03 April 2019

In Orléans vom Engel ohne Schuh, dem Mann ohne Kopf und der Angst vor'm Schwarzen Mann

Zu meinem eigenen Erstaunen reisen jetzt die Gedanken von der Politik auch zur Esoterik. Das könnte jedem passieren, der sich dem Einfluß Jahrhunderte alter Kathedralen ergibt. In Oréans wird mit Jeanne d'Arc die Geschichte lebendig, die uralte Gebäude in die Gegenwart bringen. Oder sollten mich die politisch ewig gleichen Kämpfe seit Menschengedenken mittlerweile langweilen?





Für Menschen mit schwachen Nerven bringen Reisen oft unerträgliche Strapazen mit sich. Aus dem Millionenmoloch Paris rauszufahren, gehört zu solchen Strapazen. Bis mein 3,5-Tonner sich vom Camp Jointville am östlichen Rand von Paris über verschiedene Autobahnringe und Zubringer auf die Nationalstraße Nummer 20 in Richtung Süden im zähflüssigen Verkehr durchgekämpft hat, vergeht mehr als eine Stunde - für etwa 30 Kilometer.


Die restlichen 100 Kilometer bis Orleans fährt man dann wieder, zuvor stand man mehr. Doch so undiszipliniert und gefährlich wie im marokannischen Rabat war die Reise dann auch wieder nicht.

Wichtig sind Lebensmittel, vor allem Getränke. Ein Carrefour am Weg mit Hallen groß wie zwei Fußballfelder mit Parkplätzen wie fünf Fußballfelder versperrt die Zufahrt für Fahrzeuge höher als 2,10 Meter. Bei KfC, was für Kentucky fried Chicken steht, findet meine mehr als drei Meter hohe Wohnkiste dann doch einen Platz, etwa fünf Minuten Fußweg zum Carrefour. Mit den Einkaufwagen, welche auf großen Gummirädern leicht rollen, deckt sich der Reisende für die nächsten Tage ein: Zwölf Liter Mineralwasser und 12 Dosen alkoholfreies Bier, Möhren, Baguette, Käse. Als Delikatesse verwöhnt den Gaumen ein Glas Artischockenherzen. Mit der Beute geht es weiter. Diesel gab es auch vergleichsweise preiswert für 1,44 Euro pro Liter, wobei andere Zapfstellen schon mal 12 Cents mehr und noch mehr verlangen für den Liter.




Am Ziel: Der Stellplatz liegt etwa sieben Kilometer flußabwärts der Loire vor Orleans in La Chapelle-Saint-Mesmin. Statt mit 90 Euro für drei Tage wie in Paris bescheidet sich der Platz mit 13 Euro für drei Tage, liefert Strom und WiFi frei Haus.



Dafür bevölkern den kleinen Platz unter Platanen bis zum Abend gleich 13 Wohnmobile, wobei nur drei Plätze Touristen aus England, Holland und Deutschland nutzen. Die anderen scheinen überwiegend französische Rentner zu sein wie mein Nachbar, der mich bittet, ihm ein Baguette mitzubringen.



Deutsche Sprache, schwere Sprache: "Wenn Sie haben Sie Identifizier, folgen der nachstehenden Verbindung..." Dann steht die Verbindung stark für Skype mit der Liebsten daheim und meinen Recherchen, YouTube-Filmen und dem Livestream von ARD und DLF. In Paris hatte sich am Abend die Sonne noch blutrot verabschiedet,....


....gegen 13.30 Uhr heizt sie dann am neuen Platz in La-Chapelle-Saint-Mesmin den Wagen auf 28 Grad.


Mit New Orleans, wo es mich als Redakteur auf Geschäftsreise verschlagen hatte, wo wir im Mississipi-Schaufelraddampfer zu den Klängen einer munteren Blaskapelle uns vergnügten, hat der breite, flache Strom der Loire in Old Orléans wenig gemeinsam, auf dem sich allenfalls Kajakfahrer vergnügen.




Wenn das Fahrzeug erstmal wieder zur Wohnung umgebaut wurde, die vorderen Sitze in den Wohnraum gedreht worden sind, die Scheiben von Innen mit  Sonnen- und Kälteschutz verhängt sind, geht meine Reise auf dem Drahtesel weiter. Die Kapelle in Saint-Mesmin bespielt gerade eine Beerdigungsgesellschaft. Mein steiniger Radweg führt mich an dem ruhig fließenden Strom in Richtung Centre Ville Orleans.


Da mein Platz in Saint-Mesmin wie die Altstadt von Orleans auf der Nordseite des Flusses liegt, bleibt mir der Weg über die verkehrsreiche Autobrücke erspart. Dafür lassen sich Reiher, Enten und Schwäne in ihrer Heimat auf dem Wasser und den Inseln im Fluß beobachten.


Bei der Ankunft an dieser Brücke vermutet der erfahrene Reisende, dass der Weg zur Altstadt Orleans nicht mehr weit ist, zudem sich die obligatorische Schar von Kopftuchmüttern auf den Bänken mitsamt ihrer Brut ausbreitet, aufgelockert von Pärchen aus Schwarzafrika, deren Arbeitskraft die französische Produktion, Infrastruktur und Verwaltung in Fabriken, im Verkauf, in der Stadtreinigung, im Straßenbau bis hin zur Verwaltung und in den Medien aufrecht halten.


Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? oder Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann? ist ein Laufspiel für mehrere Spieler, das sich besonders im Sportunterricht in Grundschulen sowie bei Jugendlagern einiger Beliebtheit erfreut.
Hier spannt Wiki einen ganz bösen Bogen auf, der dringend zeitgemäß auf political correctness zu korrigieren ist.

Der Liederforscher Franz Magnus Böhme beschrieb hingegen 1897, dass der Begriff auf den „Schwarzen Tod“ (die Pest um 1348) zurückzuführen sei. Das würde auch das Spielprinzip folgerichtig erklären: Jeder, der von der Pest befallen wird (im Spiel: angetippt wird), ist selber Träger des „Schwarzen Todes“ und gehört zum Heer des „Schwarzen Mannes“, das die Seuche ausbreitet.
Der Leser sollte den Autor nicht rassistischer Entgleisungen zeihen, er sollte dafür kämpfen, dass neben Ampelweibchen Straßenschilder auch Neger ehren und darstellen sollten. Dafür gehört der böse, weiße, alte Männer auf den Schrott!
Der Stellplatz liefert Internet-Daten mir in Hochgeschwindigkeit. Das erleichert mir die Recherche, die sich wieder einmal um den Schwarzen Mann dreht - daheim im lauschigen Schwabing!



Der preis-prämierte Premium-Pinscher Pirincci verkauft in seiner Provo-Prosa gar die These, dass in solchen dem Oberbayerischen Volksblatt noch weitgehend fremden Verhaltensweisen maximal Pigmentierter ein Muster zu erkennen sei, welches dem Welthit "Kingkong und die weiße Frau" Jahrzehnte lang Millionen Zuschauer verdankt.




Selbstverständlich sollte, wird und muss der halbwegs gebildete Mitteleuropäer und besonders der gut sozialisierte Deutsche solche abstrusen Assoziationen auf's Schärfste zurückweisen und sie der Phantasie-Welt des Dichters zuweisen, der eher von sich selbst, also von "Pirincci und der weißen Frau" deliriert als von wertvollen - wenn auch zugegebenermaßen schwer als Arbeitskräfte sozialisierbaren  Schwarzafrikaner.





Gerade haben mir drei Tage in Paris klar gemacht, dass eine alternde Volkswirtschaft mit überhöhten Ansprüchen von Arbeitnehmern, die am Samstag Nachmittag in Gelbwesten den Ordnungskräften das Wochenende versauen, dass eine solche Gesellschaft nicht auf das wertvolle Potential kräftiger, junger Arbeitskräfte auch aus Schwarzafrika verzichten kann. Und so sieht man sie all überall, die edlen, wilden Burschen aus dem Herzen Afrikas - manchmal sogar Weibliche!


Zur Altstadt Orléans


Zum eindrucksvollen Brückenbau aus alten Zeiten mit alten Steinen wäre noch anzumerken, dass schon auf dem Weg von Paris auf der Nationalstraße No. 20 verschiedene Wegweiser Schlösser und Kirchen aus vergangenen Jahrhunderten anzeigten. Doch den alten Steinen wie übrigens auch jungen Weibchen am Wege zu huldigen, fehlen mir Kraft, Energie und Lust. Mir reicht der Weg zum Ziel und zur Mittagsruhe.



Nachdem der steinige Radweg an der Loire für die letzten zwei Kilometer in eine komfortablere Asphaltbahn überging, empfängt mich an der ersten Ampelkreuzung dieser Platz. Gegenüber den Plätzen und Straßen in Paris herrscht geradezu eine paradiesische Ruhe und Stille. Dabei hat Orléans lt. Wiki und Eintrag von 2016 die stattliche Anzahl von 114.782 Einwohnern. Doch die tummeln sich nur zum geringsten Teil in der Altstadt, weil in irgendeiner weiteren Umgebung auf dem flachen Land sicher wieder eines dieser monströsen Einkaufszentren liegt, wo der Bär brummt, der Rubel rollt und selbst der Treibstoff für bessere Preise zu kriegen ist.




Nachdem mich nach kurzer Anfahrt mein Fahrrad in die Fußgängerzone gebracht hat, das Drahtroß an den dazu im Boden verankerten Eisenbügelkonstruktionen angekettet ist, lässt sich auch der Bäcker, hier Boulangerie genannt, für den Erwerb von zwei Baguette finden, diese im Rucksack verstauen und weiter das sonnige Städtchen erforschen.


Das Stadtbild weckt auch wieder meine Lust auf alte Steine, welche Baumeister wie Steinmetze zu gar wundersamen Gebilden und Gebäude zu formen verstanden.



Um der bei ausreichender Nahrungszufuhr stets anwachsenden Zahl von Menschen gerecht zu werden, die nicht mehr mit Eseln, Pferden, mit Holzkarren oder in Kutschen aus der Umgebung zur christlichen Verrichtung ihrer Sonntags verpflichtenden Heilssorge pilgerten, haben findige Geister in späteren Jahrhunderten Eisenschienen im Boden verankert, auf dem sich mittlerweile hochmoderne, leise rauschende und laut klingelnde Schienenfahrzeuge an den erschreckten Wanderer heranschleichen, um die Menschenmassen, wie man am Bahnsteig sieht, in die und aus der Stadt zu bringen. Uff, das war ein langer Satz.




Nachdem das Triebfahrzeug die Massen aufgenommen und abgefahren hat, verstellt nichts mehr den Blick auf die wunderbare Kathedrale, zu deren Daten und Fakten uns Wiki mehr erzählen wird.

Die Kathedrale Sainte-Croix d’Orléans ist das religiöse Zentrum des Bistums Orléans. Sie ist im nachgotischen Stil gebaut und dem Heiligen Kreuz geweiht. Der Grundstein zu dem heutigen Bauwerk wurde am 18. April 1601 gelegt, die Einweihung fand am 8. Mai 1829 statt. 1854 erhielt die Kirche von Papst Pius IX. den Titel einer päpstlichen Basilica minor, 1862 wurde sie als Monument historique eingetragen.


Wiki weiß ja fast immer alles, speichert mit Sicherheit mehr als mein Hirnkasten aufzunehmen, zu ordnen und zu behalten vermag, Wiki weiß auch, dass die Kathedrale Saint-Croix d'Orléans und die Brücke Georg V heisst. Der Vollständigkeit halber fehlt mir nur noch die Angabe des Gewichts von Brücke wie Kathedrale und die Anzahl der verbauten Steine, ebenso fehlt mir die Zahl von Handwerkern, Steinmetzen und weiteren Experten, die ihre Arbeit davon abhielt, ihre Zeit noch blödsinniger zu vertrödeln als mit dem Bau von zeitlosen und nützlichen Werken wie von Brücken, Schlössern und Kathedralen. 



Sollte sich ein Betrachter dieser kunstvoll komponierten Lichtbilder erdreisten, in Eile darüber hinweg zu huschen, so sei angemahnt, die in kunstvollem Bogen vor der Kathedrale verlaufenden Schienen näher zu begutachten. Wie sich hier harmonisch Autos, die in Frankreich selten länger als vier Meter fünfzig und selten schwerer als eine Tonne sind, mit einem Triebfahrzeug und Fußgängern wie Radfahrern den Platz teilen, scheint mir geradezu vorbildlich. Auf der Route National No. 20, wo sich strikt die Verkehrsteilnehmer an das Limit von 90 km/h halten, was gefühlt alle paar Kilometer ein Schild "RAPPEL" anmahnt, überholte mich auch nur einmal ein giftgrüner Porsche, obgleich schon meine Uhr auf etwa mehr als 90 km/h stand. Mein Garmin-Navi gibt digital und unerbittlich Werte aus wie 93 km/h und lässt sich bei solchem Verstoß gegen die Vorschrift nicht sein periodisch auftretendes Piepen abgewöhnen.




Wie der Konsument meiner womöglich kurzweiligen, sicher aber kurzlebigen Werke vermutet, dem Blick auf das Gebäude folgt nun der Blick in das Gebäude, welches selbst den spöttischsten Satiriker zu einem Moment der Stille und Andacht zwingt, sofern er nicht gänzlich verwildert und in panisch psychotischer Massenattacke aufgeheizt in revolutionärem Furor Stein und Mobilar zerschlägt, um aus Rache für die Fron an Steuern, Abgaben und Zwangsarbeit das zu zerstören, was ihm zuvor Pfaffen und Fürsten zu erschaffen zwangen.


 Vom Mann ohne Kopf und Engeln ohne Schuh



Hier sei dankenswerterweise noch einmal zu Notre Dame in Paris zurück geblendet zu diesen Gestalten, weil ein wacher Geist aus dem Gelben Forum mir auf die Sprünge half, da mir der Herr mit Kopf in den Händen so gänzlich fremd vorkam. Dem Verständigen jedoch nicht, der den Sinn des Rätsel löst:



Hier sieht der Mann vollkommen anders als mir dies bislang von Brecht so sinnig in Verslein gesetzt eingängig war, der in der Frau mit Flügeln auch nur wieder das sah, was Schimpf und Schand #metoo heute so verwerflich und gänzlich unschicklich auszuklammern gebietet. Brecht also meinte nicht nur in freiem Zitat, er machte es auch so:
Wenn Du Deinen Engel an die Hauswand drückst,
achte drauf, dass Du ihm nicht die Flügel knickst.
 Den Foristen nemo vom Gelben Forum bringen Engel ohne Schuh' auf ganz andere Gedanken:
Objektive Kunst ist eine esoterische Form der Darstellung von Wissen, das eine reale Bedeutung besitzt. Ein Engel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Flügel zeigen, dass er ein Bote ist, der aus dem Himmel kommt. Er ist oft barfuß, weil er nicht von dieser Welt ist. Er zeigt den Weg zum Geist.
Ein Mann mit seinem Kopf unterm Arm wirbt als Attraktion auf dem Oktoberfest zur Fahrt in der Geisterbahn. Doch 
der Mann, der seinen Kopf vor dem Herzen trägt, steht symbolisch für die Demut vor Gott dem Allgeist. Er hat den weltlichen Weg verlassen und wird nun vom Herzen geleitet, nicht mehr von der Hochmut des Verstandes.
Leider verteilt dieser Herr Gott seinen Allgeist zumeist in homeopathischen Dosen. Wer aber mehr abkriegt, dem fehlt meist das Herz in einem Ausmaß, dass solche Typen von Gier und Gewalt überwältigt, das soziale Gefüge und Netz bis zum Reißen überspannen. Franzosen hassen das. Bis schlußendlich ein revolutionär verhetzter Pöbel das gekrönte Haupt abschlägt. Nicht allerdings in Deutschland, da ist Revolution verboten.

Sollen die Steinmetze mit ihrer Arbeit an Notre Dame auf  wichtigere Wege und Werte verweisen wollen, die eine deutsche Steuerkartoffel in der Hölle des dreißigjährigen Krieges 1914 bis 1945 und in den Nöten der Nachkriegszeit nicht versteht? Arbeiter, Autobauer, Handwerker, Künstler, Kleriker und Presstituierte leben und streben ja fast nur danach, reiche Ernte einzufahren - ganz nach dem Motto:
Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln?




 Sollen die Steinmetze jedoch mit ihrer Arbeit an Notre Dame auf  wichtigere Wege und Werte verweisen wollen, die das Leben, Streben, Sterben, das Sein und Sinnen bestimmten?




Oder wollen Popen, Fürsten, Steuereintreiber und Sklavenantreiber das strunzdumme Volk zu asketischer Meditation in religiotisch rigider Versenkung verführen, auf dass dem Ziegenbockfüßigen Lohnabhängigen Antennen gleich Hörnern wachsen, das All-und-Alles zu sehen und zu verstehen? Sollte am Ende auch dieser prekären Gestalt am Bettelrand ein Engel ohne Schuhe entzückt und beglückt - wie dem Mann ohne Kopf  - sich bewundernd zuwenden? Oder war das doch alles wieder ganz anders, wie nemo mir eine Mail später über Wiki ausrichten lässt?


Von Anagoria - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30080553

Die Wiki-Story erzählt weit weniger esoterisch Erhabenes über den Kopfträger:
Dionysius von Paris (französisch Denis, Denys, portugiesisch Dinis) war Missionar in Gallien, erster Bischof von Paris und Märtyrer. Er wird in der katholischen und anglikanischen Kirche als Heiliger verehrt und ist einer der vierzehn Nothelfer. Darüber hinaus gehört er zur Gruppe der Cephalophoren („Kopfträger“).

Dann geht es aber weiter mit der wundersamen Geschichte von Cephalophoren, wie es sich für einen echten Heiligen gehört! Der Cephalophore erschüttert selbst ausgemachte Atheisten, Skeptiker, Satiriker, ja selbst Zyniker in den Grundfesten ihres Herzens. Das macht er so:
Dionysius habe auf dem Richtplatz am Montmartre sein abgeschlagenes Haupt aufgenommen, es in einer nahegelegenen Quelle gewaschen und sei mit seinem Haupt in den Händen sechs Kilometer Richtung Norden gegangen, bis zu der Stelle, wo er begraben werden wollte.
In der Wiki-Liste der Cephalophoren fehlt mir der Pirat Störtebeker, der ja nun aber auch kein christlicher Märtyrer war.
 Der Legende nach soll Kersten Miles, der Bürgermeister von Hamburg, versprochen haben, allen Männern das Leben zu schenken, an denen er nach seiner Enthauptung vorbeiginge. An elf Männern schritt der Geköpfte vorbei, bevor ihm der Henker den Richtblock vor die Füße warf (bzw. ihm laut einer anderen Version ein Bein stellte).

Teufel aber auch! Meine Besuche an den klerikalen Kultstätten bleiben besser bei geflügelten Engeln in leichten Gewändern ohne Schuh.




Fürwahr! Der Geist knapp bekleideter Engel schwebe über den Wolken und schütze die Krone, Merkel, Macron und Kardinal Marx und bewahre uns vor dem schwefligen Gestank der Gelbwesten, dem revolutionären Furor, die nichts wissen wollen und können von der Allmacht und Gewalt ordnenden Kräfte im Universum, die in Stein, Weihrauch und Orgelklang vom Himmel kommt und dahin geht, auferstanden im Fleische Christi.

Doch dann gibt in einer dritten Mail der Forist nemo meinen Gedanken wieder eine besinnlichere Richtung.


Dem sei, wie es ist. Es nützt ja nicht, das einmal, zweimal und wieder zu lesen. Entweder erfährt das der Mensch oder eben nicht. Mir sind die Verfasser solcher esoterischen Ergüsse noch mehr suspekt als die Verfasser politischer Manifeste. Bei letzteren weiß man zumindest für wen und gegen wen sie sich aufbretzeln. Esoteriker wähnen sich zumeist sitzend zu Rechten Gottes. Und wer meint, dass es keine Macht über ihm gäbe, der muss allein leben. Denn mit einer Frau daheim, wird jeder Mann wissen, welche Macht über ihm waltet.

Mich zieht wenig zu Esoterikern, noch weniger zu Politikern, es reicht mir, Geschichten zu verzapfen.


Hallelujah Jeanne d'Arc - Amen und aus

  Genug der frommen und auch ketzerischen Gedanken!




So lasset uns singen....

Vom Himmel hoch, da komm ich her.
Ich bring' euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich sing und sagen will.…


Und im Herzen der Hochheiligen Halle bezwingt die Nationalheldin Jeanne d'Arc den allbösen Feind.





Und mit eingezogenem Schwanz verdrückt sich die geprügelte Köterrasse in den Gassen der Altstadt und gießt sich Weingeist auf die Lampe, bis es ihr schwarz wird vor Augen.



Geschlagen ziehen geschundene Gelbwesten mit vom Gas tränenden Augen in ihre heimischen Hütten und häuslichen Zellen, wo kein duftendes Goldwestchen offenen Herzens mit geöffneten Lippen sie erwartet, kniefällig hingewandt wie zum Heiligen ohne Kopf.

Meine Nutzgartengärtnerin daheim hat unzählige Schalen Kresse zum Verkauf vorbereitet, fährt fröhlich heim, duscht, speist und vermeldet per Skype ihre frohe Kunde, nicht mitfahren zu müssen auf stressig staubigen Straßen in Frankreichs frischen Frühling. Auch mich gelüstet es, gänzlich zum Einsiedler zu werden - mit Internetanschluß, versteht sich.



Wo einst Kinder den Schwarzen Mann fürchteten, da ist dieser heute das Leitmotiv, das Sex-Symbol, die fröhliche Versuchung zur feuchten Feier der Fruchtbarkeit.



Doch für mich gilt es, mit der Beute der beiden Baguette heim an der Loire zu radeln. Der französische Rentnernachbar in seinem neuwertigen Rapido hat mich gebeten, ihm dies lange Weich- und Weißbrot zu besorgen und zu bringen.


Noch ein, zwei Blicke zurück auf die von mir so hoch geschätzten Formen und Farben von Fachwerkhäusern, dann geht es mit Rückenwind an der Loire zurück nach Hause - ins Auto.


Man beachte das Lastendreirad, was still und ökologisch korrekt die Läden beliefert.


Mein französischer Nachbar bedankt sich für das Baguette. Er wohnt zwischen Paris und Orléans und reist zur Rentnerruhe an die Loire. Seine Arbeit als Designer bei Renault warf reichlich Früchte ab, wie sein Wohnmobil, bald 100.000 Euro wert, beweist. Lang schimpft er auf die Gelbwesten, die den Umsatz beeinträchtigen, verdammt Streiks wie 1968, die zwei Wochen das Land lahm legten, verachtet Marie le Pen und den Front National, die Frankreichs Export schaden und den freien Zustrom von Arbeitskräften und den freien Austausch von Waren verhindern wollen.

Kurz und knapp, er denkt nicht anders als der wohlsituierte Renten- und Medienkonsument in Bayern daheim.


Nun reicht mein Verständnis nicht aus, um politische wie klerikale Wege von Irrwegen zu unterscheiden, mir scheinen klerikale wie politische Belange aus einem Holz geschnitzt. Dass hierbei besonders Begnadete esoterische Erleuchtung erlangen und die objektive Kunst wie von barfüßigen Engeln verstehen, welche sich dem Herzheiligen zuwenden, derweil dem König nichts bleibt als nörgelnde Maitressen und dem Pfaffen widerwillige Chorknaben, mag mehr schlecht als recht sein. Tiefere Zusammenhänge verschließen sich dem tumben Tor, den Göttlicher Allgeist nicht gerade geküßt hat.

Und dass das Urteil, die Neuzehnjährige zu verbrennen, 24 Jahre später aufgehoben wird, hat ihr nicht mehr geholfen. Dass die Verbrannte Jahrhunderte später 1909 erst "selig", dann 1920 "heilig" gesprochen wird, ist das etwas anderes als päpstliche Politik? Wiki:
Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

24 Jahre später strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, in dem das Urteil aufgehoben und Jeanne zur Märtyrin erklärt wurde. Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen
Zum Glück meldet Facebook Fehler gleich und sofort früher als der klerikal-juristische Apparat, der erst 24 Jahre nach dem Tod auf dem Scheiterhaufen sein Urteil aufhob.


Die sommerlichen Temperaturen mit einer 14 Grad warmen Nacht sind Aprilwetter mit Regen und Wind gewichen, was meine Fahrt zum Baguette-Bäcker downtown Oréans nicht hindert.


Ein schmuckes Häuschen mit Garten und unverbaubarem Blick auf die Loire gewinnt den ersten Preis.


Auf dieser Weide siedeln Misteln in großer Zahl.




Noch krönt den Turm ein Kreuz. Ebenso wären auf der Spitze Druckkammerlautsprecher vorstellbar, sollten dereinst Muslims das Gebäude bespielen.



Zwei junge, schwarze Schöne überqueren den Platz mit der Nationalheiligen zu Pferde.



Gelegentlich kämpft sich die Sonne durch die Wolken, die mich dann gleich kräftig und angenehm aufwärmt.



Der große Platz in der Innenstadt ist selbstverständlich an das öffentliche Verkehrsnetz mit Straßenbahnen angeschlossen, wie die Schienen zeigen. Dafür bleiben Autos draußen vor der guten Stube.


Da sich mittlerweile in jeder von mir besuchten Stadt, selbst in einem kleinen Museumstädtchen wie Obernai, ein historisches Kinderkarussel dreht, scheint dies zum städtischen Inventar hierzulande zu gehören.


Von La Chapelle-Saint-Mesmin nach Meung-sur-Loire

Meinen dritten und letzten Tag des best WiFi versorgten Platzes zieht mich die Neugier zu einem Schloß an der Loire. Davon gibt es genügend, doch mir sollten ein paar reichen.


Mit dem Rad geht es auf einem holprigen Feldweg an der Loire entlang durch ein wunderbares Naturschutzgebiet. Die Nacht war mit drei Grad Celsius wieder kalt gegenüber der Nacht zuvor mit 14 Grad. Mit dicker Winterjacke und Handschuh trotzt der Radler dem Gegenwind.


Der Blick schweift über die Loire, welche im Naturschutzgebiet unzähligen Vögeln ruhige Brutplätze bietet.


Allein rund um diese Insel tummeln sich etwa 30 Schwäne.


Auf einer ferneren Insel zoomt das Objektiv die beiden Kormorane heran, die ihr Gefieder im Gegenwind trocknen.



In vollem Vertrauen auf einen mir günstig gesonnenen Wettergott blieb mein Regenponcho im Auto. Er hat das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht und faucht mir nur auf dem Rückweg auf der anderen Seite der Loire auf der Autobrücke ein paar feuchte Spritzer entgegen.



Auf meinem Weg auch wieder Schilder die auf alte Gebäude verweisen wie schon auf dem Weg von Paris nach Orléans. Man kann hier Monate lang historische Gemäuer besichtigen.


Hier nun am Ziel der Radreise stehen die Mauern von Meung-sur-Loire, die alte Kirche und das Schloß.


Markttag ist am Sonntag, was ja wohl Sinn macht, wenn die Menschen ohnehin in die Kirche kommen, oder? Heute, am Mittwoch, hüten zwei Frauen ein halb Dutzend Kinder unter dem Hallendach.


Erst in einer hinteren Ecke des Parkplatzes bringt mein Objektiv die Kirche La Collégiale ganz auf das Bild. Dahinter verdeckt erhebt sich das Schloß. Daten und Fakten zur Kirche stehen in der Anzeigetafel.




Hinter der Kirche sieht man das Schloß etwas besser, welches ab 13.00 Uhr von Dienstag bis Sonntag geöffnet und für Kinder auch einen Schloßdrachen zeigen soll. Doch um die Zeit sollte schon mein heißes Süppchen im Wagen brodeln.

Die Radfahrt über Feldwege bei Gegenwind, später am Rand der Landstraße war anstrengend. Umso ruhiger umfängt mich dann die Stille und die strenge Ordnung im Kirchenschiff. Es ist für mich immer wieder ein schönes Gefühl, eine solche alte, Ehrfurcht ausstrahlende Halle zu betreten und darin zu verweilen. Beethovens Mondscheinsonate klingt über die Lautsprecher, was meinen Genuß noch erhöht.


Jeanne d'Arc sieht man häufiger in Stein gehauen als Maria. Bei ihrer Verehrung als Nationalheilige waren klerikale Profis gut beraten, die Dame erst selig, dann heilig zu sprechen.

Der Radweg ist auf der Südseite der Loire nach Orléans mit 20 Kilometern ausgeschildert. Diesmal schiebt mich der Rückenwind mit dem Nachteil, von Orléans wieder an der Loire zurück zum Camp zu müssen.

Ein weiteres altes Gemäuer in einem Dorf am Weg, dessen Grundmauern im 10. Jahrhundert entstanden: Eglise de Saint-Hilaire Saint-Mesmin.

Soviel vom dritten Tag an der Loire bei Orléans. Gegen 13.30 Uhr ist meine Brokkoli-Suppe mit zwei Zwiebeln und zwei Kartoffeln fertig. Meine Frau hat ihren freien Tag und bekommt wieder eine neue Geschichte - und der liebe Leser auch, mit besonderem Dank an "nemo".



Kommentar von "DT" aus dem Gelben Forum:



Kommentare:

kiri hat gesagt…

Apropos ‘lange Sätze‘. M. Houellebecq macht daraus in „Serotonin“ eine Kunst. Gut und flüssig zu lesen (in dt. Übersetzung)

kiri hat gesagt…

Du schreibst:‚Nicht allerdings in Deutschland, da ist Revolution verboten.‘
Es ist wohl eher so, das das dt. Ausbildungssystem solche Gesinnung rechtzeitig erkennt und unschädlich macht.

kiri hat gesagt…

Die Sache mit dem BEWUSSTSEIN (Zitat) sehe ich genauso

kiri hat gesagt…

Solcherart Unterwegs Sein hält Gewicht und Colesterin-Werte im ormalbereich