30 September 2019

Sonneberg - fremde, neue Welt voller Geheimnisse und Abenteuer

Seit bald zwei Monaten dreht sich alles um das große Haus mit 130 Quadratmetern verglichen mit allem, was zuvor mir Haus und Heimat war. Im Wohnmobil von sechs mal zwei Metern Grundfläche lässt es sich geheizt und vergleichsweise sauber und angenehm leben. Ins bald 90 Jahre alte Haus zieht hingegen im Herbst Kälte und Feuchtigkeit, zieht in Mauern und Keller. Bislang ein unwirtlicher Ort.

Ohne Kämpfer kein Kampf, ohne Kampf kein Leben.
Akif Pirincci, Felidae, letzter Satz im dritten Kapitel




Anstatt in diesem Sommer meine vergehende Lebenszeit mit der geplanten Irlandreise zu nutzen, hat mich Geplärr seit Jahren meines holden Weibes weich gekocht. So haben wir unser Haus mit Garten gekauft, ein Haus zum Herrichten. Die Renovierung kostet mehr als das Haus, soviel ist sicher.




Das Baxenteichbad hat seit dem 1. September geschlossen. Später renovierten Arbeiter die Anlage, vielleicht für mich eine letzte Chance auf einer Liege dem vergangenen Sommer nach zu träumen? Nein, die Arbeiter vertreiben mich, es sei wegen der Gefahrenlage nahe dem Wasser im Becken nicht erlaubt, sich dort aufzuhalten.

Auf meinen einsamen Reisen sind mir in den letzten sieben Jahren die Menschen fremd und fremder geworden. Seit der Entscheidung zum Hauskauf am 8.8. erfordern Organisation, Umzug, Ummeldung sowie Sanierung des Hauses Treffen, Gespräche und Verhandlungen mit sehr vielen Menschen.




Adieu Baxenteichbad, adieu Sommer, adieu vergangenes Reisejahr - zumindest mit einer herrlichen Frühjahrsreise nach Frankreich, drei kurzweilige Monate.

Jetzt also Treffen, Gespräche, Verhandlungen, Abmachungen, Termine mit Menschen, mit sehr vielen Menschen, mit hilfreichen und freundlichen Menschen, Menschen im Landratsamt, Wasserversorgungsamt, Einwohnermeldeamt, Stromversorgungsamt, Abfallentsorgungsamt, Treffen mit Versicherungmaklern von Allianz und HUK, mit Handwerkern für die Elektrik, für Fenster, Böden, Gas, Wasser, Sanitär und noch viel mehr.




Zwischen den Treffen mit all den vielen, lieben, hilfreichen, freundlichen, nützlichen, wohlwollenden Menschen lässt sich von einer Reise träumen. Auf Schusters Rappen oder auf meinem Drahtesel lässt sich schwerlich weiter reisen als in die Innenstadt von Sonneberg und in die ländliche Umgebung am Rande des Thüringer Waldes. Auf einem Simson-Moped, einem MZ-Motorrad ließe sich die Gegend im Umkreis von Hunderten Kilometern erkunden.


Mit dem Dachzelt auf dem Trabant, welches man von hinten über eine Eisenleiter erklimmt, könnte man dem Herbst und Winter in 'schland entfliehen, in den sonnigen Süden ziehen, aber ach, die Sanierung, Renovierung, der Besitz des alten Hauses hängt wie ein Klotz mir am Bein.


In Sonneberg geht die Reise soweit mit dem Rad, bis Schilder mit fremd klingenden Namen den Reisenden in die weite Welt locken, so nah doch nur - ein paar Kilometer wohl nur weiter. Lockende Name in eine geheimnisvolle, fremde, neue Welt mit klingenden Namen wie Wehd, Forschengereuth, Mürschnitz, Meilschnitz, Wildenheid bbis hin nach Neustadt b. Coburg. Zunächst geht es langsam Schritt für Schritt in die schöne, neue Welt.



Die Welt mag Gott in sieben Tagen erschaffen haben, ein armseliges Menschlein müht sich Woche um Woche, Tag für Tag, Stunde um Stunde, dass das alte Haus einmal irgendwann wie neu erstrahlt - nach Monaten vielleicht einmal.


Geheimnisvolle Marktplätze lassen die lange Geschichte in der Altstadt in Sonneberg ahnen, wo Händler ihre Schätze ausbreiteten, von der Erde genommen, von der Erde genährt, die zur Erde Zurückkehrenden erhalten und erhandelt haben.


Wagemutige Burschen knattern auf  flotten Simson Mopeds über das Kopfsteinpflaster. In der herbstlichen Sonne zieht der Fahrer einen langen Schatten hinter sich her.


Auf Schusters Rappen sieht man mehr noch als vom sausenden Drahtesel aus, erblickt befremdliche Hinweise auf die verfluchte Vogelschissperiode unserer Geschichte, die sich Generationen später den Menschen, die schon-zu-lange-hier-leben, wie Mühlsteine um den Halskragen legen, mit denen sie hoch dotierte Experten der Erinnerungskultur ins Schuld- und Sühnebad treiben. Das sind Masochisten der Art, die erst kurzes Glück erfahren, wenn sie auch andere quälen.



Erinnere Dich wohl, Du CO2 verschleuderndes Monster und trage die Schuld der Väter, Großväter und Urgroßväter als Fluch bis in siebte, siebenhunderste Generation Deiner Nachgeborenen, vorausgesetzt ein deutsches Weib beschenkt Dich Verfluchten mit solchem Fortpflanzungserfolg, wo doch die neuen Herren des Landes soviel agiler, attraktiver und anti-arisch dazu noch sind, Amen und Aus.



Zum Glück lässt sich im stillen Kämmerlein durch Raum und Zeit reisen, sofern das Internet den Wanderer mit dem Datenschatz verbindet.



Handwerk, Handel, Ackerbau und Viehzucht haben die Menschen satt und reich gemacht.´Lauschige Ecken allerorten im Land erinnern daran und zeigen bis heute, was findige Geister und geschickte Hände geschafft haben und weiterhin schaffen.



Lauschige Ecken, sprudelnde, gluckernde Bächlein, in denen schwarze Fische sich tummeln, das schwarz, weiße Lichtspiel der Fachwerkhauswand im Abendsonnenschein lassen den Fremden heimisch werden in einer beschaulichen, friedlichen Welt - für ein paar glückliche Augenblicke.


Das Gurren der Tauben aus ihrem Verschlag am Wegrand stimmt fröhlich und friedlich. Kaum ein Motor, kein Rasenmäher, keine Kreissäge stört die Idylle.


Ein wohlhabender Genießer hat sich eine kunstvolle Laube schmieden lassen und in seinen höher liegenden Garten platziert. So sieht er von oben das Treiben der Menschen vor seinem Anwesen.



Die Schilder sind neu, die Brücken uralt. Steinmetze haben die Pfeiler vor Jahrhunderten kunstvoll verziert. Kraut und Strauch kämpfen sich am Bachrand aus dem steinigen Untergrund an Licht und Sonne.


Stadt und Steine liegen wie ein Freilichtmuseum vor den Füßen, vor den Augen, vor dem Herzen des Wanderes. Wanderer, kommst Du nach Sonneberg, so nimm Dir Zeit, viel Zeit. Ein Tag reicht zu weniger als nichts, in der ersten Woche siehst Du einiges, nach einem Monat fallen Dir Feinheiten auf, vielleicht wirst Du nach einem Jahr dort heimisch, vielleicht erst nach zehn Jahren oder nimmerdar.



Lass Dich nicht schrecken von Stein oder Holz gewordenen gespenstischen Skulpturen. Die Menschen haben hier gelebt in Krieg, in Frieden, nach dem Krieg in einem Staat, von dem jetzt Filme und Dokus Beschwerliches berichten. Doch wer es nicht selbst erlebt hat, wird den Staat in der Zeit wohl ebenso wenig nachfühlend verstehen, wie wir die Zeit unserer Väter, Großväter und Urgroßväter aus der verfluchten Vogelschissperiode.



Wenn mir die Zeit noch bleibt, wenn unser 90-Jahr altes Haus in Sonneberg denn einmal saniert und bewohnbar sein wird, dann zieht es mich kaum mehr in die Ferne, nicht mehr in lauschige Ecken von München, nicht mehr in die abenteuerlichen Gefilde von Gelsenkirchen, der Dortmunder Nordstadt oder nach Duisburg Marxloh, dann wäre es mir wichtig zu wissen, wie es aussieht in dieser Welt voller Geheimnisse, voll unerforschter Stellen und Plätze.


Wie mag es aussehen, wie mag die Luft schmecken an Orten wie

Zur Dachs, Steinbank, Drehweg, Froschteich, Zum Mahrla, Zum Mäcki, Schlossberg?


Oktober, November, Dezember, Januar, Februar: Der Boden wird schlüpfrig, naß, glatt, eisig. In den Bergen, 400 Meter über der Stadt im doch so nahen Neuhaus am Rennweg, wo die Sonneberger Bahn über Viadukte 25 Kilometer aufwärts dieselnd sich schiebt, werden Skifahrer die Hänge nutzen.


Wie werden Stadt, Land, Berge, Wälder, Gärten und Felder aussehen, wenn der Blumen- und Blütenschmuck unter Eiskappen von Schnee verschwindet, wenn Rauchfahnen aus den Schornsteinen steigen, wird unser Haus dann endlich warm und wohnlich werden?


Den großen Trecker mit schweren Gewichten vor der Vorderachse fährt mit dem historischen H-Kennzeichen. Vielleicht fürchten die Menschen sich aus vergangen erlittenem Leid vor Unheil und erachten die Daten eines Nummernschildes als schutzwürdig? Mir sind die Sonnenberger Geheimnisse noch verschlossen.



Wie ein alter Fuchs, der über dünnes, knackendes Eis schleicht, erforschen vorsichtige, erste Schritte meine Wege rund um unser altes Haus, in die wunderbare Umgebung, in die einst so reiche Stadt der Spielzeugindustrie - und der Kriegsproduktion von Zahnrädern höchster Präzision. Doch davon später mehr.




Käse, Fisch, Gemüse, Brot und Kuchen verkaufen die Händler vor dem Rathaus, auf dem Rathausplatz. Dort spricht Höcke am letzten Septembersonntag um 13.00, den seine Gegner "Faschisten" schimpfen dürfen.




Meine Neugier ließ sich nicht die zügeln, die Tür zum Rathaussaal zu öffnen. Der Saal strahlt Würde, Ruhe und Autorität aus für die, welche vorne am Podium auftreten. Der Chronist versinkt in seinen Sonneberger Gedanken, vergisst dabei, dass sein Teewasser auf der Gasflamme langsam verkocht, bis ihn Gestank alarmiert. Andermal vergisst der Chronist den Tee, der mit dem Teebeutel erkaltet, der Chronist vergisst die Welt ringsum. Sonneberg füllt Herzen und Sinne, zeigt sich in stetig wechselndem Licht, beim Spiel wild ziehender Wolken, die an bewaldeten Hügelhängen kratzen. Sonneberg feiert Feste voller Lebenslust und Sinnesfreunden.

Stadt- und Museumsfest

 

Sogar mein lieber Bruder reist mit seiner Frau an zu diesem Fest in Sonneberg. Das ist umso bewundernswerter, als es ihn zu meinen mehr als 20 Jahren in München nur einmal zu einer Übernachtung in die "Weltstadt mit Herz" gezogen hat zu einer Stadtbesichtigung mit dem Touristenbus.



Doch nach Sonneberg wolle er wieder einmal reisen. Sein Hymer mit historischem Kennzeichen bewältigt die 400 Kilometer von Dortmund nach Sonneberg in wenigen Stunden.





Sein Blog  "Reise nach Sonneberg" und ein YouTube-Clip berichten von dieser Reise und seinen Eindrücken in Sonneberg. 
https://www.youtube.com/watch?v=bISj9cwODZk&feature=youtu.be


Der Film erinnert mit den Lichtgestalten auf Stelzen in der Bahnhofstraße und und mit Bildern aus dem Sonneberger Spielzeugmuseum an dies sonnige, schöne, friedliche und freudvolle Wochenende.


Wer unsere östlichen Bundesländer erst nach der Wende besucht hat, staunt verwundert im Sonneberger Eisenbahnmuseum über Flair und Atmosphäre einer vergangenen Zeit. Neben dem Fuhrpark auf dem Platz sollte man die Aufschriften der Gebäude beachten.
HO-Gaststätte - Zum Fresswürfel, 1000 kleine Dinge, Getränkestützpunkt

 Die Marktverkäufer versorgen hungrige Gäste auf dem Stadtfest auch aus dieser Gulaschkanone, wie wir diese Fahrzeuge nannten. Solche mobile Großküchen haben uns auf der Friedensfahrt Moskau 2012 auch vorzüglich verköstigt.


"Kaufhalle" ist auch mir ein gängiger Begriff. Doch was heißt "HO"? Die Abkürzung "VEB" hat mir ein Kundiger als "Volkseigener Betrieb" entschlüsselt - gleich passend zu den im alten  Haus verbauten Installationen an Elektro- und Wasserleitungen mit "Vorsicht es bröckelt".  Wofür aber steht "HO"?



Was wäre der Chronist ohne die Recherche im Internet? Die Eingeborenen in Dresden speisten tatsächlich in ihrem "Fresswürfel".  Das war keine witzige Erfingung im Eisenbahnmuseum. Was ist Dichtung, was ist Wahrheit in dieser geheimnisvollen Welt?




Verschmitzte Gesichter mit klingenden Titeln im Eisenbahnmuseumsland wie "Reichsbahnobersekretär", die zudem über eine Zugangsautorität wie "Eingangs- u. Gesichtskontrolle" verfügen, könnten ja auch als Ideengeber sich eine Gaststätte in Form, Aussehen und Gestalt als "Fresswürfel" erdacht haben, oder? Nein, es gab dies alles wirklich und wahrhaftig, auch die HO-Betriebe.



Wiki weiß - wie zumeist - Rat und Hilfe. Logisch doch "HO" heißt "Handelsorganisation"Hätten genormte Produkte einer volkseigenen Handelsorganisation die Bedürfnisse der Menschen leichter, besser und umweltfreundlicher befriedigen können, als ein gnadenloser, weltweiter Konkurrenzkampf?  Dieser Blödmann Pirincci faselt von der Spermienkonkurrenz. Ein rolliges Katzenweibchen solle sich nur von ihrem ausgewählten Liebhaber bespringen lassen, den allein und nur sie als empfangsbereite Dame auswählen solle.


Ohne Kämpfer kein Kampf, ohne Kampf kein Leben.


Begründet Biologie etwa den gnadenlosen, globalen kapitalistischen Konkurrenzkampf als Kampf der Spermienkonkurrenz zur Befruchtung einer Eizelle? Oder soll man in die Ode an die Freude fröhlich einstimmen, wo der Dichterfürst den größten Tonsetzer des Landes im Chor jubeln lässt:

Alle Menschen werden Brüder...

Schon klar, vorausgesetzt alle Menschen werden Muslimbrüder. Lassen wir das biologische Primat der Politik bei befruchtbereiten Backfischen lieber beiseite, sonst landen wir gleich bei meinen jugendlichen Irrungen und Wirrungen meines brotlosen Kabaretts von 1978, vor 41 Jahren!



Was meine damaligen Delirien wie von
HEILIG GEHALTENEN HUREN IM BORDELL KAPITALISTISCHER WARENANARCHIE
gemeint haben könnten, dürften wohl einige Menschen in Thüringen, Sachsen, Brandenburg nach dem rüden Wirken der Treuhand empfinden und erfahren haben. Vom gnadenlosen Abwürgen und Ausmerzen östlicher Konkurrenz zeugen bis heute Industrieruinen im Land. Namen, Lage und Grenzen dieser neuen Länder sollten sich meinem unwilligen, alternden Gedächtnis langsam einprägen,....


....ohne mich laufend meiner Gedächtnisstütze von Wiki bedienen zu müssen.

Ach, es gibt mehr zu lernen und zu begreifen, als mein altes, armes Hirnkastel wohl noch speichern kann in meinen verbleibenden Tagen, Wochen, Monaten - vielleicht sogar Jahren. Allein der Stadtplan von Sonneberg, den die freundliche, hilfsbereite Dame von der Touri-Info im Bahnhof verschenkt, zeigt eine Unzahl von umgebenden Orten und Weilern, deren Namen zu merken nur den dort Geborenen gegeben sein dürfte.



Zu den Stadtteilen von Sonneberg kommen in der Umgebung zahlreiche kleine Nester, welche die Stadtkarte mit ihren Straßennamen einzeln aufführt.


Hier warten wunderschöne Örtchen mit lauschigen Häuschen in Sonnebergs reizvoller Umgebung auf ihre Erforschung wie

Neustadt b.C., Boderndorf, Kemmaten, Wellmersorf, Birkig, Fechheim, Horb, Unterwasungen, Aicha, Mittelwasungen, Mupperg, Berg, Plestes
Sich allerdings diese Namen zu merken, kommt dem Lernen von Vokabeln einer fremden Sprache gleich - zum Haare ausraufen, wenn denn da noch welche wären.



Schon mein Töchterchen selig hatte mir vor Jahrzehnten in ihrem Waldorf Kindergarten ein Zwerglein gebastelt, was sie mir mit den Worten schenkte: "So ein Zausel bist Du Papa!" Das Einzige, was sich geändert hat im Laufe der Zeit, sind die verlorenen Zauseln. Ein Haarkranz verblieb um den bald Glatzen blanken Eierkopp.






Unaufhörlich geht es weiter auf dem Jahrmarkt des Lebens, ein Gehen und Vergehen. So fallen Sonntage wie bunte Perlen in der Schnur grauer Tage aus, an denen Mensch wie Tier ihr Tagwerk unverdrossen verrichten nach ewigen, unverändlichen Regeln der Lebensuhr. 





Unvergesslich das Stadt- und Museumsfest in Sonneberg bei strahlendem Sonnenschein und freiem Eintritt in das berühmte Spielzeugmuseum.


Gespenstische Lichtgestalten stelzten durch die Bahnhofstraße. Eine Woche später endet der September mit Höcke als Starredner der AfD-Veranstaltung auf dem Rathausplatz.


Björn Höcke auf dem Rathausplatz in Sonneberg



In einer kleinen Stadt mit etwa 25.000 Menschen sind Feste und politische Wahlveranstaltungen ein bemerkenswertes Ereignis. Die LINKEN im Stadtpark zuvor bekamen weniger Zulauf und Aufmerksamkeit.

Björn bietet Sonneberg die nächste Attraktion - landauf, landab mit der plakatierten Rede dieses Volkstribuns. Im Vorprogramm jazzt der Ansager Björn Höcke als "kommenden, neuen Ministerpräsidenten Thüringens" hoch. Schau'ma mal, dann seh'n mia scho.




Der Meister freier, feuriger Rede kommt zwar nicht um 13.00 Uhr, wie angekündigt, sondern nach Tanz und Tralala gegen 16.30 Uhr, weil er zuvor noch in einer anderen Stadt seine eindrucksvolle Rede hält.

Unser altes Haus liegt so nah am Rathausplatz, dass mich mein Drahtesel nach ersten ermüdenden Ansprachen heim trägt, um in einer ruhigen Pause Salat und alkoholfreies Bier, Tee und Lebkuchen zu genießen. Was Höcke auf dem Rathausplatz in Sonneberg am Sonntag verkündet, werden ihm dankbare Wähler bestätigen und lohnen.



Große und kleine Menschen ehren unser Land mit seiner Nationalflagge.


Die Kleine schwenkt die Deutschlandflagge im Takt zur Musik bei der AfD-Veranstaltung in Sonneberg am 29.09.2019 auf dem Rathausplatz - ein Clip von drei Sekunden.



Bis Höcke endlich gegen 16.30 Uhr anfängt bei der Veranstaltung, die schon um 13.00 Uhr begann, ist gar das Bier ausverkauft.


Im Gegensatz zu vergleichbaren Veranstaltungen in München können die Menschen in Sonneberg ungestört den Rednern zuhören. Die Minderheit der linken Gegendemonstranten hält die Polizei in ausreichender Entfernung, dass ihr Trommeln und Pfeifen als folkloristische Untermalung aus der Ferne nicht weiter stört. In München müsste sich die alternative Opposition gegen aufgehetzte Antifanten der rot-rot-grünen Mehrheitsgesellschaft in einem Verhältnis eins gegen zehn durchsetzen. Hier sind drei bis viermal mehr Interessierte bei der AfD-Veranstaltung als lärmende Rabauken bei den Linkschaoten. Und die hält die Polizei gut in Schach.




https://youtu.be/SApBzSOV68I


Ungehindert von der im Westen unerträglichen Randale klingt der Sonntag nachmittag dieser denkwürdigen AfD-Veranstaltung mit dem kraftvollen Absingen der Nationalhymne aus.






Aus den Niederungen der Politik in die heilsame Natur






Unser Wohnort zwischen Stadt und Land gibt mir freien Blick in die bewaldete Natur.


Ein paar Schritte vor die Haustür muss man nicht der donnernden Lastwagen achten, die über die Freisinger Landstraße in München die grüne Ampel mit der Abzweigung zur Autobahn Nürnberg noch erreichen wollen. Kaltblüter trotzen dem Regen. Hühner laufen zum Zaun mir entgegen in Erwartung auf Futter. Mir erscheint schmutzige Politik nebensächlich gegen die heilsamen Wunder der Natur.




Wenige Kilometer entfernt vom zentralen Rathausplatz sprießen Fliegenpilze aus dem feuchten Herbstboden. Birnen und Haselnüsse liegen in  verschwenderischer Menge auf den Wegen, an denen zuvor wir im Sommer an den Hecken am Wegrand Brombeeren gepflückt haben.



Der Eichbergweg führt hinter dem Haus direkt in den Wald. In der Ferne blickt man nach Franken, was für die Menschen in Sonneberg für Jahrzehnte ein fremdes, verschlossenes Land geblieben war. Jetzt erreicht man es mit dem Fahrrad in zehn Minuten.



An grauen Nachmittagen führen mich kleine Radtouren in die verlassene Umgebung Richtung Westen. Das Gebiet war gesperrt in früheren Zeiten, in den vor früheren Zeiten als hoch gesichertes Gelände zur Kriegsproduktion.



Hier geht es westlich von Bettelhecken in die dunkelste Periode der Vergangenheit: In Zwangsarbeit entstanden hochwertige Rüstungsgüter der damaligen Zahnradwerke.




Der Weg in dies ehemalige Sperrgebiet vergangener Jahrzehnte führt durch verlassene Naturschutzgebiet. Im lauschigen See springt ein dicker Fisch übermütig in die Höhe.




Nach aufwändiger Recherche lassen sich Internet Spuren der ehmaligen Rüstungsbetriebe finden. Umso erstaunlicher, dass sich von den weitläufigen über- wie unterirdischen Anlagen heute keine Bilder mehr finden lassen.


Nächtliche Alpträume

Bald zwei Monate lang hält mich die Organisation der Arbeiten am alten Haus in Atem, das länger als ein Jahr lang unbewohnt und verwahrlost war. Schlaflose Nächte bereiten mir Terminabsprachen mit Handwerkern, eingeforderte Kostenvoranschläge, damit die Thüringer Aufbaubank den Sanierungsbonus gewährt.Wie mein Wisch-, Wasch-, Nähr- und Plärrbär sich in dieser für uns ungewohnten riesigen Fläche einmal einrichten will und wird, ist mir bislang vollkommen schleierhaft.

Nach den grob gezeichneten Plänen verfügt das Haus über 12 Räume.

Nr.   Raumbezeichnung           m x m           Abzugsfläche           Grundfläche qm

01. Wohnzimmer unten            4,00 x 3,10                                                  12,40
02. Schlafzimmer unten            4,00 x 3,50                                                  14,00
03. Küche unten                      4,30 x 3,75                                                  16,82
04. Bad unten                          1,65 x 3,74                                                    6,17
05. Abstellraum unten              4,00 x 3,74                                                  14,96
06. Wohnzimmer oben             5,00 x 3,30                                                  16,50
07. Schlafzimmer oben             3,80 x 3,60                                                  13,68
08. Flur oben                           2,30 x 2,70                                                    6,21
09. Balkon                               2,70 x 1,20             2,43                                0,81
10. Küche oben                       3,50 x 3,32                                                  11,62
11. WC oben                           1,40 x 3,32                                                   4,64
12. Arbeitszimmer oben            3,80 x 3,32                                                 12,60
14. WC unten                           0,90 x 0,90                                                   1,80
15. Flur unten                           2,50 x 1,20                                                    3,00
                                                                                                                    ------
                                                                                                                  135,22
  
So zielsicher, flink und sorgsam sie mit den ihr vertrauten Geräten wie Herd, Waschmaschine, Besen und Wischmob hantiert, so hilflos ist sie mit dem Computer, obgleich sie mehr als 20 Jahre mit mir die Chance hätte haben können, tiefer in digitale Gefilde vorzudringen. So dauert es am Telefon etwa eine Stunde geduldigster Beratung und Anweisung, bis sie die Anlage einer E-Mail vom Rechner auf den Drucker zu Papier bringt. Jubelnd beginnt sie ihren Sonntag damit, dass ihr eine E-Mail zu einem Angebot ein frohes Herz gemacht habe. Mein Beharren darauf, welche E-Mail sie meine, von wann und von wem, macht ihr das Herz wieder schwer. Verärgert bricht sie in künftiger Manier einer leicht erzürnbaren Schloßherrin und Dame von Welt wie eine erzürnte Diva das Telefonat ab. Hysterische aufbrausende Weibsgefühle sind das Letzte, was mir in dieser angespannten Situation der Hausrenovierung, des bevorstehenden Umzugs taugt. Der Wechsel vom einst so schmiegsamen, biegsamen, fügsamen Marktweiblein zur Miteigentümerin eines Hauses mit Garten schadet ihr sichtlich - und mir dazu. So anstrengend die Weihnachtsmärkte in Bamberg waren für uns, vor 10 Jahren schien mir unser Leben leichter und unbeschwerter zu sein. Ob wir in 130 Quadratmetern so glücklich zusammen sind wie in ihrer einstigen Weihnachtsmarkthütte von 12 Quadratmetern?



Ob sie mir wieder erträglich sein wird, wo mich das Jahr 2019 abgesehen von wenigen heimischen Tagen in der Einsamkeit meines Wohnmobils nicht gerade hat geduldiger werden lassen, bleibt abzuwarten. Zur Not gilt der Wahlspruch meines Freundes, der sich nach seinen letzten Reisejahren durch Südamerika in der Saison 2019/2020 mit seiner Freundin eine Jahr Australien gönnt. Sein Motto lautet.
Die Heimat des Abenteurers ist die Fremde.

Merkwürdig, wie mir Welt und die Menschen zunehmend fremder werden. Bislang war mir mein Wisch-, Wasch-, Nähr- und Plärrbär zumindest halbwegs vertraut, In Ahnung des Kommenden behandelte schon im März 2019 mein Blog das Thema  "Vom Haus in die Hauslosigkeit". 




Doch im März ging es für drei frohe, freie Monate ins Frühling erwachende Frankreich, bis die Fernsehantenne ihre Mitarbeit bei Wind und Wetter in Montpellier einstellte. Doch vom Oktober 2019 bis zum März 2020 liegt noch ein langer, kalter Winterweg vor uns. Es fröstelt mich bei dem Gedanken an unser 90 Jahr altes Haus mit feuchten Kellern und Wänden, in dem noch kein einziger Heizkörper wärmt.




Die abwechselungsreiche Woche wird erstmals an mein Wohnmobil einen Umzugswagen anhängen, um eine erste Fuhre aus München nach Sonneberg zu schaffen. Mein fleißiges Frauchen hat mehr als 50 Bananenkartons aus umgebenden Geschäften gesammelt und mit unseren Siebensachen gepackt. Eine schwere, doch schöne, sicher eine aufregende Zeit voller Geheimnisse und

Kommentare:

Multiversum9 hat gesagt…

Hey! Auf dem einen Foto bin ja ich!

Gudrun Enigmayr hat gesagt…

Oh, oh, oh, werter n0by,
aus dem Quengeln des Ehegesponses wurde nun Geplärr, von Hysterie ist auch schon die Rede, eine gewisse Anspannung ist nicht zu übersehen… Und zu den steilen Treppen im neuen Haus haben sich Fliegenpilze im Walde gesellt. Passen Sie auf sich auf!

chan hat gesagt…

Wtf???

ulrichthomas hat gesagt…

. nichts Schlimmeres als plärrene Marktweiber

Fritz, der Schweizer hat gesagt…

Vielen Dank für Deinen famosen Blog. Ausgehend vom "Der kleine Akif" bin ich jeweils auf Deiner Seite gelandet. Einfach toll Deine Berichte und die wunderschönen Fotos. Guten Um- und Einzug ins neue Heim wünscht Dir, plus Frau, Fritz aus der Schweiz.