22 April 2019

80 Bilder aus Langeais, Baugé, Angers von Schlössern und Kathedralen

Nach einer mit 130 Litern Gas überstandenen Heizperiode pendelt sich Tags die Temperatur im Auto bei 28 Grad Celsius ein. Für die Strapazen von Straßen, von Hitze und Kälte entschädigen mich Mondhelle Nächte, feurige Sonnenaufgänge und immer wieder sehenswerte Schlösser, Burgen, Häuser, Städte und Dörfer. Meine ordinäre Ketzerschrift von Baugé sühnt mein sündiges Sein in der Kathedrale Notre-Dame von Angers zur Ostermesse. Doch das Schloß von Angers mit dem 100-Meter-Wandteppich der Apokalypse bringt mich wieder auf böse Gedanken.


Das Tagesziel Angers ist von Candes-St.-Martin gerade einmal 50 Kilometer entfernt, meint das Navi mit Stephanies Stimme nach Eingaben der Koordinaten. Nach den üblichen Lebensmitteleinkäufen zieht es mich noch in die Kleinstadt Langeais an der Loire, weil mich das dortige Stadtbild mit dem mächtigen Schloß fasziniert. Dass der Weg nicht stimmt, hätte mir mein Blick auf die Karte klar machen können und müssen!


Langeais



Die Einkäufe sind im Kühlschrank verstaut. Langeais lockt mich mit der gewaltigen Schloßkulisse in seine Innenstadt.


Die Brücke über die Loire, die Straßenschilder nach Tours, nichts bringt mich auf die richtige Spur.



Von Sommertagslaune schläfrig geworden, faszinieren mich die Bauten in Langeais, das französische Nationalgefühl wie über der Bürgermeisterei: "LIBERTE EGALITE FRATERNITE". Sind das nicht schöne Träume?


Ein Profi hat eine Wandtafel mit seinem Bild der Loire Brücke geschmückt.


Das wahnsinnig wuchtige Schloß passt zum französischen Nationagefühl.



Dass zu dem Ambiente eine entsprechend prächtige Kirche gehört, versteht sich von selbst.



Von der Höhe wäre die Loire zu überblicken, doch die Erkundung von Langeais ist zu kurz, um dort aufzusteigen.



Also geht es wieder weiter. Bislang hat die Stimme Stephanies in meinem Navi wie meine Stephanie daheim immer recht gehabt, also geht mein Weg gedankenverloren weiter zu den angegebenen Koordinaten. Als diese dann erreicht sind, gibt es dort kein Camp, nicht einmal ein Hinweisschild Angers, dafür war Tours nur noch 15 Kilometer weit entfernt.




Das Navi scheint also wieder kaputt sein, zumindest bei Eingabe der Koordinaten. Bevor das Tomtom-Navi aus dem Schrank und in Betrieb geht, soll das seit 2012 bewährte Garmin-Navi noch eine letzte Chance mit Eingabe von Ort Angers und Straße bekommen. Es berechnet den Weg: 90 Kilometer! Scharf nachgedacht: Scheint also die Eingabe über die Koordinaten defekt? Endlich fällt mir etwas auf: Die Längegerade der Koordinaten waren in WEST, nicht wie sechs Wochen zuvor in OST angegeben!




Dabei hatte zwei Tage zuvor meine Radtour bei Parnay den Längengrad NULL von OST nach WEST und zurück überfahren. Jetzt geht es eben wieder Richtung OST! Mit der Eingabe der richtigen West-Koordinaten geht die Fahrt zügig Richtung Angers. Doch 40 Kilometer vor Angers war gegen 12.00 Mittag meine Reiselust erschöpft. Ein Camping Municipale, die bislang stets gut und preisgünstig waren, nimmt mich in Baugé auf.

Baugé


Vor drei Tagen kämpfte die Heizung morgens gegen frostige Nächte in Civray-de-Touraine. Plötzlich ist der Sommer angebrochen: 21 Grad Celsius bei Sonnenschein heizen den Wagen auf  28 Grad auf, auch wenn alle Klappen und Fenster geöffnet sind.





Dass sich irgendein Mächtiger in Baugé sein Schloß bauen ließ, gehört mittlerweile zu der mir bekannten, französischen Folklore. Passend zum Thema meiner Reisen "Renters Rummelplatz Reisen" bauen sie am Karfreitag noch ihre Fahrgeschäfte auf. Sonntag geht die lärmende Sause los.



Der Weltkriegs-II-Held grüßt mit geschultertem Gewehr von seinem Sockel: "AUX ENFANT DE BAUGÉ" - die armen Kinder!.



In der Mittagsglut liegt die Straße zur Innenstadt wie ausgestorben vor mir.





Langsam und bedächtig treibt es mich heim ins hauslose Mobil.


Das "TRIBUNAL PREMIER INSTANCE" verliert an Strenge, wenn Jahrmarktgeschäft sich vor den Treppen ausbreiten. Irgendwie klingt in mir die Stones Hymne "Sympathy for the Devil" an. So kommt es zu meinem beschämenden ketzerischen Manifest.


Christianismus braucht Märtyrer


https://youtu.be/0i6n1upgWC0
Papst küsst Füße südsudanesischer Führer

„Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.“ Volksweisheit


 Im Gelben Forum verweist mich jemand auf eine weit edlere Version in elaboriertem Sprachcode, doch das ist mein Ding nicht, doch Dank für den schönen Spruch anfangs!

Wie  es zur Geschäfts- und Gestaltungsidee egomanischer Staats- und Wirtschaftsführer gehört, ihre egomanischen Manifestationen bis ins Grenzenlose mit Schlössern, Residenzen, Hochhäusern, Stadien zu steigern, so gehört es zur Geschäfts- und Gestaltungsidee egomanischer Päpste und Priester sich in demütigen Gesten ihrer Gefolgschaft zu versichern. Ein Papst küsste den Boden, der nächste wäscht Füße.

Doch die beste Werbung für den abkackenden Christianismus sind nach wie vor Märtyrer, gibt's die nicht sind zumindest angegriffene und zerstörte Symbole des Christianismus eine Zeitlang fördernd für Zusammenhalt und Geschäft. Nach "Christenverfolgung" fragt bei Bartels-News eine Gabi Röhr und zählt akribisch auf, wie Franzosen ihr "Kulturgut Gotteshaus" mehr und mehr vergeblich schützen.
Kann man noch an Zufall glauben, wenn man weiß, dass Frankreich seit Anfang diesen Jahres unzählige Angriffe auf seine katholische Kirchen erlebt? Allein im Februar waren 47 Angriffe auf Gotteshäuser zu verzeichnen. Verteilt auf das gesamte Land. Brandstiftung, Vandalismus, Entweihung. Und die Behörden wissen nicht warum?

 

Die "Kriminalgeschichte des Christentums" (Karl-Heinz Deschner) bringt es nun mal mit sich, dass christianistische Geschäfts- und Gestaltungsidee die Verfolgung "Ungläubiger" ist. Je mehr Rechtgläubige Ungläubige opfern, umso fester scharen sich die Rechtgläubigen um ihren Führer wie beispielsweise um Ludwig XIV.
Ab 1530 wurde die Glaubensausübung der Protestanten durch den katholischen Klerus und den König stark unterdrückt. Es folgten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kriegerische Auseinandersetzungen, auch als Hugenottenkriege bekannt. Daraufhin begannen noch stärkere Verfolgungen, die unter Ludwig XIV. durch sein Edikt von Fontainebleau ab 1685 einen Höhepunkt erreichten und eine Fluchtwelle von etwa einer Viertelmillion Hugenotten in die protestantisch dominierten Gebiete in Europa und Übersee auslösten.

Kommt da nicht gerade der Brand Notre Dame zur rechten Zeit, am rechten Ort, um die verbliebenen Schäfchen Rechtgläubiger fester um sich zu scharen?


Die stärkst konkurrierende Sekte ist derzeit der Islamismus, wobei der Herr GOTT wie sein PROPHET immer mehr Menschen am Arsch vorbei geht, die einfach nur ihre Ruhe haben wollen von dem HALLELUJAH-AKRARABAKRA-ALLAHU-AKBAR-Gedöns und genug mit ihrem Job, Familie, Partnern und ihren Zwangsabgaben zu tun haben.

Woher nun nehmen die Eliten, die Vorbeter, Popen und Papst, nun in ihrer Sekte des abkackenden Christianismus ihre Kunden? Woher auch immer, jeder ist recht: Der Papst wäscht der muslimischen Konkurrenz die Füße, auch die der einsitzenden Strafgefangenen. Jeder willkommen im Reich des Herrn Papst, als Stellvertreter des Herrn Gotts.



Nicht mehr "gebenedeit unter den Weibern", gleich genagelt im Martyrium im Auftrag der Ehrenwerte Gesellschaft.


Dann gleich noch Gender gerecht gerichtet, das macht Quote im Öffentlich Unrechtlichen!


Ja, ja, "lasset die Kindlein zu mir kommen", den Nachwuchs bei "der Stange halten", war, ist und bleibt immer die höchste Aufgabe der Himmelhochheiligenhallelujah.


Es spricht nichts dagegen, aber auch gar nichts, die schattigen, kühlen, heiligen Hallen der Ehrenwerten Gesellschaft zu nutzen in Stille, in Versenkung abzukühlen von den Tages Mühen, sich durch staubige, lärmende Straßen zu schleppen, von Platz zu Platz in ruheloser Heimatlosigkeit zu wandern, zu sehen und zu verstehen!



Das lausige Leben unter Knute von Klerus und Politik ist ohnehin ein einziges Kreuz mit der Kirche und dem Krösus, da kommt das tröstende Advertising für's Martyrium gerade recht.


Dröhnt dann dann noch um das brave Bäuerlein, um den rastlosen Trucker- und DPS-Fahrer statt des Dieselmotors, um den das mühselige Lehrerlein statt des Kindergekreischs die Orgel im Einklang mit ewigen Gesetzen der Harmonie, im Gleichklang mit der Bahn der Planeten, dann breitet sich Wohlgefühl, geführte Entspannung aus, bis alle Sorgen und Mühen mit den Schwaden des Weihrauchs ins unendliche Stein graue Kirchendach steigen.



Und überhaupt! Eine zündende Idee zur himmlischen Belohnung aller irdischen Mühen muss her, wie bei Buddhisten Erleuchtung, wie bei Islamisten paradiesische Jungfrau'n, wie bei den Christianisten Auferstehung von den Toten, dann lässt sich leicht glauben: "Der Herr ist mein Hirte, und sollte ich wandern im finstern Tal, mir wird nichts mangeln."


Von Predigt, Orgelklang, Weihrauch entrückt in eine bessere Welt öffnet der Gläubige die Auge. Und siehe: Die Sonne scheint durch die Fenster in Multicolor seiner grauen Werktagswelt: Er sieht sich Auferstehen von den Toten.

Und kannst Du schon nicht selbst gebären, Du armes Mönchlein in Deiner Kutte, in Deiner Klosterklause, so kannst Du zumindest predigen, "seiet fruchtbar und mehret Euch, macht Euch die Erde untertan". Beim Iman heißt es dann: "eure Weiber sind eure Äcker und Gärten, geht auf Eure Äcker und Gärten, wann und wie es Euch beliebt, doch vergesst nicht, ihnen die Morgengabe zu geben, denn die steht ihnen zu." Amen, Hallelujah, Inch'Allah, Shalom und Ooooommmm.

Mit dieser österlicher Andacht schließt der Chronist seine besinnlichen Zeilen in Baugé-en-Anjou, einem himmlischen Plätzchen mit bester Wifi-Anbindung und diesen wunderbaren Bildern, Zeichen und Inspiration aus ....


.... die selbst den eingeschworenen, heidnischen Chronisten noch teilhaftig sein lassen an der "Krimalgeschichte des Christentums".

Kriminalgeschichte des Christentums ist das zehnbändige Hauptwerk des Schriftstellers und Kirchenkritikers Karlheinz Deschner. Es beschreibt detailliert Verfehlungen, die den verschiedenen christlichen Kirchen, Konfessionen, Sekten, Sonderbünden und ihren Repräsentanten sowie christlichen Herrschern im Verlauf der Geschichte des Christentums angelastet werden. Das Werk umfasst die Kirchengeschichte von ihren biblischen Ursprüngen bis ins 18. Jahrhundert. Der erste Band ist 1986 erschienen, der abschließende zehnte im Jahr 2013.

Doch genug meiner ketzerischen Klage gegen die kostbare Kirche. Fühlen wir mit den Betroffenen und stimmen ein...
Paris has taken a blow to its heart


Schließlich stimmt mich das ruhige Baugé friedvoller. Von den Marktkaufleute gab es einen geräucherten Fisch à provencale, ein Baguette in der Boulangerie, für Kaiser Napoleon III ein Mahnmal zentral.


In glücklicher Zufriedenheit erscheint mir meine Plastikdose wie ein Schloß. Das Camp in Baugé liefert zu der Fantasie den Schloßgraben. Statt fürstlich auf einem Pferd reitet der Chronist auf dem guten Ledersattel seines Stahlrosses.



Blumen blühen. Vögel zwitschern. Sonne scheint. Frösche quaken. Zeit, Frieden mit sich und anderen zu machen. Ostern naht.



Angers


Ostersonntag überrascht mich Angers mit einem besonderen Erlebnis: In der Ostermesse der Kathedrale wirken alle diese seit Jahrhunderten eingespielten rituellen Kräfte von feierlicher Hochstimmung auf mich wie auf allen anderen. Selbst ein ungläubiger Ketzer kann sich dem Zauber nicht entziehen. Doch erst muss die Strecke von 40 Kilometern von Baugé nach Angers geschafft sein, der Wagen am komfortablen Camp Lac de La Maine aufgestellt und eingerichtet sein, Strom, SAT-Antenne müssen arbeiten, dann die Prozedur der WiFi-Anmeldung, das dauert länger als eine Teepause.



Der heiße Tag klingt mit einem kühlenden Bad im Pool des Camps aus, bevor es mit dem Fahrrad zu ersten Erkundigungen geht.


Es neigt sich der Tag. Viel Volk strebt heim von Park und See, dem Lac de Maine, in dem sich schon Badende tumemeln.



Die Altstadt mit Burgschloß und Kathedrale von Angers liegt sechs Kilometer vom Camp entfernt. Die Stadt kann bis Ostersonntag auf mich warten.




Der Russia Today FRANCE bringt in Dauerschleife die Randale, die schweren Kämpfe der Gelbwesten mit der Polizei. Diesen Samstag ist die dreiundzwanzigste Woche des Volksaufstands, daher der Name "ACTE XXIII".

Ostersonntag in Angers

 


Trotz dummer Fernsehunterhaltung bis Mitternacht zieht es mich mit Sonnenaufgang aus den Federn, nach Skype daheim mit dem Frühstück geht am Lac de Maine in die schöne, alte Stadt.



Eine Kleinigkeit nur am Wegrand und doch ein Blickfang: Die Uhr auf dem Eisengestell mit dem Kreuz an der Spitze.


 Die Morgensonne strahlt den Yachthafen an, rechts führt die alte Brücke über den Fluß.

Am anderen Ufer der Maine steht gleichsam als trutziger Klotz die Schloßburg dem Wanderer im Weg.

Auch im Sonnenschein mit davor kunstvoll gekringelten Rasenanlagen macht das Gemäuer auf mich einen abweisenden Eindruck.


An einem solch zentralen Punkt wie der Schloßburg findet der Tourist sein Baguette und das Tourist Office. Die Torte Citron für 17,10 Euro würde ohnehin nicht in meinen Rucksack passen, einen Stadtplan gibt es gratis gebenüber im Office.


Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch sie freuen mich: Dem Stamm des Baumes bleibt Platz, weil das Dach um ihn herum gespannt ist.




Ohne Fahrrad geht es durch die stille Innenstadt. Im Jardin du Musée-des-Beaux-Arts ist es noch stiller. Ein altes Paar sonnt sich auf der Bank, Vögel zwitschern.


Der Herr fotografiert die hohle Maske von hinten, die in Zentimeter dickes Eisen gegossen ist.



Wie magisch zieht es mich in die Kathedrale. Dass mich die Ostersonntagfeier dort für die nächsten zwei Stunden festhählt, war nicht absehbar.


Englisch zu lesen, fällt mir leichter als Französisch. Die Wandteppiche hängen noch nicht im Raum.




Es ist 10.30 Uhr. Noch unterhält die einlaufenden Besucher Chorgesang. Ein Herr in weißem Gewand, wie später sieben mit ihm, entzündet die Kerzen auf und vor dem Altar. Das Begleitblatt ist Programm und Textheft zugleich.

PAROISSE CATHÉDALE SAINT-MAURICE-NOTRE-DAME
21 avril 2019 - 11 h
DIMANCHE DE PAQUES



In Großbuchstaben und Fettschrift. Die Orgel setzt ein, ein mächtiges Instrument. Gewaltige Klänge dröhnen im Raum.




Das Begleitblatt weist aus und an, was los ist - wieder in Fettschrift:


CHANT D'ENTRÉE - Chrétiens chantons le Dieu vainqueurChrétines, chantons lie Dieu vainqueur, fetons la Paque du Seigneur.
Acclamons-le d'un meme coeur, Alléluia. !Alléluia ! !Alléluia ! !Alléluia !

Die "Alléluia" in Fettschrift sollen alle mitsingen. Ein junger Mann neben mir mit seiner schönen Frau im flauschigen Wollejäckchen ist Profi. Er kennt die Texte, singt, steht auf, kniet, sitzt - ganz wie der Ritus es fordert. Zwischendurch Bimmelbammel, Weihrauchschwaden, eine perfekt eingespielte Choreografie. Profis eben. Die wechselnden Bühnenvorträge von verschiedenen Stehpulten halten Männer wie Frauen. Der Wechsel von Stimmen wirkt belebend. Zwischendurch wechselt der Frontmann seine Kopfbedeckung, die sich Mitra nennt und den Bischof auszeichnet.



Abschließend reicht man einander die Hände. Manche, wohl die Meisten, stellen sich an, um eine Oblate zu erhalten. Mehrere Männer geben die Kostbarkeit aus und arbeiten zügig die Schlangen der Wartenden ab. Einige lassen sich die ein Euro große dünne, weiße Scheibe in den Mund legen, andere nehmen sie in der Hand entgegen. Alle sehen danach ergriffen und beglückt aus. Der Herr mit Mitra geht durch die Reihen, in einer Hand den Krummstab, die andere Hand mit Segenszeichen.





In erstaunlicher Geschwindigkeit leert sich die zuvor gut gefüllte Halle. Das gibt mir die Gelegenheit, die Seitenschiffe zu sehen.




 Anfangs, als Chorgesang die einlaufenden Menschen begrüßte, hat es über eine halbe Stunde gedauert, bis alle Platz gefunden hatten. Am Ende sind in fünf Minuten alle verschwunden, als sei plötzlich der Spuk vorbei. Aber schön war es schon.




Eine voll besetzte, bespielte Halle erhöht den ohnehin schon großen Eindruck. Faszinierend wie fehlerfrei und aufeinander eingespielt sich die Kuttenträger auf der Bühne bewegten und die versammelten Menschen mit anregenden Gesängen, Ansprachen sowie Bewegungen zwischen Sitzen, Stehen und Knieen im Griff hatten. Nur wirklich kleine Kinder, denen der Ernst der Lage nicht klar war, quäkten ab und an dazwischen



Während Blutbäder in österlichen Gottesdiensten mit einer Vielzahl von Opfern in Sri Lanka schon mit der nächsten Schreckensmeldung überholt und vergessen sind, erinnert eine Tafel an Guillaume Repin. Deutsche Wiki kennt ihn nicht, das französiche Wiki schon.

Guillaume Repin (Répin dans "le Célestin Port") est un bienheureux français, né à Thouarcé le 26 août 17091 et guillotiné à Angers le 2 janvier 1794. Il est le doyen des 99 martyrs d'Angers.

Doch zurück von Matryrium vor Zeiten in Angers, derzeit in Sri Lanka zur sonnigen Altstadt von Angers.




Matt und müde geht der Weg am Lac de Maine mit Umwegen heim zum Auto. Auf einem Hügel mit Blick über den Fluß liegen Luxusvillen.


Vermutlich wohnen dort die Sorte Typen, welche die Einsätze gegen die Gelbwesten-Randalieren verantworten, vielleicht auch Personal, das auf den Bühnen von Politik, Kunst und Theater den Ton angibt.




Gelbwesten hausen eher in Plattenbauten, wobei diese Wohnanlage noch einen sehr gepflegten Eindruck macht.

Das Schloß von Angers





 Wer seine Haustür mit Schloßgraben, einer Zugbrücke und dicken Eichenbohlen sichert, war der Herrscher der Stadt. Heute herrschen dort Besucher, die für neun Euro das Reservat uralter Macht besichtigen dürfen.



Da die schwer ummauerte Hütte erst ab 10.00 Uhr aufmacht, bleibt dem durch das Land, Schlösser, Städte und Burgen streichenden Chronisten Zeit für sein zweites Frühstück mit einem Roquefort-Baguette und dem Frühstücksei. Salz ist immer dabei.




Immer wieder wichtig sind mir erhöhte Punkte, um mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen.



Auch die Besucher der Burg wollen vom Plan zuvor wissen, was sie erwartet.



Wer wartet, bis die Burgbediensteten die schwere Eichentür öffnen, bekommt einen leichten und komfortablen Zugang zu den Schloßgemächer, dem Schloßpark und zum apokalyptischen Wandteppich.


Wer nur in den Schloßgraben wollte, muss schon erschwerte Hindernisse überwinden. Von dort unten auf die bis zu 40 Meter hohen Burgmauern zu kommen, ist nahezu unmöglich.



Da mir gleich mit den Ersten der Zugang zu Kasse, Park und Schloß gelingt, erfreut mich noch eine vornehme Ruhe und Einsamkeit, wie man sich das im Schloß doch wohl wünschen kann.




Dass diese Schloßkapelle auch schon mal als Gefängnis diente, wie die ganze Anlage auch - neben ihrer Funktion als Kaserne, zeigt, wie vielfältig sich Bauten nutzen lassen.



Dass sich dann aber gleich 500 gefangene, englische Matrosen hier haben einpferchen lassen müssen, dürfte die Andacht Einzelner erschwert haben.



Dass solche Zahlen nicht meiner Fantasie entspringen, beweist die Tafel in der Kapelle.



Macht und ihr Erhalt war zumeist ein blutiges Geschäft. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn Blut mittlerweile mehr auf Straßen als vor Burgmauern fließt.


Nun ist es höchst unfair, politisch unkorrekt, das Auftreten eines verwirrten, schwarzen Mannes aus Gambia so in den Vordergrund zu stellen. Aber Kirchenbesucher haben wohl schwache Nerven und geraten schneller in Panik, als Kämpfer auf Burgmauern. Wie die große Wandelhalle mit den Wandteppichen der Apokalypse zeigt, gehören periodisch wiederkehrende massenpsychotische Metzeleien überall und zu allen Zeiten zur menschlichen Natur.



Nun hat es mich am Ostermontag nun mal gerade zufällig vor den apokalyptischen Wandteppiche verschlagen, wo sich tatsächlich eine Horror-Picture-Show vom Feinsten wohlig schaudernd genießen lässt.



Feuer fällt vom Himmel, Fluten verschlingen ganze Firmen, mehrköpfige Drachen speien Gift und Galle wie Fakenews-Fantasten bei Facebook und in bösen Blogs, die Hure kämmt eitel ihr Haar, Babylon crasht total wie die Wallstreet 1929, mich überkommt ein rechtes Grauen in der dämmrigen Halle. Einen Tag zuvor hat die Ostermesse meine Abwehrkräfte gegen das BÖSE gestärkt, doch der Wandteppich weckt wieder alle bösen Geister in mir.



Die Figur mit Flügeln trötet wie der Trompeter bei Münchener Pegida-Demos unverdrossen ins Horn und siehe da, die Bösen ersaufen, verbrennen, derweil der Gute mit Heiligenschein schmunzelnd die Strafe der Gerechten genießt.



Geflügelte Heerscharen machen mit Spitz und Speer dem windenden Gewürm den Garaus. Hat es nicht so mancher Kanzelprediger von seiner Bütt aus wieder und wieder in die dumm stumme Gemeinde geschrieen?



Psychisch labile Menschen, die beim Wohlklang der Orgel einen Orgasmus verspüren, kreischende Mädchen, die beim Auftritt der Rolling Stones einnässen, gleichgeschaltete Massen, die beim Führer-Fortissimo verzückte Lustschreie ausstießen, alle diese anfälligen Kreaturen dürfen nicht zu lange sich in die Wandteppiche vertiefen, sie könnten Schaden erleiden.





Wo soll das hinführen, wenn verwirrte Geister DAS BIEST anbeten, statt auf Merkel, GEZ-Nachrichten, System konforme Künstler, Politiker, Prediger und Publizisten zu hören?



Erst brennt ein Smart, dann zwei, dann drei - und schon ist die Werbekampagne der AfD vorbei.




Schon vor Hunderten Jahren zeigte die apokalyptische Prophetie, wie das World Trade Center zusammenfiel, wie Kartenhäuser zusammenstürzen, wo zuvor Frechlinge dreist CO2 verprassten.




Greta schickt der Himmel! Merkel, Papst, Prediger und Prantl verbünden sich mit der Revolte der Jungen, eine Jugendrevolte mit saturierten Alten! Wo gab's denn das je zuvor?


Greta, die Gesegnete, erscheint wie der Engel, welche warnend auf ihre eitlen, putzsüchtigen Schwestern weist, welche sich für den nächsten, reichen, alten Knacker prostituieren, um sich sündig mit CO2-Schweinen zu suhlen!





Es ist absehbar, wann das sündige Suhlen der CO2-Schweine zu Chaos, Krieg mit Pest und Cholera führt. Deutlich sieht man in verblassenden Farben des Jahrhunderte alten Teppichs, wie Dämonen die Hure Babylon einreißen.



Doch wo die Not am Größten, ist Rettung am nächsten. Das Neue Jerusalem, auferstanden aus Ruinen, wie der scheintote Jesus auferstanden von den Toten, verspricht das Goldene Zeitalter - endlich und wieder mal. Schon mancher mag nach Horrorfilmen von Alien in Alpträumen gepeinigt worden sein, ob es den Besuchern und mitfühlenden Betrachtern dieses apokalyptischen Teppichs besser geht?


Zum Glück tritt man nach dem apokalyptischen Alptraum hinaus in die sonnige Ordnung des Schloßgartens, sortiert sich und seine Gedanken neu. Und siehe: Alles war wohlgetan und gut geraten. Alléluja!




Schön wohlgeordnet liegt Angers vor dem Auge des Betrachters, die Kathedrale, das Office de Tourisme, die Touristenbahn, alles an seinem Platz. Selbst das Fahrrad des Chronisten hängt an seiner Kette.


An einem goldig glänzenden Brunnen mit drehenden Wasserfontänen geht es durch die Auenlandschaft des Lac de Maine heim ins Auto. Die nächste Etappe steht morgen bevor. Es geht jetzt langsam Richtung Deutschland zurück.


Was mir auf Reisen nicht gefällt, sind geplante Termine. Doch am 3. Mai treffen sich Fahrer dieser Wohnmobile-Marke TIKRO des Aufbauers Seitz zum zehnten Jahrestreffen in Xanten - mehr als 1000 Kilometer weiter. Es geht...




Fehler, Nachbesserungen und Korrekturen - wenn überhaupt - später,  denn Internet ist mal wieder schlapp.