung: "Vers.-Wechsel nötig wegen Reise nach Marokko - Grüne Vers.Karte bei SIGNAL frei."
Meine Telefonate mit der SIGNAL-Iduna belächelt die freundliche Service-Mitarbeiterin der Kfz-Experten-Sparte nach Rücksprache mit ihrem Chef mit den Worten: "Ja, Grüne Versicherungskarte haben Sie ja auch für Marokko. Doch Kasko-Schutz haben Sie leider nicht. Als Entgegenkommmen trage ich eine Freigabe für ihren Vertrag ein. Dann dürfen Sie außerordentlich kündigen und sich anderweitig versichern."
Die ADAC kompetente Mitarbeiterin, der dafür in großer Dankbarkeit dann auch gleich ein Jahr Auslandskrankenversicherungschutz für mich mit Frau für 26 Euro etwa abgekauft ward, obgleich die Frau daheim noch bleibt, verweist mich auf die Geschäftsstelle am Frankfurter Ring. Per Fahrrad ist der Weg für mich bei Gegenwind zwar anstrengend, aber machbar. Die arme Dame dort arbeitet allein, sagt sie, weil drei Kollegen krank seien. Doch sie macht sich an die Arbeit. Ihre drei Kollegen kommen dann zwar ab und an aus dem Nebenzimmer, aber sind wohl anderweitig unabkömmlich. Dafür müht sich die Dame redlich um meinen Vertrag. Es gelingt ihr, meinen Vertrag aufzunehmen. Von der HUK mit 515 Euro Jahresprämie ging´s zur SIGNAL mit 594 und landet beim ADAC mit 656,50 Euro. Was tut man nicht alles für sein "Heiliges Blechle", wofür man sich sonst ja nichts gönnt.
Nach dem Abschluß der Formalitäten zückt die freundliche ADAC-Mitarbeiterin dann auch schon das Formular der Grünen Versicherungskarte. Mit begierigen Blicken ist dieses notwendige Dokument schon nah in meiner Reichweite. Doch da versichert sich die Dame zuvor noch beim ADAC-Autoversicherung-Experten am Telefon. Dessen Auskunft betrübt mich - und sie. "Das tut uns nun aber wirklich leid. Die Grüne Versicherungskarte dürfen wir erst mit der Policierung rausgeben. Wann Ihr Vertrag policiert ist, kann ich leider auch nicht sagen."
Der freundlichen Kfz-Experten-Beratin von SIGNAL-Iduna bekommt derweil meine vorzeitige Kündigung ihres Vertrages. Dies lässt sich auch per E-Mail erledigen. Leider hat die freundliche Dame bei der telefonischen Ansage ihrer E-Mail-Adresse vergessen, den Punkt zwischen Vor- und Nachnamen mitzuteilen. Doch nach weiterem Telefonat lässt sich auch das klären und die E-Mail so verschicken, dass sie nicht wieder unzustellbar bleibt.
Bevor mir mein Magen weh tut, muss das alles ja mal erzählt werden dürfen. Danke.
Dass mein preiswertes MEDION-Navigationsgerät von Aldi Marokko nicht anzeigt, ist verständlich. Dass das gute Navi von Garmin Marokko zumindest als Kartenmaterial anbietet, macht den Wechsel nötig. Dass aber die Download-Site von Garmin nur Master- oder Visa-Karte annimmt, ist schon wieder ärgerlich. Dass dann noch das Karten-Material bei Amazon noch etwa 60 Euro mehr kosten soll als auf der Site von Garmin, nur noch eine Anmerkung am Rande. Für 60 Euro Aufpreis bietet mir meine Sparkasse schon drei Jahre lang eine Master-Karte. Der Verbraucher tappt im Labyrinth von Preisen und Produkten wie besoffen im Dunkeln nach Licht.
Wie soll der Mensch bei dem Blues noch die Ruhe finden, Fakten für die Fahrt zu sammeln und durchzuarbeiten?
Ganz wichtig und nicht vergessen: Das Forum von Edith Kohlbach
Seit gefühlten vier Wochen und etwa 800 Stunden am Telefon - davon gefühlt 95 Prozent in Warteschleifen - versuche ich verzweifelt, mein Fahrzeug für Marokko passend zu versichern.
Dass mein Fahrzeug mit der HUK nach Marokko fahren würde, war von vorneherein ausgeschlossen. Die Grüne Versicherungskarte der HUK hat das Land "MA", Marokko also, durchgestrichen. Alternativ wäre eine Versicherung an der Grenze abzuschließen. Doch wer hat dazu schon Lust und Laune? Also bleibt mir nur übrig, die HUK zu kündigen. SIGNAL-Iduna verspricht, Marokko in der Grünen Versicherungskarte aufzuführen. Am 3.11.11. kommt in der Münchener Geschäftstelle der Kfz-Vertrag zustande. Die Informationsbroschüre für die Kfz-Versicherung wiegt mitsamt Vertrag gefühlte fünf Pfund, hat beschauliche 115 Seiten. Überhaupt nicht die Art Lektüre, die zu studieren mich anspricht. Meine Tochter, wenn sie denn noch wäre, war zwar Volljuristin. Doch ohne ihre Deutungshoheit wandert das Druckwerk ungelesen in die Ablage.
Dafür kommt zu meiner großen Erleichterung von dieser ehrenwerten Gesellschaft nun wirklich auch eine Grüne Versicherungskarte, handschriftlich ausgefüllt - und unter Wichtigen Hinweisen steht zu meinem großen Erstaunen: 4. Soweit für eine evtl. bestehende Kaskoversicherung Versicherungsschutz außerhalb Europas gewünscht wird, dann wenden Sie sich bitte rechtzeitig an uns.
Nach unserem 2011er Unfall in Mazedonien sind wir vorsichtiger geworden. Als wir dort mit verbeultem Auto standen und Hilfe vom ADAC einzuholen versuchten, flötete die freundliche Dame vom Service: "Tut uns leid. Sie haben nur eine normale Mitgliedschaft. Im Ausland hilft Ihnen nur die Mitgliedschaft Plus weiter. Sollen wir diese für sie denn für die nächsten Fahrten buchen?" Uns tat das auch leid. Wir mussten uns selbst helfen.
Also fragen wir die immer freundlichen Service-MitarbeiterInnen von SIGNAL-Iduna, was dieser Punkt 4. bedeute? Nun: Er bedeutet, dass mein Kfz eben keinen Kasko-Schutz in Nordafrika bekommt. Toll, was tun? Eine wirkliche kompetente ADAC-Mitarbeiterin verweist mich an eine Firma TourInsure in Hamburg. Toller Tipp! Für vier Wochen Kasko-Schutz in Marokko ruft TourInsure etwa 2000 Euro auf, was sehr teuer sei, wie mir die verständnisvolle Mitarbeiterin einräumt. Was tun?
Wieder beim ADAC verweist mich eine wirkliche kundige Mitarbeiterin an die ADAC-Versicherung mit dem Comfort-Vario-Tarif. Der kommt kaum teurer als bei SIGNAL-Iduna und schließt Grüne Karte und Kasko-Schutz für Marokko ein. Doch zuvor muss SIGNAL-Iduna meinen Vertrag stornieren. In meinem opulenten Antragswerk vom 11.11.2011 steht zum Glück meine handschriftliche Sondervereinbarung: "Vers.-Wechsel nötig wegen Reise nach Marokko - Grüne Vers.Karte bei SIGNAL frei."
Meine Telefonate mit der SIGNAL-Iduna belächelt die freundliche Service-Mitarbeiterin der Kfz-Experten-Sparte nach Rücksprache mit ihrem Chef mit den Worten: "Ja, Grüne Versicherungskarte haben Sie ja auch für Marokko. Doch Kasko-Schutz haben Sie leider nicht. Als Entgegenkommmen trage ich eine Freigabe für ihren Vertrag ein. Dann dürfen Sie außerordentlich kündigen und sich anderweitig versichern."
Die ADAC kompetente Mitarbeiterin, der dafür in großer Dankbarkeit dann auch gleich ein Jahr Auslandskrankenversicherungschutz für mich mit Frau für 26 Euro etwa abgekauft ward, obgleich die Frau daheim noch bleibt, verweist mich auf die Geschäftsstelle am Frankfurter Ring. Per Fahrrad ist der Weg für mich bei Gegenwind zwar anstrengend, aber machbar. Die arme Dame dort arbeitet allein, sagt sie, weil drei Kollegen krank seien. Doch sie macht sich an die Arbeit. Ihre drei Kollegen kommen dann zwar ab und an aus dem Nebenzimmer, aber sind wohl anderweitig unabkömmlich. Dafür müht sich die Dame redlich um meinen Vertrag. Es gelingt ihr, meinen Vertrag aufzunehmen. Von der HUK mit 515 Euro Jahresprämie ging´s zur SIGNAL mit 594 und landet beim ADAC mit 656,50 Euro. Was tut man nicht alles für sein "Heiliges Blechle", wofür man sich sonst ja nichts gönnt.
Nach dem Abschluß der Formalitäten zückt die freundliche ADAC-Mitarbeiterin dann auch schon das Formular der Grünen Versicherungskarte. Mit begierigen Blicken ist dieses notwendige Dokument schon nah in meiner Reichweite. Doch da versichert sich die Dame zuvor noch beim ADAC-Autoversicherung-Experten am Telefon. Dessen Auskunft betrübt mich - und sie. "Das tut uns nun aber wirklich leid. Die Grüne Versicherungskarte dürfen wir erst mit der Policierung rausgeben. Wann Ihr Vertrag policiert ist, kann ich leider auch nicht sagen."
Der freundlichen Kfz-Experten-Beratin von SIGNAL-Iduna bekommt derweil meine vorzeitige Kündigung ihres Vertrages. Dies lässt sich auch per E-Mail erledigen. Leider hat die freundliche Dame bei der telefonischen Ansage ihrer E-Mail-Adresse vergessen, den Punkt zwischen Vor- und Nachnamen mitzuteilen. Doch nach weiterem Telefonat lässt sich auch das klären und die E-Mail so verschicken, dass sie nicht wieder unzustellbar bleibt.
Bevor mir mein Magen weh tut, muss das alles ja mal erzählt werden dürfen. Danke.
Dass mein preiswertes MEDION-Navigationsgerät von Aldi Marokko nicht anzeigt, ist verständlich. Dass das gute Navi von Garmin Marokko zumindest als Kartenmaterial anbietet, macht den Wechsel nötig. Dass aber die Download-Site von Garmin nur Master- oder Visa-Karte annimmt, ist schon wieder ärgerlich. Dass dann noch das Karten-Material bei Amazon noch etwa 60 Euro mehr kosten soll als auf der Site von Garmin, nur noch eine Anmerkung am Rande. Für 60 Euro Aufpreis bietet mir meine Sparkasse schon drei Jahre lang eine Master-Karte. Der Verbraucher tappt im Labyrinth von Preisen und Produkten wie besoffen im Dunkeln nach Licht.
Wie soll der Mensch bei dem Blues noch die Ruhe finden, Fakten für die Fahrt zu sammeln und durchzuarbeiten?
Ganz wichtig und nicht vergessen: Das Forum von Edith Kohlbach
30 Dezember 2011
Jahreswechsel
Auf dem Weg zum Getränkemarkt in der Ungererstrasse liegt der Nordfriedhof Münchens. Meine Fahrt führt mich an Übertragungswagen des Bayrischen Rundfunks vorbei: Johannes Hesters hat mit 108 Jahren seine letzte Ruhe. Fans begleiten sein Begräbnis. Was liegt näher zum Jahreswechsel als Gedanken zum Leben? Und Tod!
Die wenigen Wohnmobile, die in Einsiedl im Schnee stehen, haben Lärm und Getriebe von Stadt und Straße hinter sich gelassen. Kein Laut, kein Vogel, kein Auto. Manchmal streichelt sanft fallender Schnee das Dach. Noch macht meine liebe Frau einige wenige Versuche, mich aus meiner Ruhe zu bringen. Dann verzieht sie sich sich endlich ins Bett. Gedanken reisen durch die Nacht und tröpfeln als schwarze Buchstaben auf den Bildschirm.
Wir übernachten in Einsiedl am 30. 12. 2011. Das ist mein Lieblingsplatz in der Nähe von München.
Szenen- und Themenwechsel: Derzeit rüsten die USA die Golf-Staaten Saudi-Arabien und Bahrein auf. Dort residieren im Wertesystem von Schröder ebenso lupenreine Demokraten wie in Moskau. Der verblödete Urnenpöbel macht sich keine Sorgen, solange genug Erdöl und Erdgas unsere einzigartige Industrieproduktion aufrecht halten. Schließlich müssen Menschen in Europa, sofern sie keine prekären Penner sind, ihre einzigartigen Bedürfnisse befriedigen. Prekären Pennern reicht die Volksdroge Alkohol selbst in übelster Mischung wie als Weihnachtsmarkt-Glühwein.
Der schlüpfrige, schnee- und eisglatte Weg am See von Einsiedl zu Walchensee führt an den Ur-Rindern in Zwergern vorbei. Die fünf Kilometer verlangen uns bei Schneetreiben viel ab.
So geduldig wie die Ur-Rindviechern am Walchensee sind keine konsumverwöhnten Westeuropäer. Wenn Strom ausfällt, ist zappenduster. Also hat schon Carter vor 30 Jahren die Doktrin aufgestellt: "Die Seestraße von Hormus gehört zu unserem nationalen Interessenbereich. Wir haben diesen Seeweg mit allen Mitteln offen zu halten, auch mit militärischen." Als Verbraucher haben wir volles Verständnis dafür, dass unsere Interessen dort und anderswo auch militärisch vertreten und verteidigt werden. Schließlich wollen wir unsere 3,5 Tonnen schwere Wohnung auf Rädern durch den Schnee noch zum Allrad-LKW-Treffen nach Wallgau bewegen. Ohne zwei mit elf Kilogramm gefüllten Gasflaschen würden wir uns auch nicht in die Kälte zum Wintercamping wagen.
Nur schemenhaft erhebt sich der Herzogstand über dem See und dem Ort gleichen Namens, über Walchensee.
Die Freude unserer Winterreise im wohlig warmen Gefährt verdanken wir unserer unermüdlichen Arbeit, um unserr einzigartigen Bedürfnisse zu befriedigen. So müssen wir nicht daheim vor dem Bildschirm als Couch-Kartoffel vegetieren, sondern fühlen uns befreit vom Stress der Stadt und wandern auf eisglatten Wegen zwecks höherer Stress-Resistenz. Während des Berufslebens jagten uns Arbeitnehmer ständig Kollegen und Chefs. Nach 20 Jahren, acht Monaten und 12 Tagen hat meine Arbeit ihr Ende gefunden. Jetzt ist nur noch die liebe Partnerin hinter mir her. Erschwerend kommt hinzu: Immer näher macht sich Gevatter Tod daran, seine kräftigen knochigen Finger nach meinem mürben und ermüdenden Lebensleib auszustrecken. Doch noch erreichen wir Ziele wie das Allrad-LKW-Treffen in Wallgau. Soziale Kompetenz und Kontakte üben wir an der Feuertonne, die wir mit mitgebrachtem Holz füttern.
Vom 100.000 Euro teuren Fernreise-Mobil bis zur 40 Jahre alten Hanomag-Behelfs-Behausung mit holzbefeuertem Kanonenofen treffen sich die Drive-o-Holics im Wallgau zum Neujahrsplausch.
Kleine Schlucke Rotwein sollten mich dazu befähigen, der sozialen Runde am Feuerfaß einige bewundernde Bemerkungen und anerkennende Aufmerksamkeit zu schenken. Denn die Abenteuer dieser Russland-, Afrika-, Asien-, Australien- und Amerika-Fahrer sind eindrucksvoll, beachtlich - eben die einzigartigen Bedürfnisse, welche unsere Gesellschaft so erhaben entwickeln und weiter bringen - zumindest Kilometer-mäßig.
Genug meiner kultur-kritelnden Krakelei! Die Feuertonne wartet, um mich besser in mir fremde Sozialgefüge einzupassen. Vermutlich in meinem fortgeschrittenen Alter eine vergebliche Liebesmühe.
Unsere "Waschmaschine", der "Kühlschrank" kam nur mit Hilfe von vier schiebenden Männern aus dem Matsch!
Die echten Allrad-LKW-Kapitäne sehen fahrende "Weißware" nur als "Kühlschrank" oder "Waschmaschinen" an.
Der Blick am Neujahrsmorgen zeigte uns das "Blaue Wunder" von Klaus und einen Hanomag mit Kanonenrohrofen, der bald 50 Jahre auf dem Buckel hat.
Auch mit einem alten Ofen und einem Wasserkanister kommt man im Hanomag über den Winter.
Dieser Hanomag mit Anhänger erblickte 1963 das Grau der Straße. Sein Fahrer war der Erste Helfer, der uns aus der Schneepatsche stemmte.
Frei nach Bert Brecht: "Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm."
Der Allrad-LKW-Kapitän begrüßt noch etwas verschlafen den ersten Tag des Neuen Jahres 2012.
Die wenigen Wohnmobile, die in Einsiedl im Schnee stehen, haben Lärm und Getriebe von Stadt und Straße hinter sich gelassen. Kein Laut, kein Vogel, kein Auto. Manchmal streichelt sanft fallender Schnee das Dach. Noch macht meine liebe Frau einige wenige Versuche, mich aus meiner Ruhe zu bringen. Dann verzieht sie sich sich endlich ins Bett. Gedanken reisen durch die Nacht und tröpfeln als schwarze Buchstaben auf den Bildschirm.
Wir übernachten in Einsiedl am 30. 12. 2011. Das ist mein Lieblingsplatz in der Nähe von München.
Szenen- und Themenwechsel: Derzeit rüsten die USA die Golf-Staaten Saudi-Arabien und Bahrein auf. Dort residieren im Wertesystem von Schröder ebenso lupenreine Demokraten wie in Moskau. Der verblödete Urnenpöbel macht sich keine Sorgen, solange genug Erdöl und Erdgas unsere einzigartige Industrieproduktion aufrecht halten. Schließlich müssen Menschen in Europa, sofern sie keine prekären Penner sind, ihre einzigartigen Bedürfnisse befriedigen. Prekären Pennern reicht die Volksdroge Alkohol selbst in übelster Mischung wie als Weihnachtsmarkt-Glühwein.
Der schlüpfrige, schnee- und eisglatte Weg am See von Einsiedl zu Walchensee führt an den Ur-Rindern in Zwergern vorbei. Die fünf Kilometer verlangen uns bei Schneetreiben viel ab.
So geduldig wie die Ur-Rindviechern am Walchensee sind keine konsumverwöhnten Westeuropäer. Wenn Strom ausfällt, ist zappenduster. Also hat schon Carter vor 30 Jahren die Doktrin aufgestellt: "Die Seestraße von Hormus gehört zu unserem nationalen Interessenbereich. Wir haben diesen Seeweg mit allen Mitteln offen zu halten, auch mit militärischen." Als Verbraucher haben wir volles Verständnis dafür, dass unsere Interessen dort und anderswo auch militärisch vertreten und verteidigt werden. Schließlich wollen wir unsere 3,5 Tonnen schwere Wohnung auf Rädern durch den Schnee noch zum Allrad-LKW-Treffen nach Wallgau bewegen. Ohne zwei mit elf Kilogramm gefüllten Gasflaschen würden wir uns auch nicht in die Kälte zum Wintercamping wagen.
Nur schemenhaft erhebt sich der Herzogstand über dem See und dem Ort gleichen Namens, über Walchensee.
Die Freude unserer Winterreise im wohlig warmen Gefährt verdanken wir unserer unermüdlichen Arbeit, um unserr einzigartigen Bedürfnisse zu befriedigen. So müssen wir nicht daheim vor dem Bildschirm als Couch-Kartoffel vegetieren, sondern fühlen uns befreit vom Stress der Stadt und wandern auf eisglatten Wegen zwecks höherer Stress-Resistenz. Während des Berufslebens jagten uns Arbeitnehmer ständig Kollegen und Chefs. Nach 20 Jahren, acht Monaten und 12 Tagen hat meine Arbeit ihr Ende gefunden. Jetzt ist nur noch die liebe Partnerin hinter mir her. Erschwerend kommt hinzu: Immer näher macht sich Gevatter Tod daran, seine kräftigen knochigen Finger nach meinem mürben und ermüdenden Lebensleib auszustrecken. Doch noch erreichen wir Ziele wie das Allrad-LKW-Treffen in Wallgau. Soziale Kompetenz und Kontakte üben wir an der Feuertonne, die wir mit mitgebrachtem Holz füttern.
Vom 100.000 Euro teuren Fernreise-Mobil bis zur 40 Jahre alten Hanomag-Behelfs-Behausung mit holzbefeuertem Kanonenofen treffen sich die Drive-o-Holics im Wallgau zum Neujahrsplausch.
Kleine Schlucke Rotwein sollten mich dazu befähigen, der sozialen Runde am Feuerfaß einige bewundernde Bemerkungen und anerkennende Aufmerksamkeit zu schenken. Denn die Abenteuer dieser Russland-, Afrika-, Asien-, Australien- und Amerika-Fahrer sind eindrucksvoll, beachtlich - eben die einzigartigen Bedürfnisse, welche unsere Gesellschaft so erhaben entwickeln und weiter bringen - zumindest Kilometer-mäßig.
Genug meiner kultur-kritelnden Krakelei! Die Feuertonne wartet, um mich besser in mir fremde Sozialgefüge einzupassen. Vermutlich in meinem fortgeschrittenen Alter eine vergebliche Liebesmühe.
Unsere "Waschmaschine", der "Kühlschrank" kam nur mit Hilfe von vier schiebenden Männern aus dem Matsch!
Die echten Allrad-LKW-Kapitäne sehen fahrende "Weißware" nur als "Kühlschrank" oder "Waschmaschinen" an.
Der Blick am Neujahrsmorgen zeigte uns das "Blaue Wunder" von Klaus und einen Hanomag mit Kanonenrohrofen, der bald 50 Jahre auf dem Buckel hat.
Auch mit einem alten Ofen und einem Wasserkanister kommt man im Hanomag über den Winter.
Dieser Hanomag mit Anhänger erblickte 1963 das Grau der Straße. Sein Fahrer war der Erste Helfer, der uns aus der Schneepatsche stemmte.
Frei nach Bert Brecht: "Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm."
Der Allrad-LKW-Kapitän begrüßt noch etwas verschlafen den ersten Tag des Neuen Jahres 2012.
29 Dezember 2011
Urlaub in Franken
Lesen reflektiert die Außenwelt im Innern. Schreiben spiegelt die Innenwelt dem Außen.
Der "Weiße Wal" ist unser rollendes Heim. In unserem Wohnmobil schwankt leicht der Boden, wenn wir uns darin bewegen. Der Hersteller Seitz hat in sechs Metern Länge, zwei Metern Breite und drei Metern Höhe bescheiden doch beschaulich alles eingebaut: Den Eingangsbereich, Küche mit Tisch, alternativ Schreibtisch, Naßzelle mit Toilette und Waschbecken, Kühlschrank und Bett. Diese Wohnung gleicht einer Puppenstube unter einem Zeltdach. Schon wenige leichte Regentropfen klingen melodisch auf der Fahrzeug-Decke, welche uns mit etwa drei Millimetern Glasfaser verstärktem Kunststoff und drei Zentimetern Isolierschaum von der unwirtlichen Winterwelt trennt.
Urlaub in Franken ist nun die Sorte Stress, welche wir uns freiwillig suchen. Neben den Treffen mit den Freunden und Verwandten meiner Frau holen wir für den Weihnachtsmarkt 2012 schon neue Schlitten-Schiebelehnen bei einem fränkischen Schlitten-Hersteller. In den letzten warmen Wintern konnte er kaum seine Produktion verkaufen. Also hat sich das Werk auch darauf spezialisiert, individuelle "Erotik-Möbel" zu produzieren. Wir können uns diese Möbel nur vorstellen. Vermutlich produziert das Werk eben solche Sitz- oder Liegegeräte, wie Kunden es sich wünschen. Als weitere Spezialität renovieren, reparieren und bauen die Menschen in dieser kleinen Fabrik Kutschen.
Die Mitarbeiter haben Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr. Nur der Chef schafft mit einer Sekretärin und einem Mann Ordnung im Laden. Im Aufenthaltsraum der Belegschaft ist das Waschbecker verstopft, welches ein hagerer, älterer Arbeiter gekonnt und geschwind wieder frei macht. Der Chef berät zwei Kunden, welche eine alte Landauer-Kutsche gebracht haben. Hinter dem Kutschbock schwingt die Fahrgastzelle in schweren Blattfedern. Auf der Tür dazu prangt die Jahreszahl: 1894. Zwei oder vier Pferde ziehen dies hochherrschaftliche Gefährt über Stock und Stein. Dieses Schmuckstück fachkundig zu renovieren, verursacht schnell Kosten eines Mittelklassewagens.
Auf dem Weihnachtsmarkt hat meine Frau einer begeisterten Kundin einen Schlitten mit Schiebelehne verkauft. Sie wollte noch einen weiteren und hinterließ dazu ihre Visitenkarte. Da Stephanie alle Schiebelehnen verkauft hatte, liefern wir nun ihr einen Schlitten mit Schiebelehnen frei Haus. Die Dame glänzte an der Weihnachtsmarkthütte mit herrschaftlichem Auftreten. Doch als wir das Anwesen in einer verlassenen Gegend in Franken endlich gefunden haben, treffen wir auf einen Schweinezüchter in einem ärmlichen Hof. Die Ausdünstungen der Tiere belästigen unsere Geruchsnerven. Zwischen Tür und Angel wickeln wir das kleine Geschäft ab, das unsere Spritkosten deckt.
Immerhin haben uns diese Fahrten wie Besorgungen soweit ermüdet, dass wir eine ruhige Nacht am Straßenrand in Bamberg verbringen dürfen. Gerade baut Bamberg den bislang bescheidenen Wohnmobilstellplatz am Heinrichsdamm soweit aus, dass dort die Schiffe der Landstraßen auch Strom tanken und die Kapitäne ihre Exkremente entsorgen können.
Zur Nachtruhe verhalf uns dazu noch der trübe Rauchbiergenuss im Gasthaus Schlenkerla, einem putzigen Fachwerkhaus aus dem Mittelalter. Ein weiteres begehrtes Szenelokal in Bamberg, der Pelikan, hatte schon keinen Platz mehr für uns. Wieso sich dieses Lokal zur frühen Abendzeit an einem Werktag so schnell füllt, bleibt uns ein Rätsel. Das Gasthaus Schlenkerla hingegen hat an seinen schweren Holztischen immerhin noch Platz für zwei, aber für viel mehr Menschen auch nicht. Dass Rentner und Touristen abends Muß und Moneten genug haben, sich im Wirtshaus zu vergnügen, ist klar. Wenn dann noch Arbeitnehmer in den Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr abends in den beliebten Wirtshäusern essen und trinken wollen, dann ist das Freizeitangebot schnell ausverkauft.
Wie seit Jahrhunderten darf sich der Pöbel unter den Symbolen kirchlicher und weltlicher Herrschaft, dem Kreuz und dem Jagdgeweih, von den Unbillen des Alltags und der Fronlast von Steuer- und Zinszahlung bei Bier, Schweinsbein, Sauerkraut und weiteren Köstlichkeiten erholen, entspannen.
Das Gasthaus Schenkerla, welches seinen Brauerei-Ausschank seit 1405 rühmen darf, ist ebenso wie das Bamberger Rathaus oder der Bamberger Reiter eine Sehenswürdigkeit im Range des Weltkulturerbe.
Von unserer Hochzeit am 30. Mai des Jahres haben wir noch ein Geschenk, welches wir nur in der Gegend einlösen können: Bad, Sauna, Menü und Massage in Bad Staffelstein. Das Recht auf den Genuß des Menüs ist zwar schon verfallen, doch mein Körper, Haut und Haare sehnen sich ohnehin wieder nach Sauna, Wasser, Seife und Shampoo. Noch nie haben wir den Parkplatz an der Therme in Bad Staffelstein so überfüllt vorgefunden. Wir müssen unser Gefährt auf Rasen parken, weil die asphaltierte, riesige Fläche mit Wagen aus sehr vielen Regionen des Landes vollgestellt ist. Entsprechend groß ist der Andrang an der Kasse. Am Einlaß werden wir in Schüben zu fünf Personen erst eingelassen, wenn eben die Anzahl Menschen das Bad verlassen und Schränke frei gemacht hat.
Die enge Stube der Sauna ist zum Aufguß mit 60 Personen prall gefüllt. Nur wer 10 Minuten vor der vollen Stunde sich einfindet, kann sich noch zwischen zwei andere Menschen quetschen - vielleicht. Im Bad ist das Becken mit der wärmsten Sole, die mit 12 Prozent Salzgehalt den bayrischen Rekord hält, gepackt voll. Dies erinnert an Bilder von Bädern in Japan. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - ist das Bad ein beruhigendes Abenteuer, welches auch an und aufregt.
Während der Pöbel, sofern er 18 Euro für die Tageskarte zur Sauna in Staffelstein aufbringen kann, sich Haut an Haut gedrängt aufbraten lässt, herrscht im Bamberger Rathaus medinaive Andacht. Wenige Besucher betrachten die Schätze aus edlem Porzellan, welches der Fabrikant Ludwig in seiner Sammlung Bamberg als Dauerleihgabe vermacht hat.
Vor Jahren haben wir, als wir 2003 unser erstes Wohnmobil im nächtlichen Stellverbot auf dem Thermenparkplatz parkten, Strafe zahlen müssen. Den benachbarten Campingplatz meiden wir, weil keine 20 Kilometer weiter das schmucke, fränkische Fachwerk-Nest Baunach einen Stellplatz bietet. Der Platz kostet nicht mehr als einen Euro. Doch für diesen Euro liefern Steckdosen 12 Stunden lang Saft.
Am Marktplatz in Baunach, auf dem zu spät abendlicher Stunde gerade ein Fahrzeug steht, treffen wir in unserer griechischen Stammkneipe zufällig den Ex-Schwager meiner Frau, der dort mit seiner Freundin den Abend feiert. Wir schließen uns an, tauschen Neuigkeiten über den Neffen meiner Frau aus, der als IT-Praktikant im indischen Bangalore bei Siemens bis März schafft.
Nachts, ab 3.30 Uhr hat genug Schlaf meine Lebensbatterie geladen. Es ist Zeit, die Eindrücke zu ordnen, die wild durch die Gedanken reisen. Bedachtsam, behutsam - unter Vermeidung aller Störgeräusche - schieben sich meine von der Sauna etwas erleicherten 90 Kilo aus dem Bett, unter dem wir unsere Siebensachen stauen. Wenn die Tür von der Naßzelle an den gegenüberliegenden Kühlschrank anlehnt, ist das Bett gegen einfallendes Licht vom Schreib- oder Küchentisch geschützt. Meine liebe Stephanie setzt also ungestört ihre Nachtruhe fort, derweil die nahe Kirchturmuhr mir alle Viertelstunde vernehmlich mitteilt, welche Stunde mir schlägt.
Das Beste dabei ist, dass der 4000 Watt Gasofen über vier Heizungsausströmer beim Tisch sehr schnell das Thermometer von 17 Grad auf wohlige 23 Grad ansteigen lässt. Der Schlafraum hingegen hinter der geöffneten Badtür bleibt kühl.
Noch perfekter wäre es gewesen, die frühe Stunde mit einem Glas Wein zu feiern. Doch wer am Morgen fährt, sollte nüchtern bleiben. Zudem stört der Lärm, eine Flasche zu entkorken, den nächtlichen Frieden meiner lieben Frau. Die Nacht ist auch nüchtern schön und still. Ein erster Zug fährt hupend in den nahen Bahnhof Baunach ein. Sonst lässt sich nur der gleichmäßige Atmen meiner Frau wie das eintönige Surren des Heizungslüfters vernehmen. Wir freuen uns über die Gute Nacht und auf einen schönen, neuen Urlaubstag in Franken.
Der "Weiße Wal" ist unser rollendes Heim. In unserem Wohnmobil schwankt leicht der Boden, wenn wir uns darin bewegen. Der Hersteller Seitz hat in sechs Metern Länge, zwei Metern Breite und drei Metern Höhe bescheiden doch beschaulich alles eingebaut: Den Eingangsbereich, Küche mit Tisch, alternativ Schreibtisch, Naßzelle mit Toilette und Waschbecken, Kühlschrank und Bett. Diese Wohnung gleicht einer Puppenstube unter einem Zeltdach. Schon wenige leichte Regentropfen klingen melodisch auf der Fahrzeug-Decke, welche uns mit etwa drei Millimetern Glasfaser verstärktem Kunststoff und drei Zentimetern Isolierschaum von der unwirtlichen Winterwelt trennt.
Urlaub in Franken ist nun die Sorte Stress, welche wir uns freiwillig suchen. Neben den Treffen mit den Freunden und Verwandten meiner Frau holen wir für den Weihnachtsmarkt 2012 schon neue Schlitten-Schiebelehnen bei einem fränkischen Schlitten-Hersteller. In den letzten warmen Wintern konnte er kaum seine Produktion verkaufen. Also hat sich das Werk auch darauf spezialisiert, individuelle "Erotik-Möbel" zu produzieren. Wir können uns diese Möbel nur vorstellen. Vermutlich produziert das Werk eben solche Sitz- oder Liegegeräte, wie Kunden es sich wünschen. Als weitere Spezialität renovieren, reparieren und bauen die Menschen in dieser kleinen Fabrik Kutschen.
Die Mitarbeiter haben Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr. Nur der Chef schafft mit einer Sekretärin und einem Mann Ordnung im Laden. Im Aufenthaltsraum der Belegschaft ist das Waschbecker verstopft, welches ein hagerer, älterer Arbeiter gekonnt und geschwind wieder frei macht. Der Chef berät zwei Kunden, welche eine alte Landauer-Kutsche gebracht haben. Hinter dem Kutschbock schwingt die Fahrgastzelle in schweren Blattfedern. Auf der Tür dazu prangt die Jahreszahl: 1894. Zwei oder vier Pferde ziehen dies hochherrschaftliche Gefährt über Stock und Stein. Dieses Schmuckstück fachkundig zu renovieren, verursacht schnell Kosten eines Mittelklassewagens.
Auf dem Weihnachtsmarkt hat meine Frau einer begeisterten Kundin einen Schlitten mit Schiebelehne verkauft. Sie wollte noch einen weiteren und hinterließ dazu ihre Visitenkarte. Da Stephanie alle Schiebelehnen verkauft hatte, liefern wir nun ihr einen Schlitten mit Schiebelehnen frei Haus. Die Dame glänzte an der Weihnachtsmarkthütte mit herrschaftlichem Auftreten. Doch als wir das Anwesen in einer verlassenen Gegend in Franken endlich gefunden haben, treffen wir auf einen Schweinezüchter in einem ärmlichen Hof. Die Ausdünstungen der Tiere belästigen unsere Geruchsnerven. Zwischen Tür und Angel wickeln wir das kleine Geschäft ab, das unsere Spritkosten deckt.
Immerhin haben uns diese Fahrten wie Besorgungen soweit ermüdet, dass wir eine ruhige Nacht am Straßenrand in Bamberg verbringen dürfen. Gerade baut Bamberg den bislang bescheidenen Wohnmobilstellplatz am Heinrichsdamm soweit aus, dass dort die Schiffe der Landstraßen auch Strom tanken und die Kapitäne ihre Exkremente entsorgen können.
Zur Nachtruhe verhalf uns dazu noch der trübe Rauchbiergenuss im Gasthaus Schlenkerla, einem putzigen Fachwerkhaus aus dem Mittelalter. Ein weiteres begehrtes Szenelokal in Bamberg, der Pelikan, hatte schon keinen Platz mehr für uns. Wieso sich dieses Lokal zur frühen Abendzeit an einem Werktag so schnell füllt, bleibt uns ein Rätsel. Das Gasthaus Schlenkerla hingegen hat an seinen schweren Holztischen immerhin noch Platz für zwei, aber für viel mehr Menschen auch nicht. Dass Rentner und Touristen abends Muß und Moneten genug haben, sich im Wirtshaus zu vergnügen, ist klar. Wenn dann noch Arbeitnehmer in den Betriebsferien zwischen Weihnachten und Neujahr abends in den beliebten Wirtshäusern essen und trinken wollen, dann ist das Freizeitangebot schnell ausverkauft.
Wie seit Jahrhunderten darf sich der Pöbel unter den Symbolen kirchlicher und weltlicher Herrschaft, dem Kreuz und dem Jagdgeweih, von den Unbillen des Alltags und der Fronlast von Steuer- und Zinszahlung bei Bier, Schweinsbein, Sauerkraut und weiteren Köstlichkeiten erholen, entspannen.
Das Gasthaus Schenkerla, welches seinen Brauerei-Ausschank seit 1405 rühmen darf, ist ebenso wie das Bamberger Rathaus oder der Bamberger Reiter eine Sehenswürdigkeit im Range des Weltkulturerbe.
Von unserer Hochzeit am 30. Mai des Jahres haben wir noch ein Geschenk, welches wir nur in der Gegend einlösen können: Bad, Sauna, Menü und Massage in Bad Staffelstein. Das Recht auf den Genuß des Menüs ist zwar schon verfallen, doch mein Körper, Haut und Haare sehnen sich ohnehin wieder nach Sauna, Wasser, Seife und Shampoo. Noch nie haben wir den Parkplatz an der Therme in Bad Staffelstein so überfüllt vorgefunden. Wir müssen unser Gefährt auf Rasen parken, weil die asphaltierte, riesige Fläche mit Wagen aus sehr vielen Regionen des Landes vollgestellt ist. Entsprechend groß ist der Andrang an der Kasse. Am Einlaß werden wir in Schüben zu fünf Personen erst eingelassen, wenn eben die Anzahl Menschen das Bad verlassen und Schränke frei gemacht hat.
Die enge Stube der Sauna ist zum Aufguß mit 60 Personen prall gefüllt. Nur wer 10 Minuten vor der vollen Stunde sich einfindet, kann sich noch zwischen zwei andere Menschen quetschen - vielleicht. Im Bad ist das Becken mit der wärmsten Sole, die mit 12 Prozent Salzgehalt den bayrischen Rekord hält, gepackt voll. Dies erinnert an Bilder von Bädern in Japan. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - ist das Bad ein beruhigendes Abenteuer, welches auch an und aufregt.
Während der Pöbel, sofern er 18 Euro für die Tageskarte zur Sauna in Staffelstein aufbringen kann, sich Haut an Haut gedrängt aufbraten lässt, herrscht im Bamberger Rathaus medinaive Andacht. Wenige Besucher betrachten die Schätze aus edlem Porzellan, welches der Fabrikant Ludwig in seiner Sammlung Bamberg als Dauerleihgabe vermacht hat.
Vor Jahren haben wir, als wir 2003 unser erstes Wohnmobil im nächtlichen Stellverbot auf dem Thermenparkplatz parkten, Strafe zahlen müssen. Den benachbarten Campingplatz meiden wir, weil keine 20 Kilometer weiter das schmucke, fränkische Fachwerk-Nest Baunach einen Stellplatz bietet. Der Platz kostet nicht mehr als einen Euro. Doch für diesen Euro liefern Steckdosen 12 Stunden lang Saft.
Am Marktplatz in Baunach, auf dem zu spät abendlicher Stunde gerade ein Fahrzeug steht, treffen wir in unserer griechischen Stammkneipe zufällig den Ex-Schwager meiner Frau, der dort mit seiner Freundin den Abend feiert. Wir schließen uns an, tauschen Neuigkeiten über den Neffen meiner Frau aus, der als IT-Praktikant im indischen Bangalore bei Siemens bis März schafft.
Nachts, ab 3.30 Uhr hat genug Schlaf meine Lebensbatterie geladen. Es ist Zeit, die Eindrücke zu ordnen, die wild durch die Gedanken reisen. Bedachtsam, behutsam - unter Vermeidung aller Störgeräusche - schieben sich meine von der Sauna etwas erleicherten 90 Kilo aus dem Bett, unter dem wir unsere Siebensachen stauen. Wenn die Tür von der Naßzelle an den gegenüberliegenden Kühlschrank anlehnt, ist das Bett gegen einfallendes Licht vom Schreib- oder Küchentisch geschützt. Meine liebe Stephanie setzt also ungestört ihre Nachtruhe fort, derweil die nahe Kirchturmuhr mir alle Viertelstunde vernehmlich mitteilt, welche Stunde mir schlägt.
Das Beste dabei ist, dass der 4000 Watt Gasofen über vier Heizungsausströmer beim Tisch sehr schnell das Thermometer von 17 Grad auf wohlige 23 Grad ansteigen lässt. Der Schlafraum hingegen hinter der geöffneten Badtür bleibt kühl.
Noch perfekter wäre es gewesen, die frühe Stunde mit einem Glas Wein zu feiern. Doch wer am Morgen fährt, sollte nüchtern bleiben. Zudem stört der Lärm, eine Flasche zu entkorken, den nächtlichen Frieden meiner lieben Frau. Die Nacht ist auch nüchtern schön und still. Ein erster Zug fährt hupend in den nahen Bahnhof Baunach ein. Sonst lässt sich nur der gleichmäßige Atmen meiner Frau wie das eintönige Surren des Heizungslüfters vernehmen. Wir freuen uns über die Gute Nacht und auf einen schönen, neuen Urlaubstag in Franken.
27 Dezember 2011
Freunde in Franken
Meine liebe Frau fühlt sich verwurzelt in Franken: Geschwister, Freunde und nun auch ein Baby, welches auch von ihrer Lebenslinie stammt. Glücklich zusammen, schmilzt mein Panzer aus Provokation in mehr Nähe und Wärme - ein schönes Gefühl.
Meine liebe Frau Stephanie hält dies Baby, wozu sie sich tief im Herzen und den Genen verbunden fühlt.
Der Weg geht weiter, immer weiter. Die Ferienwohnung, die für mehr als fünf Wochen unser Heim war, haben wir mittags hinter uns gelassen. Der Hausrat, die Futterkiste, die Kleidung sind vom Marktauto in den "Weißen Wal" umgeladen, der uns dann wieder wie in einer Ein-Zimmer-Wohnung auf Rädern leben lässt. Mima hat viele, viele Freunde in Bamberg, die zu besuchen uns kaum genügend Zeit mehr bleibt. Doch wohin Stephanie-Mima auch immer kommt, sie ist wohl gelitten. Die Menschen zeigen gerne ihre Welt, erzählen, zeigen Bilder oder Filme am Computer. Urlaubserinnerungen wie vom Canal Midi scheinen auf, der wunderbare Kanal in Südfrankreich, als die Platanen am Ufer noch eine Wasserstraße unter dem Blätterdach der Bäume bildeten. Die Platanen sind mittlerweile gefällt, 40.000 Stück, die dort standen seit mehr als 300 Jahren, vom Pilz befallen gefällt.
Bevor mich die Spiegelung der äußeren Welt traurige Sätze schreiben lässt, schwingen wir in den nassgrauen Dezembertag, den zweiten Weihnachtstag mit der Ruhe, der Kraft, dem Stolz, die schwere Zeit des Weihnachtsmarktes erfolgreich abgeschlossen zu haben. Das Gefühl, nach mehr als 30 Tagen mit einer Woche Aufbauzeit bald, auch diesen Markt wieder kämpfend mit allen äußeren Unbillen bewältigt zu haben, diese Ruhe nach dem Kampf ist einfach beglückend.
Wie Innen so Außen: Die äußere Welt spiegelt sich Inneren.
Mit einer familiären Feier schließen wir unsere Zeit in Bamberg, die Geschwister treffen sich, soweit sie sich zugehörig fühlen, Mima hält das Baby auf dem Arm, welches ihr so nahe steht, vorsichtige Gespräche knüpfen sich an, um die politisch-soziologische Verortung auszuloten. Der Islam ist ein Thema an unserem christlichen Weihnachtstisch, ein Islam, der wie in der Türkei es Christen schwer macht, sich sonntäglich zum Gebet zu finden.
Der Bamberger Kirchen- und Klerikal-Kritiker Karlheinz Deschner hat in seiner "Kriminalgeschichte des Christentums" aufs Schärfste beschrieben und bewiesen, dass diese Sekte, die sich jetzt als Christen im Islamischen Dunstkreis so schwer behaupten, dass diese Sekte der Christen ein brudermörderisches Pack über Jahrhunderte gewütet hat, bis ausgeblutet in scheinbarem Frieden verschiedene Sekten der Christen ihre Claims als Evangelische, Katholische, Calvinistische oder sonstig Bekehrte abgesteckt hatten.
Teilen die Großpopen der Sekten sogenannter Gottesfürchtigen dann noch ihre "Heiligen Stühle" in vollkommen verschiedene Bibeloffenbarungen, dann ist das Tischtuch aller Abendmahlfeiern zerschnitten. Beseligte Bibel-Bekehrte brechen mordbrennend in sogenannte Gotteshäuser der Mitbewerber allein-seligmachender Heilsbotschaften ein, um Ungläubige anderer Götzen zu erschlagen. Wenn erst überlebende Fromme das Blut ihrer Brüder und Schwestern aus verbrannten Heiligtümern wischen, dann brennt da der Zorn der Rache im Namen Gottes zu metzeln und zu morden.
Je größer die Opfer, umso höher die Rache zur Mordlust. Gesetze von Ursache und Wirkung archaischer Blutrache tilgen Verlust von Land und Leben mit mehr Blut und Landnahme bis zur völligen Erschöpfung einer Kriegspartei oder eben aller.
Weiteres ist in jeder besseren Tageszeitung täglich zu lesen.
Wie im kakophonischen Krimi der mafiösen miesen Mittelmäßigkeit des Bildungsbürgertums rauschen die Fakten an mir vorbei, durch mich hindurch, verknüpfen sich mit edlem Wein zum Tanz von Buchstaben, die mich selbst kaum mehr interessieren, wenn sie sich aus mir gedrückt haben wie Eiter aus pubertierenden Pennälerpickeln.
Meine staatsbürgerliche Verpflichtung ist mit meinem Beitrag im SPON-Forum wie diesem Blog für heute erfüllt - wenn nicht für länger.
Und wieder Zuflucht im Zynismus nach dem Motto: Egal: Wie haben wir gelacht - trotz alledem, odrrr? Was sonst?
Als Alt68iger, mittlerweile so noch halbwegs rüstiger Rentner, bleibt mir die Zeit zum Schreiben als Mut-Bürger. Als Studenten haben wir antiautorität den "Muff von 1000Jahren unter den Talaren" ebenso verspottet, wie die Reaktion, die den "Alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollte". Von denen, die der Braunen Bananenrepublik, Kränze flechten und niederlegen, mal ganz schweigend schamvoll schüttelnd nichts mehr geschrieben.
Nun hat sich die Gesamtvölkische Sehnsucht nach Autoritäten in Kommerz und Kultur, Wissenschaft und weiterem Widerlichen Wrestling ja mit Gestalten wie denen von und zu in Amt, Armani-Anzug und Würden, diese Sehnsucht hat sich mit den Gazetten, den TV-Soaps ja bis ins Unerträgliche - für sensible Alt68iger - ausgeweitet. Dass die "Führer-Figuren" wieder hochgeschrieben werden zu Konjunktur und Klasse, das ganze üble Irresein sich weiter und weiter verbreitet und nur noch mit blutigen Aufständen gegen mörderische Diktatoren wie in der Arabellion oder in Putinskischem Moskau bekämpft werden kann, das und mehr sieht in meinem Ohrensessel am Ofen aus wie eine alte Bestätigung unserer jugendlichen Ideale mit dem furchtbaren Aufdämmern von noch schrecklicheren Zeiten, beginnend mit dem Großmanöver in der Straße von Hormus.....
Egal: Wie haben wir gelacht - trotz alledem, odrrr? Was sonst?
Meine liebe Frau Stephanie hält dies Baby, wozu sie sich tief im Herzen und den Genen verbunden fühlt.
Der Weg geht weiter, immer weiter. Die Ferienwohnung, die für mehr als fünf Wochen unser Heim war, haben wir mittags hinter uns gelassen. Der Hausrat, die Futterkiste, die Kleidung sind vom Marktauto in den "Weißen Wal" umgeladen, der uns dann wieder wie in einer Ein-Zimmer-Wohnung auf Rädern leben lässt. Mima hat viele, viele Freunde in Bamberg, die zu besuchen uns kaum genügend Zeit mehr bleibt. Doch wohin Stephanie-Mima auch immer kommt, sie ist wohl gelitten. Die Menschen zeigen gerne ihre Welt, erzählen, zeigen Bilder oder Filme am Computer. Urlaubserinnerungen wie vom Canal Midi scheinen auf, der wunderbare Kanal in Südfrankreich, als die Platanen am Ufer noch eine Wasserstraße unter dem Blätterdach der Bäume bildeten. Die Platanen sind mittlerweile gefällt, 40.000 Stück, die dort standen seit mehr als 300 Jahren, vom Pilz befallen gefällt.
Bevor mich die Spiegelung der äußeren Welt traurige Sätze schreiben lässt, schwingen wir in den nassgrauen Dezembertag, den zweiten Weihnachtstag mit der Ruhe, der Kraft, dem Stolz, die schwere Zeit des Weihnachtsmarktes erfolgreich abgeschlossen zu haben. Das Gefühl, nach mehr als 30 Tagen mit einer Woche Aufbauzeit bald, auch diesen Markt wieder kämpfend mit allen äußeren Unbillen bewältigt zu haben, diese Ruhe nach dem Kampf ist einfach beglückend.
Wie Innen so Außen: Die äußere Welt spiegelt sich Inneren.
Mit einer familiären Feier schließen wir unsere Zeit in Bamberg, die Geschwister treffen sich, soweit sie sich zugehörig fühlen, Mima hält das Baby auf dem Arm, welches ihr so nahe steht, vorsichtige Gespräche knüpfen sich an, um die politisch-soziologische Verortung auszuloten. Der Islam ist ein Thema an unserem christlichen Weihnachtstisch, ein Islam, der wie in der Türkei es Christen schwer macht, sich sonntäglich zum Gebet zu finden.
Der Bamberger Kirchen- und Klerikal-Kritiker Karlheinz Deschner hat in seiner "Kriminalgeschichte des Christentums" aufs Schärfste beschrieben und bewiesen, dass diese Sekte, die sich jetzt als Christen im Islamischen Dunstkreis so schwer behaupten, dass diese Sekte der Christen ein brudermörderisches Pack über Jahrhunderte gewütet hat, bis ausgeblutet in scheinbarem Frieden verschiedene Sekten der Christen ihre Claims als Evangelische, Katholische, Calvinistische oder sonstig Bekehrte abgesteckt hatten.
Teilen die Großpopen der Sekten sogenannter Gottesfürchtigen dann noch ihre "Heiligen Stühle" in vollkommen verschiedene Bibeloffenbarungen, dann ist das Tischtuch aller Abendmahlfeiern zerschnitten. Beseligte Bibel-Bekehrte brechen mordbrennend in sogenannte Gotteshäuser der Mitbewerber allein-seligmachender Heilsbotschaften ein, um Ungläubige anderer Götzen zu erschlagen. Wenn erst überlebende Fromme das Blut ihrer Brüder und Schwestern aus verbrannten Heiligtümern wischen, dann brennt da der Zorn der Rache im Namen Gottes zu metzeln und zu morden.
Je größer die Opfer, umso höher die Rache zur Mordlust. Gesetze von Ursache und Wirkung archaischer Blutrache tilgen Verlust von Land und Leben mit mehr Blut und Landnahme bis zur völligen Erschöpfung einer Kriegspartei oder eben aller.
Weiteres ist in jeder besseren Tageszeitung täglich zu lesen.
Wie im kakophonischen Krimi der mafiösen miesen Mittelmäßigkeit des Bildungsbürgertums rauschen die Fakten an mir vorbei, durch mich hindurch, verknüpfen sich mit edlem Wein zum Tanz von Buchstaben, die mich selbst kaum mehr interessieren, wenn sie sich aus mir gedrückt haben wie Eiter aus pubertierenden Pennälerpickeln.
Meine staatsbürgerliche Verpflichtung ist mit meinem Beitrag im SPON-Forum wie diesem Blog für heute erfüllt - wenn nicht für länger.
Und wieder Zuflucht im Zynismus nach dem Motto: Egal: Wie haben wir gelacht - trotz alledem, odrrr? Was sonst?
Als Alt68iger, mittlerweile so noch halbwegs rüstiger Rentner, bleibt mir die Zeit zum Schreiben als Mut-Bürger. Als Studenten haben wir antiautorität den "Muff von 1000Jahren unter den Talaren" ebenso verspottet, wie die Reaktion, die den "Alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollte". Von denen, die der Braunen Bananenrepublik, Kränze flechten und niederlegen, mal ganz schweigend schamvoll schüttelnd nichts mehr geschrieben.
Nun hat sich die Gesamtvölkische Sehnsucht nach Autoritäten in Kommerz und Kultur, Wissenschaft und weiterem Widerlichen Wrestling ja mit Gestalten wie denen von und zu in Amt, Armani-Anzug und Würden, diese Sehnsucht hat sich mit den Gazetten, den TV-Soaps ja bis ins Unerträgliche - für sensible Alt68iger - ausgeweitet. Dass die "Führer-Figuren" wieder hochgeschrieben werden zu Konjunktur und Klasse, das ganze üble Irresein sich weiter und weiter verbreitet und nur noch mit blutigen Aufständen gegen mörderische Diktatoren wie in der Arabellion oder in Putinskischem Moskau bekämpft werden kann, das und mehr sieht in meinem Ohrensessel am Ofen aus wie eine alte Bestätigung unserer jugendlichen Ideale mit dem furchtbaren Aufdämmern von noch schrecklicheren Zeiten, beginnend mit dem Großmanöver in der Straße von Hormus.....
Egal: Wie haben wir gelacht - trotz alledem, odrrr? Was sonst?
16 Dezember 2011
Endspurt Weihnachtsmarkt
Sturmtief Joachim fegt mit Orkanböen über das Land. Der Sturm weht Gefühle von verlorener Verlassenheit in meinen einsamen Platz in der Markthütte. Ein Mitarbeiter vom Gewerbeaufsichtsamt kommt und sagt: "Sie müssen heute nicht auflassen. Sie können schließen, wenn Sie das für richtig halten."
Ruhe vor dem Sturm - doch Mimas Husten zieht schon auf.
Mima, meine Marktfrau, ist krank. Wie zumeist in der letzten Marktwoche ist sie einfach vollkommen leer gebrannt. Sie hustet schon seit Tagen. Sie kann nervlich den Streß nicht mehr aushalten. Sie reagiert vollkommen gereizt. Sie kann die vorbeieilenden Kunden nicht mehr erreichen, meint sie. Die Mißstimmung greift ihren Körper an. Bellender Husten unterbricht unsere Nachtruhe. Also muss sie heute das Bett hüten.
Sie überträgt mir die Aufgabe erstmalig, ihre Markthütte zu öffnen. Mit einem Sack sorgender Ermahnungen schickt sie mich in den stürmischen Regen. Die Benachrichtigung vom Gewerbeaufsichtsamt-Mitarbeiter, schließen zu dürfen, erscheint mir als Lichtblick im stürmischen Tag. Dennoch beginnt der Morgen damit, dass sich zwei Menschen die Lichthäuschen kaufen. Diese Stammkunden vervollständigen mit ihrem Einkauf ihre Sammlung, die mit den Jahren wächst. Zäh verrinnen mir die Stunden in der zugigen Markthütte. Wie verloren ruhen sich meine vom Stehen schweren Beine auf einer kleinen Holzkiste hockend beim Katalytofen aus. Mein Handy verschafft mir angenehme Abwechselung mit der Internet-Flatrate.
Wegen der stürmischen Schauer bleiben zwei Frontklappen der Hütte geschlossen. So sehen die Kunde kaum etwas von der Ware. Dennoch kaufen einige Kerzen, Räucherkegel, Windlichter und Lichthäuschen. Es gelingt mir in der Zeit von 8.30 bis 15.30, Mimas kleine Zauberhütte geöffnet zu halten. Diese sieben Arbeitsstunden wären erst ihr halber Tag. Wenn sie arbeitet, arbeitet sie länger und härter. Bis sie abends endlich heim kommt, wurde es meist 20.30 Uhr. Das ist eine 12-Stunden-Schicht, viel zu viel auf die Dauer.
Bei besserem Wetter strömen die Menschen zu Mimas Markthütte - hoffentlich.
Als wieder eine böse Böe in die Hütte peitscht, dass die kostbaren Lichthäuschen auf den hohen Regalbrettern gegeneinander klirren, gilt für mich das Angebot des Gewerbeaufsichtsamts: Feierabend! Der Nachbar mit den Süßwaren klopft noch an die Holzläden und fragt: "Und die Kunden?" Anderntags erzählen sie, dass sie noch fünf Stunden länger dem Sturm widerstanden und verkauft haben.
Daheim gruselt es warm und wohlig, die Bilder von verschneiten Straßen zu betrachten, auf denen sich Fahrzeuge meilenweit stauen. Viele dieser vom Weihnachtstress gestörten und belasteten Fahrten enden auf dem Schrottplatz - oder schlimmer für die Menschen im Krankenhaus. Immerhin stehen unsere Autos nicht unter ausladenden, alten Bäumen. Die Fahrzeuge parken sicher am Straßenrand, wo Hecken die Vorgärten begrenzen. Mein Heimweg durch das wunderbare, erholsame Bamberger Heingebiet an der Regnitz ist gesperrt. Schilder und Sperren warnen: "Betreten verboten! Lebensgefahr! Orkanböen" Doch meine Müdigkeit mit dem Wunsch schnell heim zu kommen ist größer als meine Furcht, von herabstürzenden Ästen erschlagen zu werden. Eine turmhohe Pappel schwankt bedrohlich und böse. Der Wind braust auf und lässt mich rennen. Nichts passiert.
Unser Leben ist wunderbar, aufregend, schrecklich, schön, schaurig, naß, windig und kalt. Immerhin darf mein Körper in der Sauna auftanken. Daheim schnauft meine liebe Frau über einem Kamille-Dampftopf am Küchentisch unter einem Handtuch. Fürsorglich kämpft Sie ihre Atemwege frei von Husten und Schleim.
Die Zeit verrinnt: Nur noch sieben Markttage. "Keiner mehr doppelt", pflegte Mutter den verrinnenden Urlaubstagen nachzusinnen, wenn in der letzten Ferienwoche uns wieder die schnell nahenden Alltagspflichten drohten. "Keiner mehr doppelt" ist beim Weihnachtsmarkt Grund zum Jubeln - Ende der Fron, Ende der Einkünfte.
Wenn meine Marktfrau gesund ist, dann macht Sie mir als Marktgehilfe die Arbeit erträglich. Sicher hätte mein vorsorglich besserer und höherer Einsatz es meiner Frau erleichtert, gesund zu bleiben. Dafür ist mein doppelter Arbeitseinsatz aber unvermeidbar, damit sie wieder gesund wird. Denn ohne sie die Krippe abzubauen, Schlitten, Vogelhäuschen und die ersten Waren ins Garagenlager zu schaffen, das kann bislang nur meine Frau.
Nur noch drei Tage: Schon beginnt sie, all ihr liebenswertes Tausenderlei in Kisten, Kasten zu verstauen. Die handgearbeiteten, reich verzierten Lichthäuschen aus gebranntem Ton dürfen keinen Schaden nehmen. Licht zeigt sich für mich wie am Ende des Tunnels. Meine Frau meint nur: "Andere stehen doch das ganze Jahr über auf dem Markt. Was stellst Du Dich denn so an?"
Ruhe vor dem Sturm - doch Mimas Husten zieht schon auf.
Mima, meine Marktfrau, ist krank. Wie zumeist in der letzten Marktwoche ist sie einfach vollkommen leer gebrannt. Sie hustet schon seit Tagen. Sie kann nervlich den Streß nicht mehr aushalten. Sie reagiert vollkommen gereizt. Sie kann die vorbeieilenden Kunden nicht mehr erreichen, meint sie. Die Mißstimmung greift ihren Körper an. Bellender Husten unterbricht unsere Nachtruhe. Also muss sie heute das Bett hüten.
Sie überträgt mir die Aufgabe erstmalig, ihre Markthütte zu öffnen. Mit einem Sack sorgender Ermahnungen schickt sie mich in den stürmischen Regen. Die Benachrichtigung vom Gewerbeaufsichtsamt-Mitarbeiter, schließen zu dürfen, erscheint mir als Lichtblick im stürmischen Tag. Dennoch beginnt der Morgen damit, dass sich zwei Menschen die Lichthäuschen kaufen. Diese Stammkunden vervollständigen mit ihrem Einkauf ihre Sammlung, die mit den Jahren wächst. Zäh verrinnen mir die Stunden in der zugigen Markthütte. Wie verloren ruhen sich meine vom Stehen schweren Beine auf einer kleinen Holzkiste hockend beim Katalytofen aus. Mein Handy verschafft mir angenehme Abwechselung mit der Internet-Flatrate.
Wegen der stürmischen Schauer bleiben zwei Frontklappen der Hütte geschlossen. So sehen die Kunde kaum etwas von der Ware. Dennoch kaufen einige Kerzen, Räucherkegel, Windlichter und Lichthäuschen. Es gelingt mir in der Zeit von 8.30 bis 15.30, Mimas kleine Zauberhütte geöffnet zu halten. Diese sieben Arbeitsstunden wären erst ihr halber Tag. Wenn sie arbeitet, arbeitet sie länger und härter. Bis sie abends endlich heim kommt, wurde es meist 20.30 Uhr. Das ist eine 12-Stunden-Schicht, viel zu viel auf die Dauer.
Bei besserem Wetter strömen die Menschen zu Mimas Markthütte - hoffentlich.
Als wieder eine böse Böe in die Hütte peitscht, dass die kostbaren Lichthäuschen auf den hohen Regalbrettern gegeneinander klirren, gilt für mich das Angebot des Gewerbeaufsichtsamts: Feierabend! Der Nachbar mit den Süßwaren klopft noch an die Holzläden und fragt: "Und die Kunden?" Anderntags erzählen sie, dass sie noch fünf Stunden länger dem Sturm widerstanden und verkauft haben.
Daheim gruselt es warm und wohlig, die Bilder von verschneiten Straßen zu betrachten, auf denen sich Fahrzeuge meilenweit stauen. Viele dieser vom Weihnachtstress gestörten und belasteten Fahrten enden auf dem Schrottplatz - oder schlimmer für die Menschen im Krankenhaus. Immerhin stehen unsere Autos nicht unter ausladenden, alten Bäumen. Die Fahrzeuge parken sicher am Straßenrand, wo Hecken die Vorgärten begrenzen. Mein Heimweg durch das wunderbare, erholsame Bamberger Heingebiet an der Regnitz ist gesperrt. Schilder und Sperren warnen: "Betreten verboten! Lebensgefahr! Orkanböen" Doch meine Müdigkeit mit dem Wunsch schnell heim zu kommen ist größer als meine Furcht, von herabstürzenden Ästen erschlagen zu werden. Eine turmhohe Pappel schwankt bedrohlich und böse. Der Wind braust auf und lässt mich rennen. Nichts passiert.
Unser Leben ist wunderbar, aufregend, schrecklich, schön, schaurig, naß, windig und kalt. Immerhin darf mein Körper in der Sauna auftanken. Daheim schnauft meine liebe Frau über einem Kamille-Dampftopf am Küchentisch unter einem Handtuch. Fürsorglich kämpft Sie ihre Atemwege frei von Husten und Schleim.
Die Zeit verrinnt: Nur noch sieben Markttage. "Keiner mehr doppelt", pflegte Mutter den verrinnenden Urlaubstagen nachzusinnen, wenn in der letzten Ferienwoche uns wieder die schnell nahenden Alltagspflichten drohten. "Keiner mehr doppelt" ist beim Weihnachtsmarkt Grund zum Jubeln - Ende der Fron, Ende der Einkünfte.
Wenn meine Marktfrau gesund ist, dann macht Sie mir als Marktgehilfe die Arbeit erträglich. Sicher hätte mein vorsorglich besserer und höherer Einsatz es meiner Frau erleichtert, gesund zu bleiben. Dafür ist mein doppelter Arbeitseinsatz aber unvermeidbar, damit sie wieder gesund wird. Denn ohne sie die Krippe abzubauen, Schlitten, Vogelhäuschen und die ersten Waren ins Garagenlager zu schaffen, das kann bislang nur meine Frau.
Nur noch drei Tage: Schon beginnt sie, all ihr liebenswertes Tausenderlei in Kisten, Kasten zu verstauen. Die handgearbeiteten, reich verzierten Lichthäuschen aus gebranntem Ton dürfen keinen Schaden nehmen. Licht zeigt sich für mich wie am Ende des Tunnels. Meine Frau meint nur: "Andere stehen doch das ganze Jahr über auf dem Markt. Was stellst Du Dich denn so an?"
10 Dezember 2011
Marktmond zur Weihnachtzeit
Erstmal seit Beginn meiner Erinnerung erscheint mir diese Vorweihnachtszeit als Fest. Meiner Schreibtischfron der letzten 20 Jahre, acht Monate und 12 Tage entledigt gibt mir meine geliebte Frau Aufgaben vor, welche zu erledigen mich nicht mehr belastet, als es mir unangenehm wäre.
Bamberger Rathaus mit Brücken über die Regnitz
Nach wenigen Stunden Nachtruhe eröffnet meine kleine Frau ihre Markthütte zum dritten Advent. Schon ist mit 16 Markttagen die Halbzeit überschritten, weiteren 14 Markttagen wünschen wir einen glücklichen Verlauf. Das Wetter hat erst einmal die Autoscheiben mit Eis überzogen. Der November hat sowenig Regen gebracht wie noch niemals ein November zuvor. Wieder einer dieser seltsamen Rekorde, welche uns schaudernd daran erinnern, dass etwas nicht stimmt mit uns in unserer Zeit.
Bamberger Rathaus als Lichthäuschen
Bamberg, diese zauberhafte Stadt mit mittelalterlichem Flair, besuchen Hunderte, wenn nicht Tausende Touristen in der Vorweihnachtszeit. Nahezu ununterbrochen ziehen die Fremdenführer in barocken Gewändern Scharen von Touristen hinter sich her. Mit beredten Ausführungen steht die Geschichte der Stadt auf, welche wie in so vielen klerikalen Machtzentren auf Blut gebaut steht. Magnetische Macht-Markt-Zentren ziehen aus allen Erdteilen Menschen an. Es wuseln kleine Chinesen, Japaner, Asiaten an unserer Weihnachtsmarkthütte vorüber. Schwere Soldaten, manchmal auch Schwarze, die in Bamberg für die US-Armee auf ihren Einsatz im Irak oder sonstwo trainieren, kommen manchmal mit Frauen und Kindern. Gelegentlich kaufen sie sogar eines der wertvolleren Stücke aus dem Angebot, welches von Kerzen zu 25 Cent bis zum Bamberger Alten Rathaus aus Ton gebrannt reicht. Manches Stück in liebevoller Handwerkskunst bis zu 119 Euro tritt sorgsam verpackt die Reise nach Übersee an. So freut sich eine besorgte Soldatenmutter wie aus Ohio über den erfolgreichen Sohn in der Fremde, in Good Old Germany. Franzosen, Spanier, Italiener - eine bunte Mischung aus Menschen schiebt sich an der Hütte vorbei. Kinder staunen mit offenen Augen über Blechspielzeug, den hüpfenden Frosch, die rennende Ente, die pickende Henne, die bunten Kreisel, Autos, Lokomotiven, Boote, sogar ein Luftschiff sowie eine Rakete alles aus Blech - meist made in China.
Weihnachtsmarkt am dritten Advent
In bedrückenden Stunden erscheint es mir, als würe ein Nichts ins Leere verschoben. Doch die fröhlichen Menschen, welche mit ihrer Beute vom Marktstand ziehen, erinnern schnell daran, dass sich diese Nichtigkeiten mit ihren Lieben verbinden, Freude bringen, Lachen und Staunen. Die Energiebilanz der Kerzen aus Bienenwachs, der Knetkerzen, die wie Blüten in verschieden Farben und Formen locken, die Energiebilanz dieser Geschöpfe aus liebenden Händen ist vergleichsweise wenig schädlich. Die Wertschöpfungskette ist lang und geduldig, der Gewinn bescheiden. Die Ware tauscht sich zu Geld in freudigem Einvernehmen. Zumeist zieht der Kunde eben so beglückt von dannen, wie das Geld in den Plastikfächern der Kasse klimpert. Kommt einmal ein großer Schein wie von 50 Euro herein, so prüft ein spezieller Filzstift, ob das Papier auch echt ist.
Mimas Blütenkerzen
Niemand kommt klauen. Betrug gibt es nicht in dem Geschäft meiner kleiner Marktfrau, die ihre Stammkunden seit mehr als zwei Jahrzehnten bedient. Seit 15 Jahren hat sie mich mitgenommen auf ihre kleine Weihnachtsmarktreise. Nun, selbst schon aus meinem Job, hat sie mich als Gehilfen engagiert. Die Jahre zuvor verschaffte ihr eine Studentin während der Mittagszeit ein wenig Muße zu sitzen, zu essen, zu ruhen. Mit mir als Hilfskraft ist sie auch zufrieden. Mich macht die kleine Welt des Weihnachtsmarktes glücklich. Die Gedanken richten sich auf das Nächste, den Kunden. Geschickt übende Finger führen kleine Spielzeuge vor, Witzchen sollen zum Kauf animieren. Niemand ist böse oder traurig, wenn er sich zu einem Kauf entschlossen hat. Kommt ein Großmütterchen mit einer Beschwerde zurück, so tauschen wir lachend die Ware. Es bleibt keine böse Stimmung zurück. Junge Damen kommen mit Freunden. Sie schwärmen nahezu, dass sie an dieser Hütte vor Jahren schon einen Kreisel geschenkt bekamen, der drehend bunt schillerte. Lange graben meine Gedanken nach dem Namen für das Spielgerät: "Mindspinner". Aus der Ferienwohnung rollt mich das alte Fahrrad in knapp zehn Minuten über die untere Rathausbrücke, die Regnitz, zum Marktplatz. Meine Frau freut sich über meine Ablösung. Ihre Pause ist niemals zu lange, dass es mir allzu schwer wird. In regnerisch grauen Zeiten reicht ihre Pause gerade so lange, dass mir Zeit bleibt, den Mantelteil der Süddeutschen Zeitung zu studieren. Der Wirtschaftsteil, die Nachrichten zur wirtschaftlichen Lage verwirren wie ein globaler Krimi meine Gedanken. Mehr oder weniger verkaufte Kerzen zur Weihnachtszeit verbessern das Klima in häuslichem Frieden. Das Klima global, international ist mein Thema nicht.
Villa Concordia an der Pegnitz
Doch kommen aus Palästen Menschen zu unseren Hütten, so bedient sie eine kompetente Mannschaft, hilfreich, edel und gut. Mit etwas pathetischem Wortgeklingel lässt steht man einfach besser in Stunden dunkler Näasse und Kälte,
Bamberger Rathaus mit Brücken über die Regnitz
Nach wenigen Stunden Nachtruhe eröffnet meine kleine Frau ihre Markthütte zum dritten Advent. Schon ist mit 16 Markttagen die Halbzeit überschritten, weiteren 14 Markttagen wünschen wir einen glücklichen Verlauf. Das Wetter hat erst einmal die Autoscheiben mit Eis überzogen. Der November hat sowenig Regen gebracht wie noch niemals ein November zuvor. Wieder einer dieser seltsamen Rekorde, welche uns schaudernd daran erinnern, dass etwas nicht stimmt mit uns in unserer Zeit.
Bamberger Rathaus als Lichthäuschen
Bamberg, diese zauberhafte Stadt mit mittelalterlichem Flair, besuchen Hunderte, wenn nicht Tausende Touristen in der Vorweihnachtszeit. Nahezu ununterbrochen ziehen die Fremdenführer in barocken Gewändern Scharen von Touristen hinter sich her. Mit beredten Ausführungen steht die Geschichte der Stadt auf, welche wie in so vielen klerikalen Machtzentren auf Blut gebaut steht. Magnetische Macht-Markt-Zentren ziehen aus allen Erdteilen Menschen an. Es wuseln kleine Chinesen, Japaner, Asiaten an unserer Weihnachtsmarkthütte vorüber. Schwere Soldaten, manchmal auch Schwarze, die in Bamberg für die US-Armee auf ihren Einsatz im Irak oder sonstwo trainieren, kommen manchmal mit Frauen und Kindern. Gelegentlich kaufen sie sogar eines der wertvolleren Stücke aus dem Angebot, welches von Kerzen zu 25 Cent bis zum Bamberger Alten Rathaus aus Ton gebrannt reicht. Manches Stück in liebevoller Handwerkskunst bis zu 119 Euro tritt sorgsam verpackt die Reise nach Übersee an. So freut sich eine besorgte Soldatenmutter wie aus Ohio über den erfolgreichen Sohn in der Fremde, in Good Old Germany. Franzosen, Spanier, Italiener - eine bunte Mischung aus Menschen schiebt sich an der Hütte vorbei. Kinder staunen mit offenen Augen über Blechspielzeug, den hüpfenden Frosch, die rennende Ente, die pickende Henne, die bunten Kreisel, Autos, Lokomotiven, Boote, sogar ein Luftschiff sowie eine Rakete alles aus Blech - meist made in China.
Weihnachtsmarkt am dritten Advent
In bedrückenden Stunden erscheint es mir, als würe ein Nichts ins Leere verschoben. Doch die fröhlichen Menschen, welche mit ihrer Beute vom Marktstand ziehen, erinnern schnell daran, dass sich diese Nichtigkeiten mit ihren Lieben verbinden, Freude bringen, Lachen und Staunen. Die Energiebilanz der Kerzen aus Bienenwachs, der Knetkerzen, die wie Blüten in verschieden Farben und Formen locken, die Energiebilanz dieser Geschöpfe aus liebenden Händen ist vergleichsweise wenig schädlich. Die Wertschöpfungskette ist lang und geduldig, der Gewinn bescheiden. Die Ware tauscht sich zu Geld in freudigem Einvernehmen. Zumeist zieht der Kunde eben so beglückt von dannen, wie das Geld in den Plastikfächern der Kasse klimpert. Kommt einmal ein großer Schein wie von 50 Euro herein, so prüft ein spezieller Filzstift, ob das Papier auch echt ist.
Mimas Blütenkerzen
Niemand kommt klauen. Betrug gibt es nicht in dem Geschäft meiner kleiner Marktfrau, die ihre Stammkunden seit mehr als zwei Jahrzehnten bedient. Seit 15 Jahren hat sie mich mitgenommen auf ihre kleine Weihnachtsmarktreise. Nun, selbst schon aus meinem Job, hat sie mich als Gehilfen engagiert. Die Jahre zuvor verschaffte ihr eine Studentin während der Mittagszeit ein wenig Muße zu sitzen, zu essen, zu ruhen. Mit mir als Hilfskraft ist sie auch zufrieden. Mich macht die kleine Welt des Weihnachtsmarktes glücklich. Die Gedanken richten sich auf das Nächste, den Kunden. Geschickt übende Finger führen kleine Spielzeuge vor, Witzchen sollen zum Kauf animieren. Niemand ist böse oder traurig, wenn er sich zu einem Kauf entschlossen hat. Kommt ein Großmütterchen mit einer Beschwerde zurück, so tauschen wir lachend die Ware. Es bleibt keine böse Stimmung zurück. Junge Damen kommen mit Freunden. Sie schwärmen nahezu, dass sie an dieser Hütte vor Jahren schon einen Kreisel geschenkt bekamen, der drehend bunt schillerte. Lange graben meine Gedanken nach dem Namen für das Spielgerät: "Mindspinner". Aus der Ferienwohnung rollt mich das alte Fahrrad in knapp zehn Minuten über die untere Rathausbrücke, die Regnitz, zum Marktplatz. Meine Frau freut sich über meine Ablösung. Ihre Pause ist niemals zu lange, dass es mir allzu schwer wird. In regnerisch grauen Zeiten reicht ihre Pause gerade so lange, dass mir Zeit bleibt, den Mantelteil der Süddeutschen Zeitung zu studieren. Der Wirtschaftsteil, die Nachrichten zur wirtschaftlichen Lage verwirren wie ein globaler Krimi meine Gedanken. Mehr oder weniger verkaufte Kerzen zur Weihnachtszeit verbessern das Klima in häuslichem Frieden. Das Klima global, international ist mein Thema nicht.
Friede den Hütten, Kampf den Palästen.
Villa Concordia an der Pegnitz
Doch kommen aus Palästen Menschen zu unseren Hütten, so bedient sie eine kompetente Mannschaft, hilfreich, edel und gut. Mit etwas pathetischem Wortgeklingel lässt steht man einfach besser in Stunden dunkler Näasse und Kälte,
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