05 November 2022

Cadaqués, Palamós, Sitges, Cambrils, Salou, Tarragona - binären Bauplan bewundern


ARC DE BARA WORLD HERITAGE auf der Via Augusta vor Tarragona



Es ist der Versuch in bunter Bilderwelt Krieg und Krise zu entgehen. Es ist der Versuch einen Platz zu finden, an dem alles stimmt - zumindest für ein paar Tage. Es ist der Versuch, der Kälte, dem Winter, dem Alter, dem Verfall zu entgehen. Es ist der Versuch, sich die furchtbaren Nachrichten wenn schon nicht zu erspraren, sie zumindest nicht so furchtbar zu empfinden. Es ist mein Traum.



Banyuls-sur-Mare in Frankreich vor der spanischen Grenze kam dem Platz zu bleiben schon nah - fünf Tage lang. Das nächste Camp in Roses ist es nicht. Ein Mitarbeiter des Stellplatzes bedient für mich die elektronische Empfangsmaschine. Diese will Daten: Personalausweisnummer, Vor- und Nachnamen, Geburtssdatum, Staatsangehörigkeit, Unterschrift auf dem Display. Das Nummerschild hat die Kamera dem elektronischen Formular hinzugefügt. Um 11.00 Uhr vormittags waren noch freie Plätze zu buchen, am frühen Nachmittag ist der Platz belegt. Belegt bedeutet, dass 84 Autos dicht an dicht stehen. Mein Platz liegt ein wenig abseits unter Bäumen. Die Bäume verhindern den SAT-Empfang. Doch Deutschlandfunk kommt über WiFi. Es gibt drei Toiletten mit Duschen für 84 Autos. Meisten fahren zwei Menschen in einem Wohnmobil. Dazu kommen Hunde.  Der Platz liegt an einer vierspurigen Ausfallstraße. Nachts ist es ruhig. Der Platz ist abstoßed. Ein Camp wenig weiter ist auch ausverkauft. Einige Camper stehen an der Straße.

Cadaqués



Zwei Nächte sind in Roses gebucht, um noch Cadaqués sehen zu können. Dort hatte Dali nach seiner Zeit in New York seinen Wohnsitz. Zur Strecke von etwa 40 Kilometer hin und zurück erschwert eine Steigung dazwischen auf 384 Meter Höhe.



Es ist morgens kalt und neblig, Sichtweite etwa 50 bis 80 Meter.




Von der Parkbucht, die ein Schild mit Fotoapparat als schöne Aussicht ausweist, sieht nicht mehr als neblige Suppe.



Merkwürdig! Kaum ist man über den Berg, liegt plötzlich die Welt im Sonnenschein.


Einige Wolken drücken sich noch an die Hänge, die die Sonne bald auflöst.




Bei der Abfahrt ans Meer wirbt die Parole für ein unabhängiges Katalonien: INDEPENDENCIA



Das Ziel Cadaqués ist erreicht. Die Figur am Ortseingang hält so etwas wie einen Einkaufskorb in erhobenen Händen. Doch genau lässt sich das nicht erkennen. Die Sonne blendet.



CASINO steht auf dem Vierkantklotz. Ob dort Zocker ihrer Leidenschaft frönen oder nicht, ist mir egal. Mein Körper braucht eine Bank mit Meerblick.



Nach geduldigem Warten neben der besetzten Bank zieht die Frau ihren Herzgemahl fort. So ist mein Platz in der Bucht von Cadqués gefunden und gesichert.



Die Bucht ist herrlich. Ein Boot mit Touristen fährt von Roses um die Landzunge. Der Landverkehr muss über den Berg.




Die Kirche im Ort, hat mich Wiki informiert, ist alt, sehenswert und birgt weitere Schätze. Doch 20 Kilometer zurück halten mich von Umwegen und Besichtigungen ab.



Noch ein Blick auf die Bucht mit der Kirche und dem Holzboot dann zieht es mich zurück.



Dali posiert auf der Statue. Das Miniauto braucht kein Nummernschild, es fährt nur 40 km/h - zum Kontrast daneben eine Harley-Davidson.



Auf dem Rückweg ist jetzt der Blick auf Roses frei.




Mein Abschied von Roses drückt mir am Nachmittag auf die Stimmung. Wie das kleine Mädchen am rechten Bildrand zieht es mich ins Wasser. Doch es ist mir zu kompliziert, mich meiner Siebensachen zu entledigen.



Ohne Yacht vor einem Domizil mit Palmen kommt man sich in der Gegend auf seinem E-Bike recht arm und verloren vor. Putin soll seine achthundert Millionen teure Yacht von einer deutschen Werft abgezogen haben, bevor er seinen Soldaten befahl, die Ukraine anzugreifen.



Vor diesem beigen Hotelkomplex, ein paar hundert Meter vom Strand, steht hinter der Palme MIAMI. Schornsteine braucht das Haus nicht. Das Hotel bleibt für Monate wie die meisten anderen Betonburgen für Monate geschlossen.



Am Ankunftstag hat mich Roses mit seinem Hafen, der kleinen Straße zu den Stränden begeistert. Einen Tag später am Abfahrttag ist meine Stimmung eher getrübt. Anderntags unterhält mich wieder Rentners Rummelplatz Reisen.


Palamós



Laut Google Maps geht es keine achtzig Kilometer weiter zum nächsten Küstenort: Palamós.



Der CAMPER PARK ist COMPLETO, also ausgebucht. Zum Glück liegt gleich gegenüber CAMPING INTERNACIONAL PALAMOS.




Ein Dickschiff der Firma Morelo wartet auch auf Einlaß. Für eine Nacht soll es sich dort aushalten lassen.




Mein Nachbar am Platz ist in Betrachtung seiner selbst versunken. Für mich ist eben diese Übung der Höhepunkt meines Tages nach dem Auswachen.




Drei Kilometer weiter versorgt mich ALDI auch am Sonntag mit Brot und vegetarischen Soja-Gerichten, womit es für mich am Abend wieder eine warme Mahlzeit aus der Bordküche gibt.




Doch wie sich der Reisende jeden Kilometer erkämpfen muss, so muss er sich auch jedes Essen verdienen. Also geht es zuvor zur Ortsbesichtigung mit einem Blick über den wohl gefüllten Hafen.




Über einen gewundenen Brettersteg rollt mein Rad von der Höhe zum Hafen.



Zumindest zu einem Fußbad hat mein Mut in dieser stillen Felsennische gereicht.



Die salzige Luft scheint dem 220 SE COUPE nicht geschadet zu haben. Wahrscheinlich hat der Besitzer sein schwarzes Schätzchen zum Sonntagsausflug an den Hafen gefahren.



Bild ohne Worte




Die Restaurants sind gut gefüllt, die Strandpromenade eher weniger.



Das riesige Kreuzfahrschiff liegt mit rauchenden Schloten nicht weit vom Strand.



Weil die Motoren im Sparbetrieb laufen, sieht man auf dem Foto nichts Schornsteinrauch des verbrannten Schweröl.




Noch einmal kreuz und quer durch die Altstadtgassen mit den Sonntags geschlossenen Geschäften, ein Blick auf diese alte Kirche, dann ist der kurze Besuch von Palamós abgeschlossen und mein Abendessen verdient.


Sitges




Bei Sonnenschein geht es morgens frohgemut von Palamós weiter an der Küste entlang Richtung Süden. Mühsam war diesmal die Durchfahrt durch Barcelona. Irgendwann war auf der mehrspurigen Stadtautobahn die Abfahrt auf die Umgebungsautobahn nicht zu schaffen. Das zwang micht zur 15 Kilometer langen Fahrt durch Tunnel im innerstädtischen Verkehrsgewühl - ohne Stau. In Gava hinter Barcelona war meine Bleibe geplant. Über das Camp an einer vierspurigen Autobahn düsen Flugzeuge. Zudem war Vorschrift, dort mindestens zwei Tage zu buchen. Also ging es etwa 30 Kilometer weiter nach Sitges. Die Maut pflichtige Autobahn führte über Tunnel und Brücken und kostet für die lächerliche Strecke 7,26 Euro. In Sitges nahe am Strand mit Schwimmbad wäre es schon schöner. Aber der Platz schließt am morgigen 1. November. Dann verlassen 135 Fahrzeuge den Platz. Jetzt schon ist alles in Aufbruchstimmung, meistens spanische Familie mit Kindern, Hunden, Fahrrädern und Paella-Pfannen am Gaskocher. Bis nach Salat, Mittagsschlaf und Tee mein Fahhrad zur Ortsbesichtung startklar ist, wird es 15.00 Uhr. Dass bei meiner Arbeit am Blog WiFi zwischendurch ausfällt, gehört zu den kleineren Schwierigkeiten.




Die SAT-Antenne hat Verbindung, für Unterhaltung und die Verbindung zur Heimat ist gesorgt.



Hinter der ausufernden Zelt- und Campingstadt liegt auf dem Weg zum Strand ein Golfplatz.



Ein benachbartes Camp hat schon geschlossenen. Auf dem Weg nach Süden, wo mir das Camp vor Tarragona schöne Meerbäder im Frühjahr geschenkt hat, ist dies geschlossen. In den nächsten drei, vier Monaten finden an der Costa Brava Camper schwerlich Asyl.



Vom Camp in Sitges fährt man mit dem Rad schnell über die Eisenbahnbrücke zum Strand. Von dort aus sieht man in der Ferne die große Kirche von Sitges. Graziös umtourt der Rollschuhfahrer das Denkmal, während seine Freundin einfach gerade weiter fährt.



Schwarze Händler nutzen über Hunderte Meter die Strandpromenade, um ihre Waren anzubieten. Die besten Bilder nimmt man im Vorübergehen nur im Kopf mit, weil man eine hockende Runde Schwarzer um einen großen Topf mit Kichererbsenbrei nicht fotografieren kann oder will.



Im gewaltigen Hotelkomplex mit Meerblick von jedem Zimmer mit Balkon ist gar noch ein einsamer Gast im Bademantel in der oberen Etagen zu sehen.



Wetteronline hat Regen angesagt. Doch die Wolken lassen keinen Tropfen fallen. Einige Mutige hält der graue Himmel nicht davon ab, sich im Meer zu tummeln.



Der Junge hatte sich geschickt zwischen die offenen Hände gehockt. Seine Mutter hat ihn fotografiert. Mühsam schält er sich aus diesen Händen heraus.



Das schmale, beige Haus zeigt mit Tor- und Fensterbögen orientalische Architektur.



Die Inschrift auf dem Sockel weist den Herrn als DOMENICO THEOTOCOPULI  EL GRECO aus.



Nahe dem Zentrum bei der Kirche beeindrucken die Besucher Palmen von seltener Größe und Schönheit.



Die alte Kirche steht auf der einzigen kleinen Anhöhe am Ufer.



Frauen sind selten Denkmäler gewidmet. Doch diese reizvolle Gestalt bietet vor der Kirche ihre Trauben an.



Soviele Kirchen und Denkmäler lagen an meinen Wegen, dass es mich kaum noch in die dunklen sakralen Schatzkammern zieht, mich kaum mehr die Namen der Helden interessieren, die auf den Säulen stehen. LA VILA DE SITGES A SON FILL PREDILECTE D'ROBERT




Beim Blick vom Kirchplatz zeichnen dei Wolken ein eindrucksvolles Lichtspiel am Himmel.



Hinter der Kirche bieten Kunsthandwerker ihre Erzeugnisse an.



Vom Hügel mit der Kirche schlängelt sich mein Weg durch schmale Altstadtgassen zurück an die Strandpromenade und zum Camp.




Der Künstler hat bis zu den Winterstürmen ein Werk aus Sand geformt.


Durch die Altstadt mit dem Auto zu kurven, ist, sofern es überhaupt möglich ist, kein Vergnügen.


Cambrils



Ein Katzensprung von Sitges nach Camprils von etwa 80 Kilometer.


 
Als erster um 8.00 Uhr raus aus dem lärmenden Halloween-Camp Sitges auf die Autobahn.



Am ersten November sind es um 8.00 Uhr morgens 18,5 Grad Celsius. Der Tag wird heiß. An der ersten Raststätte fällt mir ein, dass die kurze Strecke auch auf der mit Kreisverkehren bestückten Landstraße zu schaffen ist. Für ein erstes Stück Autobahn 2,62 Euro bezahlt, dann geht es gemütlich über Landstraßen weiter. Man sieht mehr dabei. Sogar ein römisches Weltkulturerbe, der Torbogen von Bara auf der römischen Via Augusta - Titelbild dieses Blogs

 



Bevor es zum Camp geht, verkauft mir der Supermarkt noch Wasser, Bier, Käse, Weintrauben, Mandarinen, Oliven, Wasser und Alkfreies Bier.



Ob der Verzehr einer ordentlichen Fleischration länger sättigt als mein morgentliches Müsli mit Früchten oder mein Salat am Mittag? Sogar der spanischen Tankstelle lässt sich für 55 Euro Diesel abgewinnen, nach eingehendem Studium der möglichen Tasten. Dafür gibt es dort Diesel zum sensationellen Preis von 1,66 Euro pro Liter.




Diesmal gebe ich der Rezeption den Auftrag, mir einen Platz mit SAT-Empfang zu zeigen. Ein Angestellter fährt mich in seinem Elektrokarren durch das Camp, zeigt mir drei Plätze, bis mir der vierte Platz zusagt. Derweil steht mein mein Auto bewacht vom Gespenst im Baum am Empfang.




Etwa 1700 Kilometer fern der Heimat, seit drei Wochen auf der Straße braucht der Körper und Geist Ruhe, Ruhe, Sand, Sonne und Meer. Erstmal auf dieser Fahrt wäscht die Maschine meine Siebensachen, die die Mittagssonne trocknet.



Die SAT-Antenne verbindet mich mit den Ereignissen daheim, das Meer spült die psychischen Belastungen ab. Dieser herrliche Platz mit Meerblick lässt mich vier Tage und Nächte lang ausruhen. Das Camp heißt Lallosa, liegt an der Costa Daurada und ist ganzjährig geöffnet.



Hundert Meter vom Camp lockt das warme Meer. Den Luxus des Bades erhöht die Dusche am Strand.



Ein Radweg schlängelt sich am Meer entlang bis in das nächste Küstenstädtchen Salou.





Das Verkehrsschild in der rechten Ecke oben erklärt auch ohne Spanischkenntnisse, was Sache ist: Prohibit pescar



Doch das Schild hindert zwei Männer nicht, mit ihrer Angelausrüstung über die Mole zu stapfen.




Ein Turm aus alten Zeiten mit Meerblick hebt sich von der neuen Bebauung ab.



Auf für diese Kunst aus Altmetall hat das Geld an dem touristischen Gestade gereicht.



Dankenswert gerade für Touristen ist es, wenn so ein Kunstwerk einen der wiederkehrenden Kreisverkehre auszeichnet.



Über den riera de Maspujols spannt sich für Radfahrer und Fußgänger eine eigene Brücke, deren Holzplanken unter den Rädern klappern.



Auch diesen Torre de l'Esquirol weist eine Tafel am Bauwerk als Sehenswürdigkeit aus:





Unvorstellbar in Zeiten von Internet und Smartphones, to "optimise communications in the era by means of optical telegraph."



An diesem Bauwerk auf der zehn Kilometer langen Promenade zwischen Cambrils und Salou hat die Verwaltung gespart. Das wenige sehenswerte Innere des Häuschens hindert nicht ein verliebtes Paar, gemeinsam den Ort zu verlassen. Dabei kann oder will die erwählte Herzensdame des Beglückten nicht ihr typisch weibliches Lustlachen unterdrücken.



Die tief stehende Sonne wirft schon lange Schatten. Doch unermüdlich harren die Straßenverkäufer geduldig auf letzte Kunden.

Salou




Brunnen mit speienden Delphinen, Löwen oder Nixen kann man an vielen Orten bewundern. Die Stadt Salou hat sich einen Brunnen aus spritzenden Schnecken einfallen lassen. Die Beleuchtung am Abend gibt den Brunnen ein besonderes Flair.



Die Mutter mit Kind fängt vor dem Holzboot mit löchriger Planke die Stimmung der untergehenden Sonne ein.




Nur wenige Minuten - dann ist die Sonne weg. Doch das Licht des E-Bikes leitet mich sicher den geschlängelten Radweg zurück von Salou nach Cambrils.



Nach einem Ruhetag mit zwei wunderbaren Wellenbädern zieht es mich anderntags wieder auf den wunderbaren Schlängelradweg unter Kiefern und Palmen nach Salou und von dort weiter nach Tarragona. Es wird ein dreieinhalb Stunden Trip über 55 Kilometer bei milder Luft und leichtem Nieselregen. Schulkinder in Salou spreizen ihre Beine zum Spagat auf dem Pflaster.



Andere Kinder lernen am Denkmal zur Hafeneinfahrt etwas über die Geschichte von Stadt und Land.



Östlich von Salou in Richtung Tarragona wird die touristische Bebauung immer luxuriöser. Der Holzsteg führt über die Klippen.



Das grünlich schimmernde Wasser in der Bucht lockt zum Baden. Doch mit dem Fahrrad geht es auf dem hölzernen Steg immer weiter.


Tarragona



Im Frühjahr waren luxuriöse Camps östlich vor Tarragona geöffnet. Diesmal geht mein Weg von der südlichen Seite nach Tarragona. Dort reiht sich ein industrieller Komplex an den anderen.



Zum Glück öffnet sich mir neben der vierspurigen Schnellstraße ein Schleichweg nur für Radfahrer und Fußgänger. Nur die letzten Kilometer strapaziert mich der Lärm auf der Einfallstraße.



Am Stadtrand liegt das riesige Einkaufszentrum Parc Central. Von dort aus sind nur noch wenige Kilometer in das historische Zentrum.



Bevor ein Caffee con Leche im nächsten Straßenkaffee mich stärkt, geht es an diesem mit Flaggen geschmückten Regierungsgebäude vorbei.



Von der Universität aus ist mir der Weg schon von meinem Besuch im Frühjahr vertraut. Von dort geht es von lärmenden Großstadtstraßen in die winkligen, ruhigen Gassen der Altstadt.



Hier kann man ungestört gegen die Einbahnstraße hinauf radeln.



Mit Blick auf den Apostel und das Gebäude, das vermutlich der Organisation und Verwaltung der Kathedrale dient, hat sich der Chronist seine Brotzeit aus der Satteltasche verdient.



Ob mir zu meinem Mahl der Säulenheilige einige Verse aus seinem Buch vorträgt?


Die Pflasterer haben kunstvoll die Steine so gelegt, dass man über ein reizvolles Muster rollt oder geht.



Wie fast alle Menschen bestaunt auch die Dame das Portal der Kathedrale.




Nach meiner stillen, andächtigen Aufwartung vor den versammelten Heiligen rechts und links des Portals zieht es mich wieder nach Hause ins Auto zurück.



So eindrucksvoll das Gemäuer auch immer sein mag, den Chronisten zieht es wie DHL-Lieferanten arbeitssam mit seinen gewonnenen Eindrücken an den ruhigen Schreibtisch daheim ins Auto.



Mir gefällt die historische Altstadt ohne Autoverkehr mit nur wenigen Menschen.




Ein römischer Mauerrest versperrt zwar den Fenstern dahinter die Aussicht, doch beleben die alten Steine das Geschäft mit den Touristen.



Über römische Ruinen zu krabbeln, bleibt mir erspart.



Heutige Baumeister können sich angesichts des römischen Theaters Gedanken über Nachhaltigkeit machen.



Der direkte Weg auf der vierspurigen Schnellstraße nach Salou ist mir zu laut. Zur Küste führen ruhigere Wege. Man darf dabei dies GRAN HOTEL LA HACIENDA bewundern. Weitere Hotelpaläste wie auch einen Badetempel im XXL-Format mag man sich selber vorstellen. Mich freut bei leichtem Regen dann wieder der ruhige, sich schlängelnde Radweg aus rot gefärbtem Asphalt die letzten acht, neun Kilomter von Salou nach Cambrils zum Auto nach Haus.


Binären Bauplan bewundern

Mein Beruf als Redakteur einer Computerzeitung drehte sich um die binäre Welt aus Null und Eins. Als Kind schon hat die binäre Welt mit dem Märklin-Baukasten gezeigt, wie Schraub und Mutter Dinge verbinden. Bei Reparaturen am Motorrad zeigt sich die binäre Welt wie in Zylinder und Kolben. Als Elektrobastler sieht man in der binären Welt Stecker und Steckdose, Lampe und Fassung. Selbst in der Tonerzeugung wirkt das binäre Prinzip zwischen Trommel und Schlegel, zwischen Saite und Hammer beim Klavier.

Ebenso bestimmt der binäre Bauplan, dass unser Leben aus der Vereinigung von Sperma und Eizelle entsteht. Die Natur produziert unzählig mehr Spermien als Eizellen, Spermien nehmen gleichsam zwangsläufig ihren Weg, sei es im nächtlichen Erguss, sei es wie bei Bill Clinton auf dem Kleidchen von Monika Lewinsky.

Mutter und Schraube verbinden die Teile,  von der Dose fließt durch den Stecker Strom zum angeschlossenen Gerät.

Wie jeder Mensch binärer männlicher und weiblicher Kräfte sein Leben verdankt, so trägt jeder Mensch binäre Anteile von Vater und Mutter in sich, mal mehr in die männliche, mal mehr in die weibliche Richtung. Wo sich männlicher Anteil durchsetzt, entsteht die Sehnsucht nach weiblichem Anteil. Der Zauber junger Frauen liegt darin, dass in ihrer Art, ihrer Bewegung, ihrer Sinnlichkeit der geheimnisvolle Auftrag liegt, Leben aufzunehmen , auszutragen und zur Welt zu bringen. Weibliches Alleinstellungsmerkmal ist ihre Fähgkeit zur Reproduktion. Vom Beginn menschlicher Entwicklung bis heute verdankt jeder Mensch diesem binäre Bauplan sein Leben.

Wieso Entscheider, Eliten und Publikum Gestalten wie Kim de l'Horizon oder nonchita Wurst hoch jazzen, ist mir schleierhaft. Wie wunderlich diese Gestalten auch immer wirken mögen, bei mir springt kein Funken über.

Zu diesen Gedanken hat mich ein bemerkenswerte Beitrag bei Facebook angeregt.


Monika Maron
Da hat was nicht geklappt, darum jetzt hier mein verspäteter Zwischenruf zu Kim de l'Horizon:
Das Buch von Kim de l’Horizon habe ich bis auf ein paar Passagen nicht gelesen und werde mich darum dazu nicht äußern.
Aber nachdem ich die Bilder der Preisverleihung gesehen habe, treibt mich die Frage um: Welches Frauenbild hat eigentlich Kim de l‘Horizon und mit ihm offenbar auch andere, wenn nicht die meisten non-binären Männer?
Immerhin retten sie das Wort Frau, das aus dem woken Wortschatz ja weitgehend eliminiert ist. Da man sie aber schlecht als menstruierende oder Personen mit Gebärmutter bezeichnen kann, sie sich aber nur zur Hälfte als Mann und zur anderen als, ja was? dann eben doch als Frau fühlen, muß man dieses Unwort notgedrungen zulassen. Vielen Dank!
Aber wie sieht die Frau im Innern oder in der Sehnsucht non-binärer Männer eigentlich aus? Grell geschminkt, lächerlich gekleidet, einem Zirkusgaul ähnlicher als einer Frau, es ist die Karikatur einer Frau, die Verhöhnung der Weiblichkeit auf offener Bühne, der sogar die Frauen im Publikum verzückt lächelnd applaudieren.  
Während Weiße keine Dreadlocks tragen dürfen, sich in Musik, Kleidung, und Speisenzubereitung auf die eigene kulturelle Tradition beschränken sollen, Schwule nur noch von schwulen Schauspielern gespielt werden dürfen und eher ein unbegabter Fettwanst einen Fetten spielen darf als ein Begabter in einem Fettanzug, während also gegen die „kulturelle Aneignung“ an Irrsinn grenzende Kämpfe geführt werden, ist dieser Artenschutz für Frauen offenbar nicht vorgesehen. Nicht nur wurden sie von der queeren Transgemeinschaft verbal gekillt, auch ihr Bild, ihre Würde darf unter öffentlichem Applaus der Lächerlichkeit preisgegeben werden.
Als Thomas Neuwirth, ein bekennend schwuler Mann, als Conchita Wurst 2014 beim Eurovision Song Contest die Bühne betrat, sah das Publikum eine bärtige Frau in einem eleganten roten Kleid, eine Kunstfigur, die zwar irritierte, aber nicht lächerlich war, eigentlich sogar eine Hommage an die Schönheit der Frau.
Kim de l’Horizons Verkleidung ist keine Kunstfigur, das ist er selbst, und ich frage mich, welche Art von Frauen dafür eigentlich als Modell gedient haben.
 Es scheint, als reiche die Vorstellungskraft  non-binärer und anderer Transaktivisten über die sexuelle Funktion der Frau nicht hinaus, worin ohnehin die Anmaßung dieser Trans-und Queerbewegung liegt, deren Thema ja nicht der Mensch als soziales, nicht einmal biologisches, sondern ausschließlich als sexuelles Wesen ist, als sei unser ganzes Leben nur davon bestimmt, wer mit wem ins Bett geht und wir uns fortan jeden Menschen genau in dieser Lebenslage vorstellen sollen.
Gibt es eigentlich ein vergleichbares Zerrbild des Mannes durch non-binäre Frauen? Oder saugt nur der non-binäre Mann die Frau in sich auf und präsentiert sich als der einzige ganzheitliche Mensch der Zukunft, dem die Wissenschaft nur noch die Gebärfähigkeit erfinden muß?

Mir erschließt sich nicht, wieso eine bärtige Gestalt im "eleganten roten Kleid... eigentlich sogar eine Hommage an die Schönheit der Frau" sein soll. Mir fehlen bei einer Gestalt wie Conchita Wurst weibliche Attribute wie Brust und Becken, in denen sich Frauen von Männern unterscheiden. Sogar bei einem skelettierten Beckenknochen können Experten mit Bestimmtheit sagen, ob dieser von einem Mann oder einer Frau stammt.



Was mir 1965 als Siebzehnjähriger gefallen hat, gefällt mir heute noch als Vierundziebzigjähriger. Gestalten wie Conchita Wurst oder Kim de l'Horizon als hochdotierte Preisträger des Kulturbetriebs sind und bleiben mir fremd. Meine Bewunderung bleibt beim binären Bauplan.




Die meisten meiner Verwandten, Freunde und Bekannten erfüllen als Mann und Frau nach dem binären Bauplan ihre Aufgaben, sind mit Söhnen, Töchtern, Schwiegersöhnen und -töchtern und Enkeln gesegnet - wie mein lieber Bruder mit seiner lieben Frau daheim.




Mir zersaust der Sturm in Cembrils die Haare. Aber auch als einsamer Wanderer an fernen Gestaden sehnt sich mein Streben und Schreiben nach ihr daheim, meinem Wisch-, Wasch-, Nähr- und Plärrbären







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